Gnnis Reviews

Author: Günni (page 1 of 84)

01.11.2019, Bambi Galore, Hamburg: SCREAMER + HITTEN + FRENZY + INSANE (+ GRAVEHAMMER)

Der erste Novemberabend des Jahres trommelte alle Metal-Affinen, die Halloween überlebt hatten, mit einem fünf Bands starken Paket für arbeitnehmerfreundliche 20 Öcken zusammen und begann dementsprechend bereits um 20:00 Uhr, was wir nicht ganz geschafft hatten und somit nur noch den letzten Song der Kieler GRAVEHAMMER vernahmen, eine kompetent interpretierte Coverversion des BATHORY-Klassikers „Sacrifice“. Ansonsten hätten sie Death Metal gespielt, wie ich mir berichten ließ. Ich wertete das einfach mal als guten Einstieg in den Abend, der mich im Anschluss mit dem schwedischen Quartett INSANE positiv überraschte: Die 2009 gegründete Band hat nach zwei EPs und einer Split-Scheibe 2017 ihre erste Langrille „Evil“ mit schick-schäbigem Cover veröffentlicht und geht ähnlich unbedarft wie an ihre Namens- und Titelwahl (es gibt üffzig andere Bands selben Namens und mit „Evil“ gewinnt man ganz sicher keinen Innovationspreis) an ihren Sound heran. Von der Bühne schallte nämlich erfrischend unbekümmerter, ungestümer Oldschool-Thrash-Metal mit fieser Black-Thrash-Kante und postapokalyptischem Hall auf der garstigen Stimme. Der ließ schnell das etwas nervige Intro aus der Konserve vergessen und einen umso mehr über die Popperfrise des Sängers/Klampfers wundern. Freude bereitete auch der gern mal richtige Melodien einfließen lassende, grimassierende Bassist. War musikalisch genau mein Ding, sodass ich die Gelegenheit beim Schopfe packte und die LP einsackte, wofür ich sogar noch einen Aufnäher geschenkt bekam.

Die Spanier FRENZY existieren erst seit 2014, auf eine EP 2016 folgte 2019 das Debütalbum „Blind Justice“. Inhaltlich hat man sich ganz Superhelden-Comics verschrieben, spielt mit deren Ästhetik und bietet am Merch-Stand sogar ein eigenes Comicheft feil. Eigentlich war der GAU für ihre Tour eingetreten: Beide Gitarristen mussten kurzfristig absagen. Wie ein Metal-Superheld eilte jedoch Teufelskerl Johnny Lorca herbei, zog sich in einer Telefonzelle sein ihm Supergitarrenkräfte verleihendes Tiermusterhemd über und bot an, sich in nur drei Tagen das Set draufzuschaffen und parallel zu Verpflichtungen bei HITTEN die Comic-Nerds zu unterstützen. Anfänglich schien jedoch noch irgendein Superschurke seine Finger im Spiel zu haben, denn nach einem kurzen Intro-Playback gab seine Gitarre nur ein Knarzen über die P.A. von sich. Unbeeindruckt spielte die Band weiter, während die Techniker zunächst rätselten, um nach dem zweiten Song aber sämtliche Soundprobleme endgültig in den Griff bekommen zu haben. Der sehr laute, dominante und technisch beeindruckende Kopfgesang des seine Kräfte vermutlich von seinem magischen Vollbart erhaltenden Sängers war mir zunächst zu jodelig, aber mit der Zeit gewöhnte ich mich an ihn und je mehr er in den Gesamtsound mit nun ja vernehmbarer Gitarre eingelassen wurde, desto besser klang er. Er passte ohnehin gut zum Amalgam aus klassischem Heavy Metal und starken US-Metal-Einflüssen, das mit dem vierten Stück sogar eine schöne Speed-Nummer ausspuckte, um sich dann wahnsinnigerweise an DOKKENs „Dream Warriors“ aus dem „A Nightmare on Elm Street III“-Soundtrack zu versuchen. Da brauchste schon ‘nen arschtighten Groove und musst verdammt hoch mit der Stimme kommen, um das nicht zu versauen. Das gelang jedoch durchaus passabel, vermutlich bezog Bassist Choco seine Superkraft aus seinen Blitzleggins. Mit „Save Me“ folgte der Song vom Promo-Video-Clip, der mit einem schön eingängigen Refrain und gerade zum Ende hin fantastischem Gitarrenspiel ausgestattet wurde, bevor ein weiterer Speedster das Ende eines Auftritts zwischen manch Metal-Großtat und etwas kitschigem Pathos einläutete, der mich mehr als nur einmal an meine Kindheit in den ‘80ern erinnerte. Sänger Anthony kündigte an, beizeiten mit zwei Klampfen wiederkommen zu wollen, während Johnny sich bereits in Verhandlungen befindet, auf der nächsten IRON-MAIDEN-Tour alle drei Gitarristen zu ersetzen…

HITTEN, Johnnys eigentliche Band, kamen ohne Intro aus, gönnten sich dafür aber einen Line-Check. Wie FRENZY kommt man aus Spanien und spielt seit 2011 auf mittlerweile drei Langdrehern und einer EP rostfreien Edelstahl mit Speed-Ausflügen, von dessen Qualitäten ich mich auf dem letztjährigen Headbangers Open Air überzeugen konnte. In nun komplett voller Bude machte die Band mit den offenen Haaren und Hemden von vornherein ordentlich Rabatz und sorgte für ausgelassene Stimmung. Wer sich derart beeindruckend wie die beiden Gitarristen die Soli untereinander aufteilt, einen geilen Twin-Lead nach dem anderen fiedelt und sich sogar fette Twin-Soli aus den Rippen leiert, darf dann auch posen wie die ganz Großen. Tat man dies gerade nicht, rannte man auf der kleinen Bühne hin und her, wodurch der Gig sehr bewegungsreich, geradezu wuselig anmutete. Zwischendurch verschwanden beide Gitarreros sogar im Publikum, wo sie von zahlreichen Bangern freudig in Empfang genommen wurden. Ein separater Slot für ein Gitarrensoloduell der beiden ging nahtlos in den nächsten Song über. Die Lässigkeit, mit der hier hochkarätiger, flotter Metal, der stilistisch irgendwo zwischen RIOT und ENFORCER anzusiedeln ist, dargereicht wird, ist mehr als beeindruckend und macht HITTEN zweifelsohne zu einer der zurzeit besten Livebands auf diesem Sektor, HITTEN sind die bandgewordene Spielfreude und zelebrieren vollendet veredeltes Spitzenmetall. Da nahm auch der Letzte allein schon aus Respekt die Hände aus den Hosentaschen, zu Forderungen nach Zugaben ließ sich unverständlicherweise dennoch niemand hinreißen. Nichtsdestotrotz dürfte hier wirklich jeder auf seine Kosten gekommen sein, möglicherweise sogar die Vollbedienung erfahren haben, nach der nichts mehr ging.

Anders kann ich es mir kaum erklären, dass sich die Reihen zu den schwedischen SCREAMER etwas lichteten. Die einzige Band des Aufgebots, die bereits im vergangenen Jahrzehnt existierte – man fand 2009 zusammen –, blickt neben einer EP auf bereits vier Alben zurück. Ende 2013 hatte ich sie schon mal im Bambi live gesehen und meinen Spaß, seitdem hatten sich unsere Wege nicht mehr gekreuzt. Die Becken indes hängt der Punk am Schlagzeug noch immer rekordverdächtig hoch, außerdem erweiterte er das Drumkit um eine zweite Bassdrum. Auf ein sehr atmosphärisches eingespieltes Intro und den Opener folgte sogleich mit „Demon Rider“ mein bisheriger persönlicher Hit der Band, bevor es mit dem neuen Song „Shadow Hunter“ weiterging. Das jüngste, hier betourte Album „Highway of Heroes“ hatte ich vorab noch nicht gehört. Natürlich war das Set mit mehreren neuen Nummern gespickt, so auch dem Titelsong, der sich als astreiner Mitgröler entpuppte – wie überhaupt das ganze Album sich als das bisher stärkste der Band herausstellte. SCREAMER galvanisieren ihren klassischen Sound mit Twinguitars, ballernden Double-Bassdrums und eingängigen Refrains, was grob zusammengefasst das Bandkonzept zu sein scheint, wobei mir die Refrains gerade in der Vergangenheit mitunter etwas zu bemüht in Passform gegossen wurden und nicht alle zündeten. Die Hitdichte war diesmal jedoch relativ hoch. Dass man hingegen „Screamer“ gar nicht spielte, wunderte mich, hielt ich jene Nummer doch für so etwas wie ihren Signature Tune. Die Rufe nach Zugaben wurden leider ignoriert. Alles in allem war’s aber ein ebenfalls sehr unterhaltsamer Gig, dem beizuwohnen und dabei paar Bierchen zu zischen echt Laune machte und mich motivierte, mich mal in Ruhe musikalisch auf den „Highway of Heroes“ zu begeben. Und der kann auf jeden Fall mehr als der Trampelpfad of Trottels oder so.

Das war’s dann auch fürs Erste aus dem Bambi, in dessen großem Bruder, dem angrenzenden Kulturpalast, am 23.11. das „True Thrash Fest“ lockt, auf das ich mich schon lange freue wie Bolle und von dem ich natürlich ebenfalls berichten werde. Bis dahin aber zehre ich von diesem äußerst gelungenen Abend, der übrigens unter dem vollmundigen Motto „Shock & Adrenaline over Hamburg“ stand – kein Wunder also, dass wir nicht sofort in die Koje fanden, sondern uns im Café Treibeis noch bei ein paar Absackern erholen mussten, wozu the one and only DJ Kernseife den Soundtrack lieferte.

Frank Schäfer – Alte Autos und Rock’n’Roll. Der rasende Rezensent I

Der Braunschweiger Frank Schäfer dürfte einer der umtriebigsten popkulturellen Autoren sein, die Deutschland zurzeit zu bieten hat. Auf „Generation Rock“ folgten „Homestories. Zehn Visiten bei Schriftstellern“ und „Woodstock ’69. Die Legende.“, die ich beide nicht gelesen habe. Bei „Alte Autos und Rock’n’Roll. Der rasende Rezensent I“ jedoch, dem Auftakt zu einer neuen losen Reihe von Rezensions- und Essaysammlungen, musste ich jedoch wieder zugreifen, vereint er doch einmal mehr jüngere Texte aus Zeitschriften wie dem „Rolling Stone“ und der „Sounds“, Tageszeitungen wie der „Neuen Zürcher Zeitung“, der „jungen Welt“ und der „taz“ sowie den Online-Angeboten des „Spiegels“ und der „Zeit“. Erschienen ist dieser rund 180 Seiten umfassende Band im broschierten Taschenbuchformat 2010 im Münsteraner Oktober-Verlag.

24 Kapitel lang setzt sich der Doktor der Philosophie und ehemalige Heavy-Metal-Musiker nicht etwa nur mit Rock’n’Roll, sondern mit weit mehr, was ihn irgendwie beschäftigt hat, auseinander. Auf ausführliche, sich in gewohnter Weise von den üblichen Kurzkritiken in Musikmagazinen abgrenzenden Schallplattenrezensionen treffen somit Beobachtungen der Neo-Hippie-Veranstaltung Burg-Herzberg-Festival und persönliche Einblicke in seine private musikalische Sozialisation, die in eine wunderschöne Thin-Lizzy-Ehrerbietung münden, spricht bzw. schreibt er mir aus der Seele, wenn er seine „Schwierigkeiten beim Hören schwarzer Musik“ darlegt (nicht, dass ich es nicht noch mal probieren würde!) oder den sozialen Aspekt von Gesellschaftspiele-Abenden anzweifelt, gibt er The Human League eine Mitschuld am Tode Lester Bangs, setzt er sich mit seinen eigenen Steckenpferden, den Rockromanen und Musikkritiken, kritisch auseinander und unterhält er sich mit Kulturtheoretiker und Schriftsteller Klaus Theweleit über Jimi Hendrix. Schäfer hat auch gelesen, was Greil Marcus über Bob Dylan geschrieben hat, verfasste einen Nachruf auf Popkritiker Helmut Salzinger und den legendären britischen Radio-DJ John Peel und besuchte – einer meiner Favoriten dieser Sammlung – die Comiczeichner Mawil und Kleist in Berlin.

Am tiefsten beeindruckt hat mich Schäfer diesmal jedoch mit seiner klugen Erklärung der Peter-Pan-Obsessionen Michael Jacksons, die er zum Aufhänger nimmt, durchaus auf andere Personalien übertragbare Rückschlüsse auf eine versäumte Kindheit zu ziehen. Und damit nicht genug: Wie er in „Nur eine Nacht“ das Wiedersehen eines ehemaligen Liebespaars auf einem Thin-Lizzy-Reunion-Konzert detailliert nacherzählt, vereint, was Schäfer so häufig ausmacht: Sein sensibles Gespür für Musik und für menschliche Biographien sowie sein von Melancholie geprägter Blick in die Seelen seiner Protagonistinnen und Protagonisten vor dem Hintergrund unerbittlich verrinnender Zeit, was positiv an seine Rockromane erinnert, die es sich in meinem Regal zwischen Salinger und Schamoni längst gemütlich gemacht haben.

Sicher, sein Bericht vom Wacken Open Air 2007 liest sich reichlich verklärend – vielleicht handelte es sich aber auch tatsächlich um das letzte W:O:A dieser Art, bevor man dort für Geld bereit wurde, so gut wie alles zu tun. Das Schöne an allen Essays Schäfers ist es jedoch, dass sie quasi nie theoretisch sind; ganz so also, wie es wirkliches Essays voraussetzen: Sie scheinen auf persönlichen Erlebnissen und Begegnungen oder eben der eigenen offenen und ernsthaft interessierten Herangehensweise an seine unterschiedlichen Themen zu beruhen. Daraus resultiert, dass man sich gar nicht selbst für all diese zu interessieren braucht; es reicht vollkommen, sich für Schäfers erzählerischen Schreibstil zu erwärmen. Dieser ist glücklicherweise meist vor allem in Bezug auf eine angenehme und gut rezipierbare Sprachästhetik anspruchsvoll, aber auch erneut mitunter durchaus herausfordernd – zumindest habe ich für mich neue Wörter wie „konzis“ (offenbar sein damals neues Lieblingswort, das er etwas über Gebühr strapaziert), „inkommensurabel“, „kregel“, „Inauguratoren“ und „Epiphanie“ gelernt.

19.10.2019, Bambi Galore, Hamburg: F.K.Ü. + SPACE CHASER + FIRST AID

Thrash-Sause im Bambi, und das auch noch auf ‘nem Samstag, also Erkältung ignoriert und sämtliche Bedenken in Bezug auf den tags zuvor frisch tätowierten Fußrücken über Bord geworfen und nix wie hin! Man hatte gut daran getan, sich Karten im Vorverkauf zu sichern, denn im Laufe des Abends musste die Abendkasse tatsächlich „Ausverkauft!“ vermelden. Ähnlich sah es kurioserweise offenbar im angrenzen Kulturpalast aus, in dem irgendeine Rockband, die eigentlich niemandem geläufig ist (jemals von TAKIDA gehört?), bereits im Vorverkauf 750 Tickets abgesetzt hatte. Scheint sich um den jüngsten Hype der Musikindustrie zu handeln. Gänzlich ungehypt sind FIRST AID, jene seit Ende des vergangenen Jahrtausends aktiven Berliner Thrasher, die kurzfristig ins Aufgebot gerutscht waren und pünktlich den Abend vor beachtlicher Zuschauerzahl eröffneten. Geboten wurde, um diesen Begriff einmal auf dieses Subgenre auszudehnen, flotter Kumpel-Thrash mit zwei Klampfen, der nicht nur aufgrund des T-Shirts des Bassmanns an alte TANKARD erinnerte: Punkiger Touch, paar Sauflieder dazwischen, an der Flasche hängender Sänger. Dieser hatte anfänglich Probleme, sich stimmlich gegen das Geschrote der Saiten- und das Geboller der Drum-Fraktion durchzusetzen, was die Mischer aber im Laufe des Sets in den Griff bekamen. Idealer Opener, der in die richtige Stimmung versetzte und entsprechend goutiert wurde!

Den Merch-Tresen hatte man in den Restaurantbereich verlagert, dessen Theke ebenfalls geöffnet war und Gezapftes anbot, die Terrasse war mit regengeschützten Sitzmöglichkeiten ausgestattet worden und lud auch dank eines warmen Feuerchens zum Verweilen ein. Zwischen den Räumen trieb sich Traummann Freddy Krueger höchstpersönlich herum. Hielten wir ihn zunächst für einen Show-Act des schwedischen Headliners, dessen Name ein Akronym für „Freddy Kruegers Ünderwear“ ist, entpuppte er sich als eigens vom Veranstalter gebuchter Darsteller Sven Martensen, der sich bereitwillig mit einem fotografieren ließ und im Gegenzug lediglich darum gab, ihm ein Facebook-Like dazulassen, um seine Popularität zu steigern. Er ist auch als Fantomas, Stormtrooper, Spiderman etc. zu haben. Ein schöner Spaß!

SPACE CHASER, ebenfalls aus Berlin, erfreuen sich einiger Beliebtheit und stechen seit jeher aus dem Wust aktueller Thrasher hervor. Zwar ist der AGENT-STEEL-beeinflusste Speed-Thrash der Ufo-Paranoiker und „Skate Metal Punks“ mit Bruce-Dickinson-Gesang nicht hundertprozentig mein Fall, aber mit der Split-LP mit DISTILLATOR hatten sie auch mich und live knallt das sowieso alles gut. Den Gesangsstil empfand ich zu Beginn wieder als gewöhnungsbedürftig, aber das legte sich schnell und war spätestens mit dem äußerst gelungenen NEGATIVE-APPROACH-Cover „Tied Down“, das bereits als dritter Song von der Bühne schepperte, komplett vergessen. Die Band spielte sich in einen einzigen Rausch, steigerte das Aggressionslevel und nahm das Publikum mit. Sänger Siggi ging voll und ganz in seiner Performance auf, lieferte ein irres Mienenspiel, gestikulierte aufgekratzt und sang, was die Kehle hergab. Auch seine Bandkollegen waren echte Aktivposten, Gitarrist Leo machte den Propeller und crowdsurfte gegen Ende gar durchs Publikum, das seinerseits ausgelassen zappelte und moshte. ‘ne Zugabe war Pflicht und als die Stimmung auf dem Siedepunkt war, war Schluss. Pause, Bierchen, Kippchen.

Das schwedische Quartett F.K.Ü. gründete sich anscheinend bereits 1987, existierte aber zunächst nur für eine kurze Zeit und wurde erst ab 1997 wirklich aktiv. Mittlerweile hat man bereits fünf Alben veröffentlicht, die sich vornehmlich mit Horrorfilmen auseinandersetzen. Mit der jüngsten Langrille „1981“ widmet man sich gar ausschließlich Horrorfilmen aus eben jenem Jahr, das, wie ein Blick auf die Titel zeigt, ein für das Genre gutes war. Seltsamerweise wurde ich erst mit „1981“ auf die Schweden mit dem albernen Namen aufmerksam, zu unterrepräsentiert waren sie in der hiesigen Fachpresse. Ich frohlockte angesichts des nerdigen Konzepts sowie des zu erwartenden Oldschool-Thrashs irgendwo zwischen EXODUS und BLOOD FEAST sowie etwas ‘80er-Crossover und wollte außerdem die Gelegenheit nutzen, mir endlich das „1981“-Vinyl einzutüten. Die Vier schienen bis kurz vorm Gig noch im Kohlenkeller des Bambis geschuftet oder sich als Schornsteinfeger verdingt zu haben, denn völlig verrußt betraten sie die Bühne. Dazu erklang ein an ‘80er-Genrefilm-Soundtracks gemahnendes Synthie-Intro – und kurz nachdem ich dachte, dass es in diesem Stil eigentlich auch gern weitergehen könnte, ritten die Unterhosenfetischisten ihre erste Thrash-Attacke. Auch nicht verkehrt, ganz im Gegenteil. Der Sänger in seiner Vestron-Video-Kutte stellte seine Band als „Eff! Käi! You!“ vor, woraufhin Teile des Publikums widersprachen, doch das „Ü“ konnte der Gute offenbar nicht aussprechen. Dafür verstand man es aber perfekt, einen Kracher nach dem anderen herauszubrettern, aufgrund der würzigen Kürze vieler Songs in beträchtlicher Quantität. Die meisten Songs handelten erwartungsgemäß von Horrorfilmen und stammten vom aktuellen Album, ein paar kündeten aber originellerweise auch vom Moshen und von Metal. Ob „Nightmare in a Damaged Brain“, „The Funhouse“ oder die Abrissbirne „The Prowler“ über den unterbewerteten gleichnamigen Slasher – das lief alles genauso gut rein wie ein B-Movie-Videoabend. Zwischendurch zitierte man Freddy (s.o.) auf die Bühne oder machte ein paar prägnante Ansagen, ansonsten gab’s permanent gut auf die Zwölf. Vor der Bühne war ordentlich Bewegung, fußbedingt zog ich es aber vor, mich weiter hinten aufzuhalten – was indes auch nicht verhinderte, dass mir zumindest einmal jemand voll draufstolperte. Egal, ich erfreute mich am grandiosen DEATH-Cover „Evil Dead“ und beteiligte mich am Ende bei den erfolgreichen Forderungen nach einer Zugabe. Anschließend sackte ich das Vinyl ein, genehmigte mir zusammen mit meiner ebenfalls sehr angetanen Freundin ‘nen Absacker und wunderte mich darüber, dass eine Band dieser Qualität und mit dieser langen Historie, die mal eben das Bambi ausverkauft, sich tatsächlich erstmals nach Deutschland begeben hat. Tags zuvor hatten F.K.Ü. in Rostock gezockt, einen Tag später ging’s nach Berlin – das waren die ersten drei Deutschland-Gigs überhaupt! WTF?! Umso schöner, dabeigewesen zu sein; ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen! (Oder ein Konzeptalbum über 1982…)

Hollywood Story: Der ultimative Guide zu Batman

Anlässlich des 80. Geburtstags der Comic- und Filmfigur Batman veröffentlichte der New Yorker Centennial-Media-Verlag 2019 einen 104-seitigen A4-Band mit Klebebindung und Cover aus festem Kartonpapier, der auch ins Deutsche übersetzt wurde und in den Filmzeitschriftenabteilungen der Bahnhofskiosks für 9,80 € erhältlich war. In einem äußerst ansprechenden, professionellen, hübsch bunten Layout inkl. vieler toller Abbildungen werden Hintergrundinformationen zur Entstehung der Comic-Figur und, begleitet von durchaus kritischen Worten, ihrer Schöpfer geliefert, bevor es natürlich zunächst um die klassischen Comics geht. Anschließend widmet man sich Batmans Sidekick Robin, der komödiantischen Fernsehserie aus den 1960ern , Batmans Helfern und Femmes Fatales, seinen „zehn übelsten Gegenspielern“, seinem Kostüm, seinem Batmobil und seiner Bat-Höhle. Recht ausführlich werden die verschiedenen Verfilmungen (inkl. Lego-Film) abgehandelt, wobei ein starker Fokus auf die jeweiligen Schauspieler gelegt wird. Das ist sogar etwas zu viel des Guten, aber, ok – schließlich befindet man sich ja in einer „Hollywood Story“. Ohne wirklich in die Tiefe zu gehen schlägt man auch kritische Worte zur einen oder anderen umstrittenen Kino-Adaption an. Leider zog man nur eine einzige Zeichentrickserie heran, die beliebte „Batman: The Animated Series“ aus dem Jahre 1992, andere Zeichentrickauftritte des dunklen Ritters werden lediglich am Rande erwähnt. Abschließend werden einige Sammlerstücke exemplarisch vorgestellt, wird knapp auf Kuriositäten wie die Batman-Achterbahn, eine Batman-Briefmarke oder Batman-Lego-Crossover-Videospiele eingegangen und als Rausschmeißer ein furchtbar unvollständiger und damit komplett überflüssiger Zeitstrahl untergebracht.

Bei der Fülle an Themen und dem starken Augenmerk auf Batmans Leinwandadaptionen liegt es in der Natur der Sache, dass vieles lediglich oberflächlich angerissen wird. So sind z.B. insbesondere die Schurken des Batman-Universums kongeniale Geniestreiche – eine vollständige Übersicht über alle wiederkehrenden Gegenspieler(innen) wäre toll gewesen. Auch hätte ich mir gewünscht, dass in Bezug auf die Comics mit Begriffen wie Silver oder Golden Age gearbeitet worden wäre. Auf die deutschen Comicausgaben wird leider mit gar keiner Silbe eingegangen. Im Filmteil hätte ich gern mehr über die alten Kurzfilmreihen erfahren. Auch eine vollständige Übersicht über die verschiedenen Zeichentrickadaptionen wäre wünschenswert gewesen. Nahezu unverzeihbar ist der vollständige Verzicht auf Actionfiguren innerhalb dieses Bands.

Dennoch: Für einen mehr als nur groben Überblick ist diese Ausgabe durchaus geeignet, Batman-Fans dürften beim Durchblättern allein schon aufgrund der vielen Abbildungen ihre Freude haben und vielleicht das eine oder andere wieder- oder neu entdecken. Die Texte habe ich als frei von orthographischen Fehlern in Erinnerung, der Genitiv war jedoch kein Freund des Übersetzers oder der Übersetzerin. Aufgrund seines hochwertigen Hochglanzpapiers ist „Der ultimative Guide zu Batman“ auch ein schönes haptisches Erlebnis. Ein etwas weniger marktschreierischer Titel hätt’s jedoch auch getan. Und ich bin um die Erkenntnis reicher: Ich muss endlich mal die Batman-Filmographie komplettieren…

04.10.2019, Semtex, Hamburg: THE IDIOTS + SCUMFUCK OUTLAWS + BOLANOW BRAWL

„Schneller, härter, konzerter!“

Wir hatten schon im Skorbut gespielt, im Kraken, im Menschenzoo und nun auch im Semtex. Dabei handelte es sich um den immer selben laden, der alle paar Jährchen Namen und Betreiber wechselt, aber glücklicherweise bisher immer eine feste Adresse für Punk und Artverwandtes auf dem Kiez blieb. An eben diesem Ort sah ich vor zweieinhalb Jahren erstmals und endlich THE IDIOTS aus Dortmund, eine der dienstältesten deutschen Punkbands und fester Bestandteil meiner persönlichen musikalischen Punk-Sozialisation. Das war definitiv einer der Konzerthöhepunkte jenes Jahres. Mittlerweile hat die Band um Frontmann Sir Hannes das neue Album „Schweineköter“ am Start und betourt es ausgiebig – und in Hamburg durften wir die Vorturner machen!

An Equipment befand sich bereits fast alles vor Ort, sodass wir diesmal keine überdimensionierten Lautsprecher aus unserem Proberaum im sechsten Stock zu wuchten brauchen – das war schon mal äußerst angenehm. An fester Nahrung servierte man ein spitzenmäßiges Seitan-Gulasch ganz nach meinem Geschmack. Norman machte ‘nen 1A-Soundcheck mit den IDIOTS und anschließend mit uns, woraufhin wir noch auf ein Gezapftes bei Hermann im Osbourne einkehrten und herumalberten. Nach unserer Rückkehr gegen 21:45 Uhr scheuchte man uns sofort auf die Bühne. Da wir es leider in den letzten Wochen vorm Gig nicht mehr geschafft hatten, alle gemeinsam zu proben (irgendjemand fehlte immer), verschoben wir die Live-Präsentation eines generalüberholten Songs und spielten dasselbe Set unserer Mini-Tour mit THE NILZ aus dem Frühjahr. Während des Soundchecks hatte mein Gesang auf dem Weg von der Kehle in die P.A. irgendwo einen Wackelkontakt erlitten, weshalb das Kabel ausgewechselt worden war. Während unseres zweiten Songs „Brigitte Bordeaux“ stellte sich heraus, dass mitnichten das Kabel, sondern das Mikro schuld war. Nachdem auch das ausgetauscht worden war, gab’s glücklicherweise höchstens noch selbst verursachte Probleme wie ein paar wenige Verspiele oder die obligatorischen Nachstimmpausen, ansonsten flutschte der Gig gut durch. Die Bude war mehr als ordentlich gefüllt, vorne brachten wir nach der technischen Panne ein paar Leute zum Tanzen und konnten uns auf einen stilsicher in ein 1323-Shirt gewandeten Herrn verlassen, der fast jede unserer Darbietungen mit „Da geht noch was!“ oder „Schneller! Lauter! Härter!“ in unterschiedlichen Variationen kommentierte – und tat er es mal nicht, fragten wir ihn nach seiner Einschätzung, bevor wir weiterspielten. Kurioserweise stand unmittelbar neben diesem Partyboy ein Pokerface, das uns den gesamten Gig über skeptisch beäugte, ansonsten aber keine Miene verzog und sich keinen Millimeter bewegte. Welch Kontrast! Da unsere Monitorbox ihre Belastungsgrenze erreicht hatte und ich mich nur ziemlich leise hörte, bin ich dann und wann wieder in den Gegenanbrüllmodus verfallen, Spaß gemacht hat’s aber allemal und anschließend wat verkauft ham‘ wir auch.

„Semtex, Bier lauter!“

Im Vorfeld so gar nicht auf dem Schirm hatte ich die SCUMFUCK OUTLAWS, die die gesamte Tour mit den IDIOTS bestreiten, aber bis kurz vor Ultimo gar nicht in der Konzertankündigung genannt worden waren. Die aus Lünen/Dortmund/Bochum stammende fünfköpfige Band existiert bereits seit 2006 und zockt ‘ne ziemlich wuchtige Mischung aus Scumpunk/-rock à la ANTISEEN und Konsorten und aggressiver Hardcore-Kante – auf einem technisch beachtlichen Niveau. Ok, ist man nicht tatsächlich ein fertiger Südstaatenzottel, läuft diese Art von Musik Gefahr, aufgesetzt und gekünstelt statt authentisch zu wirken. Aber auch ohne mit Kot um sich werfen oder sich nackt in Reißzwecken zu wälzen konnten SCUMFUCK OUTLAWS kräftig auf die Kacke hauen und klasse Entertainment bieten, dem ich nicht vollständig und schon gar nicht konzentriert beiwohnen konnte, der aber schwer Laune machte und vor allem dazu einlud, den Gig mit reichlich Bier zu begießen. Würde ich mir auch noch mal gezielter und aufmerksamer anschauen.

Als THE IDIOTS loslegten, war ich längst komplett durcheuphorisiert und erwartungsfroh betrunken. Während Sir Hannes & Co. seinerzeit eine Art um die Hits des Comeback-Albums erweitertes Best-of-Set spielten, legten sie nun selbstbewusst den Fokus auf das neue Album „Schweineköter“. Wenn ich nicht irre, waren „Verseucht“ und „Fleischwolf“ vom „Amok“-Album weiterhin dabei, ansonsten noch ein paar alte Schoten vom Schlage „Der Idiot“, „Der S04 und der BVB“, „Tage ohne Alkohol“ und „EDEKA“. Die Stimmung war prächtig, ich schwang vor der Bühne nicht nur das Bein, sondern den ganzen Körper und brüllte lauthals mit, was mir an Texten geläufig war und die Stimmbänder noch hergaben. Sir Hannes trug mal Sonnenbrille und Plastiktüte überm Kopf, mal behängte er sich mit Wurst oder wanderte durchs Publikum. Fragt nicht nach Details, aber es ging wohl nicht ganz so chaotisch rund wie damals, und auch die Merch-Dame in Nonnenkluft blieb diesmal ohne Bühneneinsatz – doch auch mit dem neuen Album sind THE IDIOTS live eine absolute Macht um einen in aller Punkrock-Würde gereiften Frontmann, die eine unheimlich unterhaltsame, musikalisch wie optisch abwechslungsreiche Show bietet und aus einem breiten Repertoire an Hits schöpfen kann. Ich war jedenfalls sehr zufrieden mit allem, hab’s ordentlich krachen lassen und bedanke mich an dieser Stelle noch mal bei allen, die sich uns reingezogen haben, beim Semtex-Kulturkollektiv, beiden Bands und natürlich Flo für die Schnappschüsse unseres Gigs!

Patrick Cadot / Michel de Bom – Die phantastischen Abenteuer von Yvain und Yvon: Band 1 – Die Spur des Baphoment / Band 2 – König der Wölfe

In den alten Yps-Comicheften wurden neben in sich abgeschlossenen Episoden verschiedener Comicreihen i.d.R. auch Fortsetzungsgeschichten veröffentlicht. So gerne ich Yps damals als Kind gelesen habe, so wenig war daran zu denken, dass ich lückenlos die Hefte erwerbe bzw. erworben bekomme. Das führte dazu, dass ich Yps sehr unchronologisch las und daher die Fortsetzungsgeschichten zwar stets zur Kenntnis nahm, aber lediglich überblätterte. Eine, die mich mit ihren Zeichnungen am meisten faszinierte, war „Isegrims Abenteuer“ um einen Wolf mit leuchtend roten Augen, die ihre deutsche Erstveröffentlichung 1987 in Yps Nr. 592 fand und bis 1989 in Nr. 716 abgedruckt wurde. Es handelte sich um die Reihe „Yvain et Yvon“ der Belgier Patrick Cadot und Michel de Bom, die im Original 1985 erschienen war.

Der deutsche Feest-Verlag veröffentlichte 1988 und 1989 unter dem neuen Titel „Die phantastischen Abenteuer von Yvain und Yvon“ zwei jeweils rund 50-seitige Softcover-Alben in neuer Übersetzung von Petra Butterfaß, die ich anlässlich meiner Wolfs-Tätowierung antiquarisch erwarb. Yvain und Yvon sind Zwillingsbrüder im Kindesalter, von denen sich Yvon in den rotäugigen, sprechenden Wolf Ysengrin verwandeln kann. Dies halten die beiden vor fast allen anderen geheim und durchstehen gemeinsam aufregende, gefährliche Abenteuer.

Im Band „Die Spur des Baphomet“ befinden sie sich in den Ferien in Südfrankreich, wo sie mit der Sagengestalt des Baphomets konfrontiert werden und aufgrund ihrer Neugier, ihres Spürsinns und natürlich Yvons besonderer Fähigkeiten einem habgierigen Komplott um einen uralten Schatz der Templer auf die Spur kommen. In klar strukturierten, in den Größen variierenden vollfarbigen Panels wird in typischen frankobelgischen Zeichnungen eine spannend konzipierte Detektivgeschichte mit Fantasy-Elementen erzählt, die die Mythologie um den Baphomet und die Templer aufgreift und sehr frei adaptiert. Gepaart mit etwas Humor und skurrilen Erwachsenenfiguren wurde ein Comic zu Papier gebracht, der von seiner geheimnisvollen Stimmung und den sympathischen Protagonistin lebt, die ihr großes Geheimnis hüten und außerhalb der familiären Obhut über sich hinauswachsen. Damit ist er bestens für etwas größere Kinder geeignet sowie natürlich für alle Freunde des unverkennbaren frankobelgischen Zeichenstils. Abgerundet wird dieser erste Band durch eine Kurzvorstellung Cadots und de Boms.

Im zweiten Band „König der Wölfe“ geht es ins elsässische Tritenheim – und wesentlich härter zur Sache als in der vorausgegangenen Geschichte. Ysengrin vernimmt dank seiner Wolfsinstinkte eine innere Stimme, die ihn zum Treffen der Oberhäupter aller Wolfsclans lockt. Der Grund: Der neue König der Wölfe soll gewählt werden. Doch Tetramund, der noch amtierende Wolfskönig, wird von Baron von Wallenstein gefangen und dessen dekadenten Gästen vorgeführt..

„König der Wölfe“ entspinnt eine ganz neue, düstere Mythologie um die Gattung der Wölfe und klagt den Umgang der Menschen mit ihnen an. Tetramunds Gefangennahme und anschließende Befreiung ist dabei erst der Auftakt zu einer blutigen Eskalation mit Toten auf beiden Seiten, bei der die Wut der Zeichner auf trophäenjagende Adlige und ihre speichelleckende Gefolgschaft mehr als nur durchschimmert. Das ist konsequent, trotz einigen Humors auch traurig und bitter und somit sicherlich nichts für ganz junge Leserinnen und Leser. Für Freunde frankobelgischer Comics mit einem gewissen inhaltlichen Anspruch jedoch handelt es sich um eine lohnenswerte, berührende Entdeckung, die angesichts der Hysterie schießwütiger feiger Exemplare der Gattung Mensch aufgrund der Rückkehr des Wolfs in hiesige Gefilde aktueller denn je ist. Ich jedenfalls bin begeistert!

Schade, dass es mit dem bereits angekündigten dritten Band in Deutschland nichts mehr wurde…

U-Comix präsentiert #50: Max – Peter Pank, der Werwolf-Punk

Der spanische Comiczeichner Max alias Francesc Capdevila hat anscheinend ab 1983 insgesamt drei „Peter Pank“-Comics veröffentlicht, von denen es leider nur einer zu einer deutschen Übersetzung brachte: Die Peter-Pan-Parodie„Peter Pank, der Werwolf-Punk“ scheint aus dem Jahre 1987 zu stammen und wurde 1991 im Alpha-Comic-Verlag als Nummer 50 der sich an ein erwachsenes Publikum richtenden „U-Comix präsentiert“-Reihe u.a. in der mir vorliegenden großformatigen, 50-seitigen, vollkolorierten Softcover-Variante veröffentlicht.

Ein durchgeknallter, machthungriger Grufti reanimiert den eigentlichen toten Punkrocker Peter Pank, macht ihn aber mittels Gehirnwäsche zu einem willenlosen Sklaven mit dem Auftrag, Graf Dracula zu töten. Auf dieser Mission trifft Peter auf eine Gruppe Skinheads, die sich ihm zumindest zum Teil anschließt, und auf oben ohne herumflatternde bestrapste Elfen, deren Mutter sich prostituiert und die wiederum die rebellierende Punk-Elfe Karin kennenlernen. Ein paar Teds sind auch noch involviert und runden den subkulturellen Reigen ab. Der im Funny-Stil gezeichnete Comic setzt darüber hinaus vor allem auf Humor durch Überzeichnung, Spiel mit Klischees und Verwechslungen, versteht es aber auch, seine Geschichte in drei parallelen, erst gegen Ende zusammengeführten Handlungssträngen zu erzählen und dadurch interessant zu halten. Versetzt mit Fantasy- und Horrorelementen und abwechslungsreich mit variierenden Panelgrößen gestaltet, ist „Peter Pank, der Werwolf-Punk“ ein anarchischer, kurzweiliger Spaß, der auch ohne Kenntnisse der (hier sehr frei interpretierten und adaptierten, eher weitererzählten denn direkt parodierten) Peter-Pan-Geschichte problemlos funktioniert. Für comiclesende Punks ein Pflichtalbum, für Freunde spaßiger, letztlich aber eher harmloser Underground-Comics ebenfalls etwas für die Beuteliste – wenn nicht die gesamte „U-Comix präsentiert“-Reihe ohnehin längst im Regal steht.

Von Max ebenfalls dort erschienen ist das Album „Der geheime Kuss“, das verschiedene Kurzgeschichten enthält und ich sicherlich mitnehmen werde, wenn es mir mal in die Hände fällt.

Peter Osteried / Martin Hentschel – Simple Movie Porträt #7: Edwige Fenech

Der MPW-Verlag widmete sich in seiner achtbändigen „Simple Movie Porträt“-Reihe verschiedenen internationalen weiblichen Erotikfilm-Ikonen. Die 2010 erschienene Nr. 7 steht ganz im Zeichen Edwige Fenechs. Die algerischstämmige Tochter eines maltesischen Vaters und einer italienischen Mutter, die einst zur „Miss France“ gekürt wurde, begann ihre Karriere vor der Kamera 1967 mit mal mehr, mal weniger schlüpfrigen Komödien, avancierte in den 1970ern zu einem der weiblichen Aushängeschilder des italienischen Giallo und beackerte schließlich das Feld der Commedia Sexy all’ Italiana, bevor sie auf die Produzentinnenseite wechselte. Unter Freunden des europäischen Genre-Kinos genießt die attraktive Schauspielerin bis heute Kultstatus.

Die „Redateure“ (wie sie im Impressum bezeichnet werden) Peter Osteried und Martin Hentschel (nicht „Henschel“, wie peinlicherweise ebenfalls im Impressum angegeben) sind für die Texte dieses auf 84 Hochglanzseiten aus festem, hochwertigem Papier gedruckten Hefts verantwortlich. Diese spielen jedoch zunächst einmal nur eine untergeordnete Rolle angesichts der vielen erotische Fotografien der Fenech und all der Filmplakate und Aushangfotos in bestechender Qualität, die das Heft fast zu einer Art Bildband machen, in jedem Falle zu einer sehr vergnüglichen Materialsammlung, anhand derer sich anschaulich nachvollziehen lässt, wie Fenechs Filme damals beworben wurden und welche ihrer Attribute über ihr schauspielerisches Talent hinaus das Publikum ins Kino und in die Videotheken lockte. Hat man sich erst einmal sattgesehen, lohnt es sich aber auch, sich mit den Texten zu befassen: Auf ein knappes Vorwort Osterieds folgt Fenechs sich über mehrere Seiten erstreckende Vita, bis sich die minutiös abgebildete Filmographie als Herzstück auch dieses Bands herausstellt: Chronologisch sortiert bekommt man Informationen inkl. Inhaltsangaben und Kurzkritiken zu vermutlich tatsächlich jedem einzelnen Film, in dem Edwige Fenech mitspielte, und sei es auch nur eine Nebenrolle gewesen. Von „Toutes folles de lui“ über „Der Killer von Wien“ bis zu „Hostel II“ liefert das Heft einen kompletten Überblick über Fenechs schauspielerisches Wirken, ergänzt um ihre Fernsehauftritte und eine Auflistung ihrer eigenen Produktionen sowie einen Einschub zu Regisseur Sergio Martino, unter dem ihre besten Filme entstanden und mit dessen Bruder, dem Produzenten Luciano Martino, sie zeitweilig liiert war.

Leider entpuppen sich manch Angaben zu den Heimkino-Veröffentlichungen als unvollständig, was umso unverständlicher anmutet, wenn die jeweilige Veröffentlichung in Bildform abgedruckt wurde. Seltsam mutet es auch an, dass zu einem Film wie „Flotte Teens und die neue Schulmieze“ verschwenderisch viel Material abgedruckt wurde, zu anderen Filmen hingegen überhaupt keines. Und Umberto Lenzi anlässlich der „Die große Offensive“-Filmkritik zu porträtieren, ohne seine Gialli und Polizieschi auch nur zu erwähnen, ist schon ein ganz grober Schnitzer. Generell hat diesen Band wieder niemand vor dem Druck korrekturgelesen, sodass erneut ein paar dicke Böcke geschossen werden, die sich bis hin zu sich ständig wiederholenden Unachtsamkeiten wie fehlenden schließenden Klammern hinter den deutschen Filmtiteln ziehen.

Anstatt das Heft mittels eines angehängten Texts über das Komiker-Duo Franco & Ciccio ohne inhaltlichen Bezug zu Fenech auf die gewünschte Seitenzahl zu strecken, wäre mehr über die Porträtierte wünschenswert gewesen, beispielsweise ein aktuelles Interview oder ein Essay eines Filmgelehrten. So aber bleibt einmal mehr ein durchwachsener Eindruck einer nur semiprofessionellen Arbeit, für die diese Reihe leider bekannt ist. Der Schauspielerin und dem Menschen Edwige Fenech wird man damit nicht gerecht.

Das Cover meiner Ausgabe weicht übrigens vom hier abgebildeten ab, offenbar existieren verschiedene Auflagen.

Charles M. Schulz – Die Peanuts: Werkausgabe, Bd. 1: 1950 – 1952

„Ich möchte wirklich niemandem zu nahe treten und ich glaube auch nicht, dass das nötig ist. Ich glaube, man kann lustig und gleichzeitig unschuldig sein, und trotzdem muss es nicht zwangsweise zuckersüß oder dumm sein.“ – Charles M. Schulz

Ich war seit jeher von den Peanuts und der mit ihnen allem Humor zum Trotz einhergehenden, eigenartigen Melancholie fasziniert. Der US-amerikanische Zeichner Charles M. Schulz erfand sie einst und brachte sie erstmals 1950 als schwarzweißen Comic-Strip in Tageszeitungen unter. Der Hamburger Carlsen-Verlag begann im November 2006 mit der Mammutaufgabe, eine alle Strips umfassende, streng chronologisch sortierte Werkausgabe zu veröffentlichen, die bis zum März 2019 auf 26 Bände angewachsen ist. Der rund 350 Seiten starke erste Hardcover-Band im Querformat (21,5 x 17,0 cm) mit Schutzumschlag umfasst die ersten drei Jahre der Peanuts von 1950 bis 1952 und präsentiert pro Seite drei der meist aus vier Panels bestehenden Strips sowie die später hinzugekommenen Sonntagsseiten, die jeweils eine ganze Buchseite einnehmen. Die Einführung des Humoristen und Dichters Robert Gernhardt umfasst vier Seiten; im Anschluss an die Comics folgen der 14-seitige Essay des Schulz-Biographen David Michaelis „Charles M. Schulz: Sein Leben und Werk“ sowie ein ausführliches, ursprünglich 1987 im Comic-Fachblatt „NEMO: The Classic Comics Library“ veröffentlichtes Interviews Rick Marschalls und Gary Groth’ mit Schulz, das sich über satte 34 Seiten erstreckt, bevor ein Index das auf hochwertigem Kartonpapier gedruckte Buch abrundet.

Das Besondere an den Peanuts ist in erster Linie, dass sie anhand einer (nach und nach wachsenden) Gruppe Kinder nicht nur die Kinder-, sondern auch die Erwachsenenwelt karikiert, ohne jemals Erwachsene zu zeigen. Die Zielgruppe waren schließlich auch Erwachsene, für Kinder waren sie nie gedacht. Daraus ist ein Konzept entstanden, das aus Kindern sehr individuelle, für einen Comic ungewöhnlich starke Charaktere macht, deren Eigenheiten im Vordergrund stehen – allen voran natürlich der anfänglich noch nicht einmal eingeschulte, aber bereits so oft melancholische, sorgenvoll trübsinnige Charlie Brown, der von Minderwertigkeitsgefühlen und einem permanenten Gefühl der Verunsicherung geplagt wird. Bereits im ersten Strip wird er namentlich genannt, im 29. Strip legt man ihm in die Sprechblase, vier Jahre alt zu sein. Erst nach und nach erfährt man die Namen der anderen Kinder: Patty (nicht zu verwechseln mit Peppermint Patty), die zwischen Charlie und einem anderen, anfänglich namenlosen, im Dezember 1950 Shermy getauften Jungen hin und her gerissen ist. Im Februar 1951 gesellt sich mit dem Mädchen Violet ein weiteres Kind hinzu, diesem macht Charlie Avancen. Charlie kann aber auch sehr frech sein, insbesondere wenn er auf Pattys Annäherungsversuche hin sich einen Spaß daraus macht, die passionierte Sandkuchenbäckerin zu verärgern. Snoopy läuft noch auf allen Vieren und muss ohne seinen gefiederten Freund Woodstock auskommen, zudem scheint er in der Größe noch zu variieren. Im September 1951 ist erstmals seine Hundehütte zu sehen. Es irritiert, dass man ihm ständig Süßigkeiten zu futtern gibt und es dauert bis zum Mai 1952, bis er seine erste Denkblase mit ausformulierten Sätzen bekommt.

Die Evolution der Figuren nachzuvollziehen, ist ein Riesenspaß, zumal sie hier noch altern: Als das spätere Klavier-Ass Schroeder im Mai 1951 eingeführt wird, ist er noch ein Baby, sein geliebtes Musikinstrument bekommt er erst im September. Lucy stößt im März 1952 dazu und ist noch ein Kleinkind mit großen Kulleraugen. Seit dem Herbst 1951 besucht Charlie Brown die Schule. Im Juni 1952 hat Schroeder bereits seinen eigenen Plattenspieler und spricht, auch Lucy ist nun kein Kleinkind mehr. Ein interessanter stilistischer Ausreißer ist im Herbst 1952 zu beobachten, als Schroeder sich bewusst zu sein scheint, eine Figur in einem Comicstrip zu sein. Im Juli 1952 erwähnt Lucy erstmals, einen kleinen Bruder zu haben, doch es dauert bis zum September 1952, bis er auch zu sehen ist und schließlich namentlich genannt wird: Die Rede ist natürlich von Linus. Im Januar 1952 kamen die Sonntagsseiten hinzu, die Schulz einmal pro Woche mehr Platz einräumten. Bereits im Laufe dieser allerersten Jahre wurden die Strips immer detailreicher, insbesondere ihre Hintergründe. Auf einer Sonntagsseite im Oktober 1952 kommt Snoopy seinem späteren Charakter bereits sehr nahe; der Running Gag um Lucy, Charlie und den Football wird auf einer Sonntagsseite aus dem November 1952 etabliert. Ansonsten wird viel Baseball, aber auch überraschend häufig Golf gespielt. Leider ist Shermy im Laufe der Zeit sang- und klanglos so gut wie verschwunden.

Der einfache Strich Schulz’ verfügte bereits von Beginn an über seinen Charme und die Gags sind überraschend gut gealtert. So sehr Schulz sich darüber ärgerte, dass seine Auftraggeber von der Zeitung den Namen „Peanuts“ durchgesetzt hatten, so erfolgreich wurde er mit ihnen: Schulz gilt als erfolgreichster einzelner Comickünstler überhaupt. Tatsächlich hat er bis zuletzt so gut wie allein gearbeitet und damit – dem Namen zum Trotz – stets seine eigene Vision durchgesetzt. Der ausführliche Anhang dieses Buchs verdeutlicht, wie sehr Charlie Brown das Alter Ego Schulz’ war. Schulz war offenbar ein sehr bescheidener Mann, der einen wachen Blick auf die Welt und das gesellschaftliche Zusammenleben hatte. Sein Charakterzug, nicht selbstsicher laut loszupoltern, sondern stets skeptisch und zweifelnd zu bleiben und, an das Gute im Menschen glaubend, niemandem wehtun zu wollen, hatte starken Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung seiner Strips und dürfte entscheidend zu seinem speziellen Stil beigetragen haben. David Michaelis grast prägende biografische Stationen des Zeichners ab, was hilft, dessen Lebenseinstellung nachzuvollziehen.

Menschliche Gefühle, Verhaltensweisen und Macken abstrakt humoristisch und nachdenklich zugleich anhand einer Gruppe Kinder (und eines Hunds) darzustellen und zu abstrahieren, war Schulz’ große Kunst. Diese dank dieser Werkausgabe von Beginn nachverfolgen zu können, ist spannende comicarchäologische Aufarbeitung und großes Vergnügen zugleich. Die Bände 2 und 3 liegen schon bereit!

31.08.2019, SZ Norderstedt: SZ-Sommerfest

Am letzten August-Wochenende veranstaltete das selbstverwaltete SZ Norderstedt sein zweitägiges Sommer-Open-Air. Freitag habe ich es zu Bands wie ABSTURTZ oder CONTRAREAL nicht geschafft; der Samstag aber war ein willkommener Anlass, nach längerer u.a. urlaubsbedingter Abstinenz mal wieder vom Live-Exzess-Kuchen zu naschen. Fast schon peinlich pünktlich war ich mit dem Bus angereist und konnte vor Ort noch Zeit totschlagen („in Ruhe ankommen“), zumal der Opener UNFINISHED BUSINESS krankheitsbedingt ausgefallen war. Die Aufgabe, den Festivaltag zu eröffnen, wurde nun also dem Trio CASE 39 zuteil. Die seit 2016 existenten Schleswiger zockten eine englischsprachige Punk’n’Roll-Variation unter erhöhtem Einsatz des Wah-Wah-Pedals und mit schön asozial kehligem Gesang. In Sachen Geschwindigkeit legten sie auch gut einen vor und bekamen zudem einen fetten Sound vom Mischer. Die Coverversion „Dancing With Myself“ stand an dritter Position, später folgte eine coole Version des RAMONES-Klassikers “I Just Wanna Have Something To Do”. Eine Südstaaten-Boogie-Nummer handelte von einem toten KKK-Mann im Kofferraum und mir dann doch etwas zu entspannt war das „Summertime“-Stück. Viel besser lief mir der Song über die Flüchtlingsmisere im Mittelmeer rein und mit „It’s Getting Dark“ zog man noch etwas von THE BATES aus dem Cover-Koffer. Guter Einstand!

Sehr wuchtig trieben’s anschließend die 2017 gegründeten CHOPSTICK KILLER aus Hamburg: Moderner englischsprachiger Hardcore (die Band bezeichnet ihren Stil als Melodic Post-Hardcore) mit sehr ausdrucksstarker Shouterin, die in ihrem derben Geschrei bisweilen von einem Zweitshouter unterstützt wurde. Technisch ziemlich präzise, dennoch leidenschaftlich vorgetragen, auf der Bühne und auf der Rasenfläche, auf die es die Mitglieder bisweilen zog. Um etwas Bewegung vor der Bühne zu provozieren, verloste man ein T-Shirt an denjenigen, der sich am meisten bewegt. Das Leibchen wechselte den Besitzer, so richtig kam das Publikum dennoch nicht aus sich heraus – beobachtete die Band aber durchaus fasziniert. Musikalisch nicht ganz meine Baustelle, aber eine beeindruckende Performance!

Voll mein Ding hingegen waren natürlich CRASS DEFECTED CHARACTER. Während der ersten ein, zwei Songs musste der Bass noch eingepegelt werden, ansonsten wurde auch hier druckvoll losgeschrotet. Die Mischung aus wüstem und gezügelterem HC-Punk mit überwiegend deutschsprachigen Texten profitierte zudem von der klaren Verständlichkeit letzterer. Die Band hat etwas zu sagen und hat dies in gute, durchdachte Texte verpackt, von deren Qualitäten man sich also vor der Bühne überzeugen konnte. Den stärksten Eindruck machte an diesem Abend „Wollt ihr?“, bei dem ich tatsächlich Gänsehaut bekam. Mit einem gewissen Nachdruck wurde schließlich auch eine Zugabe eingefordert, um genau zu sein: der Song „CDC“ vom Demo, der dann ungeprobt zum Besten gegeben wurde. Sehr geiler Gig!

Ähnlich, aber doch ganz anders sind EAT THE BITCH, deren Alleinstellungsmerkmale Tims Krach für zwei machende Klampfe sowie Jonas Gesang und Texte sind. Zu einem splitternden HC-Punk-Brett gesellen sich dezente Melodien und Chöre, denn die Band beherrscht nicht nur das Hauruck-Verfahren. Immer wieder sehens- und hörenswert, so natürlich auch an diesem Abend, wenngleich noch immer nicht so recht Bewegung ins tiefenentspannte Publikum kommen wollte. Mit zwei, drei anderen sprang ich ein bisschen herum und freute mich über die Songs mit ihrer desillusioniert urbanen Sicht aufs Weltgeschehen und die persönliche Rolle darin. Ach, und Neubasser Bommy war bei Weitem nicht mehr so aufgeregt wie vor seiner Feuertaufe im März – und hatte die Haare schön!

Zeit für Entspannung: ARRESTED DENIAL kombinierten den Texteversteh-Faktor von CDC mit einer lässig rockenden Variante des Streetpunks/-rocks, der bei Geniestreichen wie „Nationalisten aller Länder“ den lyrischen Inhalten ausgiebig Raum zur Entfaltung bietet. Leider streikte Timos Bass anfänglich, bis sich nach Kabeltausch etc. der Amp als Ursache herausstellte und ausgetauscht wurde. „Und es war Sommer…“ rief irgendjemand während dieser Phase. Daraufhin ging’s unterbrechungsfrei weiter, lässige, aber auch mal flottere Songs, gute Texte, sympathisches Auftreten, unterstützenswerte Band, erschreckend unprätentiös, schlau und klischeefrei. Kennt eh jeder, brauche ich nicht lange zu schwadronieren. Nicht unbedingt gerechnet hatte ich mit dem TOCOTRONIC-Cover „Die Welt kann mich nicht mehr verstehen“ inkl. spontanem Gastsänger. Den Song hatte ich wahrscheinlich zuletzt 1997 gehört, als ich für mich beschloss, mit TOCOTRONIC nichts anfangen zu können. Dennoch ein durchaus willkommenes Wiederhören… Apropos Cover: Als Zugabe verlangte ich natürlich lautstark nach der schwedischen Crust-Legende ROXETTE und bekam schließlich das ersehnte „Sleeping in my Car“/ „Dressed for Success“-Medley.

Mit dem wütenden deutschsprachigen Hardcore der Eisenacher GLOOMSTER mit zwei Shoutern und Metal-Klampfe stieg das musikalische Aggressionslevel deutlich, allerdings war ich mittlerweile auch ziemlich angetrunken und pausierte erst mal ‘ne Runde. Den Gig nahm ich daher eher als Hintergrundbeschallung wahr. Mein Pausieren bezog sich allerdings nicht aufs Trinken, sodass ich völlig besoffen war, als der BRUTALE-GRUPPE-5000-Gig vermutlich wegen Lärmauflagen ins Ladeninnere verlegt wurde. In Erwartung des heftigen, paranoiden Laserpunks war mir nach Tanzen zumute, dem ich dann auch nachging. Auch ein paar andere hatte der Bewegungsdrang gepackt. Ich moshte und pogte mir die letzten Energiereserven raus, bis mich nach Ende der Veranstaltung Holli Abschaum freundlicherweise im Auto zurück nach Hamburg nahm (danke noch mal). Alles in allem ‘ne klasse Veranstaltung mit leckerer Verpflegung (frische ungarische Langos), günstigem Bier und einwandfreien Bands, für die ich allerdings mitunter mehr Publikumszuspruch und -reaktionen erwartet hatte – verdient hätten sie’s gehabt. So ist das bei Sommerfestivals auf der grünen Wiese aber nun mal: Man neigt zur Tiefenentspannung und statt Durch- ist Tütedrehen angesagt. Ich habe übrigens zufällig genau 77 Fotos geschossen! (Jaja, inkl. Ausschuss…)

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