Gnnis Reviews

Category: Tonträger (page 28 of 28)

WEGWEISER – FREIFLUG FÜR SPATZENHIRNE CD

(www.wegweiser-band.de.vu) / (www.nixgut.de)

Kitschiger Pop-Punk/Pop-Rock mit Blechgebläse und schwülstigem, cleanem Gesang aus Ostfriesland. Inhaltlich gibt man sich größtenteils „alternativ“ (man macht seine „private anarchy“) und jammert auch mal rum („zu feige für den Suizid – ich hasse mich selbst“), zeigt sich größtenteils aber positiv und lebensbejahend. Ok, warum nicht, kann man ja mal – nur bitte nicht so ekelhaft hippie- und sozialarbeitermäßig. Beispiele gefällig? „Hat dich der Tag bereits am Morgen schon geschafft, liegt es nur an dir selbst, was du daraus noch machst. Ist auch die Wut in dir auf alle Welt ohne Maß, liegt es nur an dir selbst, dass sie nicht umschlägt in Hass.“ / „Du stehst vor Abenteuern und brauchst nichtmal viel zu lernen. Alles, was du wissen musst, steht nicht mehr in den Sternen“. Gegen Ende wird’s einfach nur noch peinlich: „Wahre Liebe gibt es nicht, du glaubst, das ist ein Witz? Ich bin auf alle spitz!“ (wollte man da mal den Proleten mimen?) oder „Schalt‘ das Licht nicht aus, im Dunkeln hab‘ ich Angst“ (ach Gottchen)… aber wie singt „Hinni Hopeless“ (der Name ist Programm) in „Ode To The Outback“? „Ich bleib‘ hier in Ostfriesland!“ Na, ein Glück. So punkig und gefährlich wie die Jusos und so rebellisch wie ein Abend bei den Jesus Freaks. Nix Gut, 17 Songs. 5. Günni

FREIBEUTER AG – STRAFEN & KLAGEN CD

(www.freibeuter-ag.de) / (www.nixgut.de)

Nix-Gut-VÖ, dickes A im Kreis auf dem Cover, ein Sänger namens „Abfall“… und es ist gut! Ich befürchtete das Schlimmste, aber mitnichten. Auf Ihrem mittlerweile zweiten Album gibt’s ’ne grobe Kelle. Mid- bis Uptempo-Hardcore-Punk mit Gröhlgesang marke MURUROA ATTÄCK, an die sie mich nicht nur deshalb etwas erinnern. Die ausschließlich aus Punks, denen man das äußerlich auch ansieht, bestehende Band verarbeitet in ihren Texten übliche Themen wie das Selbstverständnis als Punk, Party, Verweigerung ggü. diesem und jenem und das leider recht holprig und nach dem „Reim dich oder ich fress‘ dich“-Prinzip. Positiv heraus sticht da der Song „Stimmen“, der von der Unverhältnismäßigkeit von Gerichtsurteilen handelt und einen Taschendieb einem Triebtäter gegenüberstellt. Die musikalische Qualität der Kraftvoll produzierten Songs reißt die textlichen Unzulänglichkeiten aber etwas raus, so dass unterm Strich ein bodenständiges, aggressives, pogotaugliches Punkalbum bleibt, das zu gefallen weiß. Gecovert werden TOXOPLASMA („Asozial“) und VERSAUTE STIEFKINDER („Alte Kameraden“). Einige der 11 Songs befanden sich übrigens schon in anderen Versionen auf dem ersten Album. 2-. Günni

ATEMNOT – UHRWERK ZWEITAUSENDSECHS CD

(www.nixgut.de)

„Atemnot, Blut und Tod, Hartz IV für das Volk, wir haben es nicht gewollt. Atemnot, aus Erfahrung Wut. Für den Staat: Streichholz und Benzin. Atemnot, Krieg und Not. Tod und Wahnsinn auf der ganzen Welt. Atemnot, wir geben nicht auf. Feuer und Flamme für den Rest der Welt.“ Naja… neues von ATEMNOT also. Einhorn hat mal wieder ’ne Reihe Musiker um sich geschart, die alle mit Wollmütze und Sonnenbrille aus dem Booklet grinsen, um ein neues Album einzuspielen. Für Iro-Poser-Fotos müssen diesmal andere herhalten, so z.B. der echt niedliche Kinderpunk auf dem Cover, mit E-Gitarre und Polizei-T-Shirt. Musikalisch geht’s eher rau und ungehobelt zu, teilweise Schrammel und Uffta-Uffta, aber auch nette Melodien, die hängenbleiben. Irgendwo zwischen deutschem Punk der 80er und Oi!. Die holprigen Klischee-Texte hätte allerdings kein Kidpunk (z.B. der vom Cover?) besser schreiben können, meine Fresse… Auszug siehe Anfang dieser Tonträgerbesprechung. Und was denkt man sich eigentlich dabei, einen Text über arbeitslose Ossis zu schreiben („Wendeopfer“), die aus Frust nach unten treten und miese Rassisten werden, im Refrain aber zu singen: „Ein kleines Stück DDR wollen wir zurück, ohne Mauern, Nazis und Stasidreck. Wir wollen Leben schlicht und einfach soll es sein, in Ruhe und Frieden tagaus tagein“?! 1. Was hat das mit dem Rest des Textes zu tun und 2. was hätte das ganze dann noch mit der DDR zu tun?! Der Vogel abgeschossen (bzw. aufs Einhorn gespießt) wird dann bei „Das ist Deutschland“: „Wir haben keine Arbeit, wir haben kein Geld, der Staat kümmert sich lieber um den Rest der Welt. Deutschland spendet, Deutschland zahlt. Unsere Familien werden nicht satt.“ Stammtisch olé! Wirklich gut finde ich hingegen „Wilhelm B.“, wo mit einfachen Worten über einen Opa erzählt wird, der beide Weltkriege und anschließende Kriegsgefangenschaft mitmachte. Geil auch der letzte Song, ein Instrumentalstück namens „Das letzte Haus links“, das wohl eine Hommage an den alten Horrorfilmklassiker sein soll. Schön morbide. Die CD kommt im Digipak mit farbigem, gut aufgemachtem Booklet inkl. Texten (inkl. einiger herber Rechtschreibfehler) und, oh, da ist ja doch noch Einhorn mit Poser-Iro. Nix Gut, 13 Songs inkl. PC-Video-Track. 4. Günni

ALARMSIGNAL – NAZIS NEHMEN UNS DIE ARBEITSPLÄTZE WEG CD

(www.alarmsignal-punk.de.vu) / (www.nixgut.de)

„Lustiger Titel“, war mein erster Gedanke. ALARMSIGNAL aus Celle spielen erfrischenden, dynamischen, deutschsprachigen Punkrock ohne Hardrock-, Metal- oder Offbeat-Anleihen. Geht gut nach vorne los und wurde auch gut produziert. Geht etwas in Richtung FLUCHTWEG, aber mit mehr Pfeffer im Arsch. Teilweise wird’s auch sehr eingängig, allerdings ohne nach WIZO oder Konsorten zu klingen. Rotziger, akzentuierter Gesang, der m.E. stellenweise noch etwas dreckiger sein könnte, aber das ist nur mein persönlicher Geschmack. Kräftige Chöre runden das Hörvergnügen ab. Textlich gefällt’s mir überraschend gut, wenn ich auch nicht alles so unterschreiben würde. Man gibt sich sozialkritisch und kämpferisch, und das weitgehend unpeinlich. Etwas persönliches gibt’s auch noch, das lockert die Platte ebenso auf wie die eher humoristischen, mit einem Augenzwinkern vorgetragenen Nummern wie „Hartz IV (Scheißen ohne Spülen)“ oder der Titelsong. Meine Favoriten sind „Piraten“ und „Scheinheiliges Pack“. Das Booklet kommt mit allen Texten und man hat sich sogar die Mühe gemacht, zu jedem Song noch Linernotes zu verfassen. Das Cover allerdings hätte gute Chancen auf den Titel „hässlichstes Cover 2006“. Die Bandmitglieder gammeln im Arbeitslosen-White-Trash-Outfit vorm Arbeitsamt rum und der Dicke rechts sieht dabei aus, also hätte er dem magersüchtigen Hängeiroträger neben ihm das Essen geklaut – seit 10 Jahren. Wer auf flotten, angepissten, spritzigen Punkrock steht, mit den anderen Nix-Gut-VÖs aber nichts anfangen kann, sollte trotzdem mal ein Ohr riskieren. Gibbet ja für billich. Interessante junge Band. 16 Songs + ein versteckter, 2. Günni

Nachtrag: Offensichtlich sind (Edit 2015: möglicherweisen waren) zwei Mitglieder der Band bei den „Jesus Freaks“ und einer außerdem beteiligt an der Band „CHRISTCORE“, die offen als christliche „Punk“band auftritt, aufgrund ihrer Plattheit zum Glück aber von den Meisten als Realsatire aufgefasst wird. Nichtsdestotrotz kommt das ALARMSIGNAL-Album glaubwürdig rüber und das Thema Religion wurde komplett ausgeklammert. Dennoch stehe ich auf dem Standpunkt, dass Religion Privatsache ist und sein muss und religiösen, missionierenden Organisationen wie z.B. den „Jesus Freaks“ kein Fußbreit in der Punkszene gewährt werden darf. Inwieweit er trotzdem diese Band unterstützt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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