Gnnis Reviews

Author: Günni (page 80 of 80)

STAMMTISCH JUNGZ – PROLLSONGS (Demo-CD-R)

(www.stammtisch-jungz.de.vu)

Der gute Oi!stfriese war so nett, mir die Demo-CD seiner Trümmerkapelle aufs Auge zu drücken, die sich einer der missverstandensten, in Kennerkreisen sich aber ungebrochener Beliebtheit erfreuender Spielart unseres geliebten Punkrock verschrieben hat: dem STUMPF-OI! – und das mit Haut, ohne Haaren und vor allem ohne sich zu schämen.

Die Aufnahmequalität macht für ein Demo echt was her und schmeichelt meinen geplagten Ohren. Ebenso wie der dargebotene Gossensound der sympathisch dahergeschrammelten Midtempo-Riffs, hämmernden Uffta-Drums und einem Sänger, der die proletarischen, aber stets augenzwinkernden Weisen über Saufen, Fußball und Oi! gröhlt und röhrt, als ginge es um Leben oder Tod. So soll es sein und alte Helden wie SMEGMA oder die BIERPATRIOTEN lassen grüßen. Titel wie „Dick sein“, „Bier und Korn“ oder „Prollsong“ halten auf ganzer Linie, was sie versprechen, und lassen angenehmerweise kein Klischee aus. Und bei den sparsam als In-/Outros eingesetzten Film- und TV-Zitaten musste ich doch sehr schmunzeln, besonders bei „Bremen 2004“, hehe.

Der Soundtrack zur Bierdusche – garantiert Studentenpunk- und Smartie-back-to-the-roots-Skin-untauglich. Ein Fest für jeden von uns, der gerne mal den Proll- und Sauf-Asi raushängen lässt; alle anderen wundern sich und verstehen nur Bahnhof.

8 Songs + Intro/Outro in 22 Minuten, Solo-Gedudel etc. wurde also der Zugang zum Proberaum verwehrt. PROST + FICKEN OI! Glatte 1. Günni

WEGWEISER – FREIFLUG FÜR SPATZENHIRNE CD

(www.wegweiser-band.de.vu) / (www.nixgut.de)

Kitschiger Pop-Punk/Pop-Rock mit Blechgebläse und schwülstigem, cleanem Gesang aus Ostfriesland. Inhaltlich gibt man sich größtenteils „alternativ“ (man macht seine „private anarchy“) und jammert auch mal rum („zu feige für den Suizid – ich hasse mich selbst“), zeigt sich größtenteils aber positiv und lebensbejahend. Ok, warum nicht, kann man ja mal – nur bitte nicht so ekelhaft hippie- und sozialarbeitermäßig. Beispiele gefällig? „Hat dich der Tag bereits am Morgen schon geschafft, liegt es nur an dir selbst, was du daraus noch machst. Ist auch die Wut in dir auf alle Welt ohne Maß, liegt es nur an dir selbst, dass sie nicht umschlägt in Hass.“ / „Du stehst vor Abenteuern und brauchst nichtmal viel zu lernen. Alles, was du wissen musst, steht nicht mehr in den Sternen“. Gegen Ende wird’s einfach nur noch peinlich: „Wahre Liebe gibt es nicht, du glaubst, das ist ein Witz? Ich bin auf alle spitz!“ (wollte man da mal den Proleten mimen?) oder „Schalt‘ das Licht nicht aus, im Dunkeln hab‘ ich Angst“ (ach Gottchen)… aber wie singt „Hinni Hopeless“ (der Name ist Programm) in „Ode To The Outback“? „Ich bleib‘ hier in Ostfriesland!“ Na, ein Glück. So punkig und gefährlich wie die Jusos und so rebellisch wie ein Abend bei den Jesus Freaks. Nix Gut, 17 Songs. 5. Günni

FREIBEUTER AG – STRAFEN & KLAGEN CD

(www.freibeuter-ag.de) / (www.nixgut.de)

Nix-Gut-VÖ, dickes A im Kreis auf dem Cover, ein Sänger namens „Abfall“… und es ist gut! Ich befürchtete das Schlimmste, aber mitnichten. Auf Ihrem mittlerweile zweiten Album gibt’s ’ne grobe Kelle. Mid- bis Uptempo-Hardcore-Punk mit Gröhlgesang marke MURUROA ATTÄCK, an die sie mich nicht nur deshalb etwas erinnern. Die ausschließlich aus Punks, denen man das äußerlich auch ansieht, bestehende Band verarbeitet in ihren Texten übliche Themen wie das Selbstverständnis als Punk, Party, Verweigerung ggü. diesem und jenem und das leider recht holprig und nach dem „Reim dich oder ich fress‘ dich“-Prinzip. Positiv heraus sticht da der Song „Stimmen“, der von der Unverhältnismäßigkeit von Gerichtsurteilen handelt und einen Taschendieb einem Triebtäter gegenüberstellt. Die musikalische Qualität der Kraftvoll produzierten Songs reißt die textlichen Unzulänglichkeiten aber etwas raus, so dass unterm Strich ein bodenständiges, aggressives, pogotaugliches Punkalbum bleibt, das zu gefallen weiß. Gecovert werden TOXOPLASMA („Asozial“) und VERSAUTE STIEFKINDER („Alte Kameraden“). Einige der 11 Songs befanden sich übrigens schon in anderen Versionen auf dem ersten Album. 2-. Günni

ATEMNOT – UHRWERK ZWEITAUSENDSECHS CD

(www.nixgut.de)

„Atemnot, Blut und Tod, Hartz IV für das Volk, wir haben es nicht gewollt. Atemnot, aus Erfahrung Wut. Für den Staat: Streichholz und Benzin. Atemnot, Krieg und Not. Tod und Wahnsinn auf der ganzen Welt. Atemnot, wir geben nicht auf. Feuer und Flamme für den Rest der Welt.“ Naja… neues von ATEMNOT also. Einhorn hat mal wieder ’ne Reihe Musiker um sich geschart, die alle mit Wollmütze und Sonnenbrille aus dem Booklet grinsen, um ein neues Album einzuspielen. Für Iro-Poser-Fotos müssen diesmal andere herhalten, so z.B. der echt niedliche Kinderpunk auf dem Cover, mit E-Gitarre und Polizei-T-Shirt. Musikalisch geht’s eher rau und ungehobelt zu, teilweise Schrammel und Uffta-Uffta, aber auch nette Melodien, die hängenbleiben. Irgendwo zwischen deutschem Punk der 80er und Oi!. Die holprigen Klischee-Texte hätte allerdings kein Kidpunk (z.B. der vom Cover?) besser schreiben können, meine Fresse… Auszug siehe Anfang dieser Tonträgerbesprechung. Und was denkt man sich eigentlich dabei, einen Text über arbeitslose Ossis zu schreiben („Wendeopfer“), die aus Frust nach unten treten und miese Rassisten werden, im Refrain aber zu singen: „Ein kleines Stück DDR wollen wir zurück, ohne Mauern, Nazis und Stasidreck. Wir wollen Leben schlicht und einfach soll es sein, in Ruhe und Frieden tagaus tagein“?! 1. Was hat das mit dem Rest des Textes zu tun und 2. was hätte das ganze dann noch mit der DDR zu tun?! Der Vogel abgeschossen (bzw. aufs Einhorn gespießt) wird dann bei „Das ist Deutschland“: „Wir haben keine Arbeit, wir haben kein Geld, der Staat kümmert sich lieber um den Rest der Welt. Deutschland spendet, Deutschland zahlt. Unsere Familien werden nicht satt.“ Stammtisch olé! Wirklich gut finde ich hingegen „Wilhelm B.“, wo mit einfachen Worten über einen Opa erzählt wird, der beide Weltkriege und anschließende Kriegsgefangenschaft mitmachte. Geil auch der letzte Song, ein Instrumentalstück namens „Das letzte Haus links“, das wohl eine Hommage an den alten Horrorfilmklassiker sein soll. Schön morbide. Die CD kommt im Digipak mit farbigem, gut aufgemachtem Booklet inkl. Texten (inkl. einiger herber Rechtschreibfehler) und, oh, da ist ja doch noch Einhorn mit Poser-Iro. Nix Gut, 13 Songs inkl. PC-Video-Track. 4. Günni

ALARMSIGNAL – NAZIS NEHMEN UNS DIE ARBEITSPLÄTZE WEG CD

(www.alarmsignal-punk.de.vu) / (www.nixgut.de)

„Lustiger Titel“, war mein erster Gedanke. ALARMSIGNAL aus Celle spielen erfrischenden, dynamischen, deutschsprachigen Punkrock ohne Hardrock-, Metal- oder Offbeat-Anleihen. Geht gut nach vorne los und wurde auch gut produziert. Geht etwas in Richtung FLUCHTWEG, aber mit mehr Pfeffer im Arsch. Teilweise wird’s auch sehr eingängig, allerdings ohne nach WIZO oder Konsorten zu klingen. Rotziger, akzentuierter Gesang, der m.E. stellenweise noch etwas dreckiger sein könnte, aber das ist nur mein persönlicher Geschmack. Kräftige Chöre runden das Hörvergnügen ab. Textlich gefällt’s mir überraschend gut, wenn ich auch nicht alles so unterschreiben würde. Man gibt sich sozialkritisch und kämpferisch, und das weitgehend unpeinlich. Etwas persönliches gibt’s auch noch, das lockert die Platte ebenso auf wie die eher humoristischen, mit einem Augenzwinkern vorgetragenen Nummern wie „Hartz IV (Scheißen ohne Spülen)“ oder der Titelsong. Meine Favoriten sind „Piraten“ und „Scheinheiliges Pack“. Das Booklet kommt mit allen Texten und man hat sich sogar die Mühe gemacht, zu jedem Song noch Linernotes zu verfassen. Das Cover allerdings hätte gute Chancen auf den Titel „hässlichstes Cover 2006“. Die Bandmitglieder gammeln im Arbeitslosen-White-Trash-Outfit vorm Arbeitsamt rum und der Dicke rechts sieht dabei aus, also hätte er dem magersüchtigen Hängeiroträger neben ihm das Essen geklaut – seit 10 Jahren. Wer auf flotten, angepissten, spritzigen Punkrock steht, mit den anderen Nix-Gut-VÖs aber nichts anfangen kann, sollte trotzdem mal ein Ohr riskieren. Gibbet ja für billich. Interessante junge Band. 16 Songs + ein versteckter, 2. Günni

Nachtrag: Offensichtlich sind (Edit 2015: möglicherweisen waren) zwei Mitglieder der Band bei den „Jesus Freaks“ und einer außerdem beteiligt an der Band „CHRISTCORE“, die offen als christliche „Punk“band auftritt, aufgrund ihrer Plattheit zum Glück aber von den Meisten als Realsatire aufgefasst wird. Nichtsdestotrotz kommt das ALARMSIGNAL-Album glaubwürdig rüber und das Thema Religion wurde komplett ausgeklammert. Dennoch stehe ich auf dem Standpunkt, dass Religion Privatsache ist und sein muss und religiösen, missionierenden Organisationen wie z.B. den „Jesus Freaks“ kein Fußbreit in der Punkszene gewährt werden darf. Inwieweit er trotzdem diese Band unterstützt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

07.12.2002, Juki 42, Ahrensburg: VINDICATOR + SS ULTRABRUTAL + SMALL TOWN RIOT + MINDERHEINZ

[Abt. „Klassiker“, mein drittältester Konzertbericht überhaupt (man beachte das Datum), meines Wissens nie irgendwo veröffentlicht – und das war wohl auch besser so. Danach war für mehrere Jahre auch erst mal Schluss mit Konzertberichten:]

Schon wieder Ahrensburg, schon wieder Small Town Riot, diesmal mit den HClern von Vindicator und den Alt-Punks von SS Ultrabrutal, die ihren zweiten Auftritt überhaupt seit 19 Jahren haben sollten! Und ohne Dodenhof, einer Cover-Band, die leider ausfiel. Aber von Anfang an: Beim ersten SSUB-Auftritt vor kurzem in Kaltenkirchen war schon lange vorher alles ausverkauft… um’s vorwegzunehmen: Da zeitgleich das „Punk & Disorderly“-Festival in Berlin über die Bühne ging, war’s diesmal nicht so, und auch, wenn der Laden gut gefüllt war, hätte trotzdem noch einiges mehr reingepasst. Viel Hamburger-Stammpublikum vergnügte sich halt gerade in Berlin. Bei „Minderheinz“ handelt es sich übrigens um niemand geringeren als Schraube, den Sänger von Razzia, der, nur mit ’ner Akustik-Klampfe bewaffnet, etwas eigenartige, sarkastische Stücke in Liedermacher-Manier trällerte. Aber das wirklich Besondere: Die Themen seiner Songs wurden auf der Bühne Theater-mäßig aufgeführt, während er dazu spielte! Die Mucke war natürlich nicht sonderlich Punk-kompatibel, aber als Opener fand ich’s gar nicht schlecht – halt mal was anderes. Natürlich mussten aber leider wieder irgendwelche… ähm, „eher einfach gestrickten“ Kammernossen ihre Missgunst durch lauthalses Rumgepöbel zum Ausdruck bringen.
Egal, dann gab’s erstmal knackigen, präzisen direkt-in-die-Fresse-HC von Vindicator auf die Ohren, der mich echt überrascht hat! Geile Band, geile Mucke, nix zu meckern. Über Vindicator wird einem ja auch ganz gerne mal einer erzählt, von wegen „HSV-Hool-Band“ und „Fascho-Alarm“ auf den Konzis… Zwar liefen tatsächlich ein paar wenige zwielichtige Gestalten [Edit 2015: Ach?] im 42 rum, aber Ärger gab’s überhaupt keinen. Die ebenso sinnfreien wie überflüssigen Schlägereien später hatten jedenfalls meines Wissens nix mit Vindicator bzw. ihrem Publikum zu tun. Ich muß zugeben, dass ich in der Vergangenheit auch gewisse Vorbehalte gegen diese Band hatte, die nun aber vollends beseitigt sind. Die Vindicators, die ich an diesem Abend kennen gelernt habe, waren auf jeden Fall supernett und korrekt drauf. Nicht immer auf Gelaber hören, sondern sich ein eigenes Bild machen heißt die Devise, liebe LeserInnen! [Edit 2015: Klugschnackeralarm…] Nun kamen SS Ultrabrutal, die ich kurz vorher noch erwischt hatte, wie sie zu dritt aus dem Scheißhaus kamen (tsts, was die da wohl gemacht haben?! …). Der Auftritt war gut, auf jeden Fall kein Reunion-nur-fürs-Geld-Schrott. „Terroristen“, „Bomben splittern“, „Hamburger Jungs“ etc. überzeugend und kraftvoll rübergebracht. Das Publikum dankte es – zwar kein Massenpogo, aber durchweg positive Reaktionen auf die immerhin zusammen fast 200 Jahre Punkrock auf der Bühne. Klasse fand ich vor allem den Sänger, der sich zwar optisch recht gut gehalten hat, dessen Stimme aber immer gleich klingt – ob er nun auf der Bühne rumbrüllt oder normal mit einem spricht. Alkohol- + Tabakkonsum lassen grüßen… nun wusste ich also, wie auch ich mich in absehbarer Zeit in etwa anhören würde und erblickte erstmal zwei sowas von dermaßen geil aussehende Punkrockgirls, dass irgendwelchen Hormonausschüttungen zufolge ich mich kurzzeitig nicht mehr auf die Band zu konzentrieren vermochte. „Samma, hast Du auch ´nen Macker hier irgendwo?!“ – soweit kam ich noch, dann fiel mir nichts mehr ein und sie war dann auch schon wieder weg. Hm. [Edit 2015: Welch wichtige Informationen und vor allem: welch grandiose Anmache! Die probier ich glatt mal wieder aus… nicht!] Egal, abgehakt und wieder zur Band geglotzt (Mit der anderen hat Arnold noch auf Dirty Dancing gemacht, kam aber auch nix bei raus). [Edit 2015: Wichtige Informationen, die Zweite…] Beim Pogo stieß meine Bratzbirne noch mit der eines Anderen zusammen – Cut an der linken Augenbraue (meiner), das rote, rote Kroffi lief über’s Gesicht… sah bestimmt geil aus, leider kein Foto von gemacht. [Edit 2015: Da fragt mich letztens jemand nach meiner Narbe an der Augenbraue und ich wusste keine Antwort… lohnt sich direkt, solch alte Aufzeichnungen mal zu lesen.] Nach SSUB sind einige Leute abgehauen, trotzdem waren noch genug für den Auftritt von Small Town Riot da. Wie immer geil ohne Ende, besonders die neueren Songs wie „Spirit of Rock’n’Roll“, „Creepin’“ und „Johnny Boy“ sind absolute Hits. Als letzte Zugabe gab’s wieder „Pöbel & Gesocks“, das diesmal sogar zusammen mit Schraube von Razzia intoniert wurde. Dann war erstmal Sense, trotzdem wurde natürlich noch weiter gesoffen, gebrochen, gerülpst und gefurzt bis in den nächsten Morgen [Edit 2015: Pfui!]. Als ich aufwachte und merkte, dass ich nicht zu Hause in der warmen Pfurzmulde, sondern im 42 im Backstageraum lag, gab’s erstmal Strohrum pur von Organisator Alex, mit dem ich mir die gerade abgebauten paar Promillchen doppelt wieder einbaute [Edit 2015: Alter!!!]. Draußen war’s schon wieder hell und man erzählte sich gegenseitig noch ein paar schlechte Witze und andere Albernheiten, bevor man die Heimfahrt antrat. David, Small Town Riot-Bassist, nahm sich sogar noch ´n Groupie mit. [Edit 2015: Wichtige Information again…]

PS: Vom SS Ultrabrutal- und vom Small Town Riot-Auftritt wurden sogar noch Livemitschnitte gemacht, so watch out, ob da noch irgendwas geiles kommt! [Edit 2015: Kam da wat?]

01.12.2002, WB 13, Berlin: LUCI’S BRAINFUCK + ROCKASS

[Abt. „Klassiker“, mein zweitältester Konzertbericht überhaupt (man beachte das Datum), meines Wissens nie irgendwo veröffentlicht – an den Abend erinnere ich mich dafür noch umso genauer:]

Da Timos Mutter gerade nach Berlin zieht, bat sie uns, ihr am letzten November-Wochenende ein bißchen beim Umzug zu helfen – für Bier, Fressen und Schlafplatz sei gesorgt. Geil, ein Wochenende in Berlin mit kostenloser Hin- und Rückfahrt + Verpflegung?! Also los! Nach ein bißchen Geschleppe (ich sag nur Klavier…) und Gespachtele, hofften wir, für die Nacht irgendwas Punkrockiges zu finden. Erstmal aber den Ku’damm runtergelatscht – pfui, alles verstopft von Konsum-Zombies und Stumpf-Touristen („Guck mal Schatz, die Gedächtnis-Kirche“ – „Boah…“), viele ekelige Leute… 0% Punkrock!! Also ab nach Kreuzberg… am Bahnhof erstmal zwei niedliche, blutjunge (BLUTjung, was’n Kalauer, hehe…) Kiddie-Punkeretten aus Bremen getroffen, die mit irgendeiner Reisegruppe da waren und sich zuerst uns anschließen wollten, dann aber doch nicht, bla… die eine fragte noch allen ernstes, ob wir „Schlachtrufe BRD“ kennen würden – als wir dieses bejahten, freute sie sich, denn daran könne man erkennen, ob man einen richtigen Punker oder nur „‘nen Pseudo“ vor sich hätte! Haha, was geht ab!? Wir also völlig ohne Plan in Kreuzberg, bis Timo zufällig auf einer Litfasssäule ein Plakat für o.g. Konzi entdeckte. Was sollte „Rockass“ wohl für’ne Band sein? Etwa die männliche Variante von „Rockbitch“?! Egal, da stand was von „Punk’n’Roll“ und wir waren froh, endlich was entdeckt zu haben und machten uns auf den Weg nach Wartenberg am anderen Ende von Berlin… Das WB 13 stellte sich als superkleiner, JUZ-ähnlicher Laden heraus, in dem neben dem Personal/den Bands ein paar Langhaarige mit Springerstiefeln rumhingen und der halbe „Berliner Pils“ nur 1,30 Euro kostete. Wir soffen uns gut einen an, während die Anwesenden staunten, dass wir „aus Hamburg“ kamen und uns in ihren Laden verirrt hatten. Nachdem wir standesgemäß [Edit 2015: natürlich erfolglos!] die weibliche Belegschaft angebaggert hatten (Timo die am Einlaß, ich versuchte es mit der süßen Kurzhaarigen hinterm Tresen), begannen irgendwann „Luci’s Brainfuck“, die einen etwas seltsamen Sound mit Indie-Elementen und vielen Breaks hatten. Not my cup of beer, aber war ok. Als die fertig waren, meinte ich zu Timo „laß‘ die nächste Band mal ´n bischn abfeiern“, da die beim Soundcheck ganz geil klangen. Damit sollte eine unglaubliche Punkrock-Poser-Pogo-Show eingeläutet werden, die ihresgleichen sucht! Obwohl nur ca. 10-15 Leute bei „Rockass“ zurückhaltend an der Wand gelehnt herumstanden, tanzten/pogten/schwitzten/prollten Timo und ich uns die Seele zum Punk’n’Roll-Sound von der Bühne aus dem Leib, dass uns die Einheimischen endgültig für komplett bescheuert erklärt haben mussten. Es wurde absolut jeder Song enthusiastisch abgefeiert, obwohl dort sonst so gut wie nix los war. Ab und zu gesellte sich einer der Wand-Lehner für ein, zwei Songs dazu; ansonsten gab’s die Timo+Günni-Show, bei der Timo nicht nur dem Sänger ins Mic brüllte und auf die zwei Leute im Publikum stagedivte, sondern auch noch die Saiten des Gitarristen vollsabberte, als er versuchte, diese mit der Zunge (! – das ist Rock’n’Roll) zu spielen. Überhaupt, der Gitarrist – neben seiner schier unglaublichen Frisur (sah aus wie zwei bis drei überdimensionale, mutierte Locken) machte er uns beim Auftritt der vorherigen Band mit seinem einzigartigen Tanzstil bekannt – einer Mischung aus Helge Schneider, Ballett-ähnlichem Besoffski-Getorkel und modernem Ausdruckstanz. Genial und nicht von dieser Welt! Nachdem wir etliche Zugaben gefordert hatten, konnte die Band nicht mehr, so dass sogar nochmal „Luci’s Brainfuck“ auf die Bühne mussten, die dann auch einige geile Punkrock-Smasher zum Besten gaben und ebenfalls gnadenlos abgefeiert wurden…Irgendwie ham‘ die WB13er es dann leider doch geschafft, uns um ca. 6:00h morgens zu wecken, nachdem sie mit ca. 6-8 Leuten an uns rumgerüttelt und gezerrt hatten. Schade, so hatten wir noch einen beschwerlichen und vor allem langen Heimweg zu Timo’s Mamuschka vor uns, weil natürlich kein Arsch wach blieb und ohne Rücksicht auf Verluste in irgendwelchen U- und S-Bahnen weitergeratzt wurde… Egal, auf jeden Fall haben wir `nen erstklassigen Eindruck hinterlassen (wahrscheinlich denken die jetzt, in Hamburg geht’s auf Konzis immer so ab, haha [Edit 2015: Sicher…]) und uns den kompletten nächsten Tag, als langsam die Erinnerungen an vorherige Nacht zurückkamen, über unsere „Show“ bepisst. (www.rockass.de, da güpt’s paar Songs von denen)

[Nachtrag 2015: Wir waren Helden!]

24.11.2002, Juki 42, Ahrensburg: SMALL TOWN RIOT + THE STARTS + PUK + PESTPOCKEN

[Abt. „Klassiker“, mein ältester Konzertbericht überhaupt (man beachte das Datum), meines Wissens nie irgendwo veröffentlicht:]

Dieses Konzi war die Geburtstags-Party von Friedel (HH) und Torsten (Cuxhaven), die sich ein paar Bands eingeladen hatten. Tja, und nach einigen idiotischen Gerüchten im Vorfeld sollte eine Band, nämlich Small Town Riot, schon wieder ausgeladen werden. Zum Glück hat sich aber alles noch rechtzeitig geklärt, so dass das Konzi wie geplant über die Bühne gehen konnte. Das Juki 42 in Ahrensburg ist ein saugeiler Laden – nicht so’ne kleine Bude, wie man es sonst von JUZes eher gewohnt ist, sondern richtig geil auf Konzerte ausgerichtet, mit großer Bühne und viel Platz für die Crowd und, am allerwichtigsten: Bier für ´nen schlappen Euro!! Da schlägt das Punkrockherz in den höchsten Frequenzen, ebenso wie bei den Frisen von The Starts und Pestpocken, die die wohl perfektesten Iros vonne Welt haben: Millimetergenau wird da gefeilt, bis der blöde Tropfen vonner Wasserwaage endlich genau inner Mitte ist. Die Bandreihenfolge wurde ausgelost, den Anfang machten Small Town Riot. Deren Mischung aus feinstem Punk’n’Roll, Streetpunk und Hardcore-Kloppern kennen seit Erscheinen der Demo-CD „DEMOlition“ inzwischen auch schon einige und das 42 war schon ganz gut gefüllt mit ´nem absolut gemischten Publikum, Punks und Skins hielten sich in etwa die Waage. Sogar ein paar aus dem Ruhrpott waren da, die grad ´nen Kumpel in HH besucht hatten. Die Stimmung war recht gut, ein paar Leute waren immer am tanzen und beim „Pöbel & Gesocks“-Cover versammelte sich der Mob vor der Bühne, um ohne Ende mitzugröhlen. Leider war der Sänger ein kompletter Volltrottel und vergaß den gesamten Text der zweiten Strophe – und das, obwohl der Song in den Top 10 der bekanntesten Punkrocksongs ist! Egal, lag am Suff. Dafür hatte Timo, der Drummer, auch schon beim ersten Song seinen Drumstick sinnlos durch die Gegend geschmissen. Nun kamen PUK („Politisch Unkorrekt“) von irgendwo aus dem Osten. Zwar sah der Sänger mehr aus wie ein Rockabilly, die Mucke ging aber, natürlich, mehr in Richtung Punk. Ehrlich gesagt hab‘ ich von denen gar nicht so viel mitgekriegt, war wahrscheinlich damit beschäftigt, irgendwelche Leute mit uninteressantem Scheiß vollzulabern (eines meiner Hobbies, wenn ich ein‘ im Tee hab‘). The Starts aus Schwerin starteten nun auf die Bühne und waren absolut genial! Richtig geile Live-Band, Top HC-Punk und GEILE Schleim-Keim-Cover! Nicht nur ich hab’ da das Tanzbein geschwungen, ebenso wie bei Pestpocken, die ich in meinem Suff auch ziemlich abgefeiert hab‘… nunja, im Prinzip hätte da jede andere Band stehen können, mir war’s zu diesem Zeitpunkt egal. Aber Pestpocken mag ich eh ganz gerne, auch wenn längst nicht alle auf ihren schleppenden HC-Punk mit eingebauten Pogo-Knüppel-Explosionen und männlich/weiblichem Wechsel-Gesang so klarkommen. Über die würde übrigens vorher auch viel rumgesabbelt, von wegen, arrogante Leute, mögen keinen Oi!, usw. blabla… alles Blödsinn! Auf jeden Fall geiles Konzi in ´ner coolen Location, viel Spaß gehabt!

PLASTIC BOMB #41

(www.plasticbomb.de)

[Abt. „Klassiker“: Mein ältestes Review überhaupt (man beachte das Datum), noch lange vor Crazy-United-Zeiten geschrieben, meines Wissens nie irgendwo veröffentlicht:]

Tja, das Plastic Bomb gibt es nun also auch an Bahnhöfen etc., und Frank ist ab sofort leider nicht mehr dabei. Wahrscheinlich im Streit um dieses „Unpolitisch“-Thema gegangen (worden). Schade, hatte er doch immer, gerade zuletzt, eine angenehme Lockerheit ins Heft eingebracht. Aber genau dieses Thema zieht sich mal wieder durchs gesamte Heft. So finde ich es zwar gut, dass ordentlich Leserbriefe abgedruckt wurden, nur sind leider alle zu diesem Thema und die meisten wenig kompetent. Da pöbelt der eine gegen dieses, der nächste gegen jenes und fast alle sind super-politisch und lehnen „Unity“ etc. ab. Natürlich werden auch viele Begriffe wieder völlig durcheinander geworfen, so dass das Ganze für mich doch eher sinnfrei bleibt. Überhaupt scheint das Plastic Bomb schon seit einigen Ausgaben auf negative Art „erwachsen“ geworden zu sein – die Lockerheit, das Unverkrampfte, ja, der SPASS der früheren Ausgaben fehlen fast völlig. Herausheben muss man allerdings wieder den „Plastic Girl“-Teil, der noch all dieses enthält. Ansonsten gibt’s Intis mit Abel (Projekt Kotelett), Billy Bragg (sehr interessant, da merkt man, dass da kein Freizeit-Revoluzzer erzählt, sondern jemand, der sich wirklich tiefergründig mit der Materie politischer Zusammenhänge etc. auseinandergesetzt und gut durchdachte Schlüsse gezogen hat), Scrapy, Bonehouse, Avail und Extrabreit. ATAKEKS labert mit Einleben über Politik (ausgerechnet mit denen… aber der labert wohl mit ALLEN über Politik. Da Fallen Begriffe wie „anarcho-syndikalistisch“ – das ist alles furztrocken, stinklangweilig und besonders über vier Seiten überflüssig wie ein Pappkarton voll Scheiße). Sehr gelungen der zweite Teil des Venezuela-Reiseberichts sowie der Afghanistan-Report vom afghanischen A.C.K.-Mitglied – hochinformativ und wohltuend kritisch, nicht langweilend-politisch und von oben herab! Ansonsten wieder Reviews, Reviews, Reviews, bei denen man merkt dass Michas Oi!-Abneigung anscheinend doch ein wenig zurückgegangen ist (vielleicht lag’s an den teilweise doch kritischen Zuschriften zu o.g. Thema?). Alles in allem ist das Plastic Bomb aber nach wie vor eines der informativsten Fanzines und hebt sich immer noch Meilenweit von solchen Langweilern wie dem „OX“ ab. Und auf der CD tummeln sich einige geile Stücke!

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