Gnnis Reviews

Category: Konzertberichte (page 29 of 35)

31.12.2011, Skorbut, Hamburg: SS-KALIERT

Da ich eigentlich Winterschlaf halte und mich mit meiner Filmsammlung in mein urgemütliches Zuhause mümmle, war, was Konzerte betrifft, bei mir zuletzt nicht so viel los. Silvester ließ ich mich dann aber doch vom allgemeinen Ausgehwahn anstecken und wohnte dem SS-KALIERT-Gig im Hamburger Skorbut bei. Hatte nach dem ersten Album den weiteren Werdegang der Krawalleros nicht mehr großartig verfolgt, doch die Band war überraschend, beinahe erschreckend gut. Der stark Punkcore-beeinflusste Sound vergangener Zeiten schien mir mehr hardcorigem Getrümmer gewichen, auch die Attitüde der Jungs scheint sich dahingehend entwickelt zu haben – was ihr gut zu Gesicht steht. Der Auftritt war jedenfalls überaus energetisch und mitreißend, gutes Set aus neueren und älteren Stücken, die ich noch kannte. Deutlich gereifte Band, die ordentlich losbrettert und spielerisch längst auf einem recht hohen Niveau angelangt ist, ohne die Aggressivität dabei zu vernachlässigen. SS-KALIERT wurden gut aufgenommen und verteilten musikalische Arschtritte, um rechtzeitig zum Jahreswechsel um Mitternacht durch zu sein. Das Publikum erschien zahlreich und war ebenfalls angenehmer Natur. Kein Haarspray-Poser-Punk-Getue, weder auf, noch vor der Bühne, sondern ehrlicher, harter Sound für eine gerechte Meute der Freunde der härteren Gangart.

09.12.2011, Goldener Salon, Hamburg: EMILS + POPPERKLOPPER + GRøLBÜDELS

Die wieder vereinten EMILS waren der Hauptgrund meines Erscheinens, nachdem sie mich vor wenigen Monaten bereits im Molotow in höchstem Maße überzeugt hatten. Das ’nen Zehner kostende Dreierpack eröffneten die lokalen Grølbüdels. Deutschsprachiger Midtempo-Punkrock mit dem ersten SMALL-TOWN-RIOT-Basser David an einer der Gitarren. Mir fehlt bei dieser Band der Dreck, der Schmutz, die Straße… die Texte wirken dazu passend teilweise sehr verkopft. Aber auch die Grølbüdels haben ihre kleinen Hits, die Laune machen und das Publikum gut auf das kommende Inferno vorbereiten. Sehr schön auch die DAILY-TERROR-Coververion „Klartext“. Und perfekt aufeinander eingespielt ist man, das muss man ihnen lassen.

Die EMILS legten dann ein ähnlich grandioses Brett auf die Bretter wie kürzlich im Molotow. Genialer HC-Punk, mal mehr, mal weniger metallisch, intelligent, hart, trotzdem ohrwurmtauglich, einfach vor allem mit ihrer Best-Of-Setlist genial. Der einzelne Gitarrist hat wieder Krach gemacht für drei, der Drummer hielt punktgenau alle zusammen und beherrschte alle Tempowechsel etc. der komplexeren Songs auf dem Effeff. Der Sänger wie immer mit ein paar spaßigen Sprüchen auf den Lippen, kein einstudiertes Gelaber. Beim gekreischten „Krieg und Frieden“ wurde ihm nach eigenem Bekunden kurz schwindelig; ich bin mir sicher, dem einen oder anderem im Publikum auch. Eine Spitze gegen die anwesenden Skins konnte er sich ebenso wenig verkneifen wie Anspielungen auf das Alter der Bandmitglieder („Hätten wir damals gewusst, dass wir heute noch hier stehen und spielen, hätten wir langsamere Songs geschrieben!“), die Songs selbst wurden inbrünstig gesungen, gebrüllt und gekreischt und genau so von einigen tanzbeinschwingenden Menschen aufgenommen, doch auch der Rest schien begeistert. Das Bier spritzte, der Schweiß floss, die Kehlen wurden heisergebrüllt. Genauso solche Gigs alter Helden meiner Jugend haben mir längere Zeit gefehlt. Bleibt also zu hoffen, dass die EMILS von nun an in hübscher Regelmäßigkeit wieder für ein altes Publikum spielen und sich dabei ein neues, jüngeres erkämpfen. Molotow und Goldener Salon gingen genau in diese Richtung.

Nach ich glaube drei Zugaben, darunter das BUTTOCKS-Cover „Nein nein nein“, war Schluss und die POPPERKLOPPER erklommen die Bühne. Ich hab mir die ersten beiden Songs angehört und bin dann los, um meine Mandelentzündung auszukurieren. Bis zu diesem Zeitpunkt ein sehr angenehmes Konzert in einem nicht ganz billigen, aber sympathischen Laden, der große Publikumsresonanz genoss. Es freut mich, dass so eine Bandkonstellation noch immer ein relativ großes und gut gemischtes Publikum anspricht.

03.12.2011, Störtebeker, Hamburg: CONTRAREAL + AFFENMESSERKAMPF + SPECIAL EDUCATION

Viele waren noch erledigt vom LOIKAEMIE-Konzert des Vortags bzw. der After-Show-Party und zogen es vor, zu Hause zu bleiben. Das Störtebeker war trotzdem gut gefüllt. Ich kam leider etwas zu spät und verpasste den Anfang von CONTRAREAL, der zu zwei Dritteln aus Mädels bestehenden Hamburger HC-Punk-Band, wegen der ich in erster Linie erschienen war. Wie üblich legte das Trio einen klasse Gig hin und rotzte seine kritischen Texte inkl. der einen oder anderen Coverversion wuterfüllt heraus. Die Schlagzeugerin, die bei den meisten Songs auch noch den Gesang übernimmt, bewältigte ihre schweißtreibende Doppelbelastung wieder souverän, wovor ich erneut meinen Hut ziehen muss. Das Publikum hingegen zeigte sich durchaus interessiert, aber bewegungsresistent und allgemein reaktionsarm, was mich ziemlich irritierte. Zu verwöhnt? Zu nüchtern? Fehlten irgendwelche „Anheizer“ in den ersten Reihen, die den Vortänzer machen und den restlichen Pöbel mitreißen? Ich weiß es nicht, fand’s für die Band aber schade. Nichtsdestotrotz ein feiner Auftritt, wenn ich auch die Rudi-Carrell-Coverversion „Wann gibt’s mal wieder richtig Riot“ mittlerweile dann doch etwas sehr albern finde. 😉

AFFENMESSERKAMPF aus Schleswig-Holstein waren mir bis dato unbekannt und spielten kurze HC-Punk-Songs mit deutschen Texten so ein bisschen Richtung KNOCHENFABRIK/CHEFDENKER oder so, aber eigentlich auch anders, was weiß denn ich. Was ich so rausgehört hatte – der Sound war wieder sehr gut – klang humorvoll, dazu passend gab man sich auf der Bühne zu selbstironischen Späßen aufgelegt. Sehr unterhaltsamer, kurzweiliger Gig, musikalisch einwandfrei. Ging gut ab!

SPECIAL EDUCATION waren dann sozusagen der „Headliner“, eine sechsköpfige israelische HC-Punk/Crust-Band mit männlich/weiblichem Wechselgeröhre und -geschimpfe, denen die Bühne natürlich etwas eng wurde. Der eine Gitarrist stellte sich daher kurzerhand ins Publikum, ins selbige sprang der aufgedrehte Sänger ganz gerne mal und heizte den mittlerweile eingesetzten Pogo zusätzlich an, unterstrich außerdem die Aggressivität des dargebotenen Materials. Mir hat’s gefallen, wenn man an den Gitarren statt hauptsächlich Krach zu produzieren ein wenig nach Metal-Manier riffte und die Songs akzentuiert statt breiig spielte. Das hatte wirklich was, vor allem in Verbindung mit dem hochmotivierten Einsatz des Gesangsduos. Irgendwann nutzte sich das aber auch ab, zumal alles recht ähnlich klang. Allerdings schien man seinen Hamburger Gig so lange wie möglich ausreizen zu wollen, so dass Song auf Song folgte, bis mein Interesse doch ziemlich nachgelassen hatte. Den Laden leergespielt haben sie aber nicht, war also alles in allem noch im grünen Bereich. Letztlich erneut ein lohnender Abend im Störtebeker.

25.11.2011, Störtebeker, Hamburg: THEMOROL + DEFECT DEFECT + AUTISTIC YOUTH

Wieder ein Fünf-Euro-Konzi im sympathischen Störtebeker. Wie eigentlich immer gut gefüllt, der Laden. THEMOROL machten den Anfang, ’ne lokale Combo irgendwo zwischen Punk/Post-Punk und Hardcore. Ziemlich eigenständiger Sound, der dann bei mir punktete, wenn es ordentlich zur Sache ging und Tempo und Aggressivität anzogen. Der Rest war nicht so meins; ich muss aber zugestehen, dass die Jungs ihre Instrumente beherrschen. DEFECT DEFECT aus den USA allerdings begeisterten dann mit schnörkellosem Oldschool-Hardcore, voll auf die Zwölf. Der Sänger sah aus wie ein Nerd und gab sich betont tuntig, amüsante Bühnenshow. Am Ende wurde noch ein Klassiker gecovert, ich glaube es war „Right Side Of My Mind“ vonne ANGRY SAMOANS. Sehr geiler Gig voller Energie, lohnt absolut! AUTISTIC YOUTH hab ich dann leider verpasst, weil ich los musste.

19.11.2011, Linker Laden, Hamburg: EIGHT BALLS

Die EIGHT BALLS baten mal wieder zum Tanz zu erhabenem Oi!-Punk, der zum besten in dieser Richtung gehört, was Deutschland zurzeit zu bieten hat. Diesmal stieg die Party im Linken Laden mit seinem Wohnzimmerambiente, der eigentlich zu klein für so ein Konzert ist, so dass sich erwartungsgemäß das Publikum fast schon übereinanderstapelte, als ich leider aufgrund des überraschend pünktlichen Beginns etwas zu spät eintraf und Gassenhauer wie „Alles für die Firma“ und „Scheißeschmeißer“ verpasste. Alles andere ist aber genauso gut und glücklicherweise funktionierte auch der Ventilator wieder, so dass man nicht sofort wie der „Incredible Melting Man“ zu einem Haufen Grütze zerfloss. Alle Hits im Gepäck, zwei, drei Zugaben und Schluss. Großartig wie immer! Mal wieder mit dabei übrigens Aushilfs-Gitarrero und Quasi-Eight-Ball Ladde (IN VINO VERITAS), der diesmal nicht Mücke, sondern Eike an der Klampfe vertrat und seinen Job wie immer ausgezeichnet erledigte. Und so feierten letztlich St. Paulianer, HSVer und Rostocker einträchtig zusammen – manchmal klappt’s eben doch noch mit der vielbeschworenen Unity. Die schmalen 4 Taler Eintritt jedenfalls waren perfekt investiert. „Auf die Knie, Beine breit, es ist wieder Eight-Balls-Zeit! Erst anal und dann oral, wir sind die Kings of Asozial!“

12.11.2011, Störtebeker, Hamburg: THE ABOUT:BLANKS + CUT MY SKIN + irgend’ne Exotencombo

Auf diesen Abend hatte ich mich im Vorfeld sehr gefreut. Weniger wegen der Bands, vielmehr wegen des sympathischen Orts. Ich war schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr im Störtebeker mit seinen unschlagbar günstigen Getränkepreisen und seinem stimmigen Ambiente und so wurd’s verdammt noch mal wieder Zeit. Und ich wurde nicht enttäuscht, denn den Anfang machte eine was die Nationalitäten der Bandmitglieder betrifft bunt zusammengewürfelte Band, die aber anscheinend, wie man mir sagte, „hauptsächlich“ aus Südamerika käme. Das war ganz astreiner, superwütender HC-Punk, vorgetragen in Landessprache von einer Ein-Meter-Fuffzich-Sängerin mit unfassbar derbem Organ. Kurze, brutale Songs, dazwischen mindestens doppelt so lange monoton heruntergebetete Ansagen vom Gitarristen. Dadurch bekam das Ganze etwas ein wenig unfreiwillig Komisches, aber ansonsten war’s absolut top und eine wahre Aggressions-Explosion! Ich war verzückt und das sympathische Publikum schien meinen positiven Eindruck zu teilen. Leider weiß ich den Namen der Band nicht, da die gar nicht mit auf dem Flyer stand und ich es auch verpeilt hab, ihn in Erfahrung zu bringen. Ach ja, der Bassist hatte wohl mit ‘ner fiesen Entzündung an der Hand zu kämpfen und kroch auf dem Zahnfleisch, was ihn aber nicht davon abhielt, irgendwann mitsamt Bass ins Publikum zu springen – das ist Einsatz!

Ordentlich euphorisiert ließ ich mich anschließend auf ganzer Linie von THE ABOUT:BLANKS aus Berlin mit ihrem energiegeladenen ’77-Punkrock marke England zum fröhlichen Pogo einladen. Rotzige, geradlinige Songs, Alarmgesang , ordentlich Feuer im Arsch – wat willste mehr? Vielleicht die eine oder andere Coverversion eines Klassikers der PISTOLS oder THE CLASH, ok… aber man kann bekanntlich nicht alles haben. Der Laden war übrigens mittlerweile gerammelt voll und der Sound war von Anfang so dermaßen laut, dass mir tatsächlich so’n bischn die Ohren klingelten – gehört dazu!

CUT MY SKIN stand ich eher skeptisch gegenüber, nachdem ich ein paar Mal gehört hatte, dass Sängerin Patti, die ich noch aus früheren SCATTERGUN-Zeiten kannte, in politischen Fragen gern mal übers Ziel hinaus bzw. in die eigenen Reihen schießen soll. Hab mich auch nie mit der Band befasst, kannte höchstens ein, zwei Songs von Samplern. Doch drauf geschissen, denn was da an völlig geilem Midtempo-UK-Punkrock auf der Bühne zelebriert wurde, hat mich schnell überzeugt und positiv überrascht. Tolle Melodien und Singalongs, klasse Stimme, Sängerin mit viel „Credibility“ – die Band hatte zu 100% das richtige Gefühl für diese Mucke und wurde dementsprechend sehr gut vom Publikum angenommen. Ja, auch dieser Auftritt war geil. Drei Bands – drei absolut sehens- und hörenswerte Gigs. Und das alles im Störtebeker – großartig!

05.11.2011, Lobusch, Hamburg: WICKED CITY + DEAD CLASS + INSIDE JOB

Eine Woche später, gleicher Ort, gleicher Preis:

Ich kenne Stonerrock und finde ihn langweilig, ich kenne Punk und finde ihn aufregend – aber was zur Hölle soll „Stonerpunk“ sein? Langweilig-aufregendes?! Die Australier WICKED CITY belegten ihre Mucke mit diesem Etikett und, naja, was zunächst noch interessant, weil ungewohnt klang, nutzte sich recht schnell ab und trieb mich zum Quatschen vor die Pforten.

DEAD CLASS aus Irland mit ihrem flotten und spritzigen Punkrock machten da schon wesentlich mehr Spaß, wenn’s auch stellenweise arg poppig wurde. Scheißegal, der Funke sprang aufs Publikum über und die mittlerweile wieder überaus anständig gefüllte Lobusch feierte einen guten Gig. DEAD CLASS hatten Stunden vorher übrigens bereits an anderer Stelle in Hamburg einen Gig, zeigten aber keinerlei Ermüdungserscheinungen. Respekt!

Den Rausschmeißer besorgten dann die Hamburger INSIDE JOB, die ich mittlerweile nun schon öfter gesehen hatte und daher wusste, mich erwartete: Absolut geradliniger 80er-Retro-Hardcore à la CIRCLE JERKS und Konsorten mit einem wild posenden Sänger, der sich für kaum etwas zu schade ist und sich auch gern mal auf dem Fußboden wälzt. Wie immer sehr überzeugend und kurzweilig und wie immer mit einigen schönen Coverversionen von BLACK FLAG, NEGATIVE APPROACH und sowat gespickt. Die Überraschung war aber das BODY-COUNT-Cover „Copkiller“ im Oldschool-Soundgewand. Arschgeil! Das Publikum reagierte wie häufig bei solchen Shows sehr wohlwollend, aber insofern verhalten, als nun keine Circle Pits o.ä. durch den engen Laden tobten. Aber auch so immer wieder klasse, meine Empfehlung!

29.10.2011, Lobusch, Hamburg: RUNNIN‘ RIOT + FLEAS AND LICE + INSTINCT OF SURVIVAL

Pierre von FLEAS AND LICE feierte mit diesem wie Lobusch-üblich nur ‘nen schlappen Fünfer kostenden Konzert seinen Geburtstag, die verflohten und verlausten Holländer machten den Anfang in einer derbe vollen Hütte. Schepperiger Hardcore-Punk mit männlichem wie weiblichem Gesang. Kam sehr gut an und hat auch live immer was, wenn’s auch nicht 100%ig meins ist. Ich suchte irgendwann einen Ausweg aus dem Gedrängel und zog es vor, bei noch halbwegs angenehmen Temperaturen vor der Tür mit Bekannten zu quatschen. Jedes Mal, wenn die Tür aufging, drang ein schwüler Wärmeschwall mit nach draußen, drinnen tropfte quasi bereits der Schweiß von der Decke.

Anschließend musste die aufgeheizte Menge allerdings einen Downer in Form der lokalen Crust-Coreler von INSTINCT OF SURVIVAL über sich ergehen lassen und der Platz vor der Bühne wurde wesentlich übersichtlicher. Das, was sie macht, macht die Band bestimmt nicht schlecht und ich versuche auch jedes Mal, dem Ganzen etwas abgewinnen zu können, aber es sollte mir auch an diesem Tag nicht gelingen. Schleppender Crust-Sound mit Gebrülle, ein einziger, monotoner Soundbrei… puh, da muss selbst ich passen. Der eine oder andere ungehaltene Kommentar anderer Konzertbesucher drang zu meinen Ohren, aber ein paar Unerschrockene hatten trotzdem ihren Spaß am Auftritt.

Irgendwann dann aber endlich der eigentliche Grund meines Erscheinens: RUNNIN‘ RIOT aus Belfast! Vor x Jahren mal live gesehen und als ziemlich gut in Erinnerung habend, freute ich mich doch sehr auf ein Wiedersehen – und wurde keinesfalls enttäuscht. Knackiger, aggressiver Oi!-Punk in Landessprache, schnörkellos und 100%ig authentisch. Der Sänger fegte in Mönchsrobe über die kleine Bühne und war darunter bestimmt am Transpirieren wie die Sau. Der Funke sprang sofort über und neben den eigenen Songs machten auch die Coverversionen u.a. von TWISTED SISTER, „We Are Not Gonna Take It“, mächtig Laune. Total geiler Auftritt und sehr schöner Abschluss einen lohnenden Konzertabends!

21.10.2011, Platzhirsch, Hamburg: VIOLENT INSTINCT + RIOT COMPANY + LOST BOYZ ARMY

Am Freitag, dem 21.10.2011, ging’s zu VIOLENT INSTINCT + RIOT COMPANY + LOST BOYZ ARMY in den Hamburger „Platzhirsch“, direkt am Hans-Albers-Platz auf dem Kiez. Die Hamburger Newcomer VIOLENT INSTINCT hatten das Konzert organisiert und den Laden angemietet, der mal so gar keinen Punkspirit versprühte und mit ziemlich hohen Preisen nicht gerade zu einer ausgelassenen Party einlud. Die 12,- EUR Eintritt war’s aber dennoch wert, denn man hat in jederlei Hinsicht das Beste draus gemacht. VIOLENT INSTINCT eröffneten den Abend mit überraschend kraftvollem und sehr gekonnt dargebotenem Punkrock mit melodischem, aber sehr energiegeladenem weiblichem Gesang mit deutschen Texten und wurden sehr gut vom Publikum, das mittlerweile doch einigermaßen zahlreich eingetroffen war, aufgenommen. Deren Darbietung rang mir wirklich großen Respekt ab, da ich nicht gedacht hätte, dass eine so neue Band solch ausgefeilte und technisch einwandfreie Songs abliefern und so souverän auf der Bühne agieren würde. Ich glaube, von VIOLENT INSTINCT wird man noch viel hören! Eine überraschende Coverversion gab’s mit „Dreht die Zeit zurück“, einem uralten Stück von einem der ersten Projekte von LBA-Sänger Peter, OI! THE BAND.

RIOT COMPANY hingegen hatten sicherlich schon bessere Auftritte. War der Sound zuvor bei VIOLENT INSTINCT noch schlichtweg perfekt, hatten RIOT COMPANY mit einer sagen wir mal suboptimalen Abmischung zu kämpfen, die die Songs nicht so wie von Platte oder wie ich es von früheren Konzerten gewohnt war knallen ließ. Ich hatte RIOT COMPANY selbst seit Jahren nicht mehr live gesehen und kenne auch die jüngsten Veröffentlichungen gar nicht. Das Publikum reagierte zunächst recht verhalten, doch später platzte der Knoten und die Band wurde doch noch recht ordentlich unterstützt. Inwieweit zuvor öffentlich gestreute Kritik an der Band Grund für die Zurückhaltung war, vermag ich nicht zu beurteilen. Alles in allem habe ich mich aber gefreut, die Streetpunk-Songs in vornehmlich englischer Sprache der Hildesheimer Band mal wieder live um die Ohren geballert zu bekommen, denn auch, wenn ich vielleicht nicht mehr so drauf abgehe wie früher, als ich generell mehr Musik aus dieser Richtung gehört habe, ändert das nichts an der Qualität des Materials, das so gar nichts mit dem im negativen Sinne Prollschrott zu tun hat, der heutzutage in deutschen Landen gern unter dem Banner Oi!- oder Streetpunk vermarktet wird.

Eine kleine Überraschung in Form eines COTZRAIZ-Kurzauftritts folgte. Die mit der LBA mitgereisten Cotzrocker intonierten zusammen mit ihrem Ex-Gitarrero Kai und mit LBA-Unterstützung ein Intro und den Obergassenhauer „Stolz & stark“ – das erste Mal COTZRAIZ in Hamburg seit gefühlt 1000 Jahren. Das sollte aber nur der Auftakt für geballte Ruhrpott-Power sein, denn endlich bekam ich Gelegenheit, mir mal ex-VERLORENE-JUNGS-Peters neue Band LOST BOYZ ARMY anzusehen, die zudem mit dem zweiten Album in den Startlöchern steht. Dementsprechend wurde sehr viel neues, dem Publikum größtenteils noch unbekanntes Material gespielt, das aber ausnahmslos super ankam und Qualität verspricht. Ebenso natürlich die Stücke des Erstlings „VMK Negativ“, die live von der Band dargeboten noch mal intensiver wirken als aus der Konserve. Emotionale, kämpferische, schnörkellose Streetpunk-Songs, die weder die unsägliche „Deutschrock“-Ecke bedienen, noch sich in typischen Szeneklischees und –plattitüden verlieren, sondern eine hohe Eigenständigkeit und allem voran aufgrund Peters markanter Stimme einen hohen Wiedererkennungswert aufweisen. Man beherrscht auch die leiseren Töne, die noch mal eine ganz besondere Atmosphäre entfachen. Die Band scheint mir sehr gut aufeinander eingespielt zu sein und hat sichtlich Spaß an dem, was sie tut. Spaß machten natürlich auch die Coverversionen von ACHIM REICHEL und – eine weitere Überraschung – NOFX („The Brews“ mit deutschem Text!), bis es am Schluss noch mal sentimental wurde, als man als einzigen Song aus dem VERLORENE-JUNGS-Repertoire „Gekreuzte Hämmer“ zum Besten gab. Ein großartiger Auftritt, der mich in allen Belangen überzeugt hat.

Danke an alle, die das Konzert möglich gemacht haben. Schön, dass auch mal eine Band wie LOST BOYZ ARMY nach Hamburg geholt wird. Sehr gerne in nicht allzu ferner Zukunft wieder!

15.10.2011, Hamburg, Lobusch: MEATFIST

Am nächsten Tag verschlug es mich spontan in die Hamburger Lobusch zu MEATFIST, einer dänischen MISFITS-Coverband, die dem ca. halbvollen Laden gut einheizte und zum Feiern einlud. Klar, ein Hit folgte auf den nächsten und der Funke sprang schnell von der Band aufs Publikum über. Kurzweilig und gut und mit ’nem Fünfer auch aus der Portokasse bezahlbar.

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