Gnnis Reviews

Category: Tonträger (page 12 of 28)

EINSTURZ – KONFRONTATION CD

(www.nix-gut.de) / (www.einsturz.com)

Uuaaah, heftigst klischeebeladener Deutschrock irgendwelcher Gymnasiasten, der sich als Punk auszugeben versucht, wie die Kopie einer Kopie einer Kopie klingt und mit seinem drittklassigen Pathosgehabe hochgradig nervt. Spätestens beim Schlager (!) „Wir wollen Kannen, keine Teller, keine Pfannen“ war dann auch der letzte Funken meines guten Willens aufgebraucht, dem Dargebotenen irgendetwas positiv abzugewinnen. Geht gar nicht! Da hilft auch die schicke CD im Vinyl-Stil mit draufgepressten Rillen nichts mehr. Das Booklet besteht zur Hälfte aus „Nix Gut“-Werbung, der Rest sind schlimme Fotos und Texte. 13 Songs in 42 Minuten. 5. Günni

DOGS ON SAIL – WALKING WITH GODS CD

(www.dogsonsail.de)

Diese norddeutschen Straßenköter sind mir schon mit ihrer vor ein paar Jahren veröffentlichten 5-Song-Scheibe „Rules / No Rules“ positiv aufgefallen und setzen ihren individuellen Stil auf dem Ende letzten Jahres endlich erschienenen ersten Longplayer konsequent fort: Ohrwurm-Melodien, Texte und Interpretationen selbiger zwischen Aggression und Melancholie, die sowohl beim HC als auch beim Pop mit einem Sänger, der mit seiner kratzigen Stimme beides beherrscht, mal anklopfen und untermalt von streetpunkigen Chören über das Leben und die damit einhergehenden Probleme wie Aggressionen, Süchte und der Suche nach dem eigenen Platz, der Position in dieser Welt berichten. Absoluter Überhit ist dabei das fast schon nordisch-folkige, melancholische „Tell Me“, das es als Bonus auch als Akustik-Version mit Akkordeon zu hören gibt. Astreine Hymne! Aber auch der Großteil der restlichen in deutscher und englischer Sprache vorgetragenen Songs überzeugt mit nachdenklichen Texten und hohem Hit-Faktor. Was da für Melodien aus dem Ärmel geschüttelt werden, ist nicht von schlechten Eltern und kann sich verdammt noch mal hören lassen! Das einzige, was mir aufstößt, ist die sporadisch eingesetzte zweite Stimme, die im Opener noch halbwegs hinhaut, in anderen Songs aber einfach nicht passt. Da sie die starken Songs aber nicht zu versauen vermag, kann man da geflissentlich drüber hinwegsehen. Live ist die Band besonders durch Sänger, Entertainer und Rampensau Stulle eine echte Granate – was mich zu folgender Bemerkung hinreißen lässt: Das Album wurde komplett in Eigenregie herausgebraucht und hat keinen Vertrieb oder ähnliches. Leider ist die Band anscheinend etwas unbeholfen, wenn es darum geht, ihre Scheiben unters Volk zu bringen und Konzerte klarzumachen, so dass ich hier eine klare Empfehlung abgeben möchte – ich denke, man hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn man ihr etwas unter die Arme greifen würde. Also, wer durch diese Kritik neugierig geworden ist, kann auf der Band-Website reinhören und Kontakt für etwaige Gigs, die Aufnahme der Platte in den Mailorder-Katalog o. ä. aufbauen. 2. Günni

THE DALTONZ – S/T EP

(www.uvpr.fr) / (www.myspsace.com/thedaltonz)

Franzosen-Oi!, teils in Landessprache, teils auf Englisch, der sich hören lassen kann und mich vom Sound her an Perkele erinnert, wobei der Sänger aber anders klingt. Zu Texten und Aufmachung kann ich nichts sagen, da mir nur eine CD-R vorliegt (das Label verschickt keine Vinyls…), aber wer auf schnörkellosen Skinhead-Oi!-Sound mit einem gewissen Gefühl für Melodie steht, macht hiermit sicher nichts falsch. Leider nur drei Songs. 2. Günni

BADLANDS – WHEN ANGELS ARE CRUCIFIED CD

(www.rebellionrecords.nl) / (www.myspace.com/pitbullrocknl)

Diese holländische Skinhead-Band war mir bislang lediglich vom Namen her ein Begriff, was sich durch dieses mir nun zum Rezensieren vorliegende Album geändert hat. Wer hier typischen Oi!-Sound erwartet, liegt völlig verkehrt. Sowohl Cover als auch viele der düsteren (englischen) Texte würde ich eher dem Horrorpunk-Subgenre zuordnen denn klassischem Oi!-Punk/Skinhead-Rock’n’Roll. Den meisten Songs liegt eine traurige/melancholische Stimmung zugrunde, was dann auch in vielen balladesken, teils sogar nur per Akustik-Klampfe vorgetragenen Songs Ausdruck findet. Teilweise erinnert mich das Dargebotene auch etwas an weniger ’billyeske Songs der TIGER ARMY bis zu relaxten SOCIAL-DISTORTION-Songs – allerdings jeweils ohne den charismatischen Gesang. Wer durch diese Beschreibung neugierig geworden ist, kann ja mal reinhören, ich werde mit der Scheibe nicht so richtig warm… Die Texte können im schlichten schwarzen Booklet nachgelesen werden, eine Vinyl-Version soll wohl auf Bandworm Records folgen. Zwölf Songs in 40 Minuten, Anspieltipp: „If You Wanna Know The Underground“ (der einzige Song, der mir wirklich gut reinläuft). 4. Günni

SMALL TOWN RIOT – SELFTITLED LP/CD

(www.true-rebel-records.com) / (www.smalltownriot.de)

Wie soll ich halbwegs objektiv über eine Platte schreiben, die von einer Band stammt, deren Wege ich seit ihrer Gründung begleite und auf der mir eine bewegende Hymne, schlicht “Günni” betitelt, gewidmet wurde? Ich versuche es einfach mal: Mit „Selftitled“ legt die aus Hamburg bzw. dem Hamburger Umland stammende Band ihren zweiten Longplayer vor, der sie abwechslungsreich wie eh und je, aber musikalisch weiter gereift und dadurch fast noch souveräner als zuletzt bereits auf der genialen „Skulls & Stripes“-EP und dem Kult-Split-Album „Let The Bombs Fall…“ präsentiert. In diesem Falle kann ich es tatsächlich nicht besser formulieren als der Beipackzettel, der die Songs als „irgendwo zwischen herzzerreißenden Melodien und dem Dreck von der Straße“ beschreibt. Der Sound des übrigens weitaus besser als der Erstling produzierten Albums lebt von seinem Variantenreichtum, ohne dabei das Wesentliche, nämlich ehrlichen Streetpunk mit reichlich Melodie, zu vernachlässigen. Ob nun das dreckige Intro, der pop-punkige Opener „Addicted To Authority“, der Punk’n’Roll-Dorfpunk-Hit „Working Class Family“, der HC-Kracher „No Unity“, inkl. von Bassist Rolf gebrüllter unmissverständlicher Ansage („Diese Modeopfer sollen sich wieder in ihr Studentenwohnheim verpissen!“), die bereits eingangs erwähnte melancholische Akustik-Ballade „Günni“ (einziger deutschsprachiger Song), das herrlich angepisste „Our Values (Once Again)“ oder der lupenreine Surf-Rock-Rausschmeißer „Elbstrand Rocker“ – hier reiht sich eine Perle an die andere und sie gewinnen von Durchlauf zu Durchlauf mehr an Glanz. Gesanglich ergänzen sich Lead-Gitarrist Norman und Drummer Timo ganz hervorragend, der mehrstimmige Gesang kommt besser denn je. Normans cleane Stimme, die auf dieser Platte sogar dann und wann in ungeahnte Höhen vordringt, ist ein klasse Gegenpol zu Timos kratzigem, aggressiverem Organ. Einige Songs, beispielsweise die der genialen „Lovesong Trilogy“, gehen ohne Pause ineinander über, was der Dichte des immerhin 17 Songs in nur 38 Minuten umfassenden Werkes gut tut. Musik wie Texte decken eine breite Palette an Emotionen ab: Aggression, Melancholie, Lebenslust und –frust, und das stets vollen Herzens – ganz gleich, ob es um zwischenmenschliche Beziehungen, Politik & Gesellschaft oder Spaß geht. Für ein Album, das es schafft, allem Abwechslungsreichtum zum Trotz ein so homogen wirkendes Gesamtwerk voller Spiellust und Seele abzugeben, kann es nur eine Wertung geben: ’Ne glatte 1! Die LP kommt in unschuldig-weißem Vinyl und mit bedruckter Innenhülle mit allen Texten und vielen Fotos und wurde auf 500 Exemplare limitiert. Zur CD im Digipak gibt’s ein fettes Booklet, in dem ebenfalls alle Texte nachzulesen sind, und ’nen witzigen Videoclip zu „Addicted To Authority“. Eine großartiges Platte! Günni

THE DETECTORS – TWENTYONE DAYS LP/CD

(www.true-rebel-records.com) / (www.detectors.co.nr)

Endlich! Der erste Longplayer der DETECTORS aus Neumünster, Schleswig-Holstein, ist da, die sich einem melodischen, energischem Streetpunk verschrieben haben, wie ihn Bands wie BOMBSHELL ROCKS und VOICE OF A GENERATION längst nicht mehr hinbekommen und der mich mit seinem elektrisierenden, schnodderigen Alarmgesang und seinen Ohrwurm-Melodien in höchste Verzückung versetzt! 13 englischsprachige Songs ohne jeden Ausfall, wovon „Tributary To Death“ und „Jimmy“ bereits von der klasse „No Freedom – No Liberty“-EP und „Turn Up The Radio“ vom „Let The Bombs Fall…“-Split-Album bekannt sind, für dieses Album aber noch einmal neu aufgenommen wurden. Besonders die Spielgeschwindigkeit, die hier bei vielen Songs an den Tag gelegt wird, hängt viele andere Genre-Vertreter um Längen ab und zwingt nahezu zu grobmotorischen Zuckungen, um dann und wann mal Platz für atmosphärische, wuchtige Mid-Tempo-Songs wie „Bombs Are Falling“ zu machen. Auch lyrisch bewegt man sich abseits jeglicher Plattitüden und beweist mit seinen kritischen Texten echte Songwriter-Qualitäten. Ein knackig und hochwertig produziertes Album einer genialen jungen Band, die auch live stets das volle Brett gibt und deren Auftritte ich jedem ebenso wie diese Platte, die in ihrer farbigen Vinyl-Version übrigens auf 500 Exemplare limitiert wurde und als CD im Digipak mit Booklet voll Texten und Fotos kommt, ans Herz legen kann. 33 Minuten Spielzeit, Anspieltipps: „Tributary To Death“, „I Keep My Mohawk“ etc. pp… 1. Günni

DIE SUPERFREUNDE – APFEL BIRNE CD

(www.trash2001.de) / (www.superfreunde.de.ms)

Intellektuellen-Studentenpolitpunk, der sämtliche aktuellen gesellschaftspolitischen Themen und Phänomene abhandelt – allerdings in 16 Songs (samt eines Interviews!) auf die Kernaussagen reduziert, damit auch ihr es versteht. Dass damit einher eine den einfachen Hörer nicht überfordernde musikalische Untermalung einhergeht, ist obligatorisch. 29 Minuten, Anspieltipp: „Nieder mit dem Frauenpack“. Ohne Wertung. Günni

THE CRAKEELS – S/T CD-R

(www.myspace.com/thecrakeels)

Drei Songs enthaltende Demo-CD einer jungen Kieler/Hamburger Band, die sich kraftvollem, melodischem Streetpunk in englischer Sprache verschrieben hat. Die Aufnahmen sind zwar etwas lo-fi, aber der Opener „Fame“ knallt besonders durch seinen Refrain mit kräftigem Chor gut rein. Auch die anderen beiden Songs bieten prollige Chöre, rotzigen, rauen Gesang und Melodien, die hängen bleiben. Meines Erachtens ist die Band reif für ’ne zünftige EP-Veröffentlichung. Bleibt zu hoffen, dass ein fähiges Label aufmerksam wird. Drei Songs in acht Minuten. 2. Günni

THE RUDES – JOIN THE ARMY EP

(www.uvpr.fr) / (www.myspace.com/rudesturone)

Geil! Frisch klingender Oldschool-Oi! (das geht) aus Frankreich mit englischen Texten, die ich aufgrund meiner CD-R-Version (das Label verschickt keine Vinyls…) aber nicht nachlesen kann. Im Original wird aber wohl laut Infozettel ein Einleger dabei sein. Die Mucke passt auf jeden Fall, die Chöre geben alles und die Produktion ist gelungen. Leider nur drei Songs. 2. Günni

BRDIGUNG – KEIN KOMPROMISS CD

(www.antirockstar-industries.com) / (www.brdigung.com)

Die vier Jungs von BRDIGUNG sehen noch recht jung aus und haben gerade ihr Debüt-Album fertig gestellt, das einen interessanten Stilmix aus technisch gekonntem, melodischem Metal-Punk und modernem Streetrock bietet. Die deutschen Texte der zwölf Songs versuchen den Spagat zwischen persönlichen, wütenden bis melancholischen Inhalten und Gesellschaftskritik, der stellenweise aber noch ziemlich gezwungen-bedeutungsschwanger klingt und in Sachen Glaubwürdigkeit doch einige Abstriche ggü. anderen Vertretern des Genres machen muss. In ihren besten Momenten lassen aber die späteren ONKELZ grüßen und das ist, besonders in Anbetracht der GEILEN Sologitarre, die die eine oder andere feine Melodie hervorzaubert und sich hinter keinem Metal-Gitarrenwichser zu verstecken braucht, doch schon mal was. Ein Song wie „Ohne Dich“ hat fast schon Gänsehaut-Qualitäten, bei Plattitüden wie „Ich werd Pilot (und dann seid ihr alle tot)“ ist aber Schluss. Und wenn ich die ach-so-hasserfüllten Texte in Vergleich mit den im übrigens alle Texte enthaltenden Booklet unvorteilhaft posenden Milchbubis setze, wundert es mich nicht mehr, dass es dem klaren Gesang an Aggressivität mangelt – Jungs, an der „Credibility“ müsst ihr noch arbeiten. Eine EP mit den besten Songs dieses Machwerks wäre mit Sicherheit eingeschlagen, so hat das Album aber seine Längen. Musikalisch ist aber ein hohes Potential gegeben, das Hoffnung auf mehr macht. Anspieltipp: „BRDigung“. 43 Minuten Spielzeit. Wohlwollende 3. Günni

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