Gnnis Reviews

Category: Tonträger (page 19 of 28)

PROPAGANDA NETWORK – PAROLE PAROLE PAROLE CD

„Polit-Punk“ schrieb man sich auf die Fahnen und brettert dementsprechend los… in deutscher Sprache und mit sperrigen Texten, die man irgendwie versuchte, in Punkrock-Songs zu quetschen. Das gelingt leider oft nicht sonderlich und klingt dadurch sehr verkrampft und bemüht. Schade, denn es sind tatsächlich ein paar wirklich gute Songs darunter, wie „Konvexspiegel“, „Ein Fortschritt zurück“ oder „Flensburger Memme“ – Songs eben, die den eng gesteckten „Polit-Punk“-Rahmen verlassen und dadurch mehr künstlerische Freiheit offenbaren. Hätte man ’ne 4-Song-EP draus gemacht, wär’s ein Knaller geworden. So aber bleibt ein durchwachsenes Album, das einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt. An der Aufmachung gibt’s hingegen nix zu meckern: Glänzendes Digipack mit schickem Booklet mit allen Texten. Zwölf Songs in 35 Minuten. 3-. Günni

KREFTICH – STIL LOS! CD

(www.nix-gut.de) / (www.kreftich.de)

„Stillos“ ist das nach zwei in Eigenregie veröffentlichten CDs erste „richtige“ Album der drei Dinslakener sicher nicht, im Gegenteil: Was ich da höre, weiß meinen geplagten Ohren durchaus zu schmeicheln. Es gibt zwölf mal melodischen, deutschsprachigen Punkrock ohne Metal-Einflüsse, meist recht flott und schnörkellos dargeboten, darunter ein Offbeat-Stück. Nicht zuletzt durch seinen leicht näselnden Gesang erinnert mich das etwas an eine Mischung aus WIZO und älteren MUFF POTTER oder so… Das Songwriting ist, auch, wenn’s hier und da noch etwas holpert, im Großen und Ganzen unpeinlich gelungen und schweift oft ins philosophische ab, ohne dabei zu hippiesk zu werden. Textlich direkter wird’s dann bei Songs über Gesetzestreue, vermeintliche Hip-Hop-Gangster („doch bewegen wollt ihr nichts/ihr wollt nicht, dass was passiert/weil euer ganzer Scheiß nur auf Wettbewerb basiert/jeder will der Beste sein, ihr liegt damit im Trend der Zeit/ihr nennt euch Bewegung, obwohl ihr stehen bleibt“), Plastikmusik oder auch beim naiv-fröhlichen Urlaubssong „Graues Deutschland“. Hervorheben möchte ich noch den Song „Eigenbrötler“, bei dem man zunächst geneigt ist, zu glauben, es ginge um einen „Penner-Punk“, obwohl letztendlich ein Computer-N3rd gemeint ist – keine Ahnung, ob das beabsichtigt war, kommt jedenfalls gut. Die Texte kann man alle im fetten, schön gestalteten Booklet nachlesen, das dem glänzenden Digipak beiliegt. Alles in allem eine gute Debüt-Scheibe, die trotz der philosophischen Ausflüge eher unbeschwert daherkommt. Irritiert hat mich aber die Limitierung auf 2000 Exemplare, wovon anscheinend jedes einzeln nummeriert ist…?! Als ob es so schnell ginge, 2000 Einheiten einer recht unbekannten Band unter die Leute zu bringen… Zwölf Songs in 45 Minuten, Anspieltipp: „Auf der Suche“. 2-3. Günni

THE HEARTBREAK MOTEL – HANDGUNS MAKE THE MOST LOVE… CD

(Limited Access Records / Brooke-Lynn-Promotion)

THE HEARTBREAK MOTEL spielen melodischen, teils poppigen, teils rockigen Punkrock mit starker Indie-Rock-Kante und angerauhtem Gesang, der mich manchmal etwas an die BEATSTEAKS erinnert. Nun liegt mir das dritte Album der Recklinghausener zur Rezension vor und mir wird klar, weshalb die Band auf Veranstaltungen wie dem „MTV Campus Event“ auftreten darf: Sie passen mit ihrem modernen Sound- und Stil-Mix gut dorthin, gut vor ein größeres, junges Publikum, gut in die Indie-Disco am Stadtrand. Wie so oft bei derlei Bands muss mir aber auch hier zu oft der klassische Punkrock anderen musikalischen Einflüssen weichen, so dass mich auch dieser Tonträger nicht 100%ig zu überzeugen weiß. Dann irgendwie doch lieber BILLY TALENT. Viel mehr kann ich hierzu jetzt übrigens auch nicht schreiben, da ich nicht mal weiß, wie die einzelnen Songs heißen – man schickte mir eine Vorab-Promo ohne Titelauflistung, Booklet, Texte oder sonst irgendwas; stattdessen einen Zettel mit dümmlichem Gefasel wie „Stelle dir vor, ein ungebremster Geisterzug rollt auf Dich zu, angetrieben von purer Leidenschaft und Hingabe, jedoch ziellos und unberechenbar…“ Ich würde gern mal wissen, vor wie viele Geisterzüge Label bzw. Vertrieb schon gelaufen sind. Nicht zu fassen, sowas. Zwölf Songs in 41 Minuten, Anspieltipp: Lied 1 (gefiel mir noch am besten). 3-. Günni

THE RIPMEN – GRAVEYARD IN OUR MEMORIES CD

(www.wolverine-records.de)

Tribut-Alben stehen immer noch hoch im Kurs, so auch bei den Berliner Psychobillies der RIPMEN. Dieses Mini-Album enthält anscheinend ausschließlich Cover-Versionen von (Psychobilly-)Nummern aus den 80ern von MAD SIN, BATMOBILE, KLINGONZ, NEKROMANTIX… Tja, bin im Psychobilly-Bereich nicht so bewandert, als dass ich da jetzt mitreden oder Vergleiche zu den Originalen ziehen könnte. Jedenfalls haben bei den ersten sieben Songs jeweils Mitglieder der gecoverten Bands mit ausgeholfen und Soli eingespielt oder Backing-Vocals eingesungen. Song 8 – 11 werden als „Bonustracks“ angeführt (warum auch immer), darunter dann Songs wie „Death School“, „Tainted Love“ (das einzige Original, das ich kenne) oder das deutschsprachige „Blutrot“. Der Sound der RIPMEN ist recht düster, entsprechend kommt auch das Artwork im Horror-Comit-Outfit daher. Die Mucke ist recht ordentlich, allerdings scheint mir die Produktion etwas dünn. Da hätte man mehr rausholen können. Insbesondere die Bonustracks fallen klangtechnisch ab – stammen die evtl. von einer älteren VÖ? Ich hätte mir da einen aufschlussreicheren Promo-Zettel gewünscht… im zweiten Halbjahr soll übrigens der neue Longplayer, ebenfalls auf Wolverine, erscheinen. Elf Songs in 34 Minuten, Anspieltipp: „Broken Home“. 3. Günni

THE CLERKS FEAT. WASABI SUTO – ANTENNE OFFBEAT CD

(www.wolverine-records.de)

Drittes Album dieser rheinländischen Neo-Ska-/Ska-Punk-Combo, bei fünf Stücken mit Unterstützung von WASABA SUTO. Für mich persönlich das erste Mal, dass ich einen Tonträger der Ladenhüter auf die Ohren kriege. Der rasante Opener „Steh auf“ ist ein kleiner Hit und schafft es tatsächlich, mich zu verzücken – was danach folgt, ist allerdings wieder typischer, deutscher Pop-Neo-Ska-/-Reggae-Einheitsbrei, der mich eher nervt denn mich zum tanzen bewegt. Entweder zu langweilig, zu poppig, zu lahm, zu schnell, zu schwülstig, zu… ach, ich weiß auch nicht. Es ist einfach verdammt schwer, mir solche Mucke schmackhaft zu machen. Aber wer einen Song wie „You Shook Me All Night Long“ von AC/DC so grauenhaft entstellt, hat bei mir von vornherein schlechte Karten. Neben zwölf Studiosongs gibt’s zwei Live-Stücke, eine Dub-Nummer, ein Musikvideo und einen versteckten Bonustrack, in dem die Zielgruppe einen Song mitsingt, hehe. Letztendlich einfach nicht mein Ding – aber wer auf Bands wie SONDASCHULE und Co. schwört, wird diese Platte vermutlich mögen. Kommt inkl. farbigem Booklet zum Ausklappen mit Fotos. Über eine Stunde Spielzeit! Anspieltipp: „Steh auf“. 4. Günni

STEAKKNIFE – PARALLEL UNIVERSE OF THE DEAD CD

(www.rookierecords.de)

STEAKKNIFE melden sich mit ihrem vierten Studioalbum zurück, für das Gitarrist Demon zur Band zurückkehrte und der charismatische Lee Hollis (SPERMBIRDS, 2BAD) wieder seinen wütenden lyrischen Ergüssen freien Lauf ließ. Die Platte wirkt mit seinen oft recht kurzen Mid- und Up-Tempo-Nummern kompakt und wie aus einem Guss, kommt aber auch abwechslungsreich genug daher, um gut zu unterhalten. Gekonnt vorgetragener, ehrlicher Punkrock ohne Schnörkel, aber alles andere als stumpf oder altbacken, im Gegenteil. Wer STEAKKNIFE kennt, wird wissen, was ich meine. Der Hollis kann’s halt noch immer, auch wenn ich mich nach wie vor mit einigen Songs schwer tue, die mir nicht so recht reinlaufen wollen. Aber das war bei STEAKKNIFE schon immer so, von daher in jedem Falle eine solide Platte, die STEAKKNIFE-Fans verzücken wird. Kommt im matten Digipack mit allen Texten im Booklet aus Kartonpapier. 14 Songs in 32 Minuten. Anspieltipp: “Brainboy”. 3. Günni

BLACKOUT ARGUMENT – MUNICH VALOR CD

(www.bastardizedreckords.de)

Newschool-HC aus Deutschland mit melodischen, poppigen Indie-Refrains und persönlichen, englischen Texten… hmm… frei nach ROCKABILLY MAFIA: Das’ mir zu neu, ich steh’ auf Oi! und Punk, ich bin ein Punkrock-Boy. Im Ernst: Ist ‘ne 18-minütige Mini-CD mit sechs Songs, Gesang halt zwischen melodischem Gesäusele und Gebrülle/Geschreie, Mucke zwischen Metal, HC und Indie. Wer sowas mag, soll’s sich reintun, für mich ist das weder Fisch noch Fleisch. Ohne Wertung. Günni

MONDO GUZZI – LITTLE BEAST CD

(www.rookierecords.de)

Aus Mannheim kommend, präsentieren MONDO GUZZI einen sehr modernen Mix aus Schweinerock marke GLUECIFER, Punk und Indie-Rock; perfekt produziert und komplett in englischer Sprache. Mir ist das alles etwas zu weit weg vom Punkrock, hat aber dann und wann seine Momente. Zu Texten und Aufmachung kann ich mal wieder nichts sagen, da mir nur eine Promo-CD im Pappschuber vorlag. Genausowenig, wie sich die Band einem konkreten Genre zuordnen lässt, kann ich das Ganze beurteilen, da ich nicht weiß, nach welchen Maßstäben ich gehen sollte. “Selbst reinhören” lautet also die Devise. Zwölf Songs + In- und Outtro in 44 Minuten. Günni

ALI GATOR & HIS REAL HOT REPTILE ROCKERS – MOTORCYCLE BOUND CD

(Crazy Love / Cargo Distribution)

Lo-Fi-Oldschool-Rock’n’Roll/-abilly von RAY COLLINS (HOT CLUB), der sich hier unter einem Pseudonym austobt. Absolut authentischer Sound, könnte direkt so aus den 50ern stammen. Tatsächlich haben diese Aufnahmen aber nur zwischen einem und 13 Jahren auf dem Buckel. Tollenträger und Retro-Freaks werden in ihrem Element sein und auch ich kann mich einer gewissen Faszination nicht verwehren – wenn ich es auch nicht wirklich bewerten kann, da völlig außer Konkurrenz. Schade, dass die Gestaltung des Albums so gut wie nix hermacht (kein richtiges Booklet etc.). 14 Songs in 34 Minuten. Anspieltipp: “Aligator”. Günni

A.C.K. – EISKALT DIGIPACK CD

(www.europeanlabelgroup.com, info@europeanlabelgroup.com)

Weitestgehend metalfreier, deutschsprachiger Up-Tempo-HC-Punk der älteren Schule mit meist melodischen Refrains und angenehm rauhem Gesang. Sind durchaus ein paar Hits bei, besonders “USA” ist ein Ohrwurm. “Krank” hat Ska-Einflüsse und Bläsereinsatz und die Produktion ist unpompös und punkig. Natürlich gibt’s das volle Brett rudimentäre Sozial- und Gesellschaftskritik in den Texten, mal mehr, mal weniger parolenbehaftet. Alles nicht neu, aber besser gereimt und nicht so klischeehaft wie bei vielen Genre-Kollegen – von Ausrutschern wie “In diesem Land” mal abgesehen. Einige persönlichere Stücke um Selbstzerfleischung, Hoffnung, Moral und Kampfgeist bilden den Gegenpol, fügen sich aber ins Gesamtkonzept ein. Überflüssig finde ich die zusätzliche Akkustik-Version von “USA”. Alles in allem gefällt mir das Album besser als erwartet. Im Punkbereich guter, im aktuellen “Deutschpunk”-Bereich gehobener Durschschnitt. Genre-Fans sollten also aufmerken. Kommt im aufklappbaren Digipack mit allen Texten. 13 Songs + Outtro und Bonustrack (“Ace Of Spades”-Cover) in 41 Minuten, Anspieltipp: “USA”. 3. Günni

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