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Dass die NYHC-Legende MERAUDER sich auf Abschiedstour befindet, bedeutete „Jetzt oder nie!“ für mich, denn bisher kannte ich das brachiale Crossover-Kommando lediglich aus der Konserve. Dankenswerterweise verschlug es die Band nicht auf eine „EMP Persistence Tour“ oder ähnlichen Scheiß in die Markthalle, sondern für einen muckeligen Club-Gig ins Logo. Dort war ich nun auch schon wieder länger nicht gewesen, doch jedes Mal, wenn ich „die schwarze Box“, wie mein Vater sie zu nennen pflegte, sehe, werden Erinnerungen an alte Zeiten geweckt, als dort noch regelmäßig Oi!-Konzerte stattfanden und sich stets ein großer Pulk vor der Tür versammelte, bis die Bierbuddeln auf der Straße klirrten, ich mit meiner Palette Karlsquell mittendrin. Schöne Erinnerungen, aber alles Schnee von gestern. Jetzt war’s ein kalter Mittwoch, Karlsquell gibt’s nur noch als Malzbier und vor der Tür waren lediglich vereinzelte Raucher anzutreffen.

Dem Wochentag geschuldet war das Logo ungefähr zur Hälfte bis zu zwei Dritteln gefüllt und DEATHBEARER beendeten als lokaler Opener die Entspannungsmucke, die über die Anlage dudelte, mit Nachdruck: In nur knapp 20 Minuten prügelte und brüllte sich der Drummer/Shouter des Quartetts in Personalunion voller Inbrunst und mit ultrabrutalem Punch durch das Set, während die crunchigen Klampfen extra viel Feedback erzeugten und sich auch nicht vor Soli scheuten. Ein fetter, noisiger HC/Metal-Hassbatzen, der dem Logo splitternd ins Gebälk krachte.

Nach der ersten Pause standen die Hamburger BROTHERS IN ARMS auf der Bühne, die MERAUDER auf der Tour begleiten. Das wurde zwar nicht der befürchtete Breakdown-Overkill, aber dennoch reichlich prollig mit viel Gelaber, letztendlich einfach nicht meine HC-Baustelle. Teile des Publikums waren aber aufgetaut und zogen vor der Bühne ihre Show ab.

Aber dann: MERAUDER! Die gut aufgelegte Band zockte sich vornehmlich durchs 1995er „Master Killer“-Debüt und drückte mit ihrem wuchtigen HC/Thrash-Sound kräftig in die Fresse. Das sind „richtige“ Songs mit hohem Wiedererkennungswert, dazu das derbe Organ Jorge Rosados, das keine Gefangenen macht. Prollo-Gehabe haben MERAUDER offenbar nicht nötig, sondern hinterließen einen sympathischen Eindruck. Rosado stellte seine Bandmitglieder vor und holte später sogar ein Kind aus dem Publikum auf die Bühne, von dessen Rand aus es den Rest des Gigs verfolgen durfte. Höhepunkte waren natürlich „Life Is Pain“, „Mirror Shows Black“ und „Master Killer“ und vor der Bühne ging’s bisweilen auch gut rund. ‘ne Zugabe besiegelte den Abend und angesichts der Hochform, in der sich die Band befand, ist es schade, dass sie zukünftig nicht mehr für Live-Gigs zur Verfügung stehen will. Wie stark die alten Songs sind, wurde an diesem Abend jedenfalls noch einmal bewusst. Macht’s gut, MERAUDER!