Gnnis Reviews

Category: Konzertberichte (page 28 of 37)

30.11.2012, Skorbut, Hamburg: STRAWBERRY BLONDES + SUIZIDE QUEENZ

Andy Unemployed lud zur Geburtstagsparty mit seiner eigenen Band SUIZIDE QUEENZ und den walisischen STRAWBERRY BLONDES ins Skorbut – mein drittes Skorbut-Konzert hintereinander. 6 Taler sollte es kosten und für mich endlich DIE Gelegenheit darstellen, mir die SUIZIDE QUEENZ um ex-SMALL-TOWN-RIOT-Andy und ex-PUSHUPS-Högi mal genauer unter die Lupe zu nehmen, nachdem ich zuvor bisher jedes Konzert verpasst hatte bzw. im Sommer in Ahrensburg so spät gekommen war, dass ich kaum noch etwas mitbekommen hatte. Leider kam ich wie üblich auch diesmal etwas zu spät und verpasste – Überraschung! – die ersten Songs der STRAWBERRY BLONDES, denn diese spielten VOR den QUEENZ. Ich hab das erste Album der BLONDES zuhause, das nach einem sehr netten RANCID-Klon klingt. Weitere Veröffentlichungen habe ich nicht mehr verfolgt, war mir aber sicher, dass die Band für eine geile Punkrockparty prädestiniert sein würde. Und ich wurde nicht enttäuscht; im einmal mehr rappelvollen Skorbut legte das Trio einen geilen Auftritt voller hymnischer Streetpunk-Refrains aufs Parkett, die sofort zum Fäusterecken und Mitsingen einluden. BOLANOW-BRAWL-Kollege Stulle war bereits wieder jenseits von Gut und Böse und zog bei Affenhitze im zugeknöpften Anorak sämtliche Register vor der Bühne. Nach einer kurzen Umbaupause dann die SUIZIDE QUEENZ, die ich mir ja GANZ eigenartig ausgemalt hatte. So war mir der bedenkliche Musikgeschmack Högis bekannt, der auf Glam-L.A.-Metal und Poser-Hardrock schwört, womit man mich aber mal so richtig jagen kann. Frühere Auftritte brachten der Band bereits den Spitznamen SUIZIDE QUEERZ ein, womit man auf Bühnenoutfit und Make-Up anspielte. Ich war also aufs Schlimmste gefasst. Doch diesmal hatte sich auf der Bühne niemand als Indianer verkleidet und das Outfit ging durchaus als punkkompatibel durch – wie auch, und das ist schließlich das Wichtigste, die Mucke! Das klang nach astreinem angeglamten Punk’n’Roll, was da von der Bühne kam, und Högi konnte sich an der Gitarre so richtig austoben und beweisen, welch begnadeter Gitarrist er ist. Die ganze Ausstrahlung, die da rüberkam, war eine überaus positive, glückliche, als hätten alle tierisch Bock auf genau das „Nischending“, was sie da machen. Högi sang sehr hoch und klar, aber gekonnt, melodiös und eingängig. Hier hatte es niemand nötig, auf der Bühne den harten Max zu markieren. Seltsamerweise gefielen mir Sound und Attitüde, ich nahm die Band als willkommene Abwechslung wahr. Ihren Teil dazu bei trug sicherlich die gute Stimmung, aber auch allgemein war‘s für mich ein schöner Abend zum Einfach-mal-Zuhören-und-die-Musik-auf-sich-wirken-lassen. Eine ablehnende Haltung der Band gegenüber halte ich für unangebracht, wurde positiv überrascht, hatte meinen Spaß und guck mir das Ganze gern noch mal an. Högi, Andy & Co. wünsche ich jedenfalls alles Gute für die Zukunft und ziehe meinen Hut davor, dass sie ihren eigenen Stiefel durchziehen.

24.11.2012, Skorbut, Hamburg: BOLANOW BRAWL

Der Tag der Wahrheit war gekommen: Seit ich mich im Frühjahr zum „Vorsingen“ bei einer sänger- und mehr oder weniger namenlosen, melodischen Streetpunk-Band hatte überreden lassen, in der mein alter Kumpel Stulle (ex-DOGS ON SAIL-Frontsau) den Tieftöner zupft, blieb man zusammen, stellte sich aufeinander ein und tüftelte an Songs – zu meiner Überraschung, da ich in diesem Bereich nun wirklich überhaupt keine Erfahrungen vorzuweisen hatte und auch mit den DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS zu jenem Zeitpunkt noch kein einziges Mal auf einer Bühne stand. Irgendwie funktionierte das alles aber halbwegs und die Hauptsache: machte allen Beteiligten inkl. meiner Spaß, so dass man das leicht verfrühte Angebot, am 24. November im Skorbut den ersten Gig zu absolvieren (angepeilt war die „Bühnenreife“ für frühestens Dezember) nach nur kurzer Überlegung dankend annahm. Ein voller Set von zehn Songs und komplett englischen Texten, der meiner Stimme etwas mehr abverlangt als reines aggressives Gebrüll, war (und ist) eine Herausforderung für mich und dementsprechend freudig aufgeregt war ich. Die „Generalprobe“ am Nachmittag desselben Tags verlief aber ok und verschaffte ein wenig bitter nötige Sicherheit. Also Equipment zusammengepackt und gen Skorbut zum Aufbau gebracht. Dort, wo die Bühne ist, befinden sich im „Normalbetrieb“ Sofagarnituren, Tische und Stühle, die zunächst einmal weggeräumt werden mussten, um anschließend alles aufzubauen. Was für ein Aufwand für einen einzelnen, nicht einmal einstündigen Gig unserer jungen Band, der noch dadurch erhöht wurde, dass Soundmann Andy sein Equipment für Liveaufnahmen testen wollte! Irgendwann stand alles an Ort und Stelle und der Soundcheck konnte durchgeführt werden – auch dieser verlief gut. Die Zeit bis zur offiziellen Öffnung der Kneipe nutzte man in vorfreudiger Stimmung für einen Besuch bei Pauli Pizza, deren kulinarische Offenbarungen in lockerer Runde bei Stulle zu Hause verzehrt wurden. Jalapeños sorgten für Feuer in Rachen, Magen und Geist. Für mich war das ein besonderer Moment, eine Art letzte Erdung vor dem unausweichlichen Sturz- oder Höhenflug, je nachdem. Gegen 21:00 Uhr trudelten wir wieder ein und beobachteten, wie der Laden immer voller wurde mit Leuten, die bereitwillig die 3 Taler Eintritt abdrückten. Die Propagandamaschinerie schien im Vorfeld bestens funktioniert zu haben, der Laden wurde voll – obwohl zeitgleich COCK SPARRER in der Sporthalle spielten! Irgendwann zwischen zehn und halb elf ging’s dann auf die kleine Bühne, auf der es mit fünf Leuten schon reichlich eng wird. Aufgrund der niedrigen Decke kann man sich auch im wahrsten Sinne des Wortes keine großen Sprünge erlauben. Massenweise Augenpaare, viele davon gut bekannt, andere noch nie gesehen, starrten interessiert auf den Ort des Geschehens, nun gab es kein Zurück mehr – und mit „Total Escalation“ legten wir los. Das Publikum nahm uns sofort gut auf, einige Freunde unterstützten uns, wie es nur ging und bewegten sich grobmotorisch zur Darbietung, der Funke sprang auf weite Teile des Publikums über. Es wurde getanzt, gelacht, gegrölt, mit Bier gespritzt, die eingängigen Chöre der Refrains mitgesungen… es herrschte ausgelassene Party-Stimmung! Besser hätt’s gar nicht laufen können und so folgte auf „Dirty Streets“ „Alcoholic Heart“, danach „Radio Callboy“, gefolgt von „Brigitte Bordeaux“ – einige hatten dann und wann nie veröffentlichte Probeaufnahmen gehört und konnten bereits den Refrain mitsingen –, und „Fame“ aus alten CRAKEELS-Zeiten von Rhythmusgitarrist Christian und Drummer Raoul. Nach diesem aggressivsten unserer Songs war ich eigentlich bereits fix und alle. Die wenige Luft war verbraucht, meine Puste erst recht und der Schweiß rann mir den Körper herunter, brannte in den Augen. Und dabei hatte ich mich gar nicht viel bewegt, schlicht weil es die Bühne nicht hergab! Verdammt, nun weiß ich, wie es sich für manch Sänger anfühlen muss und habe einen Heidenrespekt davor, wie diese es schaffen, trotz allem noch souverän und lässig auf der Bühne zu wirken. Das Adrenalin, der Spaß, das geile Publikum und die absolut souveräne Band ließen mich natürlich weitermachen, allerdings hatte ich kaum noch ein Gespür dafür, wie es klang, was ich da herauspresste – den Reaktionen nach zu urteilen aber kann das so verkehrt nicht gewesen sein. Der jüngste Song „All I Have To Give“ bereitete keine Textschwierigkeiten (was zuvor eine meiner größten Sorgen gewesen war), „Brainmelt“ besiegelte das Trio der besonders bei dieser Affenhitze so richtig anstrengenden Songs und bei „Three Card Trick“ ging ein weiterer Traum in Erfüllung – mit diesem Song einmal auf einer Bühne! Whew! „Where Is My Hope“ schloss den Set und auch dieser Song war manch einem bereits bekannt, freundlicherweise unterstützte man mich stimmgewaltig. Zwischenzeitlich bekam ich eine Verschnaufpause, als Ladde zum Geburtstag gratuliert wurde. Während des Gigs kursierten unsere drei „Bolanow Brawl“-Blutorange-Wodka-Buddeln im Publikum und flossen gierige Kehlen hinunter – Prost! Als Zugabe ließen wir den Abend enden, wie er begonnen hatte, mit einer „Total Escalation“! Was für ein Auftakt für unsere junge Band – volle Hütte im Skorbut und ein weitestgehend pannenfreier Gig! Ein fettes DANKESCHÖN an alle, die das ermöglicht haben und natürlich an das Publikum, eines jener Sorte, wie man es sich nur wünschen kann. Nach dem Gig machten uns zahlreiche Gratulationen verlegen, bevor sich so langsam das Publikum austauschte und die Leute vom COCK-SPARRER-Gig zurückkamen. Man stürzte sich hier und da noch etwas ins Nachtleben und mit einem sehr guten Gefühl schlief ich irgendwann mit meiner Süßen, die unermüdlich ihr „Ich möcht’n Bier von dir!“-Schild hochgehalten hatte, das ich von der Bühne wegen meiner verdammten Kurzsichtigkeit nicht lesen konnte, in unserer Gästewohnung auf dem Kiez ein. Der erste BOLANOW BRAWL hat uns Blut(orange) lecken lassen, wir sind bereit für mehr! „Bolanow Brawl! Whew!“

10.11.2012, Skorbut, Hamburg: SMALL TOWN RIOT

SMALL TOWN RIOT bliesen einmal mehr zum Heimspiel für einen kleinen, feinen Gig in Sänger/Gitarrist Timos Wohnzimmer, dem Skorbut. Ein Kneipengig auf kleiner Bühne, der so viele Leute zieht, dass es sehr, sehr gemütlich in der Bude wird. SMALL TOWN RIOT bewiesen, dass sie in der aktuellen Besetzung mittlerweile top eingespielt sind und legten eine energiegeladene, raue Punkrock-Show auf die Bretter. Da Timo nicht länger hinter der Schießbude sitzt, sondern dort von Vollbart- und Sympathieträger Herrn Lehmann (MR. BURNS) abgelöst wurde, kann er sich wesentlich besser auf seinen dreckigen Gesang konzentrieren, der im Zusammenspiel mit Normans meist klarem Gesang wunderbar harmoniert. Generell erschien mir der Gig wieder im positiven Sinne etwas ungeschliffener und weniger poppig als die Auftritte in der Besetzung mit Andy an der zweiten Gitarre (inzwischen zu SUIZIDE QUEENZ abgewandert), was der Band meines Erachtens sehr gut zu Gesicht steht, vermutlich aber auch stark mit der Songauswahl zusammenhing. Die Stimmung war ausgelassen und euphorisch, das Publikum ging astrein mit, die oft hymnenartigen Refrains und Chöre erschallten aus einer Vielzahl heiserer und durstiger Kehlen. Einziges Manko wie so oft: Die gemessen daran, welche Vielzahl großartiger Hits man in der Hinterhand hat, etwas überraschungsarme Songauswahl. Probt endlich mal mehr alte Klassiker ein, Jungs – dann habt ihr vielleicht auch noch was übrig, wenn der Mob Zugaben verlangt und ihr müsst nicht unverrichteter Dinge die Bühne verlassen 😉 Geile Band, geile Leute, geiler Laden, geiler Gig!

20.10.2012, Rondenbarg, Hamburg: HAMBURGER ABSCHAUM + MORPHOTRON

Allseits unbeliebtes Line-up-wechsel-dich-Spielchen im Vorfeld, zwei ABSCHAUM-Support-Acts konnten sich gegenseitig nicht leiden und sagten deshalb beide ab, PRAXIS DR. SHIPKE und AN ARCHIA kam letztlich auch noch irgendwas dazwischen und MORPHOTRON waren es, die dann letztendlich tatsächlich bereit standen, um den HAMBURGER ABSCHAUM zu begleiten, als dieser anlässlich der bevorstehenden Albumveröffentlichung das Konzert live mitschnitt. Des ABSCHAUMS Rufe jedenfalls wurden erhört und reichlich Gefolgsleute erschienen, um drei Talerchen abzudrücken. Aufgrund des ganzen technischen Equipments für die Liveaufnahmen spielten ABSCHAUM zuerst und den Sound besorgte diesmal nicht Norman, sondern – wenn ich das richtig verstanden habe – der Produzent des Albums. Man überraschte mit einem ausgefallenen, atmosphärischen Intro, das kurz vor Beginn des Sets eingespielt wurde und auf den Gig einstimmte. Feine Sache, wenn auch alles andere als üblich bei Punkgigs dieser Größenordnung – gerade deshalb gefiel mir das besonders. Über die Band selbst hab ich ja schon reichlich Worte verloren, weshalb ich mich kurz fasse: Auch dieses Konzert wusste zu gefallen. Das Publikum war gut drauf und unterstützte die Band mit Sprech- und Sangeschören, der Band merkte man keinerlei Nervosität an – aber der Sound im Publikum war nicht wirklich optimal. Ungewohnt leise der Gesamtklang und noch mal leiser anscheinend wieder Hollis Gitarre. Auch dieses Manko wurde im Laufe der Zeit wieder besser, jedoch merkte man schon, dass man sich in erster Linie darauf konzentrierte, einen vernünftigen Sound für die Aufnahmen zu bekommen, statt dem Publikum wie sonst die volle Dröhnung um die ungewaschenen Löffel zu schlagen.

MORPHOTRON sind eine relativ neue Band aus Hamburg, an den Drums jedoch niemand Geringerer als Hamburger Punk-Legende George, „hauptberuflich“ Sänger der genialen DOGS ON SAIL. MORPHOTRON stellten sich als angenehm rauer Punkrock mit deutschen Texten heraus, mit schön räudiger Straßenrockkante und ohne Schnörkel. Zwar leerte es sich nach dem ABSCHAUM etwas vor der Bühne, aber nicht wenige nahmen die Gelegenheit wahr, – sicherlich wie ich zum ersten Mal – einem Liveauftritt dieser interessanten Band beizuwohnen. Auf der Bühne wirkt das Trio noch etwas unspektakulär, aber mit der Zeit wird bestimmt mehr Sicherheit und damit mehr Bühnenbewegung kommen. Leider konnte ich mir den Gig nicht bis zum Schluss anschauen, da meine Süße und ich noch etwas anderes vorhatten und die letzte Bahn in die Heimat bekommen mussten. Ein schöner Abend war’s. Bin auf die ABSCHAUM-Platte inkl. der Liveaufnahmen gespannt, scheint etwas wirklich sorgfältig Konzipiertes mit Hand und Fuß zu werden!

06.10.2012, Krombacher-Clubhaus, Ennepetal (bei Hagen): DRUNKEN DISASTER + JEDEN SONNTAG + FROHNATUR + DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS + Special Guests

drunken disaster + jeden sonntag + frohnatur + disillusioned motherfuckers + special guests @krombacher-clubhaus, ennepetal (bei hagen), 06.10.2012Alte Kumpels unseres Gitarreros Kai luden zur großangelegten Geburtstagsparty mit lokalen Bands nach Ennepetal bei Hagen in unmittelbarer Ruhrpottnähe. Der Veranstaltungsort entpuppte sich als überdimensionierter „Krombacher-Club“, eine Art von Krombacher gesponsertes Vereinsheim/-lokal, das die Eltern der Feiernden zur Verfügung stellten. Man hatte nicht nur einen schönen Kneipenraum mit Tresen, sondern auch noch einen Speisesaal, einen schnieken Backstageraum und den Konzertsaal mit zweigeteilter Bühne und massig Platz vor selbiger. Und alles war mit Krombacher vollgepflastert, überall stand Bier herum, eigener Kühlschank im Backstagebereich, massenweise leckeres Essen – wow! Es gab Freibier bis zum Abwinken und vor allem aber ein Wiedersehen mit den Hagener Chaoten, der KWW etc. Feine Sache das, nur leider kamen dann doch einige Gäste weniger als ursprünglich von den Gastgebern erwartet – eigenartig. Womit kann man denn heutzutage noch Leute vom heimischen Sofa locken, wenn nicht mit einer solchen Party?!

Ob des bevorstehenden zweiten Auftritts mit den DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS hielt man sich natürlich mit Alkoholika zurück, was nicht ganz leicht fiel, da man bereits arschfrüh angekommen war, aber lange Zeit eigentlich nichts weiter zu tun hatte. Unser Plan, als erste oder spätestens zweite Band zu spielen, wurde auch noch jäh durchkreuzt; aufgrund verschiedener Umstände drängelte sich eine Band nach der anderen vor, bis wir schließlich als vierte und somit letzte drankamen. Bis dahin fiel es gar nicht so leicht, den richtigen Pegel zu halten und meine Nervosität stieg. Dafür kam ich aber in den Genuss von FROHNATUR, der anscheinend dienstältesten Punkband Hagens, die ein trashiges Set mit vielen Coverversionen spielte. An den Instrumenten war man ziemlich fit, ich glaube besonders den Drummer hab ich als herausragend in Erinnerung, als Gesang kam jedoch lediglich monotones Genöle. Das hatte ziemlich feisten Asi-Charme und wusste live durchaus zu unterhalten – was davon beabsichtigtes Kalkül und was tatsächlich eingeschränkten Mitteln geschuldet ist, vermag ich nicht zu beurteilen, haha… Wenn mich meine Erinnerung nicht trübt, folgten DRUNKEN DISASTER, eine großartige Punkband, ebenfalls aus Hagen, die mit astreinem HC-/Chaos-Punk (oder so) vollends überzeugte. Richtig geiles Zeug; ich hoffe, die kommen ordentlich rum und werden noch viel öfter zu sehen sein! JEDEN SONNTAG dann wiederum kamen wesentlich entspannter daher, angepunkter Alternative/Indie-Rock-Sound mit deutschen Texten und viel Melodie, aber nie einen gewissen rauen Charme vermissen lassend. Dank des guten Sounds kam da live auch wirklich was rüber, Druck und Ausstrahlung waren vorhanden. Ich glaube, zu diesem Zeitpunkt befanden sich dann tatsächlich auch die meisten Anwesenden im Konzertsaal und hatten ihren Spaß. Ich sag’s mal so: Nicht ganz meine Mucke, aber ein guter Sound, um Mädels anzulocken und zu begeistern. 😉 Zudem weder doof noch nervig. Deshalb: Respekt, Jungs!

Endlich ließ man dann uns auf die Bühne, es war glaube ich mittlerweile nach Mitternacht. Der Auftritt war wohl ganz ok, ich bin vor der Bühne rumgesprungen, der Rest der Band stand auf selbiger, so hatte jeder genügend Platz. Das mittlerweile locker mind. halbierte Publikum war inzwischen zu Teilen strunzevoll und/oder bekam allgemein nicht mehr so viel mit, einige klebten am Tresen, verpassten den Auftritt komplett und waren anschließend überrascht, dass wir „schon“ gespielt hatten, andere aber waren trotz fortgeschrittener Stunde tatsächlich noch interessiert und zogen sich uns rein. Es blieb Raum für kurzweilige Kommunikation mit dem Publikum, gleich drei Leuten konnte zum Geburtstag gratuliert werden und pipapo. Einige Verspieler waren dem Alkoholkonsum geschuldet, aber das interessierte zu diesem Zeitpunkt keine Sau mehr. Nach ein oder zwei Zugaben in Form von Songwiederholungen war Schluss und endlich konnte ich trinken, soviel ich wollte – und mir mit ausreichend Sicherheitsabstand den mächtigen KAPUTTOR der MONGO KNÜPPELGARDE anschauen, der zusammen mit anderen windeltragenden Schergen der KWW allerlei unnützen Scheiß zu Klump haute bzw. hauen ließ. Doch auch diese großartige Entertainment-Einlage stellte noch nicht den Abschluss des Abends dar, Unermüdliche aus fast allen anwesenden Bands fanden noch einmal auf der Bühne zusammen und jamten wohlklingend und gefühlt stundenlang vor sich hin. Sehr geil – und bald holte mich auch mit dem letzten Bier der finale Rettungsschuss ein und ich sank auf einer Matratze im Backstageraum in traumlosen Schlaf. Danke für die Einladung, für Speis, Trank und alles andere an Gastgeber Pepe & Co.!

04.10.2012, Rondenbarg-Kneipe, Hamburg: ALERT + DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS

alert + disillusioned motherfuckers @rondenbarg, hamburg, 04.10.2012Kurzfristig angeboten bekommen und natürlich nicht ausgeschlagen: Unser (DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS) allererster Auftritt als „Heimspiel“, proben wir doch seit geraumer Zeit auch auf dem Hamburger Rondenbarg, als Vorgruppe für ALERT aus Israel auf einem Donnerstagabend. Die perfekte „Testumgebung“, um sich live mal auszuprobieren, da eben im kleinen Rahmen der rustikalen Kneipe. Nichtsdestotrotz ging mir bischn die Flatter, die ich mit fester (danke, René, für den schmackhaften Auflauf) und flüssiger Nahrung bekämpfte. Draußen gab’s Hamburg-typisch mal wieder Wetter, Wetter, Wetter, aber in der gemütlichen Kneipe war’s dank Ofen mollig warm. Eine Bühne im engeren Sinne gibt es nicht, man steht also quasi Auge in Auge dem Publikum (sofern vorhanden) gegenüber. Den Sound besorgte Norman am Mischpult, der auch das Konzert organisiert hatte. Irgendwann zu leicht fortgeschrittener Stunde ging’s dann los und wir prügelten unseren satte sieben Songs (wow!) umfassenden Set herunter. Das flutschte eigentlich alles ganz passabel und die rund 40 Anwesenden zeigten sich durchaus interessiert und begeisterungswillig. Als Zugabe gab’s dann noch mal „Elbdisharmonie“, so dass man insgesamt mit paar Ansagen (die ich aufgrund der israelischen Gäste und anderer anwesender Ausländer spontan sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch machte – wenn ich’s nicht gerade vergessen hatte…) auf ca. 25 Minuten „Stagetime“ kam. Im Anschluss hatte ich das gute Gefühl, dass man für solche Gigs in der Tat mittlerweile recht livetauglich ist und konnte mich nun zusammen mit den Bandkollegen ins Vergnügen stürzen und die großartigen ALERT abfeiern, die uns eindrucksvoll bewiesen, wie man als HC-Punk-Band abgehen und das Publikum mit einbeziehen kann, wenn man schon ein paar Jährchen miteinander zockt und ordentlich eingespielt ist. Sehr aggressiver Sound mit Keif-Gesang, stilistisch irgendwo zwischen Anarcho- und Chaos-Punk einzuordnen, von fidelen Jungs, die kurzerhand die nicht vorhandene Bühne vergrößerten und durchs Publikum sprangen etc., jegliche Distanz vermissen ließen und eine geile kleine Donnerstagabend-Party mit uns feierten. Geile Scheiße, gerne wieder und danke an alle für alles!

29.09.2012, Hafenklang, Hamburg: MISANDAO + ARRESTED DENIAL + KAOS KABELJAU

MISANDAO, Chinas erste reinrassige (bitte nicht missverstehen ;)) Oi!-Band erfuhr schon immer viel Unterstützung aus Deutschland, dennoch kannte ich bis auf ein paar Videoclips noch nichts von den Peking-Bootboys, geschweige denn, dass ich sie mal live gesehen hätte. An diesem Wochenende, an dem sich Hamburg mal wieder mit interessanten subkulturellen Veranstaltungen überschlug, bekam das Konzert im Hafenklang letztlich meinen Zuschlag, nicht nur wegen des Exoten-Bonus. Eigentlich sollten SCHLOIDERGANG aus Schleswig-Holstein auch mit von der Partie sein, mussten krankheitsbedingt aber leider absagen. Im genau richtig gefüllten Hafenklang – nicht zu übersichtlich, nicht zu drängelig – begannen die KAOS KABELJAUe mit ihrem deutschsprachigen HC-Punk-Set. Engagiert und authentisch, mit drei verschiedenen Gesängen von Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger, von denen letzterer am deutlichsten zu verstehen war, während der Frontmann in erster Linie derbe Growls von sich gab. So verkehrt ist das alles nicht, wenn man auch aufgrund der hohen Geschwindigkeit, die oft gefahren wurde, manch Einsatz leicht verpasste und nicht 100%ig synchron agierte. Außerdem ist mir der eine oder andere Song etwas zu sehr mit verschiedenen Parts aufgeblasen und in die Länge gezogen worden, da wäre etwas weniger meines Erachtens mehr. Akustik- bzw. clean gespielte Parts aber lockerten das Brachialgewitter durchaus angenehm auf und sowieso möchte ich meine Worte als wohlwollende konstruktive verstanden wissen, denn grundsätzlich gefällt es mir, was die Stinkefische da so veranstalten. ARRESTED DENIAL folgten, Hamburgs neue deutschsprachige Streetpunk-Hoffnung um u.a. ex-THIS-BELIEF-Valentin und ex-IN-VINO-VERITAS-Sascha. Nachdem ich sie lange nicht mehr live gesehen hatte, verfolgt man interessanterweise mittlerweile ein neues Konzept: Man füllt Gitarrero Sascha mit Hochprozentigem ab, was zur Folge hat, dass sich der Unterhaltungswert so eines Auftritts exponentiell steigert. Während die Band ihre klischee- und parolenfreien, nachdenklichen und intelligenten Songs zum Besten gab, verliehen Stimmungskanone Sascha sowie der wohl größte Fan der Band vor und auch auf der Bühne dem Gig eine schön chaotisch-punkige Note als Kontrast zum häufig betont ernsthaften Inhalt. Der Bassist ließ sich mit anstecken und fortan pogten zeitweise zwei Drittel der Saitenfraktion vor der Bühne, während letztere von Teilen des Publikums in Beschlag genommen wurde. Zwischendrin dann wieder das MAYTALS-Cover „Pressure Drop“ und zur Auflockerung sogar ein paar hardcorige Klänge. Das war alles richtig gut, musikalisch souverän und mit der richtigen Attitüde, und kam beim Publikum auch entsprechend an. Headliner des Abends waren dann jene berüchtigten Chinesen und ich war neugierig, was mich erwarten würde. MISANDAO waren absolut fit an ihren Instrumenten und lieferten einen zum überwiegenden Teil aus (englischsprachigen) Eigenkompositionen bestehenden, authentischeren UK-Oi!-Punk-Sound ab, als ihn der Großteil der alten Recken heute noch zustande bekommt. Große Klasse! Das Publikum ging entsprechend ab und pogte zünftig vor der Bühne, spritze mit Bier und was man eben sonst noch so macht, um seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Unermüdlich reihten die Chinesen einen Hit an den anderen; die Songs gingen auch ohne sie zu kennen direkt in Ohr, Bauch und Bein und zündeten sofort. Gegen Ende bewies man gar noch, dass man ohne Weiteres von derbem Oi!-Sound auf leichtfüßigen Two-Tone-Ska-Sound umzuschalten versteht und brachte einige wenige Stücke in diesem Gewand. Als Coverversion musste LAUREL AITKENs „Skinhead“ herhalten, mit gesungenem Bläserpart… dabei fand einmal mehr eine Bühneninvasion statt. Unterm Strich ein genialer Gig einer enorm spielfreudigen Band, die überhaupt keinen Exoten-Bonus nötig hat und es versteht, auf erfrischende Weise den alten Sound mit neuem Leben zu füllen. Der Klang war bei allen drei Bands prima abgemischt und Ärger im gemischten Publikum gab es nach meinen Beobachtungen auch keinen, so dass es letztlich an diesem Konzert nichts zu meckern gab.

22.09.2012, Gaußplatz, Hamburg: SOUL INVADERS

Gesundheitlich angeschlagen ging’s am Samstagabend dann doch noch auf den Gaußplatz, wo Maggie in der Platzkneipe in seinen Geburtstag reinfeierte. Zum eintrittsfreien Tanze spielten die SOUL INVADERS aus Hagen auf, die ich schon ewig nicht mehr live gesehen hatte. Man lieferte eine gute Show mit leckerem Punkrock, der auch gerne mal flotter zur Sache ging. Oldschool und überzeugend, eine gelungene Untermalung der feuchtfröhlichen Zusammenkunft. So richtig berühmt und berüchtigt sind die SOUL INVADERS in den nicht mehr ganz wenigen Jahren ihres Bestehens nie geworden. Vielleicht sind sie dafür etwas zu unspektakulär und schnörkellos, jedenfalls fällt mir auch gerade nichts mehr ein, was ich noch großartig über den Gig schreiben könnte. Die Jungs kamen sympathisch rüber und wurden gut angenommen, ‘ne rundum feine Sache. Mit meiner Erkältung und den DMF-Demoaufnahmen in den Knochen wurde ich aber nicht mehr alt, ignorierte unhöflicherweise kurzerhand den bevorstehenden Geburtstag und setzte mich noch vor Mitternacht in die Bahn nach Hause…

01.09.2012, Rondenbarg, Hamburg: Wagentage mit HAMBURGER ABSCHAUM + THEMOROL + Gedöns

Im Rahmen der „Wagentage“ stellte man auf dem Hamburger Rondenbarg diverse Infotafeln etc. auf und machte noch so dieses und jenes, vor allem aber ließ man es mit einem Konzert krachen, was zugegebenermaßen hauptsächlich mein Interesse weckte. Der Partybereich vor der Konzerthalle des Wagenplatzes war verdammt gut mit Publikum gefüllt, viele waren Gäste von außerhalb, von anderen Wagenplätzen. Als ich mich dazugesellte, zupfte gerade irgendein zotteliger Liedermacher mehr schlecht als recht auf seiner Klampfe herum und nölte dazu ins Mikro. Anschließend fand eine Verlosung zwischen den Gruppen diverser Wagenplätze statt und irgendwann zu leicht fortgeschrittener Stunde war es dann endlich soweit und der HAMBURGER ABSCHAUM erklomm die Bühne. Es wurde ein wie üblich sehr unterhaltsamer Auftritt, eingängiger deutschsprachiger Punkrock mit Humor und Augenzwinkern und einigen Gimmicks. Acht Leute auf der Bühne, davon zwei Sänger, Bläser und einer für die Kettensäge, die als Instrument agiert. Leider hörte man diesmal Hollis Gitarre kaum, die er anscheinend unabsichtlich runtergedreht hatte…?! Schade, denn er hatte wieder sichtlich Spaß auf der Bühne und legte sich gut ins Zeug. Irgendwann, wenn auch recht spät, bekam man aber auch dieses Problem in den Griff. Natürlich kam die Band bei ihrem Heimspiel gut an und wurde entsprechend bejubelt. Schönes Ding! THEMOROL folgten und klangen für meine Ohren anders, als ich es im letzten Jahr noch im Störtebeker empfunden hatte, ehrlich gesagt erkannte ich die Band gar nicht wieder. Erst irgendwann dünkte mir, dass ich den Namen schon mal gehört hatte… Der Sound klang für mich diesmal wie MOTÖRHEAD meets Crustcore oder so, eigentlich auch irgendwie anders, jedenfalls ziemlich derbe und krachig, aber wie sagte meine reizende Begleitung an diesem Abend so treffend zu mir? „Die Band scheint ihren Stil noch nicht ganz gefunden zu haben.“ Allen in allem aber ein respektabler Auftritt! Anschließend stellte man hinsichtlich des Live-Programms seitens der Organisatoren sein musikalisches Abwechslungsreichtum erneut unter Beweis, diesmal in Form eines Techno-/Elektro-Acts namens DISKOCRUNCH, der für meine Ohren nur schwer erträglich war, aber perfekt dazu einlud, den Abend abseits des Geschehens ausklingen zu lassen. Allein schon dank der netten Atmosphäre an diesem lauen Spätsommerabend hatte sich das Erscheinen jedoch gelohnt, zumal die Getränkepreise wie immer günstigst und der Eintritt sogar frei waren!

25.08.2012, Birkenhain, Buxtehude: REVEREND ELVIS & THE UNDEAD SYNCOPATERS

Früher war sicher nicht alles besser, aber zumindest war ich bei vielen Konzerten einer der ersten Gäste und trank erst mal ‘ne halbe Palette Dosenbier (Karlsquell! Hansa! TiP-Bier!) vor der meist noch verschlossenen Tür. Heute ist alles anders, denn ich komme unangenehm auffallend regelmäßig zu spät. So auch zu Arnolds und Bommels Geburtstagsparty am Buxtehuder Birkenhain, jenem eigentlich sehr schönen Freilicht-Veranstaltungsort auf einer Waldlichtung. Zu meiner Verteidigung kann ich aber anbringen, die ersten paar Songs zumindest auf dem nicht ganz einfachen Weg dorthin bereits durch die Nacht schallen gehört zu haben. Als ich dann endlich eintraf und feststellte, wie dermaßen voll ein beträchtlicher Teil der geladenen Gäste, allen voran aber die Gastgeber selbst waren, wurde mir schlagartig bewusst, das an diesem Abend nie wieder aufholen zu können. Doch zurück zur Musik: REVEREND ELVIS & THE UNDEAD SYNCOPATERS stammen aus Dresden, sind eine Zwei-Mann-Band mit offensichtlichem Punk-Background, haben sich aber dem minimalistischen Rockabilly (bzw. Hellbilly/Primitiv Jazz/50’s Punk/Deathcountry/Sacred Blues/Satanic Gospel/whatever) verschrieben. Das scheint konkret zu heißen, dass einer den prätentiösen Standbass zupft, während der andere an Snare und Hihat sitzt, die er mit den Füßen bedient, dabei Gitarre spielt und mit möglichst breitem Südstaaten-Akzent (oder so) schmutzige Lieder – Rock’n’Roll-Klassiker, eingebillyte Evergrenns und satanische Eigenkompositionen – vorträgt. Das wurde mit der (kurzen) Zeit immer besser, stärker und origineller („Kill! Kill! Kill!“ beispielsweise ist nun wirklich ein Hit) und die Bewegung vor der kleinen Pavillon-Bühne stieg an – doch hassenichgesehn: Zack, gab der Stromgenerator den Geist auf. Doch anstatt diese Zwangspause primär konstruktiv zu nutzen, um wieder Elektrizität heranzubekommen, kippte die Stimmung augenblicklich und einige Gäste bekamen sich so sehr in die Haare, dass die beiden Jungs nach ein wenig Beobachtung der Szenerie ihre Sachen packten und die weite Heimreise antraten. Schade, aber sehr gut nachzuvollziehen. Wie hieß es etwas diplomatisch-euphemistisch? „Ihr wart dan n irgendwann mehr mit euch selbst beschäftigt!“ … Der Abend wurde trotzdem noch ein netter und mit denjenigen, die noch einigermaßen klar bei Verstand waren, konnte man sich ums Lagerfeuer versammeln, neue Leute kennenlernen, bekannte Leute besser kennenlernen, lange nicht gesehene Leute wiedertreffen etc. pp und das arg in Mitleidenschaft gezogene Ambiente war am nächsten Tag auch ruckzuck wieder hergerichtet, wenn auch der Schwund anscheinend etwas höher ausfiel als hätte sein müssen (zerdepperte Pavillons etc.). Egal, so oder so danke an die Organisatoren und an die Band für den Ausflug in „verbotene Dorf“, das eigentlich eine sympathische Kleinstadt ist.

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