Gnnis Reviews

Category: Tonträger (page 11 of 28)

INCOMING LEERGUT – ALCOHOLIDAYS CD

(www.rilrec.de) / (www.myspace.com/incomingleergut)

Ein Haufen junger Krefelder spielt hier Melodicore/Skate-Punk mit teilweise recht albernen deutschen und englischen Texten (alle nachzulesen im Booklet) und gibt sich ein Alkoholiker-Image, das ich ihm allerdings nicht so recht abnehme. So ackert man sich durch 19 Songs, von denen einige wirklich klargehen, andere aber eher Füllmaterial darstellen und nicht wirklich hängen bleiben. Der Gesang ist klar und melodisch und am Ende darf auch noch mal ’ne Dame ans Mikro. Für Fans von SATANIC SURFERS und Co., würd ich mal behaupten. Wer auf diese Richtung abfährt, sollte ruhig mal ein Ohr riskieren. Aber, sagt mal: Waren alle coolen Bandnamen tatsächlich schon vergeben? 46 Minuten Spielzeit, Anspieltipp: „Saufblockade“. 3. Günni

WILD GIFT – S/T CD

(www.plasticbombrecords.de) / (www.wildgift.de)

Die Plastikbomber haben mit WILD GIFT ’ne neue Band am Start, die mit rotzigem weiblichem Gesang und bedeutungsschwangeren, engagierten bis düsteren Texten in größtenteils deutscher Sprache auf irgendwie nach ’80er-HC-Punk klingender Mucke zu überzeugen versucht. Angenehm fällt dabei auf, dass man textlich auf gängige Schemata mit gezwungenen Reimen etc. verzichtete, ohne dabei in verklausulierten pseudointellektuellen Scheiß abzudriften. Bei Zeilen wie „Dass Mauern fallen und Herzen aufgehen, der Hunger vergeht und Friede einkehrt“ oder „Love ist the way to express yourself“ denke ich aber trotzdem eher an Waldorfschule als an Old School Punkrock. Die Platte läuft ohne wirklichen Ausfall, aber auch ohne jeglichen Aha-Effekt durch. Im Booklet gibt’s alle Texte nachzulesen. 13 Songs in 36 Minuten, Anspieltipp: „Funken zu Asche“. 3. Günni

DIE PROFIS – NEUE SENSATIONEN + ALTE GEHEIMNISSE CD

(www.teenage-rebel.de) / (www.myspace.com/dieprofis)

Scheiße, wer oder was ist DAS denn?! Eine völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratene Mod-Punk/Power-Pop-Band aus dem Düsseldorf zu Beginn der 80er Jahre, deren einzige LP „Neue Sensationen“ aus dem Jahr 1982 jetzt zusammen mit zwölf Bonustracks bestehend aus Sampler-Beiträgen, Demos und Aufnahmen der Vorgängerband STAIRS von Teenage Rebel Rec. ausgebuddelt und als CD neu aufgelegt wurde. Und das wurde angesichts der Qualität dieser Band auch verdammt noch mal allerhöchste Zeit, denn die fast ausschließlich deutschen Songs strotzen nur so vor Energie, Spielfreude und Kreativität inkl. unpeinlicher, direkter, GUTER Texte, die schon damals so manche Punkband alt haben aussehen lassen. Der perfekte Soundtrack zum Erwachsenwerden in einer spießigen Gesellschaft, die einem mit ihren Normen und Wertvorstellungen den letzten Nerv raubt, während man einfach nur zu guter Musik abfeiern und mit Mädels rumknutschen möchte. Erinnert mich teilweise an die alten ÄRZTE, nur reifer und mit mehr Pfeffer im Arsch. Das aber wirklich nur als GANZ grober Anhaltspunkt. Die Aufnahme der LP wurde großartig produziert, der Sänger hat ’ne tolle charismatische Stimme und die Songs machen einfach Spaß – da reiht sich Hit an Hit. Diese Platte ist ein großartiges Dokument einer sehr kreativen Periode deutscher Musikgeschichte, bei der Bands wie DIE PROFIS aufgrund der Borniertheit der Musikindustrie auf der Strecke blieben. Die hätten definitiv das Zeug zum Durchbruch gehabt. Richtig Mühe gegeben hat man sich auch beim Booklet, das neben den Texten alte Fotos und Bilder enthält. Richtig geile Veröffentlichung! 25 Songs in 79 Minuten, Anspieltipp: „Neue Sensationen“. 1. Günni

KALTFRONT – ZIEH DICH WARM AN CD

(www.teenage-rebel.de) / (www.kaltfront-dresden.de)

KALTFRONT ist ’ne alte Ossi-Kapelle, genauer gesagt aus Dresden, wo sie sich Mitte der 80er gründete und diverse Demo-Tapes veröffentlichte. Diese wurden vor zwei Jahren auf der LP-Version dieses Tonträgers wiederveröffentlicht, die wohl recht schnell ausverkauft war. Hiermit gibt’s das ganze jetzt angereichert mit sechs Bonustracks auf CD. Freut mich, dass der alte Kram, der natürlich nicht in Top-Quali vorliegt, aber in jedem Falle sehr gut hörbar ist, dadurch nicht in Vergessenheit gerät. Denn: Die Scheibe mit ihren durchdachten, häufig persönlichen, melancholischen, aber auch wütenden und direkten Texten und vor den tollen Melodien, denen man die Fähigkeit der Musiker anmerkt, ist besser als so mancher Schrott von heute, noch immer aktuell und somit keinesfalls nur für Ostalgiker und Komplettisten interessant. Ob angedacht ist, die Bonusstücke dieser CD für Vinyl-Sammler auch auf einer EP zusammenzustellen, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, wäre meines Erachtens aber eine tolle Maßnahme für die Besitzer der LP. Im stimmig illustrierten Booklet gibt es alle Texte nachzulesen sowie Hintergrundinfos zur Band und zu den einzelnen Aufnahmen. 20 Songs in 72 Minuten. 2. Günni

ARGLISTIGE TOISCHUNG – OI! TO THE CORPSES CD

(www.asphalt-records.de) / (www.arglistige-toischung.de)

Arglistig getoischt wurde ich in jedem Falle von dieser jungen Münchener Band, spielt Sie doch gar keinen Stumpf-Oi!, wie der Name zunächst vermuten lässt, sondern eine herrlich erfrischende Mischung aus rotzigem, melodischem Punkrock und so ’billyzeugs mit geilem weiblichen Gesang und frechen deutschen und englischen Texten zwischen Persönlichem, Lebenslust, Selbstverständnis, System- und Szene-Kritik und Morbidem. So bekommt der Kapitalismus ebenso sein Fett weg wie heuchlerische Szeneangehörige, man schaut gerne mal tiefer ins Glas, kloppt sich für 1860 München, fährt auf blutige Romantik ab und macht aus Nancy Sinatras Wanderstiefeln „Riot Boots“. Hier und da wird auch die Neonazi-Vergangenheit der Sängerin bzw. die Verarbeitung jener textlich angeschnitten. Höhepunkt ist aber sicherlich die Hommage an sächsische Stecher: „Ja, Baby, sag ‚Sau’ zu mir auf sächsisch! Sag ‚fertsch’ wenn du fertig bist und gleich noch mal von vorn!“ Da dürfte selbst der Sachen-Paule ’ne rote Rübe kriegen. Der bayrisch-sächsische Kulturaustausch scheint also bestens zu funktionieren. Die Platte wirkt abwechslungsreich, unverkrampft und frei von Scheuklappen. Lediglich bei den deutschen Texten holpert es hier und da noch ein wenig, besonders beim Refrain des ersten Songs: „Wir, nur wir, sind arglistige Toi!schung, trinken literweise Bier und sind ’ne herbe Enttäuschung“ Mitgröhlkompatibel ist das nicht so wirklich und der Reim gibt mir auch zu denken (ähem…). Das Digipak der CD kommt übrigens mit gezeichnetem Cover im Tattoo-Stil und das dicke Booklet enthält neben allen Texten richtig gute Fotos, auf denen zwar kräftig gepost wird, die die Grenze zum Peinlichen aber nie überschreiten und verdeutlichen, dass die Band, vor allem mit Gitarristin Anna, durchaus auch was fürs Auge bietet. Das Album sollte sich verkaufen wie geschnitten Brot, nicht nur in Sachsen, haha. 😉 Bleibt nur zu hoffen, dass sich das Ganze nicht irgendwann tatsächlich als „arglistige Toischung“ herausstellt und die talentierte Sängerin ihr Heil (wie zweideutig) wieder in politisch völlig verwirrten, gefährlichen, menschenverachtenden Kreisen sucht. 15 Songs in satten 54 Minuten. 2-. Günni

ALARMSTUFE RIOT – TOTE SZENE? CD

(www.rebellion-records.com) / (www.alarmstufe-riot.de)

„Alarmstufe Riot, dem Kult noch treu, Hardcore-Punk, Oi! Oi! Oi!“ Heftig klischeebeladen geht’s hier zur Sache. Metallischer Oi!-Punk, deutlich von den Onkelz beeinflusst, natürlich ohne deren Klasse zu erreichen. Dafür wirkt das Ganze mit seinen Texten über Verräter („Raus uns uns’rem Revier“), Penner („Deinen Iro, den stellst du niemals auf“) und Psychopathen („Knall ihn ab, knall ihn ab, ich knall ihn einfach ab“) zu aufgesetzt bzw. schlecht kopiert von anderen wütenden, pathosreichen Kombos und textlich irgendwie etwas neben der Spur. Interessanter wird’s da beim schweren, fast gothicartigen „Dein wahres ich“, bei dem sich der Gesang mit einer Dame geteilt wird. Apropos Gastsänger: DAILY-TERROR-Pedder darf bei „Suizid“ auch mal ans Mikro. Insgesamt ist mir das alles textlich wie musikalisch zu unausgereift. Die Texte können alle im Booklet nachgelesen werden, sind dort aber zum Teil etwas anders angegeben, als sie tatsächlich gesungen werden. Zehn Songs in 44 Minuten. 4-5. Günni

DIE ARBEITSLOSEN BAUARBEITER – HEIMSPIEL Maxi-CD

(www.pukemusic.de) / (www.diearbeitslosenbauarbeiter.de)

Chemnitzer Funrock-Kapelle mit einer Maxi-CD über Fußball. Vier deutschsprachige Songs, die größtenteils vom Chemnitzer FC bzw. dessen Lokalrivalitäten handeln und somit ausschließlich für Chemnitzer Regionalligafußball-Begeisterte von Interesse sein dürfte. Außerdem lispelt der Sänger. Läuft knapp zwölf Minuten, in denen auch der Stadionsprecher aus Karl-Marx-Stadt und die Südkurve mal zu hören sind. Ohne Wertung. Günni

DIE PARASITEN – WAT FOTT ES, ES FOTT… CD

(www.dieparasiten.net) / (www.antirockstar-industries.com)

Obwohl nach drei EPs und einem Album schon die fünfte Veröffentlichung dieser Kölner Fast-All-Girl-Combo, höre ich mit der neuen Platte zum ersten mal von den PARASITEN – und bin überrascht! Supergeil produzierter, rockiger, poppiger deutschsprachiger Punkrock mit einer VERDAMMT GEILEN weiblichen Stimme! Sängerin rAff kann richtig gut und vor allem kraftvoll singen (besser als „Deutschrock“-Trullas á la Christina Stürmer und Konsorten), aber auch rotzig oder aggressiv klingen und variiert perfekt, jeweils passend zur Musik, die größtenteils recht flott, aber extrem eingängig ist und so manchen Ohrwurm zu bieten hat. Zusätzlich aufgelockert wird das Ganze mit vereinzelten Saxophon und Klaviereinsätzen. Und keine Sorge: Die trotz des Albumtitels glücklicherweise nicht in Mundart vorgetragenen Texte sind gänzlich unpeinlicher, meist persönlicher Natur und überschreiten eigentlich lediglich bei „Gefunden“ ein wenig die Grenze zum Kitsch. Ist aber nicht schlimm, denn gleich der nächste und damit letzte Song lautet „Kein Punk mehr“ und ist ein ganz schönes Brett, das auf ironische Weise Szeneregeln und –zwänge thematisiert, wobei der Ausbruch aus jenen ein Freiheitsgefühl ähnlich dem vom Ausbruch aus der Gesellschaft, der die meisten ja erst in die Punkszene trieb, erzeugen kann. Die Band scheint wenig Wert auf Etiketten zu legen und ich gehe davon aus, dass es ihr ziemlich Schnurz sein wird, ob man sie nach diesem Album dem Punkrock, dem „Deutschrock“ oder dem radiotauglichen Pop zuordnen wird. Die Texte sind im Booklet nachzulesen, aufgrund der lupenreinen Produktion aber sehr gut zu verstehen. Zehn Songs in 35 Minuten, Anspieltipp: „Kein Plan“. Tolle Band, tolle Platte! 2. Günni

BÖWLRIDER – BIG ROCK MOUNTAIN HIGHS CD

(www.risingrecords.co.uk) / (www.bowlrider.co.uk)

Schweinerock mit tiefen Gitarren, bollerndem Bass und erdigem bis überdrehtem Wechsel-Gesang verschrieben sich BÖWLRIDER aus Brighton und versuchen, jegliche Innovationen, die es seit den 70ern gegeben hat, geflissentlich zu ignorieren – zumindest laut Promo-Wisch. Trotzdem covert man mit „In ’N’ Out Of Grace“ einen Song von MUDHONEY und kommt meines Erachtens durchaus frisch und unverbraucht rüber. Die basslastige Produktion klingt dann für mein ungeübtes Ohr auch eher nach Moderne denn künstlich auf alte Kacke getrimmt. Keine verkehrte Platte, die sich für Fans solcher Mucke ganz bestimmt lohnen wird. Sowohl Fetthaarrocker- als auch Punk’n’Roller-kompatibel. Texte sind leider keine abgedruckt, dafür gibt’s Fotos und Infos zu den Bandmitgliedern. 13 Songs in ca. 58 Minuten inkl. eines mehr oder weniger versteckten Bonus-Live-Tracks, Anspieltipp: „Rhino Rhide“. Ohne Wertung. Günni

ABENTEUER WILDNIS – IRGENDWIE GLÜCKLICHER CD

(http://fizz-records.com) / (www.abenteuerwildnis.de)

Wäre diese Scheibe von „Nix Gut“ gekommen und mir als der neue Deutschpunk-Knaller angekündigt worden, hätte ich wahrscheinlich nach dem ersten Song ausgemacht. Glücklicherweise nimmt der Beipackzettel aber kein einziges mal das Wort „Punk“ in den Mund, denn mit der abenteuerlichen Wildnis sind mitnichten unsere subkulturellen Weiten oder das sich „Gesellschaft“ nennende Bootcamp gemeint, sondern vielmehr die zwischenmenschlichen Gefühlsebenen, über die untermalt von Indie-Pop/-Rock 15 Songs lang leicht nasal gesungen wird. Dieses geschieht in deutschen Texten, die mich stellenweise zum Schmunzeln brachten, auf einem gewissen sprachlichen Niveau auf unaufdringliche Weise, ohne pseudointellektuelles Geschwafel, aber auch ohne musikalische Ausflüge in härtere Gefilde. Radiotauglicher Pop-Rock mit dezenten Synthie-Einsätzen, der keinem wehtut, das aber auch gar nicht beabsichtigt und mir mit insgesamt 56 Minuten Spielzeit etwas zu lang geraten ist. Kommt mit einem nett gestalteten Booklet, das alle Texte enthält. Nur mit Subkultur, der Ausrichtung unseres kleinen Online-Fanzines, hat das Ganze nun wirklich nichts zu tun… Anspieltipp: „Mischen“. Ohne Wertung. Günni

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