Gnnis Reviews

Category: Konzertberichte (page 30 of 35)

19.08.2011, Lobusch, Hamburg / 20.08.2011, Hamburg: Schanzenfest

Freitag (19.08.2011) bin ich noch spontan nach langer Zeit mal wieder in die Lobusch in Hamburg-Altona. Dass BLUTTAT leider ausfallen würden, wusste ich, letztendlich war’s mir aber auch egal. Ich bin in erster Linie hin, um noch ein, zwei, drei Absacker nach Feierabend zu trinken und mich mit ‘nem Kollegen zu treffen. Mitbekommen habe ich eine lokale Band, die deutschsprachigen HC-Punk spielte, deren Namen ich aber vergessen habe. Klang krachig, engagiert und kämpferisch, nicht verkehrt. Mit „St. Pauli bleibt dreckig“ war ein kleiner Hit dabei, Tiefpunkt war hingegen ein stumpfer Anti-Bayern-Song. Wegen des späten Konzertbeginns habe ich mir die kolumbianische Mädelsband nicht mehr ansehen können, da ich es bevorzugte, mir nicht die ganze Nacht um die Ohren zu schlagen und stattdessen die letzte Bahn gen Heimat zu nehmen.

Schließlich spielte ich mit dem Gedanken, bei gutem Wetter dem Schanzenfest am Samstag einen Besuch zu abzustatten. So kam es dann auch. Gegen 16:00 Uhr war ich dort, Menschenmassen drängelten sich bei bestem Wetter und vollkommen entspannter Atmosphäre durch den Flohmarkt. Überall gab es günstige Kaltgetränke und leckeres Essen. Angekommen am Schulterblatt lärmte gerade irgendeine eher langweilige Band auf der Bühne schräg gegenüber von der Roten Flora. Es folgten I-FIRE mit deutschsprachigem Reggae, die verdammt viele Leute anzogen und spitzenmäßig ankamen. Nicht ganz meins, aber durchaus gut gemacht. Nach und nach traf man immer mehr bekannte Gesichter, plauderte, trank und sah sich die nächste Band an: G-PUNKT-EFFEKT oder so aus Berlin. Eine Handvoll Frauen in den geschmacklosesten Klamotten, die aufzutreiben waren, spielten eine völlig abgefahrene Mischung aus Chanson und Punk, inkl. ungewöhnlicher Begleitinstrumente wie einer Geige. Es war nicht unbedingt gut, aber auch nicht scheiße, auf jeden Fall war’s interessant und unterhaltsam. Die Songs über Liebe und Lust fand ich textlich sogar recht inspirierend, soweit ich sie verstanden habe. Die LEISTUNGSGRUPPE MAULICH mit ihrem von zwei Bässen unterstützten Punk mit eher persönlichen, düstereren Texten legte sich mächtig ins Zeug, passt meines Erachtens aber besser in einen dunklen, verqualmten Club als bei strahlendem Sonnenschein auf ein Straßenfest. Nichtsdestotrotz kein schlechter Auftritt. Der musikalische Höhepunkt folgte im Anschluss mit CONTRAREAL, jener noch relativ jungen Hamburger Band, bestehend aus R. an Gitarre und Gesang, M. am Schlagzeug und Hauptgesang und D. am Bass. Ob des späten Beginns – ca. 21:00 Uhr – witzelte man im Vorfeld, ob es angesichts der drohenden Polizeigewalteskalationen, für die das Schanzenfest berüchtigt ist, überhaupt noch zum CONTRAREAL-Auftritt kommen würde, doch man wurde eines Besseren belehrt. Die Bullen hielten sich ziemlich lange sehr zurück und waren quasi überhaupt nicht zu sehen, was entschieden zur friedlichen Stimmung beitrug. So konnte der CONTRAREAL-Gig problemlos über die Bühne gehen. Die Band spielt flotten, deutschsprachigen HC-Punk mit weiblichem Gesang, trotz des recht hohen Tempos macht die Schlagzeugerin und Sängerin ihre Sache sehr souverän und mitreißend. Wenn Gitarristin R. das Mikro übernimmt, bekommt man eine wahnsinnig fiese, aggressive Stimme um die Ohren gehauen, dass es einen umhaut. Große Klasse, macht richtig Laune. Textlich bisweilen eher einfach gestrickt und mit Mitgrölparolen versehen, eigentlich der perfekte Ausklang für den „offiziellen“ Teil des Schanzenfests. Gecovert wurden CANALTERROR mit „Staatsfeind“ sowie ein verstorbener niederländischer Entertainer mit einer eigenen textlichen Interpretation DES Sommerhits überhaupt, ähem… Sehr schöner Gig, der dank des satten Sounds wesentlich besser rüberkam als seinerzeit IN der Flora, wo ich sie erstmals gesehen hatte.

Mittlerweile war es dunkel, die Bühne wurde abgebaut, die Leute verteilten sich auf der Straße. Man trank noch ein Bierchen zusammen und beschloss, noch vor Ausbruch irgendwelcher obligatorischen Rituale den Ort des Geschehens Richtung Kiez zu verlassen, um die Nacht im Skorbut zu verbringen. Der Fußweg dorthin durch menschenbevölkerte Straßen voller feiernder Leute in einer lauen Sommernacht hatte eine ganz besondere Atmosphäre und die Nacht fand ihren verdienten Ausklang am Tresen bzw. auf der Straße davor, denn noch immer lud das Wetter zum Freiluftaufenthalt ein.

Im Nachhinein war es wohl diesmal auch zu vorgerückter Stunde und nach Ende des Schanzenfests wesentlich ruhiger dort als die letzten Male. Dennoch fand die Polizei im Freudenfeuer vor der Roten Flora anscheinend endlich einen Anlass, ihren neuen Wasserwerfer auszuprobieren und schritt ein, als eine kleine Gruppe versuchte, sich Zutritt zu einer Bankfiliale zu verschaffen, während Teile des Publikums den Einsatz freundlich honorieren wollten, indem sie den Beamten ihr Flaschenpfand zur Verfügung stellten – in weiser Voraussicht aus einem gewissen Sicherheitsabstand heraus. Als Dankeschön sorgten die Behelmten für etwas Abkühlung und Erfrischung. Insofern hatten am Ende dann doch wieder alle ihren Spaß (soweit zumindest mein Eindruck, war ja wie gesagt nicht vor Ort)…

04.-06.08.2011: WACKEN OPEN AIR 2011

wacken_2011Nachdem ich letztes Jahr in erster Linie wegen IRON MAIDEN erstmalig zum Wacken Open Air gefahren war, wo es mir aber überraschend gut gefallen hatte, verschlug es mich auch diesmal wieder ins schleswig-holstein’sche Bauernkaff, das normalerweise nur ca. 1.800 Einwohner aufzuweisen hat, 1x jährlich aber das größte Metal-Festival der Welt ausrichtet. Wie im vergangenen Jahr wurden 75.000 Karten verkauft, zusammen mit allen Leuten drumherum kommt man auf eine Teilnehmerzahl von rund 85.000 Menschen. Zugpferd für mich und sicherlich viele Andere waren diesmal JUDAS PRIEST, die das Festival auf ihrer Abschiedstournee mitnahmen. Zwar hatte ich es im Vorfeld versäumt, mir ein Ticket zu besorgen, bin auf den letzten Drücker aber doch noch über den Gästelistenplatz eines Aufbauhelfers reingerutscht – besten Dank noch mal!!!

Mit deutlich reduzierter Reisegruppe ließ ich mich zusammen mit zwei Bekannten, die ich letztes Jahr in Wacken kennengelernt hatte, bequem ins Dorf chauffieren (auch hierfür besten Dank), wo wir nach erfolgreichem Check-In etc. direkt auf einem der vordersten Camping-Plätze unsere Zelte aufschlugen – keine langen Wege, perfekt! Mittlerweile war es bereits später Mittwochabend, da wir erst relativ spät losgekommen waren und obwohl das Festival offiziell erst am Donnerstag beginnt, lärmten bereits seit 12:00 Uhr mittags unbekanntere Bands auf der „W.E.T. Stage“ genannten Zeltbühne. Dort sollte um 00:00 Uhr MAMBO KURT, jener irrsinnige Alleinunterhalter mit seiner Heimorgel, spielen – also hin da, Bierchen in’ Kopp schütten und auf Wacken anstoßen – mögen die Spiele beginnen! MAMBO KURT verstand es wieder, ein wildes Potpourri aus allen möglichen Stilrichtungen auf seiner Orgel zu zelebrieren und das Publikum mitzureißen – ganz gleich ob mit georgelten Wacken-kompatiblen Songs von SYSTEM OF A DOWN, SLAYER und RAMMSTEIN, Dancefloor- und Proleten-Techno-Trash oder Robbie-Williams-Schnulzen und völlig egal ob eben mit seiner kultigen analogen Yamaha-Orgel aus dem Jahre 1980 oder mittels C64- oder Game-Boy-Soundchip (technische Innovation im Hause MAMBO KURT?). Die Robbie-Williams-Nummer war der Hammer: Kurt spielte „Angel“ oder wie die Schnulze heißt an und sofort sangen hunderte Metaller und Artverwandte inbrünstig mit. Damit hatte anscheinend auch der King of Heimorgel nicht gerechnet, entschuldigte sich für den Abbruch des Stücks und läutete das Finale seines wie immer grandiosen Auftritts ein. Die anschließende Metal-Karaoke, die bis in die frühen Morgenstunden gehen sollte, haben wir uns nur kurz angeschaut und uns nicht allzu spät in unsere Zelte gepackt.

Das Wetter war bis jetzt spitzenmäßig, geregnet hatte es lediglich nachts, als wir sicher in den Zelten lagen, was die Innentemperatur der Behausungen angenehm abgekühlt hatte – nachdem bisher so ziemlich alle Festivals dieser Saison abgesoffen waren, ließ das hoffen. Nach einer erholsamen Nacht ging es nach vollzogener Morgenhygiene ins Dorf, um ein paar Einkäufe zu tätigen und die dortige Atmosphäre zu genießen: Ein Dorf fest in der Hand von abertausenden Festivalbesuchern, Dorfbewohner, die bereitwillig mitmachen und jede Menge Fress- und Saufbuden mit sehr fairen Preisen aufgebaut haben, noch immer aus aller Welt eintreffendes Publikum sowie die unvermeidlichen christlichen Fanatiker, die sich Wacken zum Missionieren ausgesucht haben bzw. sehr zur allgemeinen Unterhaltung beitragen, wenn sie warnende Schilder hochhalten und allen Ernstes denken, mit Erkenntnissen wie „Jesus hat den Aids-Virus erfunden, um die Sünder zu bestrafen“ Werbung für Jesus und dessen Club zu machen. Klasse Freakshow. Ein Rocker stellte sich neben den Typen und hielt ein Schild mit der Aufschrift „Gott hasst Schilder“ hoch… Anhand dessen wird aber auch der friedliche Charakter des Festivals deutlich, der eine Koexistenz verschiedenster Nationalitäten, Musik-Stilrichtungen etc. erlaubt. Christen auf Mission werden da eben nicht verprügelt, sondern lediglich ausgelacht und verarscht. Um es vorwegzunehmen: Ich empfand das gesamte Festival wieder als überaus entspannt, habe selbst keinerlei Ärger gehabt, auch keinen mitbekommen, man ging respektvoll und rücksichtsvoll miteinander um. Das wird nicht immer und überall so gewesen sein, klar, verglichen mit anderen Großveranstaltungen, denen ich in der Vergangenheit beiwohnte, war Wacken aber wieder extrem locker und „chillig“.

Die Hauptbühnen bzw. eine davon, die „Black Stage“, einweihen sollten um 16:00 Uhr SKYLINE, die Band um W:O:A-Veranstalter Thomas Jensen. Hatte ich die Eröffnung letztes Mal verpasst, war ich diesmal pünktlich an Ort und Stelle und wurde Zeuge einer unterhaltsamen Mischung aus Kult, Trash und Kitsch. Es gibt nämlich anscheinend dutzende „Wacken-Hymnen“ und die erste wurde sogleich zusammen mit eben jenen SKYLINE von Ober-Metal-Pomeranze DORO PESCH intoniert, die auch gleich noch so Stadion-Rocker wie „All We Are“ dranhing. Meine Güte, dabei war ich doch noch nüchtern! Schon besser war da SODOMs Tom Angelripper mit „Auf nach Wacken – Kopp in’ Nacken!“ auf gewohnt proletarisch-bodenständige Weise. Über Chris Boltendahls (GRAVE DIGGER) Auftritt hülle ich auch besser die Metalkutte des Schweigens, doch der kreischende Tarnanzug Udo Dirkschneider (ACCEPT, U.D.O.) riss mit den Gassenhauern „I’m A Rebel“ und „Princess of the Dawn“ alles raus und sorgte für einen guten hartrockenden Einstieg in die Hauptbühnensause. Den nun folgenden halbstündigen Auftritt von Comedian BÜLENT CEYLAN (häh?) verpasste ich wegen irgendwelchen Gedöns und kann daher auch nicht sagen, was genau der da gemacht hat. Die Pappnasen der unsäglichen FREI.WILD habe ich hingegen bewusst ignoriert, da deutschtümelnde Norditaliener so ziemlich das Letzte sind, und zwar nicht nur, was ich sehen will. Außerdem stehe ich nicht auf Italo-Pop bzw. höre dann doch lieber GIANNA NANNINI. Bei den ganzen geklonten Affen, die diese von einem Großdeutschland träumenden, nationalistischen Deppen für legitime ONKELZ-Nachfolger halten, kamen sie hingegen wieder super an und meine Stimmung sank merklich, da mich die Akzeptanz dieser Arschgeigen nicht unwesentlich nervt. Stattdessen wollte ich mir, nachdem ich kurz in die IRON-MAIDEN-Akustik-Coverband MAIDEN UNITED reingehört und für zu pathetisch-schnulzig befunden hatte, lieber ONKEL TOM, das Sauflieder-Projekt von SODOM-Angelripper, im Zirkuszelt ansehen, doch das war hoffnungslos überfüllt und ebenfalls hoffnungslos kam ich zu spät. Die letzten beiden Songs bekam ich mit, jedoch ohne Sicht auf die Bühne. Freunde, das wäre ein klarer Fall für die Party Stage im Infield, neben den beiden Hauptbühnen, gewesen! Doch kaum hatte Tom zum letzten Mal den Paul-Kuhn-Kracher „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ in martialischem Sound rausgerotzt, nahm ich zum ersten Mal die Gelegenheit wahr, meine alten 80er-Helden von HELLOWEEN bzw. das, was von ihnen übrig ist, zu sehen. Ich und meine Kumpels hielten diese Power-Metal-Truppe allerdings für alles andere als ein „Must-See“ und begaben uns daher nicht in Getümmel vor der Bühne, sondern machten es uns bei herrlichem Sonnenschein vor der großen Leinwand direkt vor dem Infield mit mitgebrachtem Bier gemütlich und ließen Kameraleute und Regie die Arbeit machen – und zwar gute, denn das war alles sorgfältig aufeinander abgestimmt, bis auf ein paar technische Probleme war der Sound gut und synchron. Live-Feeling kam trotzdem auf, denn um einen Blick auf die Bühne zu erhaschen, musste man nur etwas den Hals recken. Sehr angenehm! Die alten Speed-Metal-Heldentaten von HELLOWEEN zähle ich immer noch zum Besten, was Deutschland in den 80ern in dieser Richtung hervorgebracht hat, doch nach Veröffentlichung des Live-Albums „Live in the U.K.“ gegen Ende jener Dekade erlosch mein Interesse und ich habe mir bis zum heutigen Tage kein neueres Werk der Band mehr angehört. Sehr zu meiner Freude spielte die seit damals auf einigen Positionen durcheinandergewirbelte Band fast ausschließlich alte Stücke aus der Michael-Kiske-Ära der 80er, also von den glorreichen „Keeper Of The Seven Keys“-Alben.

Setlist Helloween:

Are You Metal?
Eagle Fly Free
March of Time
Where the Sinners Go
Drum Solo
I’m Alive
Keeper of the Seven Keys / The King for a 1000 Years / Halloween
Future World
Dr. Stein
I Want Out

Sänger Andi Deris kommt mit seiner Stimme zwar nicht so hoch wie Michael Kiske, machte seine Sache wie der Rest der Band aber verhältnismäßig ordentlich. Offensichtlich war dieser aber nicht unerheblich alkoholisiert und bekam einen Laberflash, was in lustig gemeinten, ausufernden Beleidigungsorgien gegen den homosexuellen Schlagzeuger mündete, und zwar auf unterstem Niveau. Das hatte aber so einen asi-trashigen Charme, der eigentlich überhaupt nicht zur Band passt und stellte damit gewissermaßen ein Kuriosum dar. Integriert wurden Rockstar-Spielchen mit dem Publikum, die nun irgendetwas besonders laut grölen sollten etc., kennt man ja. Doch als ob allein das nicht bereits mehr als genug Zeit in Anspruch genommen hätte, wurde das alles beim letzten Song „I Want Out“, fröhlich wiederholt. Hätte man sich das gespart, hätte man locker zwei, drei Songs mehr spielen können. Nunja…

Mit Speed-/Power-Metal aus deutschen Landen ging es nahtlos weiter, denn BLIND GUARDIAN betraten die Bühne. Ähnliche Umstände wie bei HELLOWEEN: Die ersten drei Platten, auf denen zünftiger Speed gezockt wurde, sagen mir zu, alles danach interessiert mich nicht die Bohne und was ich davon bisher zu hören bekam, war grausam überproduzierter Kitsch-Power-Metal für Tolkien-Nerds. Jedoch ähnlicher Effekt wie bei Helloween: Es wurden erfreulich viele der alten Kracher gespielt, so dass unser kleiner Trupp Kunstbanausen bereitwillig vor der chilligen Leinwand Stellung hielt und sich den Gig der „blinden Gardinen“ zu Gemüte führte.

Setlist Blind Guardian:

Sacred Worlds
Welcome to Dying
Nightfall
Time Stands Still (at the Iron Hill)
Traveler In Time
Fly
Tanelorn (Into the Void)
Imaginations From the Other Side
Lord of the Rings
Wheel of Time
Valhalla
Majesty
The Bard’s Song – In the Forest
Mirror Mirror

Das war alles andere als uninteressant und wurde gerne von uns mitgenommen. Zudem machte der Sänger einen sympathischen Eindruck und der Sound war wirklich klasse.

Nun aber genug der einheimischen Bands gehuldigt und ab vor die „True Metal Stage“, wo wir dem Auftritt des Madman OZZY OSBOURNE entgegenfieberten. Nun bin ich zwar beleibe kein großer Ozzy-Fan, aber, hey, er war der erste Sänger von BLACK SABBATH, hat den Heavy Metal miterfunden und durchaus einige Hits vorzuweisen. Außerdem ist er ein echtes Original, eine skurrile Gestalt, über deren Gesundheitszustand man gerne (?) mal Besorgniserregendes hört und es unklar ist, wie oft man überhaupt noch die Gelegenheit bekommen würde, dem alten Kopfabbeißer live beizuwohnen. Mit einer Mischung aus kindlichem Enthusiasmus und Wahnsinn im Blick stürmte der hagere, aber optisch eigentlich ziemlich fit aussehende Brite auf die Bühne und lieferte folgendes Set ab:

I Don’t Know
Suicide Solution
Mr. Crowley
War Pigs
Bark at the Moon
Road to Nowhere
Shot in the Dark
Rat Salad
Iron Man
I Don’t Want to Change the World
Crazy Train
Mama, I’m Coming Home
Paranoid

Eigentlich dachten wir, einen super Platz sehr weit vorne, etwas rechts von der Bühne erwischt zu haben, doch anscheinend standen wir in irgendeiner Art toter Zone oder sowas, denn der Gesang war superleise und die Tiefen heillos übersteuert. Das klang ziemlich beschissen. Hinterher hörten wir von mehreren Leuten, dass der Sound kacke gewesen sein soll, die Aussagen im Internet widersprechen dem aber teilweise. Hm, vermutlich hatten wir wirklich einfach den ultimativ beschissensten Platz erwischt. Wenigstens wurde es etwas besser, je mehr wir uns im Laufe der Zeit der Bühne nähern konnten. Jedenfalls hatte Ozzy eine verdammt starke Band, bestehend aus 1a-Musikern, um sich geschart, die beeindruckende Leistungen lieferten. Das Drumsolo beispielsweise war spitze, auch wenn es soundmäßig ankam wie ein defekter, amoklaufender Drumcomputer. Die Songauswahl war nicht schlecht, Stücke wie „Bloodbath in Paradise“, ein Sabbath-Klassiker wie „Symptom of the Universe“ oder ’ne kaputte Schnulze wie „Goodbye to Romance“ wären mir aber lieber gewesen. Wat soll’s, man kann nicht alles haben. Dafür machte Ozzy seinem Image als Madman alle Ehre, als er sich und die ersten Reihen mit Löschschaum (o.ä.) einsprühte und dabei aber in erster Linie die Security erwischte, die sicherlich nicht sonderlich erfreut war, haha. Anschließend wurden noch ein paar Bierchen gekippt, bevor es relativ früh, aber doch ziemlich erschossen – man ist ja nicht mehr der Jüngste – in die Koje ging. Nachts wurde ich erneut vom Regenprasseln auf mein Zelt geweckt, dieses hielt aber dicht und das Wetter-Timing erwies sich – vom einem etwas heftigeren Schauer am Nachmittag, aufgrund dessen wir uns mimosig erstmalig in Ponchos hüllten, einmal abgesehen – erneut als perfekt. Meine Fresse, klinge ich spießig, aber für das noch folgende hochkarätige Programm wollte ich einigermaßen fit sein und es mir nicht durch einen fiesen Kater vermiesen.

Denn am nächsten Tag ging es bereits um 13:15 Uhr mit für uns Interessantem in Form von SUICIDAL TENDENCIES weiter, jener US-amerikanischen Hardcore-/Metal-Crossover-Institution. Sänger Mike Muir alias Cyco Miko fegte über die Bühne und lieferte zusammen mit seiner Band eine energiegeladene Vorstellung, genau der richtige Koffein-Verstärker am – gefühlten – Morgen. Zwar kenne ich lediglich das erste Album, auf dem die Band noch mehr oder weniger reinrassigen Hardcore darbot, aber das Zusehen machte Spaß und das Publikum, das sich bereits um diese Zeit zahlreich versammelt hatte, einen verdammt sympathischen Eindruck. Evtl. genoss ich es aber auch einfach, einmal etwas anderes zu sehen als die übliche Kuttenträger- und Wacken-Shirt-Armee. Dieser Tag sollte allgemein im Zeichen der härteren Gangart stehen, sehr zu meinem Entzücken. Denn nun ging es weiter mit MORBID ANGEL, jener just mit Originalsänger und Basser David Vincent wiedervereinigten US-Death-Metal-Pioniere, deren altes Zeug ich als eigentlich nicht sonderlich großer Death-Metal-Fan besonders wegen ihrer Brachialthrash-Kante schätze. MORBID ANGEL fabrizierten einen, wie ich es gern etwas banausig formuliere, „genialen Krach“ und mein persönlicher Höhepunkt war das grandiose „Maze of Torment“ – das mal live um die Ohren geballert zu bekommen, war schon sehr geil. Insgesamt ein überzeugender Auftritt, den ich mir aber allein ansehen musste, da meine Weggefährten doch tatsächlich kurz vorm Eingang zum Infield einen alten Kumpel entdeckt hatten. Dieser hatte die Wirkung einer Flasche Whisky unterschützt und robbte hilflos und verwirrt auf dem Boden. Die beiden nahmen sich kurzerhand seiner an, schleppten sein bis dato ohnehin nur halb aufgebautes Zelt zu unserem Campingplatz, wo trotz optimaler Lage immer noch locker für ihn Platz war, bauten es dort vernünftig auf und ließen ihn seinen Rausch ausschlafen. In wieder ansprechbarem Zustand entpuppte sich der Kerl als sympathischer und humorvoller Zeitgenosse, der schon seit den 70ern auf Hardrock & Co. abfährt, sozusagen ein echter Altrocker. Fortan waren wir also zu viert.

Setlist Morbid Angel:

Immortal Rites
Fall From Grace
Rapture
Maze of Torment
Existo Vulgoré
Nevermore
I Am Morbid
Angel of Disease
Chapel of Ghouls
Where the Slime Live
God of Emptiness

Doch mein Höhepunkt des Tages folgte im Anschluss mit der Ruhrpott-Thrash-Legende SODOM. Schnell einen Maßkrug Pils gesichert, in den Pöbel eingereiht, die Faust gereckt und mitgegrölt, was das Zeug hielt – mit den bekannten Folgen in Form von Stimmverlust, der am mittlerweile dritten Wackentag aber eigentlich überfällig war.

Setlist Sodom:

In War and Pieces
The Vice of Killing
Outbreak of Evil
The Saw Is the Law
I Am the War
M-16
Feigned Death Throes
The Art of Killing Poetry
Agent Orange
Blasphemer
City Of God
Remember the Fallen
Stalinorgel / Knarrenheinz / Bombenhagel

Der Titeltrack des aktuellen Albums erwies sich erneut als klasse Opener und auch der Rest der Songauswahl konnte sich hören lassen. Diese Setlist hab ich aus dem Internet gefischt und ob „City Of God“ wirklich gespielt wurde, kann ich gar nicht so genau sagen – ich glaube, nicht!? Wie dem auch sei, das abschließende Medley fing mit „Stalinorgel“ vielversprechend an, ging über in den neuen Mitgröler „Knarrenheinz“ und landete schließlich beim göttlichen „Bombenhagel“-Riff. Dieses wurde einmal gespielt, doch dann… war Schluss!? „Tschüß“, hieß es von der Bühne und das war’s, keine Zugabe, kein nix!? Verdammt, was war da los? Im Timing verschätzt? Strom abgedreht bekommen? Das kann’s ja wohl nicht sein. Kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass das so geplant war. Nichtsdestotrotz aber ein geiler, wenn auch viel, viel zu kurzer Auftritt. Ich finde es ja faszinierend, dass SODOM trotz allen Spaßes, den sie z.B. mit manch deutschsprachigem Song machen sowie mit Toms Nebenprojekten oder auch dem Spotdreh mit ROBERTO BLANCO immer noch als kompromisslose Trash-Band mit aussagekräftigen Texten ernstgenommen werden; mir geht es nicht anders. Das spricht eindeutig für die Qualität dieser Band, die ich schon geliebt habe, bevor ich überhaupt auch nur einen Song von ihr kannte – lediglich die Plattencover und vor allem die Metal-Hammer-Reviews haben mir als Kiddie in den 80er schon gereicht, SODOM zur Kultband zu erklären.

Apropos SODOM und ROBERT BLANCO: Im Rahmen des von mir leider verpassten „Masters of Comedy“-Auftritts sang ROBERTO BLANCO in Wacken zusammen mit SODOM „Ein bisschen Spaß muss sein“!!!

Was nun alles spielte, sparte ich mir und klapperte sämtliche Stände des Marktbereichs ab. Ein ausgiebiger Shopping-Bummel, der zwar Löcher in die Kasse riss, mich aber um ein paar schicke T-Shirts reicher machte und ohnehin so von mir eingeplant war.

Meine noch von SODOM aufgestaute Energie bangte ich dann gnadenlos bei den just wiedervereinten deutschen Oldschool-Death-Metallern von MORGOTH weg, die ich gnadenlos abfeierte. Die Band machte einen überaus selbstbewussten Eindruck, hatte ich in dieser Form irgendwie gar nicht erwartet. War aber ein brachiales Konzert, bei dem besonders die Songs des ersten Longplayers mehr und besser ballerten als aus der Konserve. Schade nur, dass mein Lieblingssong „Dictated Deliverance“ nicht gespielt wurde, aber irgendwas ist ja immer. SO gefällt mir Death Metal jedenfalls.

Der Platz vor der True-Metal-Stage füllte sich nun rasant, denn JUDAS PRIEST, der Headliner des heutigen Abends, stand in den Startlöchern. Unter dem Motto „Epitaph“ ist der Wacken-Auftritt Teil der Abschiedstournee der britischen Metal-Legende, die leider und überraschend ohne Gitarrist und Gründungsmitglied K.K. Downing auskommen muss. Er wird vertreten vom jungen Richie Faulkner, der zumindest in Wacken seine Sache aber sehr gut machte und auf mich nicht wie ein Fremdkörper wirkte. Erneut einen guten Platz in der Menschenmenge erhascht, war ich insbesondere auf Sänger Rob Halfords Leistung gespannt. Konnte man dem Glauben schenken, was man so liest, sollte er gesanglich stark abgebaut haben. Mag sein, für dieses Konzert hat es aber in jedem Falle noch gereicht, die Band präsentierte sich fit und überzeugend. Ich persönlich habe zu JUDAS PRIEST ja ein etwas ambivalentes Verhältnis. Ich bin mir ihres enormen und wichtigen Einflusses auf das Metal-Genre durchaus bewusst, finde aber – im Gegensatz zu z.B. den „Konkurrenten“ IRON MAIDEN – kaum ein Album durchgehend geil, das Image der Band stets an der Grenze zum Albernen und einige Songs übel kitschig. Meine inkl. Livesongs 50 Stücke umfassende Best-Of-Playliste, die den Zeitraum von Bandgründung bis 1990 umfasst (neueres Material kenne ich nicht) möchte ich aber keinesfalls missen, ebenso wenig das ganze Originalvinyl im Schrank, denn dafür sind die mir gefallenden Songs einfach ZU stark und bedeutend. Um PRIEST kommt man eben einfach nicht herum. Ob „Rapid Fire“ als Opener nun die beste Wahl ist, sei einmal dahingestellt, ebenso kann ich auf Songs wie „Metal Gods“ und besonders das höchst alberne „Turbolover“ gut verzichten. Andererseits sind das so Klischeegeschichten, die eben dieses trashigen Charme der Übertreibung innehaben und dadurch auch über einen nicht unerheblichen Unterhaltungsfaktor verfügen.

Setlist Judas Priest:

Intro: War Pigs / Battle Hymn
Rapid Fire
Metal Gods
Heading Out to the Highway
Judas Rising
Starbreaker
Victim of Changes
Never Satisfied
Diamonds & Rust
Dawn of Creation
Prophecy
Night Crawler
Turbo Lover
Beyond the Realms of Death
The Sentinel
Blood Red Skies
The Green Manalishi (With the Two Pronged Crown)
Breaking the Law
Painkiller
The Hellion / Electric Eye
Hell Bent for Leather
You’ve Got Another Thing Comin‘
Living After Midnight

Der erste Götter-Übersong war für mich „Victim of Changes“, „Diamonds & Rust“, eine der wie ich finde besten Coverversionen, wurde leider in akustischer Balladenform vorgetragen, „Night Crawler“ klang auf „Painkiller“ besser, aber „Beyond the Realms of Death“ sorgte für eine amtliche Gänsehaut und markierte meinen Höhepunkt des Auftritts. Was alle am Fleetwood-Mac-Cover „The Green Manalishi“ finden, werde ich wohl nie verstehen, das Publikum „Breaking the Law“ komplett allein singen zu lassen, war wohl als Verschnaufpause für Halford gedacht, hatte aber atmosphärisch durchaus eine positive Wirkung und beim ultrafies zu singenden „Painkiller“ hat er sich dann auch echt gut geschlagen. Mit anzusehen, wie er fest das Mikro umklammert und angestrengt hineinkeift, was mehr nach Arbeit als nach souveränem Vergnügen aussah, hat auf gewisse Weise zum Song gepasst und mir Respekt abgerungen. Eingeleitet wurde der Song von einem gelungenen Schlagzeug-Solo. Der Zugabenblock eröffnete mit dem großartigen Ohrwurm „Electric Eye“, gefolgt vom über jeden Zweifel erhabenen „Hell Bent for Leather“ und abgeschlossen vom überbewerteten „You’ve Got Another Thing Comin’“. Dass Halford auf einem protzigen Motorrad hereingebraust kam, ist obligatorisch, ebenso wäre das abgefahrene Outfit der Band – insbesondere Halfords Nietenfetisch – eigentlich überflüssig zu erwähnen. Ich tue es trotzdem, denn die VILLAGE PEOPLE sind ein Scheiß dagegen! Als Zugabe zu den Zugaben hieß es dann letztlich „Living After Midnight“, jener supereingängige Poprocker vom „British Steel“-Album, den ich mittlerweile gut angesäuselt euphorisch mitsang und -schunkelte. Ich habe JUDAS PRIEST live gesehen und wurde unterm Strich nicht enttäuscht – wenn das nichts ist?!

Und der Abend war noch lange nicht zu Ende: Für die glücklicherweise ausgefallenen CRADLE OF FILTH wurde die CELTIC-FROST-Nachfolgeband TRIPTYKON verpflichtet, eine schwer doomige Kapelle um Mastermind Tom G. Warrior. Leider schaffte ich es erst zum vierten Song zur Bühne und ich könnte mich heute noch ärgern, dass ich dadurch die CELTIC-FROST-Klassiker „Procreation (of the Wicked)“ und „Circle of the Tyrants“ verpasst habe. Der Rest waren dann superschleppende Düstersongs neueren CELTIC-FROST-Datums oder eben bereits unter dem Namen TRIPTYKON veröffentlicht, die mich musikalisch als Nicht-Doomer eigentlich nicht so ansprechen, aber, verdammt – zu diesem Zeitpunkt, die Sonne war gerade untergegangen, die Luft wurde kühler, die riesige JUDAS-PRIEST-Menschentraube hatte sich aufgelöst, hatte das verdammt noch mal Atmosphäre und Gesicht und Warrior legte sich auch mimisch voll ins Zeug, er unterstrich seine Musik mit seinem Körpereinsatz, da wirkte alles ehrlich und aus tiefstem Herzen, um es kurz zu machen: Ich fand’s geil!

Nach ein wenig Pause, die zur körperlichen Stärkung an einem der zahlreichen und hervorragenden Essstände im „Wackinger“-Bereich, also dem Mittelalterdorf, genutzt wurde, wollte ich mal schauen, was die reformierten SLIME, jene Hamburger Punk-Legende, auf der Zeltbühne so zu bieten hat – und wurde schlicht umgeblasen. Der SLIME-Auftritt war von vorne bis hinten total geil, das Zelt voll, die Band inkl. Sänger Dirk topfit. Hier habe ich mir endgültig die Seele aus dem Leib gebrüllt und es genossen, mit anzusehen, wie gut die Band auch hier ankam. Der Auftritt gefiel mir besser als auf dem Hafengeburtstag in Hamburg, es hat alles viel mehr geknallt! Viele sind ja skeptisch und werfen der Band Verrat vor, auf so einem Kommerzfestival wie dem Wacken Open Air zu spielen, das auch Pfeifen wie FREI.WILD eine Bühne bietet, aber ich fand’s im Nachhinein genau richtig, sozusagen „in der Höhle des Löwen“ zu spielen und seine unmissverständlichen Statements dort, also genau da, wo sie gebraucht werden, abzugeben. Und das taten SLIME bravourös. Seinen Ausklang fand dieser denkwürdige Abend bei den Skandinaviern von APOCALYPTICA, die wir uns noch ein paar Songs lang auf der eingangs erwähnten Chill-Leinwand ansahen. Metallica-Songs auf Cellos nachgespielt – beeindruckend und eine schöne Gute-Nacht-Musik. Wir nervten noch etwas unsere irgendwie christlich angehauchten Zeltnachbarn mit besoffenem Gequatsche über GG ALLIN und MAYHEM, ließen uns auf ihr Bier einladen und legten uns dann aber alsbald gehackt, denn noch ein weiterer ereignisreicher Tag in Wacken stand bevor.

Am Samstag musste ich mich entscheiden, ob ich lieber KATAKLYSM oder THE HAUNTED als Wachmacher haben wollte. Ich entschied mich eigentlich rein interessehalber für KATAKLYSM, hab von denen aber nicht sonderlich viel mitbekommen, weil wir bis zum Beginn noch mittlerweile etwas hüftsteif im Dorf herumrannten, ich zurück auf dem Gelände mehr Zeit in der Kloschlange als vor der Bühne verbrachte und irgendwie zu verpeilt für einen stringenten Zeitplan war. Die von bösen Zungen als Nintendo-Metaller bezeichneten Kanadier KATAKLYSM riefen jedenfalls zum „Security-Stress-Test“ in Form von massivem Crowdsurfing auf. Ja ja, bis einer weint…

Geweint hätte ich aber auch fast, denn was da nun unüberhörbar über den Platz waberte und eine akustische Umweltverschmutzung sondergleichen darstellte, sprengte fast die Grenze des Erträglichen. Normalerweise kann man Bands, die einen nicht interessieren, ganz gut ignorieren. Bei den Japanern von DIR EN GREY war das aber unmöglich, so schief jaulte der schreckliche Sänger permanent, bis man sich fast genervt die Ohren zuhielt. Dabei wollte man doch eigentlich noch ein wenig entspannen bis zum Auftritt der Bekloppten von…

(THE TRUE) MAYHEM. Eine der wenigen Black-Metal-Bands, mit denen ich etwas anfangen kann. Das Uralt-Rumpelzeug ist kultig, das Debütalbum hat mich weggeblassen. Ganz eigenständiger Sound, dazu der geniale und variationsreiche „Gesang“ des Ungarn Attila Csihar. Was die norwegische Band danach noch alles veröffentlicht hat, habe ich nicht mehr verfolgt, mich dafür aber umso mehr auf den heutigen Auftritt gefreut. Ich erwartete eigentlich eine morbide dekorierte Bühne und Sänger Attila in einer abgefahrenen Maske, doch nix war: Ein paar Transparente mussten als Bühnendeko ausreichen und Attila kam mit einer Art Irokesenschnitt, stilsicherem Voivod-Shirt, Lederjoppe und Bluejeans auf die Bühne, machte aber auch darin eine imposante Figur. Und ich hab zum ersten Mal gesehen, wie der Kerl eigentlich aussieht. Keine Ahnung, ob die Band sich bewusst gegen das ganze Brimborium entschieden hat, damit man sich mehr auf die Musik konzentriert, oder ob sie schlicht keinen Bock hatte, für einen Nachmittagsauftritt in Wacken soviel Aufwand zu betreiben. Wie dem auch sei, musikalisch war das alles im grünen Bereich, die mir unbekannten Stücke haben Lust gemacht, mich auch mal mit dem neueren Zeug auseinanderzusetzen, die Stücke von der ersten LP wurde souverän dargereicht und die ganz alten Dinger, bei denen ursprünglich Dead oder Maniac sangen, waren interessant, mal mit Attila zu hören. Dessen stimmliche Arbeit kam naturgemäß beim Livesound nicht 100%ig rüber, gerade leisere Töne gingen bisweilen etwas unter. Das änderte aber nichts daran, dass ich ziemlich angetan vom MAYHEM-Auftritt war – einer Band, die unter keinem allzu gutem Stern zu stehen scheint, nachdem der ehemaliger Sänger Dead Selbstmord begangen hat und mit Originalgitarrist Euronymous ein superkreativer Kopf feige von der peinlichen Nazischwuchtel „Würg“ Vikernes ermordet wurde. Etwas ärgerlich lediglich, dass „Funeral Fog“ nicht auf der Setlist stand. Ach ja, und unser immer noch vom Whisky-Kater geplagter 70ies-Rock-Kumpel war tatsächlich entsetzt und fragte, was wir ihm da denn bitteschön empfohlen hätten…?

Setlist Mayhem:

Pagan Fears
Ancient Skin
My Death
Cursed in Eternity
View From Nihil
Illuminate Eliminate
Silvester Anfang
Deathcrush
Anti
Freezing Moon
A Time To Die
Chainsaw Gutsfuck
Pure Fucking Armageddon

Bitter: Zeitgleich mit MAYHEM haben KNORKATOR gespielt, die ich nach ihrer Wiedervereinigung ja ebenfalls zu gern gesehen hätte, aber zerreißen kann ich mich nicht.

Eigentlich standen nun SHINING auf unserem Plan, die wir leider verpasst haben, also ging’s erst mit SEPULTURA weiter. Ich bin ja großer Freund der ganz alten Scheiben der Brasilianer. Doch bereits die vielumjubelte, experimentellere „Chaos A.D.“ war bereits nichts mehr für mich konservativen Thrasher und nach dem Weggang von Bandgründer und Sänger Max Cavalera sank mein Interesse auf den Nullpunkt. Die Gelegenheit, SEPULTURA nun mal hier in Wacken zu sehen, ließen wir uns aber nicht entgehen und nahmen erneut an unserem heimlichen Lieblingsort – vor der Leinwand – platz. Die neueren Sepultura-Stücke klingen mit ihren tiefgestimmten Instrumenten „deathiger“ und werden ziemlich brachial dargeboten, der Sänger hat einen wahnsinnigen Blick und greift ab und zu mal zu einer zusätzlichen Trommel, die Rhythmussektion arbeitet schwer. Doch der Funke will nicht so recht überspringen. Die Refrains sind meist einfache Mitgröler, es macht durchaus Spaß, sich das anzugucken. Aber es ist eben auch recht monoton, es fehlt dieses Hektische, das ich am Thrash so mag. Ich weiß bei so etwas immer nicht so genau, ob da schlicht ein anderer Stil gespielt wird, mit dem ich nicht soviel anfangen kann, oder ob es tatsächliches songwriterisches Unvermögen ist, das verhindert, dass ich Gefallen daran finde. Die alten Stücke machten aber Laune und Zeitverschwendung war dieser Gig keinesfalls. Interessante Coverversion zwischendurch: „Just One Fix“ von MINISTRY.

Setlist Sepultura:

Intro
Arise
Refuse/Resist
Kairos
Just One Fix
Convicted in Life
Choke
What I Do!
Relentless
Troops of Doom
Territory
Inner Self
Ratamahatta
Roots Bloody Roots

Nach SEPULTURA gönnte man sich wieder eine Pause und kehrte erst pünktlich zu KREATOR zurück, der zweiten Ruhrpott-Thrash-Legende am heutigen Tage. Im Gegensatz zu SODOM hatten diese eine Headliner-Position inne und fuhren eine dementsprechend fette Show mit animierten Bühnenhintergründen etc. auf. Es hieß „Everyone against everyone – Chaos!!!“ und wie üblich knallte dieser Song wesentlich aggressiver und unnachgiebiger aus der Anlage als von Platte. Ein großartiger Einstieg. Bei den folgenden Songs, die einen gelungenen Querschnitt durch älteres und neueres Material boten, stachelte Frontmann Mille das Publikum immer wieder lautstark zu Circle Pits und zum totalen Mosh an, was dankbar aufgegriffen wurde. Der Mob tobte und die kanalisierte KREATOR-Wut bahnte sich ihren Weg durch tausende begeisterte Fans. Ein denkwürdiger Auftritt, der mit „Flag of Hate“ seinen würdigen Abschluss fand.

Setlist Kreator:

Choir of the Damned
Hordes of Chaos (A Necrologue for the Elite)
Warcurse
Endless Pain
Pleasure to Kill
Destroy What Destroys You
Voices of the Dead
Enemy of God
Phobia
Reconquering the Throne
The Patriarch
Violent Revolution
Betrayer
Flag of Hate
Tormentor

Ein klasse Auftritt, bei dem ich es sogar verschmerzen konnte, dass meine Alltime-Faves wie „Extreme Aggression“ und „Blind Faith“ unberücksichtigt blieben.

Direkt nach KREATOR stand ein weiterer hochkalibriger Gast an: MOTÖRHEAD! Lemmy war eine coole Sau wie immer und begann das Set mit dem Klassiker „Iron Fist“, spielte aber kein reines Best Of, sondern integrierte gleichberechtigt neuere Songs, u.a. vom aktuellen Album „The Wörld is Yours“, pöbelte gegen Politiker und war trotz seines mittlerweile fast biblischen Alters stets auf der Höhe. Zwischendurch bewies Drummer Mikkey Dee mit einem wahnsinnigen Drumsolo, dass er zurecht als einer der besten Schlagwerker gilt. Gegen Ende wurden dann noch mal die großen Klassiker ausgepackt, das Doublebass-Gewitter „Overkill“ entließ befriedigte Fans in die Mitternacht. Dass meine Lieblinge „No Class“, „Eat the Rich“ oder auch „We are the Road Crew“ nicht zum Zuge kommen würden, war mir eigentlich vorher klar, finde ich aber dennoch etwas schade.

Setlist Motörhead:

Iron Fist
Stay Clean
Get Back In Line
Metropolis
Over the Top
Rock Out
One Night Stand
The Thousand Names of God
I Know How to Die
The Chase Is Better Than the Catch
In the Name of Tragedy
Just ‚Cos You Got the Power
Going to Brazil
Killed by Death
Bomber
Ace of Spades
Overkill

Die meines Erachtens hoffnungslos überbewerteten CHILDREN OF BODOM ließ ich links liegen und ergriff die Chance, endlich einmal die verrückten Finnen von ELÄKELÄISET zu sehen, die auf der Party-Stage manch bekanntes Liedgut zu ihren ganz eigenen Humppa-Versionen, einer finnischen Foxtrott-Variante, verwursteten und mit finnischen Texten versahen. Dabei sitzt die Gruppe an einem länglichen Tisch, auf dem ihre Instrumente wie z.B. kleine Keyboards aufgebaut sind und erzählt zwischen den Songs reichlich Unfug in schlechtem Englisch. Der Drummer sitzt vorne neben dem Tisch hinter einem aufs Wesentliche reduzierten Mini-Drumkit. Die Band wirkt wie eine Mongo-Truppe in Musiktherapie, verarscht sich permanent selbst und zielt damit in eine ganz ähnliche Kerbe wie MAMBO KURT, wenn sie populäres, modernes Liedgut auf eigentlich als altertümlich und rentnermäßig geltenden Instrumenten bzw. in ebensolchen Musikstilen wiedergibt. Ein großer Spaß, jeweils zu versuchen, möglichst schnell zu erkennen, um welchen Song es sich gerade handelt, der da nach Humppa-Manier vergewaltigt wird. Nicht ganz so viel Spaß verstand leider der Wettergott, der aus dem mittlerweile eher harmlosen, aber stetigen Nieselregen urplötzlich ein rasendes Unwetter mit gefühlt fußballgroßen Regentropfen machte, gegen die selbst mein Poncho nur noch bedingt half. Da ich mir die schwedischen Okkult-Melodie-Metaller GHOST nicht entgegen lassen wollte, floh ich so oder so zur Zeltbühne, sicherte mir einen schnieken Platz am Tresen und verfolgte gespannt den Auftritt der geheimnisumwitterten skandinavischen Newcomer, deren wahre Identität bis heute geheim gehalten wird. Der Sänger sieht aus wie ein untoter Papst Ratzi, die Begleitmusiker sind in dunkle Mönchskutten gehüllt und ebenso wenig zu erkennen. Konnte deren Album bisher bei mir nicht sonderlich zünden, genoss ich live aber die Atmosphäre des Auftritts sehr. Durch das ganze Brimborium, die thematische Ausrichtung der Texte und den Umstand, dass die Musiker klassischen Heavy Metal ebenso beherrschen wie der Sänger seine Stimmbänder, fühlt man sich häufiger an MERCYFUL FATE erinnert, insbesondere, wenn der beste GHOST-Song dann auch noch stark nach „Return of the Vampire“ jener dänischen Okkult-Metal-Institution klingt.

Da beim weiterhin wütenden Prasselregen das Gelatsche über den Platz nicht mehr so wirklich Spaß machte, begab ich mich alsbald in mein Zelt und beendete somit den musikalischen Wacken-Teil. Zwar hielt mein Zelt bis zu diesem Zeitpunkt vorbildlich dem Wetter stand, doch ich hatte eine sehr unruhige Nacht vor mir, denn ohne Unterlass entluden sich gigantische Regenwolken auf den Campingplatz und ich als Campinghasser und Zeltskeptiker bangte angespannt, ob ich nicht doch noch absaufen würde. Meine Sorge erwies sich glücklicherweise als unbegründet und am nächsten Morgen war alles wieder ok – abgesehen vom Festivalgelände, das im Matsch versank. Da wir es nicht sonderlich weit nach Hause hatten, konnten wir ins noch in Ruhe auf die erfolgreiche Suche nach Hinterlassenschaften unserer ehemaligen Mitcamper machen und telefonisch einen Chauffeur für die Rückfahrt organisieren. Nachmittags traten wir geschafft, aber glücklich ob eines wirklich gelungenen, lohnenswerten Wacken Open Airs die Rückfahrt an.

Mein Wacken-Fazit: Ich hatte größtenteils wieder den Eindruck, einem durchdachten und wohlorganisierten Festival beizuwohnen. Ich hatte außer dem üblichen Sonnenbrand und einer kleinen Beule durch den Stiefel eines weniger rücksichtsvollen Crowdsurfers nichts auszustehen und konnte mich meist ganz dem angenehmen Teil solch einer Großveranstaltung widmen. Auf Fragen etc. reagierten alle Offiziellen, mit denen ich in Kontakt kam, freundlich, im Publikum ließen sich viele skurrile und amüsante Gestalten ausmachen, die Grundstimmung war fröhlich und entspannt, der Umgang miteinander trotz aller Verschiedenheiten dementsprechend. Die Bandauswahl war diesmal so stark, dass ich mir mehr Gruppen angeschaut habe als noch im Jahr zuvor. Das bedeutete aber auch einen relativ eng gesteckten Zeitplan, so dass für mich zu meinem mal stärker, mal weniger stark ausgeprägten persönlichen Bedauern kaum bis keine Zeit blieb, sich ein paar unbekanntere Künstler auf der Zeltbühne anzuschauen, über die verschiedenen Campingplätze zu schlendern und Leute kennenzulernen und das Rahmenprogramm in Form von Wrestling-, Titten- und Comedyshows, Mittelaltergedöns, Biergartenauftritten etc. mitzunehmen. Klar, das ist eigentlich ein Luxusproblem und bedeutet im Umkehrschluss, dass wirklich zu keiner Sekunde Langeweile aufkam, aber ich empfand das Gebotene als ziemlich überfrachtet und denke, etwas weniger wäre mehr. Warum nicht ein bisschen was weglassen und dafür einer weiteren Erhöhung des Eintrittspreises entgegenwirken? Zu spät, ich weiß. Ich bezweifle aber, dass das die richtige Entwicklung ist. Erfreulicherweise hatte man diesmal auf die peinlichen und albernen Circle-Pit- und Wall-of-Death-Verbote verzichtet, an die sich letztes Jahr eh niemand gehalten hatte.

Meine persönlichen Highlights waren SODOM (die aber gleichberechtigt zu KREATOR als Headliner hätten auftreten sollen), MAYHEM mit Attila Csihar und KREATOR. Unvergesslich natürlich auch OZZY OSBOURNE und JUDAS PRIEST, vermutlich meine ersten und letzten Male, dass ich diese live zu Gesicht bekam.

Positiv erwähnen möchte ich die Aufteilung des Infields mit seinen drei Bühnen. Ohne nervige Wellenbrecher etc. war eigentlich immer genügend Platz, auch bei den ganz großen Namen. Als sehr angenehm erwies sich auch die Leinwand vor den Infields. Stichwort sanitäre Anlagen: Saubere Wasserklos und Waschbecken sowohl vorm als auch im Infield zur kostenlosen Nutzung – das ist großartig! Stichwort Ernährung: Wenn ich nach Wacken fahre, ist das für mich mein Urlaub und da möchte ich nicht, um Geld zu sparen, kalte Dosenravioli fressen, mit Gaskochern herumhantieren oder einen Grill mitschleppen. Ich plane also ein, mir täglich etwas von dem überteuerten Festivalessen zu gönnen. Wäre ich ein Meatfreak, hätte ich zu günstigen Preisen Bratwurst etc. im Dorf essen können, so blieben für mich dort aber lediglich – sehr empfehlenswerte – Pommes frites. Aber dann gibt es da ja noch den Wackinger-Bereich, wo man den Schlangenfraßbuden auf dem normalen Festivalgelände perfekt ausweichen und in uriger Atmosphäre ganz hervorragendes vegetarisches Essen bekommt! Ein ganz besonderer Gruß an dieser Stelle an die bezaubernde Dame vom Vegetarix-Stand, die ich an irgendjemanden erinnert habe, aber vergessen habe, zu fragen, an wen (vielleicht auch besser so). Da war man wirklich mit viel Spaß bei der Arbeit und hatte auch zu fortgeschrittener Stunde und angesichts wahrer Besoffski-Horden immer ein Lächeln und einen lockeren Spruch auf den Lippen. Solche Stände, oder eben auch die Knobibrot-zum-Selberbelegen- oder Ofenkartoffeln-mit-Champignons-Geschichten etc., tragen dazu bei, dass mein Magen nicht nur durch durchdringende Bässe und Flüssigbrot auf seine Kosten kommt. Weiter so! Fairerweise möchte ich aber noch erwähnen, dass es mit Seitan-Gyros auch schmackhaftes Essen in den herkömmlichen Buden gab und zudem vegetarisches „Soulfood“ angeboten wurde, das ich aber nicht gekostet habe.

Ach ja, was die Security, die einen am Eingang zum Infield abgetastet hat, betrifft, hab ich noch eine nette Anekdote parat: Als ich am Donnerstagabend hinein wollte, begutachtete man kritisch meine Kleidung, bis es plötzlich hieß: „Falsches T-Shirt!“ Zunächst dachte ich ernsthaft, man erlaubte sich gerade einen Spaß mit mir und wies darauf hin, dass heute definitiv nicht der 1. April sei, doch als man auch noch einen zweiten Sicherheitstypen hinzuzog, wurde mir langsam klar, dass irgendetwas nicht stimmte. Des Rätsels Lösung: Man hielt mein T-Shirt der schweizerischen Thrasher CORONER für ein Shirt der Neonazi-Marke „Thor Steinar“ – warum auch immer?! Schließlich handelte es sich mitnichten um einen unidentifizierbaren, x-mal verschlungenen Schriftzug einer Extreme-Metal-Band, sondern um recht deutlich lesbare Buchstaben. Ich wurde zur Seite beordert, wo man sich das Shirt noch einmal in Ruhe anschaute, Einsicht hatte und sich entschuldigte. Insofern alles gut und ich freue mich ja, dass man Nazideppen offensichtlich aussortieren will, aber wer Lesen kann, ist eindeutig im Vorteil… Immerhin hatten wir damit für die Tragedauer meines Shirts einen schönen Running-Gag, haha.

Das bringt mich aber zu meinen Kritikpunkten, zunächst die beiden größten:

Es passt meines Erachtens nicht zusammen, nach Thor Scheißar Ausschau zu halten, andererseits aber so eine gehypte Kackband wie FREI.WILD, die sich bewusst ein Image als missverstandene Opfer ihrer rechtsradikalen Jugendsünden aufgebaut hat, damit kokettiert, um sich als zweite ONKELZ aufzuspielen und trotzdem ihre völkische Südtirol-Scheiße schlimmer als im Musikantenstadl trällert und einer rechten, demagogischen Partei nahe steht, auch noch ein Forum zu bieten und zu ihrer allgemeinen Akzeptanz beizutragen, indem man sie wiederholt auf die Bühne stellt.

Selbiges gilt für BURZUM. Varg Vikernes ist eine ganz arme Fackeln, ein verurteilter Mörder, ein scheiteltragender Neonazi. Trotzdem wird in Wacken von viel zu vielen Spacken ohne Ende Werbung für dieses Arschloch gelaufen und an den T-Shirt-Ständen seine Shirts verkauft. Manche sind sogar so doof und nähen sich einen BURZUM- neben einen MAYHEM-Aufnäher oder gehen mit BURZUM-Shirts zum MAYHEM-Gig. Wenn ihr konsequent gegen Nazischeiße vorgehen wollt, untersagt endlich das Tragen und den Verkauf von BURZUM-Artikeln. Das wäre ein eindeutiges Signal und würde den einen oder anderen vielleicht endlich einmal zum Nachdenken anregen, der in der momentan vorherrschenden allgemeinen Akzeptanz keine Veranlassung dazu sieht.

Soweit meine Hauptkritikpunkte. Kleinere sind:

Bei aller guten Organisation: Es wäre trotzdem schön zu wissen, auf welchem Campingplatz man sich befindet. Dass irgendwelche Deppen und Souvenirjäger die Bezeichnungen gleich am ersten Tag abreißen, ist kacke, dann nichts Neues aufzustellen und die Leute orientierungslos umherirren zu lassen, aber auch. Lasst euch da doch bitte etwas einfallen.

Was soll diese Metal-Bibel-Scheiße? Man hat sich ja daran gewöhnt, dass im Dorf religiöse Freaks herumlaufen. Dass nun aber auch noch mit offizieller Unterstützung missioniert und dieses bescheuerte „Metal-Bibel“-Projekt ins Leben gerufen wurde, finde ich völlig daneben. Religion ist reine Privatsache und auf einem Metal-Festival hat sowas nichts, aber auch gar nichts zu suchen.

Die sanitären Anlagen habe ich ja schon gelobt. Wenn da aber ohnehin ständig Personal danebensitzt, könnte dieses doch aber auch ab und zu mal die Seifenspender auffüllen (wozu gibt es diese denn sonst?) und darauf achten, dass auch wirklich alle Klotüren von außen aufgeschlossen wurden. Schade fand ich diesmal übrigens, dass es bei den Bezahlklos an den Duschcamps keine Waschbecken mit Spiegeln mehr gab. Das war letztes Jahr ein sehr angenehmer Luxus. Ach ja, und dass man an den Wasserstationen permanent mit einer Hand einen Knopf gedrückt halten muss, damit Wasser fließt, verhindert natürlich eine vernünftige Nutzung, die über Kanister- und Flaschenauffüllen hinausgeht. Danke an dieser Stelle an diejenigen, die mir mit Kabelbinder ausgeholfen haben, die den Knopf dauerhaft fixierten. Könntet ihr da nicht ’ne vernünftige Lösung schaffen?

Zu guter Letzt: Die Preise. Runter damit, sie sind am Rande des Erträglichen. Ein kleiner Becher Wasser im Infield 3,- EUR? Das ist Wahnsinn und kaum zu rechtfertigen.

Nachtrag: Ich habe mir natürlich nur einen Bruchteil dessen, was das Wacken Open Air zu bieten hatte, angesehen. Fast immer spielten mehrere Bands gleichzeitig und neben den bereits erwähnten Acts habe ich die A-capella-Metaller VAN CANTO, die NWOBHM-Chikas GIRLSCHOOL (Samstag 12:00 Uhr im Zirkuszelt – einen mieseren Platz im Billing hat man für die Ladies nicht finden können?!) und die britischen Oldschool-Thrasher ONSLAUGHT schlicht verpasst. Auch hätte ich mir unter anderen Umständen beispielsweise gern angesehen, wie Andy Brings die RAMONES covert oder Horrorikone Doug „Pinhead“ Bradley einen Besuch abgestattet. Aber auch so finde ich eigentlich, gut was mitgenommen zu haben, alles ging einfach nicht…

09.07.2011, Knust, Hamburg: ANVIL

Am gestrigen Freitag ging es dann zu den ehemals notorisch erfolglosen kanadischen Metallern von ANVIL, die auf ihrer Tour einen Abstecher ins Hamburger Knust machten. Hatte ich die Band in der Vergangenheit wie so viele eher am Rande wahrgenommen, wurde mein Interesse durch den tragikomischen Dokumentarfilm „Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft“ nachhaltig geweckt und ich habe mich näher mit der Diskographie der Herren auseinandergesetzt – und dabei so manche Perle entdeckt. Falls wer mit dem Namen gar nichts anfangen kann, zitiere ich mich mal eben selbst: „Die kanadische Heavy-Metal-Band Anvil wurde zu Beginn der achtziger Jahre durchaus vielbeachtet: In ihr vereinten sich ein skandalträchtiges, provokantes Image und technisches wie songwriterisches Geschick; ihre Musik, eine Mischung aus frühem amerikanischen Power Metal und damals visionärem Speed Metal, inspirierte zahlreiche Künstler und übte Einfluss auf die Entwicklung des Thrash Metal aus, der bis dato schnellsten und härtesten Spielart des Metals. Mit ihren Alben „Metal on Metal“ und „Forged in Fire“ schufen sie Referenzwerke, die bis heute Bestand haben und allgemein respektiert werden. Doch dann wurde es ruhiger um die Band, die zwar grundsätzlich in der Fachpresse noch stattfand, aber vielerorts in Vergessenheit geriet, während diejenigen, mit denen sie damals die Bühne teilten oder die sie inspiriert hatten, große kommerzielle Erfolge feierten – und das, obwohl Anvil weiterhin in schöner Regelmäßigkeit Platten veröffentlichten.“

Da sie mich auf dem letztjährigen Wacken Open Air mit ihrer wahnsinnigen Spielfreude und ihrem sympathischen Auftreten bereits überzeugt hatten, beschloss ich, auch diesem Clubgig beizuwohnen. Ein Abendkassenpreis von 24,- EUR für nur eine Band – Vorgruppe gab es keine – hatte mir die Entscheidung aber nicht unbedingt leicht gemacht. Bleibt zu hoffen, dass die Jungs mit der Karsten-Jahnke-Konzertdirektion einen guten Deal ausgehandelt haben und sie auf ihre alten Tage endlich einmal ein bisschen Kohle in ihre Kassen spülen, gegönnt sei es ihnen. Karten waren an der Abendkasse noch reichlich vorhanden und es schien mir, als hätten viele sich ebenfalls eher spontan entschieden, an diesem Abend dem Knust einen Besuch abzustatten. Der Konzertort in Kieznähe und mit seinem zum Verweilen einladenden Außenbereich in Verbindung mit optimalem Wetter machten jedenfalls Lust auf einen metallischen Freitagabend und der Laden wurde letztlich rappelvoll.

Um ca. 21:15 Uhr betraten Lips, Robb Reiner und G5 die Bühne und legten mit ihrem eigenen, kongenialen Instrumental „March of the Crabs“ los – nicht als Einlaufmusik vom Band, sondern direkt live gespielt. Seine Begrüßung sprach Sänger und Gitarrist Lips nicht durchs Gesangsmikro sondern durch das seiner Gitarre und sprang bereits nach den ersten Takten ins Publikum, wo er den Song auch zu Ende spielte – da weißte gleich Bescheid. Von Scheu oder irgendwelchen Allüren keine Spur, ganz im Gegenteil. Der Sound im Knust war sehr gut und perfekt aufeinander abgestimmt, alles andere wäre gerade bei dem Eintrittspreis aber auch eine Enttäuschung gewesen. Es folgten die Klassiker „666“ und „School Love“, anschließend der Titeltrack vom aktuellen, vierzehnten Studioalbum „Juggernaut of Justice“, mit „Winged Assassins“ ein weiterer Klassiker, dann erneut vom „JoJ“-Album „On Fire“ gefolgt vom Titeltrack des vorausgegangenen, sehr guten Albums „This is Thirteen“, der in seinem schleppenden Tempo live besonders mächtig und erhaben klang und seine volle Wucht entfaltete. Sehr geil! Der Überhit „Mothra“ über das japanische B-Movie-Ungeheuer wurde dann mit ausufernden Gitarrensoli und Lips’ berüchtigtem Gitarrenspiel mittels einen Vibrators als Showeinlage unheimlich in die Länge gezogen. Eigentlich kann ich solchem Angeber-Metall und Gitarrengewichse ja nicht viel abgewinnen und mag es eher geradliniger, bei ANVIL-Lips wirken solche Einlagen jedoch nicht arrogant, selbstverliebt und abgehoben nach dem Motto „Ich bin Gott und ihr seid Dreck!“, sondern eher wie „Hey, ich bin genauso Dreck wie ihr, aber hört mal, was ich Tolles kann!“ – also weniger wie ein verzogener reicher Junge, der seinen Schulfreunden von seinen Erlebnissen im elitären Tennisclub berichtet, sondern mehr wie ein rotznäsiger Straßenjunge, der im Müll ein paar Schätze gefunden hat und diese stolz seinen Kumpels zeigt. Da macht es einfach Spaß, zuzusehen und zuzuhören, das hat Credibility. Sehr zu meiner Freude hatte man den Bonustrack und meinen heimlichen Favoriten vom „This is Thirteen“-Album „Thumb Hang“ in die Setlist aufgenommen, der nun dargeboten wurde. Anschließend ging’s noch mal so richtig rund, denn es erklang das eigentlich nur um ein kolossales Drumsolo konstruierte „White Rhino“. Der unglaubliche Robb Reiner bewies jetzt mit enormem Nachdruck, warum er als einer der besten Metal-Drummer gehandelt wird: Krakengleich verprügelte er minutenlang sein Schlagzeug, während Lips und G5 von der Bühne gingen und sich eine Pause gönnten, um nicht von Robb abzulenken. Was für eine eindrucksvolle Demonstration seiner Schlagzeugkünste, ich musste vor Begeisterung laut loslachen! Ich frage mich nur, wo er im Alltag seine sechs weiteren Arme versteckt… Es folgten „Fuckin’ Eh“ und „New Orleans Voodoo“ von „JoJ“ und als vermeintlich letzter Song das frenetisch gefeierte „Metal on Metal“, der wohl populärste Song des Trios.

Um Zugaben ließ man sich aber nicht lange bitten und das hypnotische „Forged in Fire“ läutete den abschließenden Dreierblock ein, der mit dem Klassiker „Jackhammer“ um dem straighten „JoJ“-Rocker „Running“ endete und den Schlusspunkt unter das Konzert setzte. Insgesamt stand die Band knapp zwei Stunden auf der Bühne und hat zwischen und auch während der Songs viel mit dem Publikum kommuniziert, ein paar Anekdötchen erzählt, Späßchen gemacht usw. Es wirkte fast wie ein Abend mit alten Freunden, kurioserweise. Etwas übertrieben hat es Lips aber mit seinen Sympathiebekundungen an das Publikum, die er vermutlich bei jedem Gig, egal wo, bringt. Nach dem Konzert blieb ein großer Teil des Publikums noch vor Ort, trank ein paar Bierchen, quatschte und genoss den lauen Hamburger Sommerabend. Die Band hat sich wohl noch unters Publikum gemischt und ordentlich Hände geschüttelt.

Ich hab es keinesfalls bereut, dem Ganzen beigewohnt zu haben, denn ANVIL machen live einfach jede Menge Spaß und sind zudem eine technisch brillante Liveband, die dabei auch noch die ganze Zeit wirkt, als würde sie das alles locker aus dem Ärmel schütteln, viel wert auf Entertainment legt und dabei ohne irgendein albernes, aufgesetztes Image auskommt. Ein erinnerungswürdiges Konzert. Den Publikumsreaktionen und aufgeschnappten Gesprächsfetzen konnte ich entnehmen, dass ich mit meiner Meinung nicht allein dastand. Lediglich den fiesen Thrash-Klopper „Doctor Kevorkian“, auf den ich mich den ganzen Tag gefreut hatte, hätte man dann auch gern mal spielen dürfen… aber irgendwas ist ja immer. Verwundert war ich allerdings auch vom Publikum. Dass man auf Metal-Konzerten nicht (mehr) so abgeht wie z.B. auf Punk- oder HC-Shows, weiß ich ja, aber dass man wie angewurzelt auf einer Stelle steht und sich auf reines, vorsichtiges Headbangen beschränkt, hat mich als jemanden, der sehr selten derlei Gigs besucht, dann doch überrascht. Etwas mehr Bewegung wäre schon schön gewesen. Positiv zur Kenntnis genommen habe ich aber den hohen Anteil weiblicher Konzertbesucher.

Also, es gilt: „The ANVIL was forged in fire!“ pommesgabel

02.07.2011, Skorbut, Hamburg: EIGHT BALLS

Es ist endlich an der Zeit, vom vergangenen Wochenende, genauer: dessen Samstag zu berichten und einmal mehr die famosen EIGHT BALLS zu würdigen und zu feiern. Diese bliesen für ’nen schlappen Fünfer im sympathischen Hamburger Skorbut zum Pubgig-Angriff und fast alle kamen, bis man innerhalb der Lokalität quasi keinen Schritt mehr vor den anderen setzen konnte. Optimale Bedingungen für ein intensives Konzert vor heimischer Kulisse, auf enger Minibühne und vor einem sich stapelnden, feierwütigen Mob. Da Gitarrist Mücke studienbedingt zurzeit in Afrika weilt, übernahm kurzerhand Ladde, „Sänger“/Bassist von IN VINO VERITAS, die Rhythmusklampfe. Ob das gut geht? Na, und ob. Die Band feuerte eine proletarische Oi!-Punk-Attacke nach der anderen in die verschwitzten Reihen, den nach eigenen Bekunden noch vom Vortag vorhandenen Kater merkte man ihnen zu keiner Sekunde an. Alle waren 1a drauf, hochmotiviert, Sänger Pierre wie immer ein spitzenmäßiger, aufgedrehter Entertainer und Aushilfs-Gitarrero Ladde so sicher an seinem ungewohnten Instrument, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Von sämtlichen Veröffentlichungen hagelte es Hit an Hit und nach ein paar Songs gab es kein Halten mehr und der Laden war gut in Bewegung. Frenetisch wurden die Texte mitgegrölt, die Fäuste geballt und sich verausgabt. Schon vom Rumstehen war man schweißgebadet, so aufgeladen war die Atmosphäre. Die wie immer grandiose Auswahl an Coverversionen, diesmal von SOCIAL DISTORTION („When She Begins“ mit deutschem Text), MISFITS („Skulls“) und SLIME („1,7 Promille-Blues“), rundete das starke Set ab und bereitete auch Ladde keine Probleme. „Alles für die Firma“ wurde gleich zweimal gespielt und bedingungslos abgefeiert. Die EIGHT BALLS waren, sind und bleiben Deutschlands beste Oi!-Punk-Band, gegen die zurzeit einfach sämtliche anderen Vertreter gnadenlos abkacken. Endgenial vom ersten bis zum letzten Akkord. Ich habe mich hinterher bei jedem Bandmitglied persönlich dafür entschuldigt, mich wegen eines frischen Beintattoos diesmal eher am Rande aufgehalten zu haben und nicht völlig ausgerastet zu sein – alles andere wäre eine Beleidigung gewesen. „Wir sind die Punks aus der Arbeiterklasse und wir halten zusammen, weil wir euch hassen!“

28.06.2011, Kaiserkeller, Hamburg: BLOOD FOR BLOOD + FIRST BLOOD + ANTICOPS

Dienstag (28.06.2011) stand eine weitere Premiere an: Ich sollte zum ersten Mal die Weisen der Könige des US-White-Trash-Hardcores BLOOD FOR BLOOD live um die Ohren gehauen bekommen, hasserfüllte Songs gegen die Gesellschaft im Speziellen und die ganze Welt im Allgemeinen, dabei stets höchst unterhaltsam, nicht zuletzt durch einen ausgeprägten Hang zur Übertreibung, eine angenehm punkige Attitüde und den kleinen aber feinen Melodieanteil vieler Hits, die für eine beträchtliche Eingängigkeit fernab von „Melodicore“ bürgen. Als ich die Band vor x Jahren für mich entdeckte (oder vielmehr drauf gestoßen wurde), war sie schon ziemlich groß, Konzerte fanden demnach in für mich uninteressanteren Läden statt und irgendwie waren BLOOD FOR BLOOD so omnipräsent – jeder zweite lief mit ’nem Shirt der Band rum, die Songs ertönten überall und nirgends -, dass sie fast schon wieder etwas an Reiz einbüßten. So erkläre ich mir zumindest, dass ich in der Vergangenheit nie ein Konzert aufgesucht hatte. Das sollte sich nun also mit ihrem Auftritt im Hamburger Kommerzclub „Kaiserkeller“ ändern. Gleich drei weitere Bands standen auf dem Zettel, von denen mich aber keine wirklich tangierte. Den lokalen Opener hab ich mir sodann auch gleich geschenkt und erst für die letzten Songs der Berliner ANTICOPS den Laden betreten. Der „Kaiserkeller“ war natürlich ausverkauft und die ANTICOPS stießen demnach auf höhere Resonanz als zuletzt in Wedel. Der Sound war prima, die Band technisch fit und gut drauf, aber meine Mucke ist das einfach nicht so ganz. Draußen bretzelte die Sonne immer noch amtlich vom Himmel, sozusagen Kaiserwetter vorm „Kaiserkeller“, allerdings kam man, erst einmal im immer stickiger und heißer werdenden Keller drinnen, nicht wieder raus, Stempel zur Einlasskontrolle o.ä. gab’s keine – wat ’ne Ficke. Die Abkühlung gab’s allerdings zum „Schnäppchenpreis“: Ein Bierchen 3,30 EUR, ein Wasser 2,80 EUR (jeweils 0,3 l versteht sich)… Da ich es auch noch irgendwie geschafft hatte, mir während der heißen Tage ’ne Erkältung einzufangen (wie auch immer) und ich alles andere als fit war, fing ich langsam aber sicher an, diesen Konzertbesuch für eine Scheißidee zu halten.

Interessehalber ließ ich aber tapfer FIRST BLOOD über mich ergehen, eine momentan anscheinend schwer angesagte Metalcore-Truppe. Der Gig war durchaus nicht uninteressant, auch hier wieder perfekter Klang, technisches Geschick an den Instrumenten, positive Aussagen und ebensolche Energie und ein ausflippendes Publikum, hmm, jo… wenn nur die Mucke trotz aller Härte nicht so… öde wäre. Ist einfach nicht mein Ding, ich bin zu alt für so’ne Scheiße.

Der „Kaiserkeller“ füllte sich immer mehr, glücklicherweise auch mit bekannten Gesichtern. Viele waren von den restlichen Bands ähnlich angetan wie ich und kamen erst pünktlich zum Headliner. Insgesamt war das Publikum wesentlich angenehmer, als ich es erwartet hatte, Anabolika-Opfer konnte ich nur vereinzelt im völlig gemischten Publikum ausmachen, von irgendwelchem Ärger habe ich nichts mitbekommen, von als Tanz getarnten Kampfsportattacken ebenfalls nicht, hoher Mädelsanteil. Allerdings hielt ich mich allein schon wegen meines angeschlagenen Gesundheitszustands eher am Rande des Geschehens auf, auch bei BLOOD FOR BLOOD, die nach einer ellenlangen Umbaupause (habe ich es richtig mitbekommen, dass das komplette Schlagzeug ab- und wiederaufgebaut wurde?) endlich mit ihrem Set begannen. Die originale Band war das natürlich nicht mehr, „White Trash“ Rob an der Gitarre und als zweiter Sänger wurde ersetzt durch BIOHAZARD-Frontmann Billy Graziadei, der optisch nicht so recht zur Band passt. Aber was sind schon solche Oberflächlichkeiten; die Skepsis rührt vor allem daher, dass ich mich mit den Metal-Superstars BIOHAZARD nie näher beschäftigt habe, weil mir die irgendwie suspekt sind und nicht unbedingt das verkörpern, was ich mit Hardcore verbinde.

Jedoch muss ich fairerweise sagen, dass sich die Band absolut überzeugend präsentiert hat. Da wirkte nichts gespielt oder abgehoben, alle legten sich voll ins Zeug, schwitzten schon nach kürzester Zeit wie die Schweine, bezogen das Publikum mit ein und legten im Prinzip die Inbrunst, Aggression und Angepisstheit an den Tag, die ich mir erhofft hatte – zu meiner Überraschung insbesondere Billy G., der abging, als wären die von ihm zur Unterstützung des schwergewichtigen Sängers „Buddha“ gebrüllten Texte seinem Hirn entsprungen. Ich bezweifle ja nach wie vor, dass BIOHAZARD irgendetwas mit „White Trash“ zu tun haben (außer ihr Publikum vielleicht), aber wenn das geschauspielert war, Hut ab vor dieser Leistung. Vielleicht übertreibe ich aber auch gerade und war einfach nur positiv überrascht, da meine Erwartungshaltung von vornherein nicht die allerbeste war. Wie dem auch sei, es war mitreißend und heftig, die Band kam sympathisch rüber, hat Getränke ins Publikum gereicht, selbiges auf die Bühne geholt etc., der Sound war auch bei eher seitlicher Positionierung am Bühnenrand sehr gut und die Songauswahl abwechslungsreich. Besonders „Going Down The Bar“, die WRETCHED-ONES-Coverversion, kam sehr geil, die hatte ich nämlich gar nicht mehr so auf der Uhr. Das Konzert nahm also doch noch ein gutes Ende und falls die Band eben einfach in erster Linie zu „Cash-in“-Zwecken wieder unterwegs ist, so hat sie wenigstens soviel Schneid, sich redlich zu bemühen, das ihr Publikum nicht merken zu lassen. Aber natürlich fehlt mir auch hier der Vergleicht zu B4B-Gigs in Originalbesetzung. Jener Billy G. stand übrigens nach der Show am Eingang und hat eigenhändig BIOHAZARD-Aufkleber an die den Laden verlassenden Gäste verteilt, von Berührungsängsten also keine Spur.

Letztlich doch noch ein befriedigendes Konzert. Nur bitte nicht so schnell wieder im „Kaiserkeller“…

26.06.2011, Hafenklang, Hamburg: DOOM + CONFUSA

Am Sonntag, 26.06.2011, verschlug es mich zur Matinee (= Nachmittagsshow) mit DOOM und CONFUSA ins Hamburger Hafenklang. Solche Sonntagnachmittag-Geschichten finde ich sehr angenehm, sollte man gerne öfter machen.

Ich bin ja nun wirklich nicht unbedingt das, was man einen „Crustie“ nennt , aber die britischen Crustcore’ler DOOM haben mich schon immer beeindruckt. Die „Fuck Peaceville“-Doppel-LP halte ich in Ehren und lasse mir den DOOM’schen Brachialsound und ihre in den kritischen Texten rausgerotzte Attitüde in unregelmäßigen Zeitabständen schmecken. Was ich allerdings weniger brauche, sind x Bands, die den gleichen Sound spielen, denn dazu ist mir das dann doch zu monoton. Was bei DOOM ein bewusst eingesetztes Stilmittel ist, nervt mich bei vielen Kopisten eher. DOOM aber genießen mir bei mir eine Art Originalitätsbonus, so dass ich mir die Gelegenheit nicht nehmen ließ, jetzt, da sie sich nach dem bedauerlichen Tod ihres Sängers mit einem neuen Frontmann zusammengetan haben, ihrer Tour beizuwohnen. Bei herrlichem Sonnenschein wurde also der faire Eintrittspreis von 7,- EUR gelöhnt und sich zunächst die Vorgruppe angesehen. Gleichzeitig fand das erste Spiel der Frauenfußballweltmeisterschaft statt, doch zu meiner Freude musste man an diesem Nachmittag nicht vor der Glotze oder im Stadion hängen, um selbstbewusste Mädels kicken zu sehen, sondern wurde vorzüglich mit der nicht ball-, sondern arschtretenden finnischen Band CONFUSA entschädigt, die mit zwei in Landessprache singenden Sängerinnen ein sehr ordentlich Punkfass aufmachten und jede Menge Energie und Spielfreude versprühten. Da tauscht man doch gerne den Platz an der Sonne bzw. vor der Tür mit dem düsteren Innenraum des Hafenklangs, das ordentlich gefüllt war. Eine überzeugende Darbietung.

Die Erwartungshaltung DOOM betreffend war durchaus gemischt, Gerüchte von einem miesen neuen Sänger machten die Runde. Doch die Band ballerte ein tiefgestimmtes Brachialriff nach dem anderen raus, der Sänger röchelte und grunzte einwandfrei und das Publikum schien befriedigt. Dazu bei trug der klasse Sound im Hafenklang, der es schaffte, die Band noch härter und derber als auf Platte klingen zu lassen, statt einen ärgerlichen Soundbrei zu produzieren. Das war schon sehr beeindruckend, die pure Zerstörung rollte durch den Saal und machte keine Gefangenen. DEN Klassiker der Band schlechthin, „Police Bastard“ grölten natürlich viele heisere Kehlen mit emporgestreckter Faust mit, allerdings dürfte dies wohl der einzige „Mitsingpart“ gewesen sein. Der Sänger machte seine Sache gut, wobei mir der Live-Vergleich mit vorausgegangenen Sängern fehlt. Lediglich seine Anti-Zigaretten-Ansage hätte er sich kneifen können – bin ich auf einem Crust-Gig oder auf einer von den Krankenkassen gesponserten Straight-Edge-Gesundheitsfanatiker-Veranstaltung?

Wie dem auch sei, ich fand, das war ein klasse Gig und auch das Drumherum war sehr angenehm: Ein sympathisches Publikum mit einigen netten Menschen, die ich schon längere Zeit nicht mehr gesehen hatte. So wurde die Zeit nach de Konzert dementsprechend für einige Klönschnacks genutzt, bevor es dank des frühen Beginns immer noch sehr rechtzeitig nach Hause ging, um das Wochenende ausklingen zu lassen.

02.06.2011, O2 World, Hamburg: IRON MAIDEN

Gestern, am 02.06.2011 (Vatertag!), hatte das lange Warten nach dem Kartenkauf endlich ein Ende: IRON MAIDEN, die beste Metal-Band der Welt, machte einen Abstecher in die Hamburger Megakommerzhalle „O2 World“ direkt neben dem HSV-Stadion und ich sollte sie nach dem Festival-Headliner-Auftritt letztes Jahr in Wacken erstmals überdacht und zum zweiten Mal überhaupt live sehen. Also mit der S-Bahn gen Hamburg, welche sich, je näher man der Station Stellingen kam, immer mehr mit Maiden-Fans füllte. Ich war extra zeitig aufgebrochen, damit ich bei bestem Wetter noch vor Ort eine feste Mahlzeit am „Shuttle Imbiss“ einnehmen, in Ruhe ein Bierchen süppeln und ein paar Eindrücke vom Drumherum mitnehmen konnte. Vor der Riesenhalle gab’s Metal-Klassiker aus der Konserve, Bierstände waren aufgebaut, Maiden-Shirts, wohin man blickte. Die Preise für Shirts am Merchandise-Stand waren aber der Hammer, und zwar in negativer Hinsicht: Satte 30,- EUR für ein einfaches T-Shirt – das ist Wucher.

Ebenso wie die Eintrittspreise, die für die Sitzplätze viel zu hoch angesetzt worden waren, wie die Schwarzmarktpreise zeigten. Da die Innenraum-Karten aber sowas von schnell vergriffen waren, musste auch ich mit ’nem Sitzplatz vorlieb nehmen – aber wenigstens einem sehr mittigen, recht attraktiven. Nach ein paar Pläuschchen mit Bekannten und einem auch nicht gerade schnäppchenverdächtigen Kaltgetränk verwies ich die sich dort irrtümlich niedergelassen Habenden freundlich in ihren Block (Ordnung muss sein!), nahm brav Platz und ließ die uninteressante Vorgruppe über mich ergehen: RISE TO REMAIN aus England spielten modernes Metalzeug mit –core und pi, pa und po, aber nix, was mich begeistert hätte. Die aus heillos betrunkenen Jünglingen, die sich vermutlich für Hooligans oder sowas hielten, bestehende Gruppe eine Reihe hinter mir fand hingegen offenbar Gefallen an der Darbietung und verlieh ihrer Freude durch Gejohle und vor allem Fußgetrampel und –gestampfe Ausdruck., dass es die Reihen ein wenig durchschüttelte. Ob dieses „Fremdkörpers“ innerhalb der sonst so gesitteten Gefolgschaft Iron Maidens musste ich doch ein wenig schmunzeln und immerhin kam ein wenig Action auf den spießígen Rängen auf. Wenig begeistert zeigte sich allerdings der Herr neben mir, Typ Seidenhalstuchträger, der die Typen zur Contenance ermahnte.

Wie auch immer, nach zum Glück relativ kurzer Zeit war die Band überstanden und man konnte noch einmal Luft schnappen, bevor wie üblich als Zeichen zum Konzertbeginn UFOs „Doctor Doctor“ vom Band erklang und direkt überging ins Intro des aktuellen, starken Maiden-Albums „The Final Frontier“ und im Anschluss direkt der Titelsong erklang. Die sechs Briten erstürmten die Bühne und Dickinsons „The final frontieeeeer, the final frontieeeer!“ fegte durch die Halle – yessss!!! Auf dem albernen Sitzplatz hielt es mich natürlich keine Sekunde und aus besagter Reihe hinter mir flogen offensichtlich nicht gänzlich restentleerte Bierbecher in die vorderen Reihen. Die Security war schnell zur Stelle, erhob den pädagogischen Zeigefinger und Sekunden nach dem nächsten Zuwiderhandeln flogen mind. zwei der Becherwerfer raus und es war fortan „Ruhe“. Ob es sich dafür gelohnt hat, soviel Kohle zu latzen, darf der nüchterne Geist bezweifeln. Zurück zur Musik: Der erste Song ging nahtlos über in „El Dorado“, ebenfalls vom neuen Album. Im Anschluss folgte mit „2 Minutes to Midnight“ der erste Klassiker und langsam machte ich mir Sorgen, denn so sehr sich Harris, Dickinson & Co. auf der Bühne auch ins Zeug legten, so mies ausgesteuert kam das bei mir hinten an, will sagen: Der Sound war ziemlich scheiße. Da ich aber anscheinend nicht der einzige war, dem das auffiel, wurde es von nun an besser und beim nächsten Song, „The Talisman“ (wieder von „TFF“) stellte sich erstmals bei mir die Maiden-typische Gänsehaut ein. Und es ging weiter mit einem aktuellen Song: „Coming Home“, dem eine Ansage Dickinsons über die Maiden-Weltenbummelei und wo man schon überall gewesen ist, vorausgegangen war. Vorgestellt hatte er sich übrigens mit den Worten „I am not a spanish cucumber!“, anscheinend nicht wissend, dass die spanischen Gurken längst vom Generalverdacht als schlimmste EHEC-Schleudern befreit worden waren.

„Dance of Death“ vom gleichnamigen Album gefällt mir live besser als von Platte und kam auch hier ziemlich gut und beim nun folgenden Überklassiker und Jahrtausendhit „The Trooper“ erreichte mein Adrenalinspiegel seinen vorläufigen Höhepunkt, zumal der Sound nun wirklich geil klang und selbst das besonders für diesen Song so typische dominante Wummern von Harris’ Bass perfekt rüberkam. Ich sang (englisch und eine ähnlich klingende Phantasiesprache) und „tanzte“ (zumindest mein Oberkörper) auf meinen 1×1 Quadratmetern wie ein junger Gott (wer das Gegenteil behauptet, lügt!), reckte pathetisch die Fäuste und schloss genussvoll die Augen, während meine Rübe wie von selbst dem Rhythmus folgte. Das „Brave New World“-Doppelpack „The Wicker Man“ und „Blood Brothers“ hielt diese Stimmung und als schließlich mein Favorit von neuem Album, „When The Wild Wind Blows“, ertönte, ließ ich mich glatt dazu hinreißen, als großer Überm-Kopf-in-die-Hände-klatsch-Skeptiker beim Intro dieses sensiblen Songs über eine atomare Katastrophe genau damit anzufangen, als wäre ich auf ’nem Wolle-Petry-Konzert, und auch noch andere mitzureißen – peinlich… „The Evil That Men Do“ von meinem persönlichen Götteralbum „Seventh Son of a Seventh Son“ lud aber glücklicherweise mehr zum Mitgrölen denn zum Klatschen ein und bei „Fear of the Dark“ war das Publikum für die „Ohoho“-Chöre, die diesen Song live zu einem besonderen Erlebnis machen (denn in der Studiofassung fehlen diese komplett), ganz besonders gefragt.

Doch dann hieß es auch schon „Iron Maiden wants you for dead“, eine riesige Space-Eddie-Fresse kam aus dem Bühnenboden und es wurde Zeit für eine kleine Pause. Der Zugabenblock umfasste „The Number of the Beast“, dessen Intro aus tausenden heiseren Kehlen mitgesprochen wurde, „Hallowed Be Thy Name“, wo besonders deutlich wurde, wie sehr Dickinson es immer noch drauf hat und seine gute Gesangsleistung mit seinem berüchtigten langgezogenen „The sands of time for me are running loooooooooooow“ unterstrich und alle Kritiker und Nörgler Lügen strafte, sowie „Running Free“, bei dem wie üblich die einzelnen Bandmitglieder vorgestellt wurden. Mit „Always Look on the Bright Side of Life“ vom Band wurde ich euphorisiert und über sämtliche Backen grinsend pünktlich um 23:00 Uhr aus dem Konzert entlassen. Zeit, Bilanz zu ziehen: Das aktuelle Album war stark in der Setlist vertreten, Maiden untermauern weiterhin ihren Anspruch, eine aktive Band, die starke neue Alben veröffentlicht, zu sein, die sie betouren und deshalb ihre Setlist jeweils entsprechend anzupassen, statt ein Best-Of-Set zu präsentieren. Das respektiere ich und find’s geil, zumal mir „The Final Frontier“ wieder wesentlich besser gefällt als sein Vorgänger „A Matter of Life and Death“. Vier Studioalben (die Bayley-Phase mal ausgeklammert) blieben zu meiner Überraschung gänzlich unberücksichtigt: „Killers“, „Somewhere in Time“, „No Prayer for the Dying“ und „A Matter of Life and Death“, was ich im Falle der beiden erstgenannten schon sehr schade, wenn auch verschmerzbar fand. Eines bewegt sich aber arg am Rande der Unverzeihlichkeit: Einer DER Gänsehautsongs überhaupt, das unmöglich von dieser Welt stammen könnende „Revelations“, wurde nicht gespielt. Verdammt. Aber irgendwas ist ja immer, hmm…

Die Bühnenshow bestand übrigens neben den ganzen Lichtteffekten aus zu jedem Song wechselnden Bühnenhintergründen, jeweils passend zum Song und ansonsten in Bezug zur aktuellen Platte im Raumfahrt-Sci-Fi-Gewand.

Auch nach dem Konzert ging es sehr gesittet zu, IRON-MAIDEN-Fans scheinen recht besonnene Zeitgenossen zu sein, die sich aus sämtlichen Altersgruppen vom Kind bis zum Oppa zusammensetzen, „Metal“ war auch nicht die einzige vertretene Subkultur. Nett: Auch nach dem Konzert konnte man eisgekühltes Dosenbier auf der Straße kaufen, der „Shuttle Imbiss“ hatte für hungrige Mäuler weiterhin geöffnet, der Bahnhofskiosk ebenfalls. Auch „geöffnet“ hatte auf dem Weg zur S-Bahn-Station ein Stand mit Maiden-Bootleg-Shirts zur aktuellen Tour, bedruckte FOTL-Shirts für ’nen schlappen Zehner, die weggingen wie warme Semmeln. Idealerweise war auch ein Motiv auf weißem Shirt dabei, heutzutage eine Rarität im Metal-Merch. Es scheint nur noch schwarze oder hässliche Tribalshirts zu geben, nix Weißes. Klar, dass ich da zugriff und nun nicht nur ein schönes Erinnerungsstück an das Konzert habe, sondern dadurch auch einen gestreckten Mittelfinger in Richtung der Maiden-Merchandise-Wucherer loswerden konnte, hähä.

Fazit: Es hat sich gelohnt; ich hätte mich schwarz geärgert, wäre ich nicht dabei gewesen. Evtl. sollte ich mir beim nächsten Mal auch einfach vor Ort auf dem Schwarzmarkt irgendeine Sitzplatzkarte zum halben Preis holen, dann wär’s auch finanziell alles nicht so wild. Ich hoffe, dass das nicht wirklich „The Final Frontier“ für die Band war und noch viele weitere Iron-Maiden-Konzerte erleben zu können! Up the Irons!

Jetzt freue ich mich aber erst mal auf das nächste nette, kleine Club-Konzert einer etwas weniger populären Band…

06./07.05.2011: HAMBURGER HAFENGEBURTSTAG

Hab mir natürlich im Rahmen des Hamburger Hafengeburtstags am vergangenen Wochenende paar kostenlose Freiluftgigs auf der Störtebeker- und Jolly-Roger-Bühne angesehen.

Freitag gab’s die Hamburger 5×0,04l, die auf der Störtebeker-Bühne ihr eingedeutschtes Cover-Set runterrotzten, Songs von den Troopers („Skorbut ist nicht angeboren…“), Body Count („Copkiller“), aber hauptsächlich Exploited wurden verwurstet. Spaßig, kurzweilig und ein netter Einstieg (für mich, vorher lärmten schon andere Bands). Anschließend bei LAK und den Bad Nenndorf Boys auf der Jolly-Bühne reingehört, druckvoller „Deutschpunk“ (bei einem Fußballsong mit Unterstützung durch Tommy Molotow) meets Ska-Punk inkl. „Sternenhimmel“-Coverversion, hmm… Dann folgte aber der Höhepunkt des Abends, die Eight Balls genial wie eh und je, ein Hit-Feuerwerk, das seinesgleichen sucht und entsprechend gut gefeiert wurde.

Samstag erschien ich rechtzeitig zu Molotow Soda, die auf der Jolly-Bühne einen obergeilen Auftritt ablieferten. Mittlerweile ja auch nicht mehr die Jüngsten, brannte die Band förmlich vor Spielfreude und legte ein geniales Best-Of-Set auf die Bretter. Der Soundmensch spielte auch mit und sorgte für perfekten Klang. Die Setlist war 1a, selbst einer meiner Favoriten, das traurige „Julia“ wurde gespielt, Hit folgte auf Hit. Die Band wurde gebührend gefeiert und Tommy ging zwischendurch in seinen Ansagen u.a. auf die beschämende Pleite des FC St. Pauli ein. Trotzdem war die Stimmung großartig. Ein liveplattenwürdiger Auftritt des ersten Samstagabend-Headliners.

Beim zweiten handelte es sich dann um die Punklegende Slime mit einem Heimspiel. Seit der Reunion habe ich bisher keinen ihrer Auftritte wahrgenommen, an diesem Abend sollte ich mir also eine Meinung bilden. Der Platz vor der Bühne war gerappelt voll, es war ein einziges Gedränge und Geschiebe, auf ein Bier an einem Astrastände, wo ich mich strategisch geschickt positionierte, musste man eine gefühlte Stunde warten, so groß war der Menschenandrang auf diesem Besucherrekords-Hafengeburtstag. Slime begannen mit der eher rockigeren „A.C.A.B.“-Version, die ich noch aus „Rubberslime“-Zeiten in Erinnerung hatte. Nicht geeignet, um meine Skepsis zu überwinden. Doch dann ging’s ab: Flotte, kämpferische Versionen der alten Hits inkl. „Bullenschweine“, „Polizei SA/SS“ und „Deutschland“, aber auch mit „Schweineherbst“ (Gänsehaut!), „Gewalt“ etc. eine sehr glückliche Songauswahl vom „Schweineherbst“-Album. Vermisst habe ich lediglich „Yankees raus“ und Material vom „Viva la muerte“-Album. Dirks Ansagen reichten von etwas daneben (Gelästere über den „neuen“ [sic!] AC/DC-Sänger) bis sehr treffend (Schelte für den FC St. Pauli für dessen Arbeitsverweigerung). Gelang es, bisweilen fragwürdig anmutende Umtriebe der Band, die in letzter Zeit durch die Punkmedien geisterten (z.B. den Rechtsstreit mit Force-Attack-Imre), auszublenden, war das eine klasse Auftritt einer fitten Band, die immer noch verdammt viel zu sagen hat und deren Inhalte nichts an Relevanz eingebüßt haben. Tja, mein erstes Mal Slime live, und ich wurde nicht enttäuscht.

Als ich mich irgendwann nach außen drängelte, um meine gefüllte Blase in die Elbe zu entleeren, wurde ich Zeuge einer wüsten, mit einiger Vehemenz geführten nonverbalen Auseinandersetzung, die kurzzeitig drohte, zu einer Massenschlägerei auszuarten. Nach Trennung der Streithähne und Von-Dannen-Ziehen der einen Partei war aber wieder Ruhe und worum’s eigentlich ging, weiß ich nicht. Einer meinte, „vermutlich um nichts und wieder nichts“, und so wird’s wohl auch gewesen sein. Ansonsten war glaub ich alles friedlich. Im Anschluss bin ich noch zur Störtebeker-Bühne getigert und hab mir einige Songs lang „La Fraction“ aus Frankreich reingezogen. Dort war’s auch deutlich voller als noch während meiner Stippvisite am Vortag und so zwischen hunderten Besuchern dazustehen, die kühle Nachtluft nach einem heißen Tag und den angenehm abkühlenden Wind der Elbe zu genießen, ein paar Schwätzchen zu halten und der musikalisch erhabenen Band mit im Gegensatz zu 5×0,04l am Vortag spitzenmäßigem Bühnensound zu lauschen, hatte verdammt noch mal Atmosphäre.

Hat sich also sehr gelohnt, auch wenn ich mir am liebsten noch ein paar mehr Bands auf der Störtebeker-Bühne angesehen hätte. Naja, beim nächsten Mal wieder.

16.04.2011, El Dorado (Gaußplatz), Hamburg: FUSELWOCHE

Ach ja, nach dem Punk- und Alkitreffen letzten Samstag war ich auf dem Gaußplatz (Hamburg-Altona), um mir bei freiem Eintritt FUSELWOCHE (oder so) anzusehen. D.h., eigentlich wollte ich DOGS ON SAIL sehen, aber die haben so unpunkig-überpünktlich angefangen und außerdem ihren „Headliner“-Status nicht wahrgenommen oder durchgesetzt, dass ich keinen einzigen Ton mehr von ihnen gehört hatte, obwohl ich mich den ganzen Tag drauf gefreut hatte :'(

FUSELWOCHE (oder so) waren dann aber ziemlich cool, einfacher 1-2-3-4-Uffta-Pogo-HC-Punk mit deutschen Texten und Attitüde, kam irgendwie genau richtig und hat echt Spaß gemacht. Zudem war der Sound in der (wohlgemerkt renovierten, ich war echt lange nicht mehr da) Gaußplatzkneipe 1A.

12.04.2011, Hamburg, Docks: NOFX + TEENAGE BOTTLEROCKET + OLD MAN MARKLEY

Hab mich direkt nach der Arbeit alleine auf den Weg gemacht, um auch endlich mal NOFX live zu sehen. Die Karte hatte ich mir Monate vorher im VVK gesichert, womit ich gut beraten war, denn das Konzert war ausverkauft und sogar ein Zusatzgig wurde anberaumt, der einen Tag vorher über die Bühne ging. Mit ihren rund 30,- EUR war die Karte allerdings alles andere als ein Schnäppchen.

Ich erwartete eigentlich Scharen von Skate- und Melodicore-Kiddies, doch offenbar ist das NOFX-Publikum mit der Band gealtert oder man hat sich mit ernstzunehmenden Platten wie „The War On Errorism“ auch ein etwas anders gelagertes Publikum erspielt.

Seit ca. zehn Jahren begab ich mich also erstmals wieder in den fiesen Kommerzschuppen mitten auf dem Kiez und dachte eigentlich, nach meinen „Vaja con tioz“-, „Color Line Arena“-, Wacken- und Markthallen-Besuchen könne mich nichts mehr schocken. Doch Pustekuchen, 2,- EUR Garderobengebühr für mein Gepäck und 3,30 EUR für 0,3 Liter Bier aus Vodka-Bechern dürften mit zum Gipfel des Rock’n’Roll-Raubrittertums gehören. Um ein wirklich angenehmes Konzert verleben zu können, hat man auch „etwas“ zu viele Karten verkauft, so dass es im Laufe des Abends „etwas“ sehr drängelig wurde. Docks = Scheißladen.

Positiv erwähnen muss ich aber den spitzenmäßigen Sound, den zumindest die beiden Vorbands hatten. Glasklar und druckvoll, alles andere wäre aber auch ein (weiteres) Armutszeugnis gewesen. Den Anfang machten OLD MAN MARKLEY, eine achtköpfige Country-Truppe, die mit Kontrabass, Waschbrett etc. und männlich/weiblichem Wechselgesang sowie sehr flotten Songs für US-amerikanisches Ambiente der angenehmen Sorte bürgten und gerade, weil sie aus dem üblichen musikalischen Rahmen fielen, ein klasse Opener waren. Mut zur Abwechslung!

Es folgten TEENAGE BOTTLEROCKET, melodischer California-Punk mit zumindest bei diesem geilen Livesound hoher Hitdichte, der sofort gezündet hat. Kein Melodicore, eher die alte Schule, ’ne Art Mischung aus RAMONES und LURKERS mit ordentlich Tempo und überraschenderweise sogar gelegentlichen Hardcore-Erruptionen. Dank zwei Gitarristen gab’s ein gutes, kurzweiliges Brett auf die Löffel. Doch, war geil.

Dann also NOFX. Humorvoll wie eh und je und der Laden brach natürlich aus allen Nähten. Nachdem mir vorher schon Lars und Dirk über den Weg gelaufen waren, erspähten mich in dem Gewühl endlich ein paar Kumpels, mit denen ich mich an einen der Tresen begab, um bei angenehmerer Luft, leicht erhöhtem Fußboden und „direkt an der Quelle“ das übrige Publikum zu über- und die Band zu erblicken und natürlich zu erhöhren. Doch was war das für eine Songauswahl? Klar, „Fuck The Kids“, „Stickin‘ In My Eye“, „Bob“, das Rancid-Cover „Radio“, „Eat The Meek“ – geht alles klar! Aber wo waren Kracher wie „Kill All The White Man“, „Don’t Call Me White“, „Moron Bros.“ und mein absoluter Lieblings-NOFX-Song „Lori Meyers“?! Sie wurden nicht gespielt, nichts davon! Unfassbar! Stattdessen schon relativ früh die erste Unterbrechung, also das „offizielle“ Ende. Daher rechnete ich mit einem ca. einstündigen „Zugabenblock“, doch auch dieser wurde recht früh beendet und lediglich durch Gitarrist Eric Melvin, der sich ca. eine Viertelstunde lang nicht von seinem Schifferklavier trennen konnte, während um ihn herum schon abgebaut wurde, in die Länge gezogen. Der Sound war auch nicht so geil wie bei den Vorbands, was aber an meinem (mehr oder weniger) selbstgewählten Stehplatz gelegen haben kann.

Nee, also das war irgendwie enttäuschend, vor allem für soviel Kohle. Das Docks sieht mich jedenfalls so schnell nicht wieder und NOFX höchstens mal auf ’nem Festival oder vielleicht ’nem kleinen Clubgig unter anderem Namen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich aber die fairen Merch-Preise inkl. selbstkritischer Produktqualitätseinschätzungen: „Old CD, at leat 5 Songs are cool.“ Dafür Daumen hoch!

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