Gnnis Reviews

Author: Günni (page 80 of 83)

WORKING CLASS SKINS #5

(WCS Fanzine, c/o Andreas Falk, Im Hänfert 22, 66709 Steinkirchen, WCSFanzine@aol.com)

Saarländisches A5-Skinhead-Fanzine mit dem Schwerpunkt auf Oi!. Neben massig Reviews und Konzertberichten gibt es Interviews mit IRON FIST, BITCHES ’N’ BASTARDS, THE YOUNG ONES, PARIS VIOLENCE, STOMPER 98, SILVERCITY, UNE VIEN POUR RIEN?, ein Kreuzworträtsel + Gewinnspiel, eine Erzählung sowie Porträts der Urväter des Ska. Auffallend ist die Affinität zu Frankreich (ist beim Saarland also nicht nur ein Klischee, hehe): Es werden mehrere französische Bands ausgequetscht und locker die Hälfte (wenn nicht sogar noch mehr) der Reviews behandeln französische Veröffentlichungen. Haben da Labels wie Bords de Seine fette Promo-Pakete geschickt? Auf Aktualität legt man dabei nicht unbedingt wert und bespricht auch einiges älteres Material – warum auch nicht. Mir persönlich sind die Reviews oft zu nichtssagend und scheinen mir recht unkritisch, wenn ich sehe, was da alles abgefeiert wird. Aber wehe, es wagt sich jemand über den anscheinend recht engen musikalischen Horizont des Autors hinaus – ein gnadenloser Verriss ist die Folge, so geschehen mit den jüngsten Werken von 4 PROMILLE und den BROILERS. Die Konzertberichte umfassen oftmals nicht nur das Konzert an sich, sondern auch, was man vorher noch so machte (angefangen beim Aufstehen) und wann man sich letztendlich in die Furzmulde legte. Leider schien man hier nicht viel vom Korrekturlesen zu halten… neben Rechtschreibfehlern sind teils abenteuerliche Satzkonstruktionen die Folge. Die Interviews sind solide, besonders die Antworten von STOMPER-98-Sebi sind sehr ausführlich, persönlich und interessant. Wenn eine Band wie THE YOUNG ONES allerdings von sich gibt, das belgische „De Kastelein“ sei ein normaler Skinhead-Pub, der Interviewer dazu nichts weiter sagt und die vorangegangene Frage schon implizierte, dass man Kritik daran ohnehin für „PC-Getue“ halte, habe ich a) schonmal überhaupt keine Lust mehr, so eine Band zu supporten und nehme b) dem Zine die angeblich antifaschistische Grundhaltung nicht so recht ab. Der (selbstgeschriebenen?) Erzählung, die vor infantilen Oi!-Klischees nur so tropft, fehlt es irgendwie an einem Ende oder wenigstens einem Hinweis darauf, dass es sich möglicherweise um eine Fortsetzungsgeschichte handeln solle sowie um eine Angabe des Autors – wie übrigens ärgerlicherweise auch fast allen Reviews und der sehr guten und informativen Legenden-des-Ska-Story, die mir – sorry – irgendwo geklaut zu sein scheint. Positiv erwähnen will ich aber die selbstgebrannte CD, die dem Heft beiliegt und auf der sich diverse interviewte Bands ein Stelldichein geben, so dass sich der Leser gleich selbst ein Bild von ihren Qualitäten machen kann. Alles in allem ein Fanzine, das sich bemüht und in dem sichtlich viel Arbeit steckt (ist auch ein ziemlich dicker Schinken geworden), dem es aber für meinen Begriff an Identität, Standpunkten und Mut zur Kritik/Polarisation mangelt – und ich fürchte, dass man zugunsten einer „unpolitischen“ Haltung darauf verzichtete. Aber warten wir mal ab, wie sich das Ganze entwickelt.

VCR – POWER DESTINY CD

(www.sideonedummy.de) / (www.scaredofvcr.com)

Flotte(r) EBM / New Wave aus Richmond. Die Instrumentierung besteht aus drei Keyboards, Bass, Schlagzeug – damit dürfte klar sein, womit man es zu tun bekommt. Ist aber keine Depri-Mucke für Knochenlutscher, so dass durchaus der eine oder andere Punkrocker hiermit was anzufangen wissen könnte. Ich zumindest hab’ aus diesem Bereich schon sehr viel Langweiligeres gehört. Mir geht nach ’ner gewissen Zeit zwar das Keyboard-Gedudel dann doch etwas auf die Eier, aber Freunde von DEPECHE MODE, THE STRANGLERS, PROJECT PITCHFORK oder JOY DIVISION sollten unbedingt mal reinhören! Leider wurde mir kein Booklet mitgeschickt, so dass ich zu den Text-Inhalten nicht viel sagen kann. 12 Songs in 38 Minuten. Keine Note, da etwas genrefremd und kaum Vergleichsmöglichkeiten zur Hand. Günni

LIMBUS – DEMO MMVI CD-R

(www.enterlimbus.com)

Überproduzierter NOFX-Klon aus Schweden mit einer recht professionell gestalteten 4-Track-Demo-CD. Die Gitarren sind zwar schön heavy, dem Rest fehlt es aber an Aggressivität und Eigenständigkeit sowie an Melodien, die nicht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder rausgehen. Handwerklich gut, aber ohne jeglichen Wiedererkennungswert. 4. Günni

THE CREETINS – (THE) CITY SCREAMS MY NAME LP / CD

(www.roadrunnerrecords.de) / (www.creetins.com)

Schon das dritte Album der drei Kieler Jungs, die ich mir früher ab und zu live angesehen habe, wobei sie stets rockten wie Sau und sich derbe verausgabten – was ich sehr sympathisch fand’. Ein Album schaffte ich mir trotzdem irgendwie nie an, so dass dieses jetzt das erste ist, das ich komplett zu hören bekomme. Eingängiger, teils poppiger Punk’n’Roll mit geilen Melodien, fetten Chören und einer passenden, weil nicht aalglatten Produktion, die, bei entsprechender Lautstärke abgespielt, doch glatt wieder Lust auf diese Band live, schwitzend und sich verausgabend in einem kleinen Laden irgendwo in Norddeutschland macht. Den ganz kleinen Läden dürften sie aber vermutlich längst entwachsen sein – und das verdientermaßen. Leider liegen meiner Promo keine Songtexte bei, aber bei Titeln wie „Electric Boy“, „Where Did Your Hate Go?“ oder „Sharpen Your Knife“ wird es sich wohl kaum ausschließlich um Liebeslieber handeln. Sänger/Gitarrist Frederick behauptet „die Pladde hat Eier“ – und die hat sie definitiv! 2. Günni

GOTTKAISER – S/T CD

(www.sunnybastards.de) / (www.gottkaiser.info)

Neue Hamburger Band mit Leuten von COMBAT SHOCK, …BUT ALIVE, EMILS und und und…. dieses Name-Dropping haben sie aber nicht nötig. Sie klingen weder nach KAREL GOTT, noch nach ROLAND KAISER – und auch nach keiner Fortsetzung einer der o.g. Bands. Hier gibt’s druckvollen, sehr melodischen, oftmals recht fixen Punkrock, ohne ins Kitschige abzugleiten; emotionale, persönliche Texte, ohne in „Hamburger Schule“- oder Emo-Gejammere auszubrechen und eine saubere Produktion mit cleanem, deutlichem Gesang (von ex-COMBAT SHOCKer Fred), die den Songs aber keinerlei Energie oder Authentizität raubt. Die fast ausschließlich in der Ich-Perspektive geschrieben Songs handeln oft von menschlichen Unzulänglichkeiten, persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen, die dadurch, dass man nicht mit dem Finger auf andere zeigt, ehrlich und unaufdringlich wirken. Wie hier stellenweise mit der deutschen Sprache gearbeitet wird, ist meilenweit entfernt von erzwungenen Reimen oder pseudointellektuellem Phrasengedresche und man beweist auch Sinn für zynischen Humor: „Erst spät hast du verstanden: Du bist ein Leogostein. Ich bau dich nach Belieben in mein Ego ein. Kaum eine Stunde später, beladen mit Gepäck, hast du mir eröffnet, statt hin seiest du nun weg.“ Ohne Ausfall laufen die abwechslungsreichen 15 Songs durch und hinterlassen einen durchweg guten Eindruck. Gerade die Gitarrenarbeit erinnert bisweilen dann doch an …BUT ALIVE zu ihren besten Zeiten. Aufmerksam auf die Band wurde ich übrigens durch Konzerte in kleinen Läden, wo man gute Shows lieferte und anscheinend Spaß daran hatte, nochmal „ganz unten“ anzufangen. Eine verdammt gute Scheibe und sympathische Band, die aber sicherlich nicht jedem auf Anhieb gefallen wird. 2. Günni

DIE DÖDELSÄCKE – HERRENGEDECK CD

(www.nixgut.de) / (www.doedelsaecke.de)

Deutschsprachiger Punkrock mit Dudelsack und manchmal Flöte, aber kein Irish-Folk-Verschnitt oder sowas. Live mit Sicherheit eine Partygranate, auf Konserve ist der Gesang leider etwas unterproduziert. Trotzdem sind einige echte Hits mit geilen Melodien dabei, ist auf jeden Fall nicht verkehrt, das Ganze. Textlich verarbeitet man meist humorvoll den alltäglichen Wahnsinn, von nervigen Telefonanrufen bis hin zu bombardierenden Präsidenten in Übersee. So richtig folkig wird’s dann doch noch bei „Mixed Pickles“, ansonsten bedient man sich geradeaus gespieltem Punkrock, um ihn gekonnt mit dem dudelnden Sack zu unterlegen. Gewidmet wurde das Album übrigens eben jenem Dudelsackspieler Niko, der kurz vor Fertigstellung des Booklets verstarb! Üble Sache – wäre schade, wenn daran die Band zerbräche. Booklet mit allen Texten und vielen Fotos, 15 Songs in 48 Minuten. 3. Günni

V.A. – UNTERSTÜTZER-SAMPLER – Wir lassen und das Dagegensein nicht verbieten CD

(www.nixgut.de)

Wir erinnern uns: Diverse Staatsanwälte etc. wollen dem Label/Mailorder Nix Gut und anderen Antifaschisten ans Bein pinkeln, indem sie kurzerhand durchgestrichene Hakenkreuze zu verfassungsfeindlichen Symbolen erklären. Nix Gut fechten das gerade vor Gericht aus und egal, was man sonst von ihnen oder plakativem Antifaschismus im Allgemeinen halten mag, seien ihnen bei dieser eigentlich lächerlich bis skandalösen Angelegenheit die Daumen gedrückt. Detaillierter kann man das alles im Booklet dieser CD nachlesen. Mit Bands vom Label, aber auch mit Material von zahlreichen sich solidarisierenden Kapellen stellte man diesen Sampler zusammen. Insgesamt 22 Songs von RUBBERSLIME, MISSBRAUCH, DIE GEFAHR, SPEICHELBROISS; TETRIS ATTACK, NI JU SAN, STAATSPUNKROTT usw… größtenteils „Deutschpunk“ und ein paar HC-Stücke mit – welch Überraschung – Texten gegen den braunen Sumpf. Leider stechen nur wenige Stücke aus dem höchst durchschnittlichen musikalischen Angebot heraus. Eine antifaschistische Grundeinstellung, die sich auch in den Texten widerspiegelt, ist zwar löblich, macht aber noch lange keine gute Band. Und ob es schlau war, sich 22 Songs lang mehr oder weniger auf ein Thema zu beschränken, wage ich auch zu bezweifeln. Leider habe ich auch keine Infos darüber, inwieweit hier exklusive Songs zur Verfügung gestellt wurden oder ähnliches. Wer generell was mit Samplern aus diesem Hause anfangen kann, wird seine Freude an diesem Teil haben – alle anderen haben mit dem Kauf dieser CD die Möglichkeit, das gute Gewissen haben zu dürfen, den Antifaschismus vor Gericht zu unterstützen und können schön plakativ diesen Sampler rumzeigen… Ich enthalte mich hier mal einer Note, auch, wenn Frank das nicht passen wird. 😉 Günni

KONFLIKT – SAPERE AUDE CD

(www.rebelproducts.de) / (www.konflikt.sk)

Das vierte Album der wohl bekanntesten slowakischen Punkband. Fetter, sehr gekonnt vorgetragener und nie altbacken klingender Streetpunk mit osteuropäischem Folk-Einschlag, was die Besonderheit und Eigenständigkeit dieser Band ausmacht. Der Gesang klingt rauh, dreckig und kraftvoll, so soll es sein! Einige der Melodien haben absoluten Ohrwurmcharakter, fallen aber nie ins Poppige ab. Da die Texte ausnahmslos in der Landessprache gesungen werden, kann ich mir über sie leider kein Urteil erlauben. Ein weiterer Pluspunkt ist aber die Aufmachung: Glänzendes, schön gestaltetes Digipack mit dickem Booklet, das alle Texte und zahlreiche Zeichnungen irgendwelcher Schlachten und kriegerischen Auseinandersetzungen beinhaltet (aber sicherlich nicht kriegsverherrlichend sein will – bevor irgendwelche Schlaumeier jetzt mit derlei Vorwürfen kommen). Lohnt! 2-. Günni

V.A. – EAT THE RICH VOL. 3 CD

(www.nixgut.de)

…und schon wieder ein Nix-Gut-Labelsampler. Wie üblich überwiegend unterdurchschnittlicher Punkrock/Hippierock/Ska-Punk mit deutschen Texten für die 14jährigen Rebellenkids von heute. Bis auf zwei, drei Songs kann ich mit diesem langweiligen bis peinlichen Kram nichts anfangen, was das Label aber sicher nicht davon abhalten wird, munter weiter inflationär jede angepunkte Schülercombo zu veröffentlichen und x weitere Sampler ’rauszuhauen. 20 Songs in einer knappen Stunde. 5. Günni

TAKE SHIT – NEUE SCHEISSE – ALTE MÄNNER CD

(www.nixgut.de) / (www.takeshit.de)

Die Band (ursprünglich aus Thüringen, jetzt Kreis Stuttgart) bezeichnet Ihre Musik als „Donnerpop“ und will in keine Schublade passen. Klappt nur leider nicht: Schublade „Deutscher Punk der 80er mit dilettantischen Texten“ auf, TAKE SHIT rein, Schublade zu. Und dass mir die drei inkl. ihrem Drumcomputer da bloß niemand wieder rauslässt, bis sie nicht gelernt haben, ihrem puristischen Punk Texte zu verleihen, die über schlechte Reime, austauschbare Inhalte und ganz mieses Deutsch hinausgehen. Die suchen übrigens jemanden, der ihren Drumcomputer ablöst – vielleicht kann derjenige ja auch Texte schreiben? Booklet mit allen Texten, 20 Songs in 47 Minuten. 5+. Günni

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