Gnnis Reviews

Category: Konzertberichte (page 30 of 35)

28.06.2011, Kaiserkeller, Hamburg: BLOOD FOR BLOOD + FIRST BLOOD + ANTICOPS

Dienstag (28.06.2011) stand eine weitere Premiere an: Ich sollte zum ersten Mal die Weisen der Könige des US-White-Trash-Hardcores BLOOD FOR BLOOD live um die Ohren gehauen bekommen, hasserfüllte Songs gegen die Gesellschaft im Speziellen und die ganze Welt im Allgemeinen, dabei stets höchst unterhaltsam, nicht zuletzt durch einen ausgeprägten Hang zur Übertreibung, eine angenehm punkige Attitüde und den kleinen aber feinen Melodieanteil vieler Hits, die für eine beträchtliche Eingängigkeit fernab von „Melodicore“ bürgen. Als ich die Band vor x Jahren für mich entdeckte (oder vielmehr drauf gestoßen wurde), war sie schon ziemlich groß, Konzerte fanden demnach in für mich uninteressanteren Läden statt und irgendwie waren BLOOD FOR BLOOD so omnipräsent – jeder zweite lief mit ’nem Shirt der Band rum, die Songs ertönten überall und nirgends -, dass sie fast schon wieder etwas an Reiz einbüßten. So erkläre ich mir zumindest, dass ich in der Vergangenheit nie ein Konzert aufgesucht hatte. Das sollte sich nun also mit ihrem Auftritt im Hamburger Kommerzclub „Kaiserkeller“ ändern. Gleich drei weitere Bands standen auf dem Zettel, von denen mich aber keine wirklich tangierte. Den lokalen Opener hab ich mir sodann auch gleich geschenkt und erst für die letzten Songs der Berliner ANTICOPS den Laden betreten. Der „Kaiserkeller“ war natürlich ausverkauft und die ANTICOPS stießen demnach auf höhere Resonanz als zuletzt in Wedel. Der Sound war prima, die Band technisch fit und gut drauf, aber meine Mucke ist das einfach nicht so ganz. Draußen bretzelte die Sonne immer noch amtlich vom Himmel, sozusagen Kaiserwetter vorm „Kaiserkeller“, allerdings kam man, erst einmal im immer stickiger und heißer werdenden Keller drinnen, nicht wieder raus, Stempel zur Einlasskontrolle o.ä. gab’s keine – wat ’ne Ficke. Die Abkühlung gab’s allerdings zum „Schnäppchenpreis“: Ein Bierchen 3,30 EUR, ein Wasser 2,80 EUR (jeweils 0,3 l versteht sich)… Da ich es auch noch irgendwie geschafft hatte, mir während der heißen Tage ’ne Erkältung einzufangen (wie auch immer) und ich alles andere als fit war, fing ich langsam aber sicher an, diesen Konzertbesuch für eine Scheißidee zu halten.

Interessehalber ließ ich aber tapfer FIRST BLOOD über mich ergehen, eine momentan anscheinend schwer angesagte Metalcore-Truppe. Der Gig war durchaus nicht uninteressant, auch hier wieder perfekter Klang, technisches Geschick an den Instrumenten, positive Aussagen und ebensolche Energie und ein ausflippendes Publikum, hmm, jo… wenn nur die Mucke trotz aller Härte nicht so… öde wäre. Ist einfach nicht mein Ding, ich bin zu alt für so’ne Scheiße.

Der „Kaiserkeller“ füllte sich immer mehr, glücklicherweise auch mit bekannten Gesichtern. Viele waren von den restlichen Bands ähnlich angetan wie ich und kamen erst pünktlich zum Headliner. Insgesamt war das Publikum wesentlich angenehmer, als ich es erwartet hatte, Anabolika-Opfer konnte ich nur vereinzelt im völlig gemischten Publikum ausmachen, von irgendwelchem Ärger habe ich nichts mitbekommen, von als Tanz getarnten Kampfsportattacken ebenfalls nicht, hoher Mädelsanteil. Allerdings hielt ich mich allein schon wegen meines angeschlagenen Gesundheitszustands eher am Rande des Geschehens auf, auch bei BLOOD FOR BLOOD, die nach einer ellenlangen Umbaupause (habe ich es richtig mitbekommen, dass das komplette Schlagzeug ab- und wiederaufgebaut wurde?) endlich mit ihrem Set begannen. Die originale Band war das natürlich nicht mehr, „White Trash“ Rob an der Gitarre und als zweiter Sänger wurde ersetzt durch BIOHAZARD-Frontmann Billy Graziadei, der optisch nicht so recht zur Band passt. Aber was sind schon solche Oberflächlichkeiten; die Skepsis rührt vor allem daher, dass ich mich mit den Metal-Superstars BIOHAZARD nie näher beschäftigt habe, weil mir die irgendwie suspekt sind und nicht unbedingt das verkörpern, was ich mit Hardcore verbinde.

Jedoch muss ich fairerweise sagen, dass sich die Band absolut überzeugend präsentiert hat. Da wirkte nichts gespielt oder abgehoben, alle legten sich voll ins Zeug, schwitzten schon nach kürzester Zeit wie die Schweine, bezogen das Publikum mit ein und legten im Prinzip die Inbrunst, Aggression und Angepisstheit an den Tag, die ich mir erhofft hatte – zu meiner Überraschung insbesondere Billy G., der abging, als wären die von ihm zur Unterstützung des schwergewichtigen Sängers „Buddha“ gebrüllten Texte seinem Hirn entsprungen. Ich bezweifle ja nach wie vor, dass BIOHAZARD irgendetwas mit „White Trash“ zu tun haben (außer ihr Publikum vielleicht), aber wenn das geschauspielert war, Hut ab vor dieser Leistung. Vielleicht übertreibe ich aber auch gerade und war einfach nur positiv überrascht, da meine Erwartungshaltung von vornherein nicht die allerbeste war. Wie dem auch sei, es war mitreißend und heftig, die Band kam sympathisch rüber, hat Getränke ins Publikum gereicht, selbiges auf die Bühne geholt etc., der Sound war auch bei eher seitlicher Positionierung am Bühnenrand sehr gut und die Songauswahl abwechslungsreich. Besonders „Going Down The Bar“, die WRETCHED-ONES-Coverversion, kam sehr geil, die hatte ich nämlich gar nicht mehr so auf der Uhr. Das Konzert nahm also doch noch ein gutes Ende und falls die Band eben einfach in erster Linie zu „Cash-in“-Zwecken wieder unterwegs ist, so hat sie wenigstens soviel Schneid, sich redlich zu bemühen, das ihr Publikum nicht merken zu lassen. Aber natürlich fehlt mir auch hier der Vergleicht zu B4B-Gigs in Originalbesetzung. Jener Billy G. stand übrigens nach der Show am Eingang und hat eigenhändig BIOHAZARD-Aufkleber an die den Laden verlassenden Gäste verteilt, von Berührungsängsten also keine Spur.

Letztlich doch noch ein befriedigendes Konzert. Nur bitte nicht so schnell wieder im „Kaiserkeller“…

26.06.2011, Hafenklang, Hamburg: DOOM + CONFUSA

Am Sonntag, 26.06.2011, verschlug es mich zur Matinee (= Nachmittagsshow) mit DOOM und CONFUSA ins Hamburger Hafenklang. Solche Sonntagnachmittag-Geschichten finde ich sehr angenehm, sollte man gerne öfter machen.

Ich bin ja nun wirklich nicht unbedingt das, was man einen „Crustie“ nennt , aber die britischen Crustcore’ler DOOM haben mich schon immer beeindruckt. Die „Fuck Peaceville“-Doppel-LP halte ich in Ehren und lasse mir den DOOM’schen Brachialsound und ihre in den kritischen Texten rausgerotzte Attitüde in unregelmäßigen Zeitabständen schmecken. Was ich allerdings weniger brauche, sind x Bands, die den gleichen Sound spielen, denn dazu ist mir das dann doch zu monoton. Was bei DOOM ein bewusst eingesetztes Stilmittel ist, nervt mich bei vielen Kopisten eher. DOOM aber genießen mir bei mir eine Art Originalitätsbonus, so dass ich mir die Gelegenheit nicht nehmen ließ, jetzt, da sie sich nach dem bedauerlichen Tod ihres Sängers mit einem neuen Frontmann zusammengetan haben, ihrer Tour beizuwohnen. Bei herrlichem Sonnenschein wurde also der faire Eintrittspreis von 7,- EUR gelöhnt und sich zunächst die Vorgruppe angesehen. Gleichzeitig fand das erste Spiel der Frauenfußballweltmeisterschaft statt, doch zu meiner Freude musste man an diesem Nachmittag nicht vor der Glotze oder im Stadion hängen, um selbstbewusste Mädels kicken zu sehen, sondern wurde vorzüglich mit der nicht ball-, sondern arschtretenden finnischen Band CONFUSA entschädigt, die mit zwei in Landessprache singenden Sängerinnen ein sehr ordentlich Punkfass aufmachten und jede Menge Energie und Spielfreude versprühten. Da tauscht man doch gerne den Platz an der Sonne bzw. vor der Tür mit dem düsteren Innenraum des Hafenklangs, das ordentlich gefüllt war. Eine überzeugende Darbietung.

Die Erwartungshaltung DOOM betreffend war durchaus gemischt, Gerüchte von einem miesen neuen Sänger machten die Runde. Doch die Band ballerte ein tiefgestimmtes Brachialriff nach dem anderen raus, der Sänger röchelte und grunzte einwandfrei und das Publikum schien befriedigt. Dazu bei trug der klasse Sound im Hafenklang, der es schaffte, die Band noch härter und derber als auf Platte klingen zu lassen, statt einen ärgerlichen Soundbrei zu produzieren. Das war schon sehr beeindruckend, die pure Zerstörung rollte durch den Saal und machte keine Gefangenen. DEN Klassiker der Band schlechthin, „Police Bastard“ grölten natürlich viele heisere Kehlen mit emporgestreckter Faust mit, allerdings dürfte dies wohl der einzige „Mitsingpart“ gewesen sein. Der Sänger machte seine Sache gut, wobei mir der Live-Vergleich mit vorausgegangenen Sängern fehlt. Lediglich seine Anti-Zigaretten-Ansage hätte er sich kneifen können – bin ich auf einem Crust-Gig oder auf einer von den Krankenkassen gesponserten Straight-Edge-Gesundheitsfanatiker-Veranstaltung?

Wie dem auch sei, ich fand, das war ein klasse Gig und auch das Drumherum war sehr angenehm: Ein sympathisches Publikum mit einigen netten Menschen, die ich schon längere Zeit nicht mehr gesehen hatte. So wurde die Zeit nach de Konzert dementsprechend für einige Klönschnacks genutzt, bevor es dank des frühen Beginns immer noch sehr rechtzeitig nach Hause ging, um das Wochenende ausklingen zu lassen.

02.06.2011, O2 World, Hamburg: IRON MAIDEN

Gestern, am 02.06.2011 (Vatertag!), hatte das lange Warten nach dem Kartenkauf endlich ein Ende: IRON MAIDEN, die beste Metal-Band der Welt, machte einen Abstecher in die Hamburger Megakommerzhalle „O2 World“ direkt neben dem HSV-Stadion und ich sollte sie nach dem Festival-Headliner-Auftritt letztes Jahr in Wacken erstmals überdacht und zum zweiten Mal überhaupt live sehen. Also mit der S-Bahn gen Hamburg, welche sich, je näher man der Station Stellingen kam, immer mehr mit Maiden-Fans füllte. Ich war extra zeitig aufgebrochen, damit ich bei bestem Wetter noch vor Ort eine feste Mahlzeit am „Shuttle Imbiss“ einnehmen, in Ruhe ein Bierchen süppeln und ein paar Eindrücke vom Drumherum mitnehmen konnte. Vor der Riesenhalle gab’s Metal-Klassiker aus der Konserve, Bierstände waren aufgebaut, Maiden-Shirts, wohin man blickte. Die Preise für Shirts am Merchandise-Stand waren aber der Hammer, und zwar in negativer Hinsicht: Satte 30,- EUR für ein einfaches T-Shirt – das ist Wucher.

Ebenso wie die Eintrittspreise, die für die Sitzplätze viel zu hoch angesetzt worden waren, wie die Schwarzmarktpreise zeigten. Da die Innenraum-Karten aber sowas von schnell vergriffen waren, musste auch ich mit ’nem Sitzplatz vorlieb nehmen – aber wenigstens einem sehr mittigen, recht attraktiven. Nach ein paar Pläuschchen mit Bekannten und einem auch nicht gerade schnäppchenverdächtigen Kaltgetränk verwies ich die sich dort irrtümlich niedergelassen Habenden freundlich in ihren Block (Ordnung muss sein!), nahm brav Platz und ließ die uninteressante Vorgruppe über mich ergehen: RISE TO REMAIN aus England spielten modernes Metalzeug mit –core und pi, pa und po, aber nix, was mich begeistert hätte. Die aus heillos betrunkenen Jünglingen, die sich vermutlich für Hooligans oder sowas hielten, bestehende Gruppe eine Reihe hinter mir fand hingegen offenbar Gefallen an der Darbietung und verlieh ihrer Freude durch Gejohle und vor allem Fußgetrampel und –gestampfe Ausdruck., dass es die Reihen ein wenig durchschüttelte. Ob dieses „Fremdkörpers“ innerhalb der sonst so gesitteten Gefolgschaft Iron Maidens musste ich doch ein wenig schmunzeln und immerhin kam ein wenig Action auf den spießígen Rängen auf. Wenig begeistert zeigte sich allerdings der Herr neben mir, Typ Seidenhalstuchträger, der die Typen zur Contenance ermahnte.

Wie auch immer, nach zum Glück relativ kurzer Zeit war die Band überstanden und man konnte noch einmal Luft schnappen, bevor wie üblich als Zeichen zum Konzertbeginn UFOs „Doctor Doctor“ vom Band erklang und direkt überging ins Intro des aktuellen, starken Maiden-Albums „The Final Frontier“ und im Anschluss direkt der Titelsong erklang. Die sechs Briten erstürmten die Bühne und Dickinsons „The final frontieeeeer, the final frontieeeer!“ fegte durch die Halle – yessss!!! Auf dem albernen Sitzplatz hielt es mich natürlich keine Sekunde und aus besagter Reihe hinter mir flogen offensichtlich nicht gänzlich restentleerte Bierbecher in die vorderen Reihen. Die Security war schnell zur Stelle, erhob den pädagogischen Zeigefinger und Sekunden nach dem nächsten Zuwiderhandeln flogen mind. zwei der Becherwerfer raus und es war fortan „Ruhe“. Ob es sich dafür gelohnt hat, soviel Kohle zu latzen, darf der nüchterne Geist bezweifeln. Zurück zur Musik: Der erste Song ging nahtlos über in „El Dorado“, ebenfalls vom neuen Album. Im Anschluss folgte mit „2 Minutes to Midnight“ der erste Klassiker und langsam machte ich mir Sorgen, denn so sehr sich Harris, Dickinson & Co. auf der Bühne auch ins Zeug legten, so mies ausgesteuert kam das bei mir hinten an, will sagen: Der Sound war ziemlich scheiße. Da ich aber anscheinend nicht der einzige war, dem das auffiel, wurde es von nun an besser und beim nächsten Song, „The Talisman“ (wieder von „TFF“) stellte sich erstmals bei mir die Maiden-typische Gänsehaut ein. Und es ging weiter mit einem aktuellen Song: „Coming Home“, dem eine Ansage Dickinsons über die Maiden-Weltenbummelei und wo man schon überall gewesen ist, vorausgegangen war. Vorgestellt hatte er sich übrigens mit den Worten „I am not a spanish cucumber!“, anscheinend nicht wissend, dass die spanischen Gurken längst vom Generalverdacht als schlimmste EHEC-Schleudern befreit worden waren.

„Dance of Death“ vom gleichnamigen Album gefällt mir live besser als von Platte und kam auch hier ziemlich gut und beim nun folgenden Überklassiker und Jahrtausendhit „The Trooper“ erreichte mein Adrenalinspiegel seinen vorläufigen Höhepunkt, zumal der Sound nun wirklich geil klang und selbst das besonders für diesen Song so typische dominante Wummern von Harris’ Bass perfekt rüberkam. Ich sang (englisch und eine ähnlich klingende Phantasiesprache) und „tanzte“ (zumindest mein Oberkörper) auf meinen 1×1 Quadratmetern wie ein junger Gott (wer das Gegenteil behauptet, lügt!), reckte pathetisch die Fäuste und schloss genussvoll die Augen, während meine Rübe wie von selbst dem Rhythmus folgte. Das „Brave New World“-Doppelpack „The Wicker Man“ und „Blood Brothers“ hielt diese Stimmung und als schließlich mein Favorit von neuem Album, „When The Wild Wind Blows“, ertönte, ließ ich mich glatt dazu hinreißen, als großer Überm-Kopf-in-die-Hände-klatsch-Skeptiker beim Intro dieses sensiblen Songs über eine atomare Katastrophe genau damit anzufangen, als wäre ich auf ’nem Wolle-Petry-Konzert, und auch noch andere mitzureißen – peinlich… „The Evil That Men Do“ von meinem persönlichen Götteralbum „Seventh Son of a Seventh Son“ lud aber glücklicherweise mehr zum Mitgrölen denn zum Klatschen ein und bei „Fear of the Dark“ war das Publikum für die „Ohoho“-Chöre, die diesen Song live zu einem besonderen Erlebnis machen (denn in der Studiofassung fehlen diese komplett), ganz besonders gefragt.

Doch dann hieß es auch schon „Iron Maiden wants you for dead“, eine riesige Space-Eddie-Fresse kam aus dem Bühnenboden und es wurde Zeit für eine kleine Pause. Der Zugabenblock umfasste „The Number of the Beast“, dessen Intro aus tausenden heiseren Kehlen mitgesprochen wurde, „Hallowed Be Thy Name“, wo besonders deutlich wurde, wie sehr Dickinson es immer noch drauf hat und seine gute Gesangsleistung mit seinem berüchtigten langgezogenen „The sands of time for me are running loooooooooooow“ unterstrich und alle Kritiker und Nörgler Lügen strafte, sowie „Running Free“, bei dem wie üblich die einzelnen Bandmitglieder vorgestellt wurden. Mit „Always Look on the Bright Side of Life“ vom Band wurde ich euphorisiert und über sämtliche Backen grinsend pünktlich um 23:00 Uhr aus dem Konzert entlassen. Zeit, Bilanz zu ziehen: Das aktuelle Album war stark in der Setlist vertreten, Maiden untermauern weiterhin ihren Anspruch, eine aktive Band, die starke neue Alben veröffentlicht, zu sein, die sie betouren und deshalb ihre Setlist jeweils entsprechend anzupassen, statt ein Best-Of-Set zu präsentieren. Das respektiere ich und find’s geil, zumal mir „The Final Frontier“ wieder wesentlich besser gefällt als sein Vorgänger „A Matter of Life and Death“. Vier Studioalben (die Bayley-Phase mal ausgeklammert) blieben zu meiner Überraschung gänzlich unberücksichtigt: „Killers“, „Somewhere in Time“, „No Prayer for the Dying“ und „A Matter of Life and Death“, was ich im Falle der beiden erstgenannten schon sehr schade, wenn auch verschmerzbar fand. Eines bewegt sich aber arg am Rande der Unverzeihlichkeit: Einer DER Gänsehautsongs überhaupt, das unmöglich von dieser Welt stammen könnende „Revelations“, wurde nicht gespielt. Verdammt. Aber irgendwas ist ja immer, hmm…

Die Bühnenshow bestand übrigens neben den ganzen Lichtteffekten aus zu jedem Song wechselnden Bühnenhintergründen, jeweils passend zum Song und ansonsten in Bezug zur aktuellen Platte im Raumfahrt-Sci-Fi-Gewand.

Auch nach dem Konzert ging es sehr gesittet zu, IRON-MAIDEN-Fans scheinen recht besonnene Zeitgenossen zu sein, die sich aus sämtlichen Altersgruppen vom Kind bis zum Oppa zusammensetzen, „Metal“ war auch nicht die einzige vertretene Subkultur. Nett: Auch nach dem Konzert konnte man eisgekühltes Dosenbier auf der Straße kaufen, der „Shuttle Imbiss“ hatte für hungrige Mäuler weiterhin geöffnet, der Bahnhofskiosk ebenfalls. Auch „geöffnet“ hatte auf dem Weg zur S-Bahn-Station ein Stand mit Maiden-Bootleg-Shirts zur aktuellen Tour, bedruckte FOTL-Shirts für ’nen schlappen Zehner, die weggingen wie warme Semmeln. Idealerweise war auch ein Motiv auf weißem Shirt dabei, heutzutage eine Rarität im Metal-Merch. Es scheint nur noch schwarze oder hässliche Tribalshirts zu geben, nix Weißes. Klar, dass ich da zugriff und nun nicht nur ein schönes Erinnerungsstück an das Konzert habe, sondern dadurch auch einen gestreckten Mittelfinger in Richtung der Maiden-Merchandise-Wucherer loswerden konnte, hähä.

Fazit: Es hat sich gelohnt; ich hätte mich schwarz geärgert, wäre ich nicht dabei gewesen. Evtl. sollte ich mir beim nächsten Mal auch einfach vor Ort auf dem Schwarzmarkt irgendeine Sitzplatzkarte zum halben Preis holen, dann wär’s auch finanziell alles nicht so wild. Ich hoffe, dass das nicht wirklich „The Final Frontier“ für die Band war und noch viele weitere Iron-Maiden-Konzerte erleben zu können! Up the Irons!

Jetzt freue ich mich aber erst mal auf das nächste nette, kleine Club-Konzert einer etwas weniger populären Band…

06./07.05.2011: HAMBURGER HAFENGEBURTSTAG

Hab mir natürlich im Rahmen des Hamburger Hafengeburtstags am vergangenen Wochenende paar kostenlose Freiluftgigs auf der Störtebeker- und Jolly-Roger-Bühne angesehen.

Freitag gab’s die Hamburger 5×0,04l, die auf der Störtebeker-Bühne ihr eingedeutschtes Cover-Set runterrotzten, Songs von den Troopers („Skorbut ist nicht angeboren…“), Body Count („Copkiller“), aber hauptsächlich Exploited wurden verwurstet. Spaßig, kurzweilig und ein netter Einstieg (für mich, vorher lärmten schon andere Bands). Anschließend bei LAK und den Bad Nenndorf Boys auf der Jolly-Bühne reingehört, druckvoller „Deutschpunk“ (bei einem Fußballsong mit Unterstützung durch Tommy Molotow) meets Ska-Punk inkl. „Sternenhimmel“-Coverversion, hmm… Dann folgte aber der Höhepunkt des Abends, die Eight Balls genial wie eh und je, ein Hit-Feuerwerk, das seinesgleichen sucht und entsprechend gut gefeiert wurde.

Samstag erschien ich rechtzeitig zu Molotow Soda, die auf der Jolly-Bühne einen obergeilen Auftritt ablieferten. Mittlerweile ja auch nicht mehr die Jüngsten, brannte die Band förmlich vor Spielfreude und legte ein geniales Best-Of-Set auf die Bretter. Der Soundmensch spielte auch mit und sorgte für perfekten Klang. Die Setlist war 1a, selbst einer meiner Favoriten, das traurige „Julia“ wurde gespielt, Hit folgte auf Hit. Die Band wurde gebührend gefeiert und Tommy ging zwischendurch in seinen Ansagen u.a. auf die beschämende Pleite des FC St. Pauli ein. Trotzdem war die Stimmung großartig. Ein liveplattenwürdiger Auftritt des ersten Samstagabend-Headliners.

Beim zweiten handelte es sich dann um die Punklegende Slime mit einem Heimspiel. Seit der Reunion habe ich bisher keinen ihrer Auftritte wahrgenommen, an diesem Abend sollte ich mir also eine Meinung bilden. Der Platz vor der Bühne war gerappelt voll, es war ein einziges Gedränge und Geschiebe, auf ein Bier an einem Astrastände, wo ich mich strategisch geschickt positionierte, musste man eine gefühlte Stunde warten, so groß war der Menschenandrang auf diesem Besucherrekords-Hafengeburtstag. Slime begannen mit der eher rockigeren „A.C.A.B.“-Version, die ich noch aus „Rubberslime“-Zeiten in Erinnerung hatte. Nicht geeignet, um meine Skepsis zu überwinden. Doch dann ging’s ab: Flotte, kämpferische Versionen der alten Hits inkl. „Bullenschweine“, „Polizei SA/SS“ und „Deutschland“, aber auch mit „Schweineherbst“ (Gänsehaut!), „Gewalt“ etc. eine sehr glückliche Songauswahl vom „Schweineherbst“-Album. Vermisst habe ich lediglich „Yankees raus“ und Material vom „Viva la muerte“-Album. Dirks Ansagen reichten von etwas daneben (Gelästere über den „neuen“ [sic!] AC/DC-Sänger) bis sehr treffend (Schelte für den FC St. Pauli für dessen Arbeitsverweigerung). Gelang es, bisweilen fragwürdig anmutende Umtriebe der Band, die in letzter Zeit durch die Punkmedien geisterten (z.B. den Rechtsstreit mit Force-Attack-Imre), auszublenden, war das eine klasse Auftritt einer fitten Band, die immer noch verdammt viel zu sagen hat und deren Inhalte nichts an Relevanz eingebüßt haben. Tja, mein erstes Mal Slime live, und ich wurde nicht enttäuscht.

Als ich mich irgendwann nach außen drängelte, um meine gefüllte Blase in die Elbe zu entleeren, wurde ich Zeuge einer wüsten, mit einiger Vehemenz geführten nonverbalen Auseinandersetzung, die kurzzeitig drohte, zu einer Massenschlägerei auszuarten. Nach Trennung der Streithähne und Von-Dannen-Ziehen der einen Partei war aber wieder Ruhe und worum’s eigentlich ging, weiß ich nicht. Einer meinte, „vermutlich um nichts und wieder nichts“, und so wird’s wohl auch gewesen sein. Ansonsten war glaub ich alles friedlich. Im Anschluss bin ich noch zur Störtebeker-Bühne getigert und hab mir einige Songs lang „La Fraction“ aus Frankreich reingezogen. Dort war’s auch deutlich voller als noch während meiner Stippvisite am Vortag und so zwischen hunderten Besuchern dazustehen, die kühle Nachtluft nach einem heißen Tag und den angenehm abkühlenden Wind der Elbe zu genießen, ein paar Schwätzchen zu halten und der musikalisch erhabenen Band mit im Gegensatz zu 5×0,04l am Vortag spitzenmäßigem Bühnensound zu lauschen, hatte verdammt noch mal Atmosphäre.

Hat sich also sehr gelohnt, auch wenn ich mir am liebsten noch ein paar mehr Bands auf der Störtebeker-Bühne angesehen hätte. Naja, beim nächsten Mal wieder.

16.04.2011, El Dorado (Gaußplatz), Hamburg: FUSELWOCHE

Ach ja, nach dem Punk- und Alkitreffen letzten Samstag war ich auf dem Gaußplatz (Hamburg-Altona), um mir bei freiem Eintritt FUSELWOCHE (oder so) anzusehen. D.h., eigentlich wollte ich DOGS ON SAIL sehen, aber die haben so unpunkig-überpünktlich angefangen und außerdem ihren „Headliner“-Status nicht wahrgenommen oder durchgesetzt, dass ich keinen einzigen Ton mehr von ihnen gehört hatte, obwohl ich mich den ganzen Tag drauf gefreut hatte :'(

FUSELWOCHE (oder so) waren dann aber ziemlich cool, einfacher 1-2-3-4-Uffta-Pogo-HC-Punk mit deutschen Texten und Attitüde, kam irgendwie genau richtig und hat echt Spaß gemacht. Zudem war der Sound in der (wohlgemerkt renovierten, ich war echt lange nicht mehr da) Gaußplatzkneipe 1A.

12.04.2011, Hamburg, Docks: NOFX + TEENAGE BOTTLEROCKET + OLD MAN MARKLEY

Hab mich direkt nach der Arbeit alleine auf den Weg gemacht, um auch endlich mal NOFX live zu sehen. Die Karte hatte ich mir Monate vorher im VVK gesichert, womit ich gut beraten war, denn das Konzert war ausverkauft und sogar ein Zusatzgig wurde anberaumt, der einen Tag vorher über die Bühne ging. Mit ihren rund 30,- EUR war die Karte allerdings alles andere als ein Schnäppchen.

Ich erwartete eigentlich Scharen von Skate- und Melodicore-Kiddies, doch offenbar ist das NOFX-Publikum mit der Band gealtert oder man hat sich mit ernstzunehmenden Platten wie „The War On Errorism“ auch ein etwas anders gelagertes Publikum erspielt.

Seit ca. zehn Jahren begab ich mich also erstmals wieder in den fiesen Kommerzschuppen mitten auf dem Kiez und dachte eigentlich, nach meinen „Vaja con tioz“-, „Color Line Arena“-, Wacken- und Markthallen-Besuchen könne mich nichts mehr schocken. Doch Pustekuchen, 2,- EUR Garderobengebühr für mein Gepäck und 3,30 EUR für 0,3 Liter Bier aus Vodka-Bechern dürften mit zum Gipfel des Rock’n’Roll-Raubrittertums gehören. Um ein wirklich angenehmes Konzert verleben zu können, hat man auch „etwas“ zu viele Karten verkauft, so dass es im Laufe des Abends „etwas“ sehr drängelig wurde. Docks = Scheißladen.

Positiv erwähnen muss ich aber den spitzenmäßigen Sound, den zumindest die beiden Vorbands hatten. Glasklar und druckvoll, alles andere wäre aber auch ein (weiteres) Armutszeugnis gewesen. Den Anfang machten OLD MAN MARKLEY, eine achtköpfige Country-Truppe, die mit Kontrabass, Waschbrett etc. und männlich/weiblichem Wechselgesang sowie sehr flotten Songs für US-amerikanisches Ambiente der angenehmen Sorte bürgten und gerade, weil sie aus dem üblichen musikalischen Rahmen fielen, ein klasse Opener waren. Mut zur Abwechslung!

Es folgten TEENAGE BOTTLEROCKET, melodischer California-Punk mit zumindest bei diesem geilen Livesound hoher Hitdichte, der sofort gezündet hat. Kein Melodicore, eher die alte Schule, ’ne Art Mischung aus RAMONES und LURKERS mit ordentlich Tempo und überraschenderweise sogar gelegentlichen Hardcore-Erruptionen. Dank zwei Gitarristen gab’s ein gutes, kurzweiliges Brett auf die Löffel. Doch, war geil.

Dann also NOFX. Humorvoll wie eh und je und der Laden brach natürlich aus allen Nähten. Nachdem mir vorher schon Lars und Dirk über den Weg gelaufen waren, erspähten mich in dem Gewühl endlich ein paar Kumpels, mit denen ich mich an einen der Tresen begab, um bei angenehmerer Luft, leicht erhöhtem Fußboden und „direkt an der Quelle“ das übrige Publikum zu über- und die Band zu erblicken und natürlich zu erhöhren. Doch was war das für eine Songauswahl? Klar, „Fuck The Kids“, „Stickin‘ In My Eye“, „Bob“, das Rancid-Cover „Radio“, „Eat The Meek“ – geht alles klar! Aber wo waren Kracher wie „Kill All The White Man“, „Don’t Call Me White“, „Moron Bros.“ und mein absoluter Lieblings-NOFX-Song „Lori Meyers“?! Sie wurden nicht gespielt, nichts davon! Unfassbar! Stattdessen schon relativ früh die erste Unterbrechung, also das „offizielle“ Ende. Daher rechnete ich mit einem ca. einstündigen „Zugabenblock“, doch auch dieser wurde recht früh beendet und lediglich durch Gitarrist Eric Melvin, der sich ca. eine Viertelstunde lang nicht von seinem Schifferklavier trennen konnte, während um ihn herum schon abgebaut wurde, in die Länge gezogen. Der Sound war auch nicht so geil wie bei den Vorbands, was aber an meinem (mehr oder weniger) selbstgewählten Stehplatz gelegen haben kann.

Nee, also das war irgendwie enttäuschend, vor allem für soviel Kohle. Das Docks sieht mich jedenfalls so schnell nicht wieder und NOFX höchstens mal auf ’nem Festival oder vielleicht ’nem kleinen Clubgig unter anderem Namen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich aber die fairen Merch-Preise inkl. selbstkritischer Produktqualitätseinschätzungen: „Old CD, at leat 5 Songs are cool.“ Dafür Daumen hoch!

02.04.2011: Hafenklang, Hamburg: True-Rebel-Jahresfeier mit HAMBURGER ABSCHAUM, THE OFFENDERS und EIGHT BALLS

In aller Kürze:

Bei herrlichem, sommerlichen Frühlingswetter blies das Hamburger True-Rebel-Label zur Jahresfeier für faire 8 Taler an der Abendkasse, den Beginn im anfangs gut gefüllten, später vollen Hafenklang machten die Bauwagen-Punks von HAMBURGER ABSCHAUM mit einer kurzweiligen Show inkl. Kettensägeneinsatz, Trompete etc. Gitarrist Holli gab alles und sah im Sträflingsoutfit spitzenmäßig aus. Erster verhaltener Pogo. Trotzdem zog es mich nach draußen, um das Wetter auszunutzen und auf der Straße zu trinken, zu quatschen etc. Etliche sahen das anscheinend ebenso wie ich, so dass sich eine beachtliche Menschentraube vor dem Laden bildete. Einige sah man zum ersten Mal in diesem Jahr, angelockt von der freundlichen Witterung. Dadurch hab ich die Ska-Punk-Band THE OFFENDERS komplett verpasst. Immer wieder kamen mir aber glücklich dreinschauende, völlig verschwitzte Leute entgegen, die anscheinend ausgiebigst das Tanzbein geschwungen und die Band abgefeiert hatten. An THE OFFENDERS muss also irgendwas dran sein, vielleicht beim nächsten Mal.

Dann aber endlich der Höhepunkt des Abends, die glorreichen EIGHT BALLS mit immer noch relativ neuer Platte und ’nem Ersatz-Gitarrero für den verhinderten Mücke im Gepäck. Trotz dadurch leicht eingeschränkter Stückauswahl wurde eine exzellente Oi!-Punk-Hymne nach der anderen geschmettert und selbst ich verrenkte meine alten Knochen zeitweise zwischen anderen schwitzenden, betrunkenen Grobmotorikern beim Tanzen bzw. dem, was wir dafür hielten.

Nach diesem klasse Auftritt stellte sich die Frage, ob man den Rückweg nach Hause antreten sollte, gar nicht mehr, stattdessen ging’s zur „Aftershow-Party“ ins Skorbut auf dem Kiez, wo man die Feier anscheinend bis um 9:00 Uhr morgens fortführte… Wahnsinn. Was für eine Frühjahrseinstimmung!

29.03.2011, Headcrash, Hamburg: BONDED BY BLOOD + LAZARUS A.D.

Nachdem der kleine Club bei D.R.I. ja fast aus allen Nähten platzte, hatten diesmal nur ca. 50 Leute die gleiche gute Idee wie ich, sich diese beiden Oldschool-Thrash spielenden Neothrasher anzusehen. Bei der Gelegenheit wurde mir aufgrund der größeren Übersichtlichkeit auch erst bewusst, WIE klein der Laden wirklich ist. Ein kleiner Laden der großen Preise, um genau zu sein, denn mit 15,- € an der Abendkasse war der Konzertbesuch alles andere als ein Schnäppchen. Gegen 21:15 Uhr oder so eröffneten LAZARUS A.D. aus Wisconsin, USA, den Abend. Die Band hat bisher zwei Alben draußen, ist mir bislang aber lediglich von gelungenen Samplerbeiträgen bekannt. Live sind sie ziemlich fit, aber längst nicht jeder Song traf meinen Geschmack. Einiges klang mir zu modern und war mir zu midtempolastig. Vor allem war es aber eines: LAUT! So unfassbar laut, dass es wirklich schon wehtat und ich mir zum allerersten Mal in meinem Leben Ohrenstöpsel besorgte und diese in die Gehörgänge popelte. War das die Rache dafür, dass ich’s beim D.R.I.-Konzert bisweilen etwas zu leise fand? Ca. nach ’ner dreiviertel Stunde war dann Schluss und der eigentliche Grund meines Erscheinens, BONDED BY BLOOD aus Kalifornien, legten nach kurzer Umbaupause inkl. Soundcheck los. Von den zwei veröffentlichten Alben nenne ich das erste mein Eigen, das mich sehr überzeugt hat. BBB klingen wie eine Mischung aus frühen Exodus und Vio-lence, fabrizieren also hysterisches, hyperaktives Gehacke. Oftmals pfeilschnell, aber mit passenden Breaks und Variationen, so dass die Songs einen guten Wiedererkennungswert besitzen. Hier konnte ich meine Ohrstöpsel auch in der Tasche lassen; entweder hatte man ein Einsehen und die Lautstärke etwas gedrosselt oder meine Lauscher hatten das Handtuch geworfen und ihre Empfindlichkeit heruntergeschraubt, um diese begnadete Band nicht abgedumpft über sich ergehen lassen zu müssen. Das spärliche Publikum bewegte sich inkl. meiner nun auch etwas mehr, trotzdem war’s eigentlich Perlen vor die Säue. Schon seltsam, solche Bands, zu denen in den 80ern vermutlich jederzeit das reinste Slam-, Mosh- und Dive-Inferno abgegangen wäre, so zu sehen. Aber wat soll’s, der Sänger, der anscheinend ein anderer als auf meiner Platte war, hat das beste draus gemacht, sich den Spaß nicht nehmen lassen und verfügt über das genau richtige Organ für diese Mucke. Auch dieses Set war aber recht kurz, nach einer Zugabe war ebenfalls nach einer dreiviertel Stunde schluss. Kurz aber sehr gut! Eine geile Band, deren zweites Album nun auch schleunigst in meine Sammlung wandern muss.

Wer was für zünftigen Thrash übrig hat, sollte BONDED BY BLOOD auf jeden Fall mal seine Aufmerksamkeit widmen.

19.03.2011, Headcrash, Hamburg: D.R.I. + LIQUID GOD

Um mir meine alten HC-/Thrash-Crossover-Helden D.R.I. endlich einmal live anzusehen, suchte ich am Abend des 19.03. erstmals das Headcrash auf dem Kiez auf. Ich traf um kurz vor 21:00 Uhr ein und musste feststellen, dass die auf meiner im VVK gesicherten Karte aufgedruckte Uhrzeit „20:30 Uhr“ keinesfalls der Einlasszeitpunkt, sondern der tatsächliche Konzertbeginn war. Nun gut, der frühe Vogel findet bekanntlich auch mal ein Korn und so war die Vorband bereits in Gange. Zu meinem Entsetzen musste ich aber feststellen, dass das keinesfalls SSS, sondern eine indiskutable lokale Langweiler-Metal-Combo namens LIQUID GOD war, da SSS ihren Auftritt abgesagt hatten. Dass das billigste Bier mit 2,50 EUR für 0,33 Liter zu Buche schlug, war dann das Tüpfelchen auf dem I eines vollkommen missratenen Konzertauftakts.

Der nicht sonderlich große Laden war aber schon ganz gut mit einem völlig gemischten Publikum gefüllt, obwohl sich ein größerer Teil der Leute verständlicherweise lieber vor der Tür aufhielt. Kurz, bevor D.R.I. loslegten hab ich dann auch endlich ein paar bekannte Gesichter entdeckt (bzw. sie mich) und mitbekommen, dass das Headcrash ausverkauft war. An der Kasse mussten mehrere Leute abgewiesen werden und der Laden war wirklich brechend voll, es war ein einziges Gequetsche und Gezwänge. Noch bevor die Band startete, fingen schon die ersten an, nervös herumzuhüpfen und mit dem Intro gab’s kein Halten mehr – das ja ganz gerne mal als etwas hüftsteif verschrieene norddeutsche Publikum ging sofort mit und hat durchgehend eine geile Party gefeiert – inkl. Stagediven, Crowdsurfen etc. Bei „Thrashard“ sah’s sogar aus, als wären locker Dreiviertel des Saals in Bewegung! D.R.I. spielten sich durch die Klassiker, beherrschten sowohl die alten Speedcore-Attacken als auch das thrashige Crossover-Zeug und hatten anscheinend genauso viel Bock auf das Konzert wie das Publikum. Der Sound war auch ziemlich gut, wenn auch verhältnismäßig leise. Natürlich wurde die Band nach dem ersten verlautbarten Ende des Konzerts lautstark zurück auf die Bühne gefordert, woraufhin ich im Zugabenblock eine völlig geile Version von „Five Year Plan“ hören durfte. Lediglich meinen alten Lieblingssong „Manifest Destiny“ habe ich schmerzlich vermisst. Sänger Kurt mit langen Haaren und Bart rief zwischendurch dazu auf, lokale HC-Bands zu unterstützen und lobte das D.I.Y.-Prinzip. Sympathisch.

Der Gig hat mich so sehr euphorisiert, dass der ganze Ärger vorher vergessen war. Meine anfängliche Skepsis hat sich als unangebracht gewiesen, D.R.I. haben’s nach wie vor drauf. Und da ich ein verlorengegangenes Handy seinem überglücklichen Besitzer zurückgeben konnte, wurde ich zudem mit lecker Freibier bedacht, was die eigenen Finanzen schonte. Ein geiles Konzert in einem etwas fragwürdigen Ambiente.

Anschließend ging’s ins Skorbut, wo ich noch ca. die Hälfte des Gratis-Gigs von HIGHSCHOOL NIGHTMARE mitbekam und bis zum nächsten Morgen bei Bier und Gesprächen verweilte.

12.03.2011, Villa, Wedel: LABSKAUS + INSIDE JOB + UNHOLY HANDJOB + LAST LINE OF DEFENSE + DER FAUSTMÖRDER

Krankheitsbedingt stand mein Besuch von „Lars‘ & Lars'“ Geburtstagsparty auf der Kippe; hätte ich mir das tatsächlich nehmen lassen, hätte ich mich aber sehr geärgert. War wieder einmal ein geiler Abend, alle (!) Bands top, besonders LABSKAUS, die ich noch gar nicht kannte, haben mich positiv überrascht. Rüpeliger Punk mit deutschen Texten, paar echten Hits und sympathischem Gesamteindruck. INSIDE JOB hab ich zum zweiten Mal gesehen, schneller Oldschool-HC mit kurzen Songs, war diesmal im Gegensatz zum letzten Auftritt, wo irgendwie der Wurm drin war, auch technisch echt fit. Der Sänger gab wieder alles ohne Rücksicht auf (eigene) Verluste, inkl. BLACK-FLAG- und NEGATIVE-APPROACH-Coverversionen. UNHOLY HANDJOB boten wieder ihre unheimliche Themenvielfalt dar (Lieder gegen Krieg, gegen Krieg, gegen Krieg und gegen Menschen, weil Menschen machen Krieg), ob die Band tatsächlich Texte hat, bezweifle ich aber immer noch. Faszinierend aber, wie der Gitarrist zum hysterischen weiblichen Geschrei ein geiles Riff nach dem anderen aus der Hüfte schleudert, und der Drummer hat’s ebenfalls 100%ig drauf. LAST LINE OF DEFENSE hatte ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, gefielen natürlich auch wieder sehr gut. Gibt’s da eigentlich irgendwann mal ’ne neue Platte oder so? DER FAUSTMÖRDER betraten maskiert die Bühne und lieferten eine Konzeptshow zum Thema „Faust“ ab. Kurzweilig und sehr unterhaltsam.

Erwähnenswert auch der Junge (Wie alt war der? 11?), der nach INSIDE JOB zusammen mit deren Drummer seine beeindruckenden Gitarrenkünste beweisen durfte. Top!

Ebenfalls top: Gemischtes (Punks, Metaller, Skins etc.) und absolut sympathisches Publikum, kein Ärger und nix. Vielen Dank auch für Gästelistenplatz und Freibierstempel!

Wäre ist etwas fitter gewesen, hätte ich bestimmt auch mal so richtig das Tanzbein geschwungen. Wedel ist immer wieder eine Reise wert!

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