Gnnis Reviews

Category: Konzertberichte (page 21 of 35)

19.09.2014, Kraken, Hamburg: YACØPSAE + RAZORS

razors + yacøpsæ @kraken, hamburg, 19.09.2014Beide stilistisch so gegensätzlichen Bands, die aber die große Punk-Subkultur vereint, haben eine Live-Split-10“ aufgenommen und feierten an diesem Abend ihre Record-Release-Party im Kraken. Das Besondere: Zunächst traten beide nacheinander auf und spielten lediglich die Songs der neuen Platte, danach betraten erneut die RAZORS die Bühne und spielten ein ausgiebiges Set. Und so geil hatte ich die RAZORS lange nicht mehr gehört! Der Sound war astrein, Dankers im positiven Sinne nöliger Gesang wurde gut in den Gesamtklang eingelassen und ein Oldschool-’77-Punkrock-Kracher nach dem anderen herausgerotzt, die mich zu ausgiebigem klassischem Pogo veranlassten und auch die übrigen Besucher in der vollen und engen Kneipe begeisterten. Die alten Herren haben es so manch Jungspund mal wieder so richtig vorgemacht und bewiesen neben musikalischer Abgeklärtheit eine bewundernswerte Ausdauer. Vermisst habe ich lediglich das doch eigentlich obligatorische BLITZ-Cover. Die Power-Violencer von YACØPSAE fand ich persönlich wie üblich untanzbar, spielten den Laden aber alles andere als leer, im Gegenteil! Ein schweres musikalisches Brachialgewitter erschütterte den Kiez und ich bin ja immer wieder fasziniert, wie die Bandmitglieder die einzelnen Songs so sehr auseinanderhalten können, dass jeder Break, jeder Drumbeat und jedes Riff präzise zu sitzen scheinen. Beeindruckend!

19.09.2014, True Rebel Tattoo, Hamburg: SMALL-TOWN-NORMAN

true rebel tattoo reeperbahn festival walk-in 2014

Nur eine Woche später gab sich Norman erneut die Ehre, diesmal mit seinem Solo-Akustik-Programm zu Ehren des „Reeperbahn Festival Walk-In“ getauften Tags der offenen Tür des True-Rebel-Tattoo-Stores auf St. Pauli, an dem man sich bei immer noch herrlichstem Sommerwetter nicht nur günstiger als sonst tätowieren lassen, sondern sich auch den einen oder anderen Drink oder Cupcake genehmigen konnte, während Norman entspannt einen Evergreen nach dem anderen herausholte, angefangen wieder bei Rock’n’Roll-Standards über SIMON & GARFUNKEL, DIE ÄRZTE und, und, und… Zeitlose Songs, kompetent und leidenschaftlich vorgetragen von einem begnadeten Alleinunterhalter. Ich gehe einfach mal davon aus, dass er auch für diejenigen immer noch gut zu hören war, die vor der Tür rauchten und tranken, statt sich im Inneren des Ladens aufzuhalten – anders könnte ich mir das nicht erklären. Nach einer längeren Pause wurde der Gute während des zweiten Teils seines Sets auch noch Opfer seines SMALL-TOWN-RIOT-Kollegen Timo, der ihn währenddessen fütterte, abfüllte und ihm Salzstangen ins Ohr steckte…

12.09.2014, Kraken, Hamburg: THE SPECTATORS

SMALL-TOWN-RIOT-Gitarrist Norman lud mit seiner Cover-Combo in den Kraken, was meine Chance war, die Jungs endlich mal live zu Gesicht zu bekommen. Viel Gutes hatte man schon gehört über die Band, mit der Norman seiner Leidenschaft für klassischen Rock’n’Roll und andere Evergreens frönt, und natürlich wurde ich nicht enttäuscht: Die mit Kontrabass und Cajón anstelle eines Schlagzeugs instrumentierte Band coverte sich nicht nur souverän durch manch ’50s-Rock’n’Roll-Standard, sondern streute auch anderes ein wie z.B. JOHNNY CASHs „Folsom Prison Blues“, u.a. mit deutschem GUNTER-GABRIEL-Text gesungen vom Bassisten mit seiner Reibeisenstimme oder „Boys of Summer“ von EAGLE Don Henley, in dieser Version besser als das Original! Nicht nur das unterscheidet die Band von einer x-beliebigen Oldie-Gruppe, die auf Stadtfesten ihr Coverset herunterreißt – THE SPECTATORS sind mit ehrlicher Leidenschaft, punkiger Attitüde und viel musikalischem Geschick dabei, insbesondere der zweite Gitarrist Kim tat sich hervor und zauberte aus Klampfe und Effektgerät manch Überraschendes. Könnte ich mir eigentlich jeden Tag anhören und diejenigen, die die Kneipe ansehnlich füllten, werden ähnlich gedacht haben. Kurzweilig und richtig gut!

05.09.2014, Kraken, Hamburg: IN VINO VERITAS + DISILLUSONED MOTHERFUCKERS

disillusioned motherfuckers + in vino veritas @kraken, 05.09.2014

IVV-Bandkopf Ladde feierte in seinen Geburtstag mit einem Gig hinein und hatte sich uns als zweite Band des Abends gewünscht. Da man bis Mitternacht mit dem Bühnenkrach durch sein muss, begannen wir pünktlich um 22:00 Uhr in – welch Wohltat! – Komplettbesetzung. Der Laden war richtig gut gefüllt und das gemischte Publikum hatte Bock auf uns, ging gut mit. Wir spielten das komplette Set und die Jungs von PROJEKT PULVERTOASTMANN forderten so lautstark „Waffel-Vibe“, dass wir das Ding auch noch zocken mussten und als Zugabe noch mal „Elbdisharmonie“ dranhingen. Möglicherweise hatte ich das berühmte Bierchen zu viel mir einverleibt, denn rekordverdächtige 3x versang ich mich. Ansonsten lief aber alles soweit glatt, einmal abgesehen von den Soundproblemen: Immer, wenn die Instrumente verstummten und ich zu einer Ansage ansetzte, ging ein Fiepen etc. durch den Raum, als würde sich ein Gate öffnen. Und mitten in ’nem Song fiel mein Mikro dann auch noch ganz aus, wurde aber flugs ausgewechselt. IN VINO VERITAS räumten mit ihrem ungehobelten Oi!-Punk ebenfalls gut ab, leider klang hier der Gesamtsound mitunter etwas breiig. Diejenigen, die Bock zu feiern hatten, störte das aber nicht im Geringsten. Mittlerweile hat die Band gar so viele Songs im Programm, dass sie gar nicht ihr ganzes Set unterbringen konnte, denn um 00:15 Uhr wurde kurzerhand der Saft abgedreht. Zuvor bereits konnte Ladde die zahlreichen Glückwünsche zu seinem 30. entgegennehmen, weigerte sich aber, die Kronkorken aufzufegen. Buh! 😉 Anmerken muss ich allerdings, dass nicht allen Gästen diese gewagte Mischung aus HC-Punk von uns Oi!-Punk von IVV so ganz zusagte und der eine oder andere tatsächlich vorzeitig die Kneipe verließ. Mir hat’s komplett Spaß gemacht und von mir aus können wir das gern mal wiederholen. Danke an IVV für die Einladung, den Kraken für die Bühne und Michi fürs Equipment-Fahren!

29.08.2014, Gängeviertel, Hamburg: OUT OF STEP + FIRM HAND + FAST SHIT

out of step + firm hand + fast shit @gängeviertel, hamburg, 29.08.2014

Hardcore-Show im Gängeviertel mit drei Hamburger Combos an ‘nem Freitagabend – da gab‘s nichts lange zu überlegen, hin da! Bei herrlichem Spätsommerwetter löhnte ich 5,- EUR Spende als Eintritt und lernte die neue Band des ehemaligen HAMBURGER-ABSCHAUM-Klampfers Dennis kennen, die auf den Namen FAST SHIT hört und sich ansonsten zu Teilen mit den OI!SLUTS überschneidet. Texte auf deutsch und englisch, musikalisch von deutschem HC-Punk wie aus den ‘80ern bis hin zu lupenreinem Hardcore, wobei so’ne Unterscheidung natürlich immer schwierig und strenggenommen Quatsch ist. Die fünfköpfige Combo tritt mit zwei Gitarren an, der Shouter hat beide Hände frei und dementsprechende Bewegungsfreiheit, die er auch zu nutzen versteht. Eigene Songs tragen Titel wie „HVV-Hurensohn“ und „DFB-Arschloch“ oder so ähnlich, setzen sich aber auch mit Themen wie z.B. dem sog. „NSU“ auseinander. Angereichert wurde das Set mit mancher Coverversion, z.B. „Keine Wut mehr“ von SCHLEIMKEIM und „Injustice System“ von SICK OF IT ALL sowie „Young ‘til I Die“ von den 7 SECONDS, das man an diesem Abend gleich 2x zu hören bekommen sollte, aber dazu später mehr. Bei ein, zwei Songs übernahm der Drummer den Hauptgesang, was für zusätzliche Abwechslung sorgte. Das war alles sehr unterhaltsam und wurde überzeugend dargereicht, machte Laune! Riesenrespekt übrigens an Bassist Henning, bei dem ich mich zunächst fragte, weshalb er den gesamten Gig so lässig am Barhocker lehnte. Des Rätsels Lösung: Er hatte jüngst einen Leistenbruch erlitten und kam quasi direkt aus dem Krankenhaus zum Gig – das ist Einsatz!
FIRM HAND, mit denen ich meiner Rolle als Sänger bei BOLANOW BRAWL mal in Wedel zusammengespielt hatte, waren als nächstes an der Reihe und spielten ein technisch sehr präzises Set schnörkellosen, englischsprachigen Hardcores mit aggressivem Shouting und nun, da ich die Band zum zweiten Mal sah, entwickeln die Songs langsam, aber sicher ihren Wiedererkennungswert, was für das Material spricht. Kommt echt gut rüber, haut auf die Zwölf und wurde erneut mit der THIS-BELIEF-Coverversion „Justice“ versehen. Die Publikumsreaktionen des gut gefüllten Ladens waren entsprechend. Einziger Kritikpunkt: Zwischen den Songs finde ich die Band etwas leise und zurückhaltend – ein paar mehr deftige, mitreißende Ansagen würden sicherlich gut passen! Ich bin mir aber sicher, dass man so oder so von FIRM HAND noch viel hören wird.
OUT OF STEP sah ich vor einigen Jahren in schöner Regelmäßigkeit, dann irgendwie länger nicht mehr. Die spielfreudige Band war viel im Ausland unterwegs und irgendwann zerbrach das Line-up, weshalb man sich zurückzog, neue Leute anlernte und irgendwann wieder angriff. Das Album ging aber irgendwie an mir vorbei. Nun also die Gelegenheit, wieder einzusteigen und Shouter Paddy, den ich bereits aus seligen VINDICATOR-Zeiten kenne, hat mich auch gleich wiedererkannt. 😉 Ich wurde alles andere als enttäuscht, noch immer beherrscht die Band ihren herrlich hektischen Oldschool-„Posi“-Hardcore, ist Paddy ein humorvoller, schlagfertiger Entertainer und rannte trotz der Hitze im Laden in seiner Jacke („Das ist keine Regenjacke, das ist ‘ne Schwitzjacke!“) durch die Reihen, animierte das Publikum zum Mitmachen, reichte Mikros zum Mitgrölen ins den Mob etc. So holte ich mir zu eigenem, durchweg überzeugenden Material ‘ne schöne Ladung positiver Energie ab, begann auch endlich, grobmotorisch durch die Gegend zu springen und brüllte entschlossen in erster Linie die Coverversionen „Friend or Foe“ (AGNOSTIC FRONT) und zum zweiten Mal „Young ‘til I Die“ (7 SECONDS) mit. Sehr geile Sause, ohne Zugabe ließ man OOS nicht von der Bühne und anschließend war ich vollauf befriedigt.
Ein absolut lohnendes Konzert durchweg sehenswerter und engagierter Bands ging so zu Ende, das in einem Laden stattfand, der nicht nur in einer für Hamburger Subkultur-Konzerte ungewöhnlichen Umgebung die Fahne hochhält, sondern auch einen Spitzensound zaubert und leckeres kaltes Störtebeker-Pils ebenfalls gegen Spende raushaut – da darf dann zwischendurch auch ruhig immer mal wieder zeitweise das komplette Licht ausgehen. So zeigt sich wenigstens, welcher Musiker sein Instrument auch blind beherrscht!

24.08.2014, El Dorado (Gaußplatz), Hamburg: THE RIJSEL IRISH BOY’Z + DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS

Fred wollte seinen Geburtstag zünftig auf dem Gaußplatz begehen und holte dafür gleich eine Band heran, die er durch seine zahlreichen Aktivitäten als Fahrer für diverse Musikanten kennengelernt hatte: THE RIJSEL IRISH BOY’Z – Irish-Folk-Punk aus… FRONKROISCH! Als Support bat er uns als DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS und natürlich ließen wir uns nicht lange bitten. Die ganze Sause war als Privatparty deklariert worden, weshalb man auch keinerlei Werbung machte und uns ebenfalls bat, das nicht an die große Glocke zu hängen. Zudem handelte es sich um einen Sonntag, so dass ich mich keinen großen Illusionen hingab, was den Publikumsandrang betrifft. Zuvor allerdings fand noch ein Matinee-Konzert in der Lobusch statt, wohin es bereits den einen oder anderen verschlug und geplant war, erst auf dem Gaußplatz anzufangen, wenn das Lobusch-Konzi vorbei ist und das dortige Publikum genug Zeit hatte, bei Interesse weiter auf den Gaußplatz zu pilgern. Da sich nun der Beginn in der Lobusch ganz gut nach hinten verzögerte, hatten wir auf dem Gaußplatz genügend Zeit für Aufbau, Soundcheck, Pläuschchen und natürlich zum Aufwärmen (ok, euphemistisch für Warmtrinken). Die vorhandene, von Wurzel bediente Soundanlage schien leider einen kleinen Hau weg zu haben, weshalb es schwierig wurde, einen vernünftigen Sound sowohl über die hängenden Monitorboxen als auch ins Publikum zustande zu kriegen. DMF-Terrorklampfer Eisenkarl hat zum Glück ebenfalls Ahnung von sowat und anscheinend gelang es mit vereinten Kräften, die Probleme weitestgehend in den Griff zu bekommen. Ohnehin tummelte sich schon reichlich Volk auf dem Platz und als wir zu vorgerückter Stunde dann mit „Aktion Mutante“ eröffneten, war die Platzkneipe voll und die Stimmung prächtig! Unseren ersten Gig nach Drummer Chrischans längerer Verletzungspause kündigten wir als öffentliche Probe an, da wir zuvor lediglich ein einziges Mal wieder in kompletter Besetzung geprobt hatten, und hofften, dass es einigermaßen funktionieren würde – und das tat es besser als erwartet! Ab und zu hakte es noch etwas, einen Song brachen wir nach dem Intro ab und begannen gleich noch einmal, aber ansonsten flutschte es wieder ganz gut – ein geiles Gefühl, wieder die ganze Bande am Start zu haben, insbesondere, wenn das Publikum auch noch so gut mitgeht wie an diesem Tag im El Dorado. Der Sound bereitete plötzlich auch kaum noch Probleme und ballerte besonders ins Publikum sehr respektabel. Nach unseren zwölf Songs war das Set durch, als Zugabe wurde noch einmal „Elbdisharmonie“ verlangt. Ob ich da eine Strophe zu wenig brüllte oder Chrischan eine zu viel spielte, war anschließend nicht mehr zu erörtern, aber auch fuck egal. Hat verdammt viel Spaß gemacht und das offensichtlich nicht nur uns!
Irish-Folk-Punk aus Frankreich – kann das gutgehen? Klar, warum auch nicht?! Bei den durchgeknallten Froschfressern mit Affinität zu Kilt und Flöte gab’s dann gar kein Halten mehr, denn THE RIJSEL IRISH BOY’Z entfachten eine unfassbare Party! Dreckiger, harter Punk traf auf irische Fröhlichkeit und ebensolche Klänge, Mandoline und Flöten auf verzerrte Gitarren und kehligen, rauen Gesang – und das passte schlicht perfekt zusammen, die Band gab absolut alles, bewies eine unfassbare Kondition und wurde gebührend und vollkommen zu Recht gefeiert. Ob Eigenkompositionen oder Traditionals – das knallte alles verdammt gut, der Sound war ebenfalls tadellos und ohne Zugabe ließ man die Band nicht von der Bühne. Im Anschluss wurde natürlich noch zünftig weitergefeiert und so war ich doppelt froh, mir den Montag freigenommen zu haben. Für eine sonntägliche Privatparty eigentlich ein unglaubliches Konzert. Danke an Fred für die Einladung, an Wurzel für Sound etc. und an Olax fürs Kulinarische!

16.08.2014, Balduintreppe, Hamburg: Elbdisharmonie-Soli-Festival

elbdisharmonie 2014Zum sechsten Mal in Folge blies man auf der Balduintreppe vorm Hamburger Hafen zum Gratis-Soli-Festival „Elbdisharmonie“. Nachdem ich letztes Jahr passen musste, war ich diesmal wieder dabei, einer von vielen unter hunderten Besuchern, die sich bei für Hamburger Verhältnisse recht okayem Wetter mit nur gelegentlichen Regenschauern an, auf und um die heiligen Stufen herum versammelt hatten. Da es bereits um 15:00 Uhr losging, ich aber erst gegen 18:00 Uhr eintraf, verpasste ich manch Darbietung. CREAM OF THE CRAP galt dann mein erstes Interesse. Die Punkrockband hatte ich vor zwei Jahren mal im Bergedorfer Flop gesehen, wo sie mir ziemlich gut gefiel. Und noch immer wussten das melodische bis rotzige, englischsprachige Material gut zu gefallen, zündete manch Song auf Anhieb und überzeugte mich vor allem die überaus fähige Sängerin. Schade nur, dass zwar der Gitarrist gelegentlich etwas poste, die, äh, „instrumental ungebundene“ Sängerin sich jedoch nicht mehr als nötig bewegte, wodurch die Band zuweilen eine gewisse Lustlosigkeit ausstrahlte, die ich ihr aber natürlich keinesfalls unterstellen möchte. Und wenn eine hübsche Sängerin „Now I Wanna Be Your Dog“ singt, ist das doch auch noch mal etwas ganz anderes, als wenn das der olle Iggy macht… ähem. Vor und nach der Band sowie vermutlich zwischen allen weiteren Acts freestylten übrigens ein talentierter Hip-Hopper und ein offensichtlich nicht unbedingt jener Subkultur entstammender älterer Herr, der sich den Spaß trotzdem nicht nehmen ließ, zwischen den Publikumsreihen diverse Reime zum sozialkritischen Anspruch des Festivals, was auf mehr oder weniger Interesse stieß, in jedem Falle aber eine kreative Abwechslung zum herkömmlichen Halten von Protestreden darstellte. Mehr aus der Ferne lauschte ich anschließend den ersten Songs der Ska-Coreler SKANKSHOT. Da wurde hektisch geskankt und brachial HC-gewütet, technisch kompetent und mit Leidenschaft, aber ich muss gestehen, dass diese Ska-mit-Terror-Verwurstungen meines Erachtens mit CHOKING VICTIM und deren Nachfolgern LEFTÖVER CRACK ihren Höhepunkt erreicht haben und ich seither vieles, was da meines Erachtens weder stilistisch noch sonstwie heranreicht, weitestgehend mit Ignoranz strafe. Möglicherweise ein Fehler, ich weiß. In der Abenddämmerung war es dann an INVISIBLE URCLE, die musikalische Bandbreite des Festivals erneut zu erweitern. Hatte ich noch nie von gehört und entpuppte sich als Hip-Hop- und Reggae-lastiges Projekt mit ich glaube Keyboards und Geige sowie vielen unterschiedlichen Sängerinnen und Sängern, die gern im Doppelpack auftraten. Die Songs schwankten von annehmbar bis zu nervig und unhörbar, so dass ich mich mit meiner Begleitung alsbald ins Ahoi zurückzog. Uns wieder herauszulocken schafften schließlich DAS KARTELL, jene deutsche Ska-Band, in die ich nun meine Hoffnungen setzte. Jedoch klangen mir auch hier wie bei so vielen deutschen Ska-Bands die Songs zur sehr nach Kirmes und Fröhlichkeit, dafür zu wenig nach Roots, nach Seele, nach Lebensgefühl. Es ist schon irgendwie bezeichnend, wenn ausgerechnet eine Cover-Version, das kongeniale, leicht melancholisch, typisch britische „My Girl“ von MADNESS, den Höhepunkt des Sets bildet. Dafür wurde diese Version aber sehr originalgetreu vorgetragen und machte Laune. Der Rest war musikalisch perfekt, aber für meinen Ska-Geschmack kommt einfach nicht das rüber, was ich an dieser Musik, besonders am Two-Tone längst vergangener Tage, wirklich schätze – sorry, Jungs. Das war’s dann auch mit dem offiziellen Teil, im Ahoi legte DJ KERNSEIFE noch ‘ne ordentliche musikalische Melange auf die Teller, die sich gewaschen hatte. Über den Rest der Nacht hülle ich den Mantel des Schweigens, nur so viel noch: Obwohl dieses Jahr nicht unbedingt meine Lieblingsbands spielten, war es ein geiles Festival! Die Musik steht hier nämlich gar nicht wirklich im Vordergrund. Es sind vielmehr das ganze Drumherum, die gute Organisation, der antikommerzielle Charakter, das Zusammenkommen und das solidarische Miteinander und natürlich die gute Lage zwischen zwei der bedeutendsten Kneipen Hamburgs, das den Aufenthalt so angenehm macht. Die trotz aller dargebrachten Kritik an Hamburger Verhältnissen positive Grundstimmung überträgt sich aufs Publikum und wenn das Wetter auch noch einigermaßen mitspielt, fühle ich mich dort wohl – egal, wer genau da nun gerade auf der Bühne steht. Insofern danke für das Festival und viel Durchhaltevermögen für die nächsten Jahre!

02.08.2014, Rondenbarg, Hamburg: RONDENBARG OPEN AIR

rondenbarg open air 2014Auf dem Rondenbarg Open Air waren wir für 23:15 Uhr angesetzt und als wir ankamen, spielten gerade die BICAHUNAS dreckigen, rotzigen Punk mit weiblichem Gesang. Wir machten uns mit dem Backstage, dessen Funktion die Kneipe des Wagenplatzes übernahm, vertraut, klärten alles Nötige, sackten unsere Verzehrbons ein und begrüßten Freunde und Bekannte. Organisator Norman guckte leicht verdutzt drein, als wir ihm eröffneten, dass wir eigentlich fünf Gesangsmikros bräuchten, weil jeder bei uns irgendwie mitträllert. Vier wurden’s dann immerhin, wofür Norman sein eigenes Mikro aus dem Mischturm hergeben und wir somit von der hohen Bühne aus in Zeichensprache während des Soundchecks miteinander kommunizieren mussten. Dieser wurde trotzdem erfolgreich durchgeführt, wenn es auch etwas problematisch wurde, meinen eigenen Gesang auf meinem Monitor dominant zu bekommen. Egal, mit leichter Verspätung betrat dann HAMBURGER-ABSCHAUM-Gitarrero Holli die Bühne, den wir als Ansager herangezogen hatten, da Ben Becker leider keine Zeit hatte. Wie geplant brüllte er etwas von einer weltberühmten Band ins Mikro, deren Namen er dann aber von einem zerknüllten Zettel ablesen musste, den er umständlich aus seiner Hosentasche hervorkramte und zudem erst noch seine Lesebrille aufsetzen musste, nur um ihn dann doch falsch auszusprechen. Selbstironie können wir nämlich auch, wovon auch unser erster unbescheidener Song „We Rule OK“ zeugt, jenes OXYMORON-Cover, das sich seit diversen Gigs auf oberster Position der Setlist findet. Da es sich um ein Open Air handelte, bekam ich gut Luft auf der Bühne und so machten sich bei allen von uns nur relativ wenig erschöpfungsbedingte Ausfallerscheinungen bemerkbar – glaube ich zumindest. Bassist Stulle übte sich in Tierstimmenimitationen und Ole sprang irgendwann von der Bühne mit seiner Klampfe ins Publikum. Meine Ansagen während beider Gigs des Tages hätte man aber gut als „Gestammelte Werke“ zusammenfassen können… Die Publikumsresonanz war für die Konstellation Bauwagenplatz + vorgerückte Stunde + kein Geballer echt ok und ’ne Zugabe wurde uns ebenfalls abverlangt, so dass das KACKSCHLACHT-Cover „Arbeit/Saufen“ noch einmal zu Ehren kam. Es hat arschviel Spaß gemacht, zumal die Aufregung vorm Logo-Gig abgefallen war, wir das Adrenalin von dort aber mitgenommen hatten. So feierten wir dann auch noch lange weiter, waren viel zu aufgedreht, uns WWK konzentriert anzugucken und hoffen im Nachhinein, nicht zuviel beim Getränke-Bon-Kassen-Kneipentresen-Barzahlungs-System durcheinander gebracht zu haben… Unser Dank gilt Norman, der als Mann für alles einen super Job gemacht und sich prima gekümmert hat! Doppel-Eskalation erfolgreich ausgeführt!

02.08.2014, Logo, Hamburg: BISHOPS GREEN + BOLANOW BRAWL

bishops greenWir hatten uns gefreut, mit BOLANOW BRAWL kurzfristig noch ins Samstags-Billing des zweitägigen Rondenbarg-Open-Airs reingerutscht zu sein. Doch wenige Tage vorher ereilte uns eine Anfrage, ob wir nicht die kanadischen Streetpunkt-Senkrechtstarter BISHOPS GREEN auf dem Hamburg-Abstecher ihrer Europa-Tour im Logo als Vorband supporten könnten. Darauf hatten wir natürlich auch Bock und so reifte kurzentschlossen ein wahnsinniger Plan: Wir spielen einfach beide Gigs! So fanden wir uns also pünktlich im Logo ein, jenem Club in der Nähe des Bahnhofs Dammtor, in dem ich früher unzähligen Punk- und Oi!-Konzerten beigewohnt hatte und den ich seither in bester Erinnerung habe. Dass ich nach längerer Abwesenheit nun direkt mit meiner eigenen Band dort auf den Brettern stehen würde, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Doch unverhofft kommt oft und nachdem wir den sich als überaus entspannte Zeitgenossen herausstellenden BISHOPS GREEN beim Soundcheck zuschauten, zauberte uns der superfreundliche Mixer ebenfalls in aller Ruhe einen erstklassigen Bühnen- und vermutlich auch P.A.-Sound zurecht. Bis zum Konzertbeginn war noch etwas Zeit und so konnte man sich in Ruhe umsehen, die bekannten Gesichter im langsam eintrudelnden Publikum begrüßen und sich über die Backstage-Lebensmittel und -Getränke hermachen. Bei mir war sie dann doch wieder präsent, diese Aufgeregtheit, wie sie vorm allerersten Gig am extremsten, zuletzt für unsere Kneipen- und D.I.Y-Club-Konzerte aber beinahe gänzlich verschwunden war. Das lag natürlich daran, dass dieser Gig bisher derjenige im bisher professionellsten Rahmen für mich wurde und wir hier auch vor einem dann doch noch mal etwas anders zusammengesetzten Publikum spielten, sprich: hier kannte uns noch keine Sau und der Auftritt würde zu einer Art Visitenkarte für weitere Konzerte dieser Art werden. Um Punkt 21:00 Uhr ging’s los und erfreulicherweise hatten sich trotz des geilen Wetters reichlich Interessierte vor der Bühne eingefunden. Das Logo hat seine diversen Auflagen zu erfüllen und so muss auch sichergestellt sein, dass ein Konzert rechtzeitig wieder beendet ist. Wir hatten also nicht unbedingt Zeit zu verlieren, beschränkten unser Zwischengeplänkel auf das Wesentliche und zogen durch, um unser komplettes Set unterbringen zu können. Das klappte eigentlich soweit ganz gut, die Bilanz lautet ein Verspieler der Jungs und ein Versinger, den ich mir geleistet habe. Auf dem Kriegsfuß stand ich aber mit der Setlist, für die ich diesmal besonders kreativ sein wollte, einen ausgefallenen Font wählte – und mich prompt gleich 2x bei meinen Ansagen in der Zeile vertat! Mann, Mann, Mann… ’ne kleine Herausforderung war auch die Affenhitze in der schwarzen Box, die das Logo ist und sich vermutlich den ganzen Tag lang schön unter der Sonnenbestrahlung aufgeheizt hatte. Das Publikum nahm uns positiv auf und nach dem abschließenden „Where Is My Hope“ nahmen wir noch schnell ein paar warme Worte entgegen, bauten in Windeseile unser Zeug ab, wünschten BISHOPS GREEN mit ihrem gesundheitlich etwas angeschlagenen Sänger viel Glück, ließen uns von ihnen für bescheuert erklären, jetzt noch einen Gig spielen zu wollen und fanden uns mit Sack und Pack von außen vor der Backstage-Tür des Logos wieder, wo wir noch den ersten Song der Kanadier hörten, bis uns zwei Taxen zum Rondenbarg chauffierten. Danke an alle, die diesen Gig ermöglicht haben, an BISHOPS GREEN und natürlich das Publikum, das uns so gar nicht auf dem Zettel hatte, uns aber trotzdem seine Aufmerksamkeit schenkte – das hatten wir so nicht erwartet!

25.07.2014, Cobra Bar, Hamburg: SMALL TOWN RIOT

small town riot + resolutions, cobra bar, 25.07.2014SMALL TOWN RIOT kostenlos inner Cobra Bar, das bedeutete für uns, die SKINNY BITCH in der Astra-Stube links liegen zu lassen und nach Ende des VIOLENT-INSTINCT-Gigs unversehens auf den Kiez zu latschen, um dem Spektakel beizuwohnen. Obwohl dort am Wochenende eigentlich immer einiges los ist, bot sich uns diesmal doch ein ungewohntes Bild: Auf der Straße vor der Kneipe wimmelte es nur so von alten Bekannten, darunter einige, die man doch länger nicht mehr gesehen hatte. Bei immer noch bestem Wetter machte man es sich mit ’nem Pilsken bequem und tauschte sich aus – auch, als die Hannoveraner von RESOLUTIONS mit ihrem Set begannen. Deshalb kann ich zu denen auch überhaupt nichts sagen, doch mit Startschuss zum Gig meiner alten Kumpels SMALL TOWN RIOT hielt uns nichts mehr draußen und wir verwandelten die Cobra Bar in das reinste Schweißbad. Auf engstem Raum türmten sich die Menschen, während die Band die leichte Erhöhung als Bühne nutzte und einen Hit nach dem anderen raushaute. In bester Feierlaune unterstützten wir Timo, Norman & Co., deren Songs mich schon so lange begleiteten. Hier und da war mal ein Gesangsmikro etwas leise, ansonsten war ausreichend Druck auf dem Kessel und wurde ohnehin vom Publikum mitgesungen, so gut es ging. Trotz des wenigen Platzes versuchten wir uns in der ersten Reihe erfolgreich an ein wenig Pogo, wenn wir nicht gerade mit den Armen in der Luft skandierten. Und ohne Zugabe ließen wir die Band natürlich nicht von der Bühne. Ein astreiner Gig, bei dem mir lediglich der eine oder andere Hit aus dem großen musikalischen Fundus fehlte, beispielsweise „Timmy“, der lautstark gefordert wurde. Im Anschluss wurde auf der Straße noch ein wenig weiter gefeiert, bevor die Vernunft mich in die Bahn nach Hause zwang.

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