Gnnis Reviews

Category: Tonträger (page 4 of 28)

BRDIGUNG – TOT ABER LEBENDIG CD

(www.brdigung.com) / (www.antirockstar.de)

Kiek an, wat neues von der BRDIGUNG. Das Debütalbum vor zwei Jahren fand ich ja noch durchwachsen, konnte aber viele gute Ansätze erkennen. Und jetzt? Hat man fast alles richtig gemacht. Die Jungs spielen immer noch ihren treibenden Metal-Punk, aber die geniale Lead-Gitarre kommt noch geiler rüber und fiedelt sich einen ab, dass manche Metal-Band vor Neid erblassen dürfte. Der Gesang ist rauer geworden und die düsteren, ausschließlich in deutscher Sprache vorgetragenen Texte sind besser. Dabei wird ein breites Spektrum abgedeckt: Von persönlich bis kritisch, dabei oft voller Pathos und manchmal etwas ZU dick aufgetragen, aber nur noch selten holprig, dafür umso öfter richtig gut. Und glücklicherweise beließ man es bei einem einzigen selbstbeweihräucherndem Song der Frankfurter Schule. Kräftige Refrains zum Fäusteballen, ein paar Chöre zum Mitgrölen und eine fette Produktion machen das Vergnügen perfekt. Im alle Texte enthaltenden Booklet präsentiert man sich mit professioneller Gestaltung und ebensolchen Bandfotos stylisch ohne Ende. Für Punk-Puristen ist das sicherlich nichts; aufgeschlossenere Menschen, die bei den Begriffen „Metal“ oder „Streetrock“ nicht gleich panisch die Flucht ergreifen, sollten aber unbedingt mal reinhören. Wem bereits das Debüt zusagte, kann blind zugreifen. Eine beachtliche Steigerung – von dieser Band wird man noch viel hören. 14 Songs in 48 Minuten ohne einen einzigen Ausfall! 2. Günni

BORDERPAKI – 1362 CD

(www.borderpaki.de) / (www.sn-punx.de)

BORDERPAKI aus Schleswig-Holstein gibt es mittlerweile schon seit 15 Jahren, trotzdem ist das dritte Album das erste, das ich in Gänze zu hören bekomme – bisher kannte ich die Band nur von Sampler-Beiträgen. Zu deutschsprachigem Gesang wird flotter, gekonnter, aber recht überraschungsarmer Punkrock der melodischeren Form dargeboten, dessen Riffs immer mal wieder verdächtig an die anderer Bands erinnern – zumindest teilweise aber beabsichtigt. Rübis Gesang ist klar und die von ihm vorgetragenen Texte pendeln zwischen Klischee, Betroffenheitslyrik und nicht recht zünden wollendem Humor auf der einen und norddeutschen Themen wie Sturmfluten (daher auch der Titel), Seefahrerromantik und bissiger Systemkritik auf der anderen Seite. Lyrisch ist man sehr bemüht, was mal mehr, mal aber auch weniger fruchtet, z.B. wenn sich „Maybach“ auf „Reibach“ reimt o.ä… Produziert ist das recht ordentlich, der Gesang kommt gut rüber und ist verständlich. „1362“ ist für mich ein durchschnittliches „Deutschpunk“-Album mit einigen guten Ansätzen. Etwas mehr Eigenständigkeit würden BORDERPAKI aber gut zu Gesicht stehen. Vom Bodensatz ihres Ex-Labels „Nix Gut“ sind sie aber glücklicherweise viele Seemeilen entfernt. Das Booklet enthält alle Texte und wurde ansprechend in Schwarzweiß gestaltet. Warum allerdings der Promo-Wisch die Band anpreist wie Sauerbier und dabei keine noch so abgedroschene Phrase auslässt, will mir nicht in den Sinn. Das finde ich echt peinlich und möchte ich an dieser Stelle aber nicht speziell auf Band bzw. Label gemünzt verstanden wissen, sondern auf ALLE Bands und Labels, die sich einem nicht näher definierten Underground zugehörig fühlen, aber derartige Werbeschreiben verbrechen. Nix für ungut. Zwölf Songs in 42 Minuten. 3. Günni

DIE ARBEITSLOSEN BAUARBEITER – LIVE IM SO36 BERLIN CD

(www.diearbeitslosenbauarbeiter.de) / (www.pukemusic.de)

DIE ARBEITSLOSEN BAUARBEITER aus Karl-Marx-Stadt haben im Dezember 2009 ein Live-Album im Kreuzberger SO36 aufgenommen, das zu beurteilen mir schwer fällt, da ich bisher quasi nichts von der Band kannte. Musikalisch würde ich das als Funpunk mit ein wenig Asi-Charme à la LOKALMATADORE oder so einordnen. Der Live-Sound klingt sehr ordentlich und macht Laune, scheint eine gelungene Party gewesen zu sein. Ein paar Ohrwürmer sind ebenso dabei wie Coverversionen der TOTEN HOSEN („Auswärtsspiel“), von BLUR („Song 2“) und von J.B.O. („Ein Fest“). Die Platte hat viel Energie und verleitet zum hektischen Mitwippen und Biertrinken, was das gut zu hörende Publikum sicherlich auch tat. Dem tut auch der lispelnde Sänger keinen Abbruch. Ohne lange Ansagen oder Pausen folgt ein Song auf den nächsten, bis nach 18 an der Zahl nach 48 Minuten der Ofen aus ist. Für Freunde der Band bestimmt eine gute Wahl, zumal die Songs – obwohl ich die Originale gar nicht kenne – klingen, als würden sie um einiges flotter als auf den Studioalben vorgetragen werden. Als Bonus wurden noch drei Videos auf die CD gepresst, davon ein im Proberaum aufgenommener Clip sowie zwei Live-Clips vom Konzert. Ohne Wertung. Günni

EXKREMENT BETON – SCHÖN, STUR, ARROGANT CD

(www.plastic-bomb.de) / (www.myspace.com/exkrementbeton)

Von dieser Band habe ich mir ehrlich gesagt mehr versprochen. Die Platte dümpelt musikalisch langweilig vor sich hin, die Texte sind nichtssagend bis daneben und ich frage mich, worauf die Selbstverliebtheit der Band fußt. Einfachster Midtempo-Punkrock mit rauem Gesang, was ja nicht schlecht sein muss, hier aber so dermaßen durchschnittlich und austauschbar dargebracht wird, dass mir schon beim Schreiben dieser Kritik die Augen zufallen. Ein Lichtblick ist das SCHLEIMKEIM-Cover „Ich schau in deine Augen“, der Rest ist wenig memorabel. Und so richtig scheiße ist „Brandenburg“, eine Coverversion von STEAMs „Na Na Hey Hey Kiss Him Goodbye“. Als CD-Bonus gibt’s die „Jetzt wird’s schmutzig“-EP, die noch mal schrammeliger, aber dafür charmanter klingt. Nee, da hat Plastic Bomb schon wesentlich interessantere Bands herausgebracht. Im Booklet gibt’s Texte und Fotos und die Spielzeit beträgt 40 Minuten bei 15 Songs + Intro. 4. Günni

SUPABOND – NARBEN CD

(www.plastic-bomb.de) / (www.myspace.com/supabond)

SUPABOND haben sich ja zurecht einen guten Namen erspielt und dieses Album wird mit Sicherheit dazu beitragen, dass dieser wie selbstverständlich fallen wird, wenn es um wütenden, engagierten, deutschsprachigen Punkrock geht. Diese Platte ist ein echter Kracher geworden. 15 kurze Songs lang geht’s in bester TOXOPLASMA-Manier ab wie die Lutzi, getragen von der hervorragenden Sängerin. Die Texte sind eher persönlicher Natur, klischeefrei und eigenständig. Gefällt mir echt gut und es freut mich, dass heutzutage doch noch solche Platten rauskommen und Bands diesen Sound spielen, ohne längst Vergangenes zu kopieren oder in beschränkten Allgemeinplätzen zu verharren. Authentisch, kraftstrotzend und voller Energie – Respekt! Allzu viele Worte will ich auch gar nicht weiter verlieren, hört euch diesen Wirbelsturm einfach selbst an – ihr werdet es nicht bereuen. Einzig die NOTDURFT-Coverversion von „Süße Heimat“ gefällt mir im Original besser. Die Texte sind im Booklet nachzulesen und das Hörvergnügen dauert 34 kurzweilige Minuten. 2. Günni

DIE SHENKS – ENDLICH ACHTZEHN – JETZT EIN GLÄSCHEN SEKT CD

(www.platzda-produktion.de) / (www.dieshenks.de)

Auf dem Bandfoto dominieren graumeliertes bis nicht vorhandenes Haupthaar (ok, ehrlich gesagt nur bei 2/5), es handelt sich also augenscheinlich um eine Altherrencombo, die es noch mal wissen will. Dementsprechend entspannt wird der melodische Punkrock in deutscher Sprache vorgetragen, der durchaus etwas Hymnisches hat, mir persönlich aber zu sehr mit angezogener Handbremse unterwegs ist. Nee, jetzt mal Butter bei die Fische: Das ist vollkommen austauschbares Lala-Gedöns, die Stimme des Sängers ist scheiße und die Texte ebenso. Vermutlich ein Hobby-Projekt, das besser nie die Garage des fast abbezahlten Eigenheims verlassen hätte. Können auf lokalen Stadtfesten auftreten, wo die bierbäuchigen Mittvierziger-Kumpels an der Festzeltgarnitur zustimmend nicken und zuprosten, aber mehr auch nicht. Trotzdem möchte ich der Band ein gewisses Gespür für gefällige Melodien attestieren, die angereichert mit Tempo, Wut und so etwas wie Attitüde vielleicht mal zu richtigen Punk-Nummern reifen könnten, sofern man das überhaupt will. Zur Aufmachung kann ich nicht viel sagen, da mir nur eine Vorab-Version im Pappschuber vorliegt. Zum Glück nur fünf Songs in zwölf Minuten. 5. Günni

DIE LOKALMATADORE – SÖHNE MÜLHEIMS CD

(www.teenage-rebel.de) / (www.lokalmatadore.com)

Alles beim Alten bei den Lokalmatadoren. Das heißt: 70er-Jahre Blues- und Glamrock beeinflusster Proletarier-Punkrock mit Texten aus dem völlig normalen Leben, die dabei helfen, über eigene Eskapaden humoristisch hinwegsehen zu können. Eine Therapie-Platte für den Asi in uns, sozusagen. Bei „Surfin’ Tolstoi“ wird sogar astrein gesurft, Songs wie „Pipi machen, Zähne putzen, ab ins Bett!“ und „Arsch voll Kot“ haben das Zeug zu Hymnen und mit der PETER & THE TEST TUBE BABIES-Coverversion „Lokalverbot“ („Banned From The Pubs“) qualifiziert man sich auf jeden Fall fürs Achtelfinale gegen England. Und wer nicht nur spaßeshalber im Proberaum zu Easy-Listening-Sound das Alphabet rülpst, sondern es wirklich fertig bringt, das auf Platte zu pressen, hat bei mir ohnehin einen Stein im Brett vorm Kopf. Die Hitdichte eines „Heute ein König… morgen ein Arschloch“-Albums wird zwar nicht erreicht, aber wer schafft das schon? Die CD kommt mit Booklet mit allen Texten, und vermutlich gilt wieder: Wer alle Coverversionen und Plagiate errät, bekommt einen Keks (voll Kot). 16 Songs in 31 Minuten. 2. Günni

KALTFRONT – LIVE ’88 CD

(www.kaltfront-dresden.de)

Neuauflage der ausverkauften KALTFRONT-Live-LP auf CD, die das Cottbusser Konzert vom 09.12.1988 enthält. Die Scheibe wurde mit sechs Bonustracks angereichert, der Sound nochmals nachbearbeitet und ein zwölfseitiges Booklet mit Songtexten und alten Fotos sowie einem Zitat aus einem alten Fanzine erstellt. Das sieht nicht nur gut aus, sondern kann sich auch hören lassen – die Dresdner Punk-Pioniere mit ihren durchdachten, teilweise melancholisch bis düsteren Texten wurden in der Vergangenheit von mir bereits wohlwollend besprochen und der Live-Sound dieser Scheibe ist natürlich nicht mit heutigen Maßstäben vergleichbar, aber für eine alte DDR-Aufnahme echt in Ordnung. Gefällt mir gut und ist wunderbar authentisch und von historischer Bedeutung. Herrlich auch die Coverversionen alter Punkklassiker im Zugabenteil in schönstem Fantasie-Englisch, haha. Wer an der „Zieh dich warm an“-Zusammenstellung Gefallen fand, wird auch mit dieser CD etwas anfangen können. Und wer generell an DDR-Punk interessiert ist, KALTFRONT aber bisher noch nicht kannte, sollte schnellstens mal ein Ohr riskieren. Sinnvolle Vergangenheitsaufarbeitung. 18 Songs in 67 Minuten. Ohne Wertung. Günni

RADIO HAVANNA – LAUTER ZWEIFEL CD

(www.fatsound.de) / (www.radiohavanna.de)

RADIO HAVANNA, ex-Thüringer Wahlberliner, haben sich geschmackssicher nach dem grandiosen RANCID-Song benannt, auf ihrem dritten Album aber nicht viel mit dem rauen Ami-Streetpunk gemein. Hier regiert sehr zeitgemäß (sprich: klar und fett) produzierter „Melodicore“ mit derben Gitarrenwänden und sehr akzentuiertem, sehr gut verständlichem, deutschem Gesang. Man gibt sich kritisch und engagiert und lässt auch Raum für Persönliches. Das klingt natürlich nicht sonderlich eigenständig, aber sehr gekonnt umgesetzt. Der Sound dürfte ein jüngeres Publikum ansprechen, das sich gern an Szenegrößen wie ANTI-FLAG, PENNYWISE etc. verdingt und den eingängigen Soundtrack zu Skateboardfahren, Biertrinken im Park und Pogo sucht. So in etwa zumindest. Mir ist das etwas zu steril und die großen Hits, die solche Bands aus der Masse hervorheben, fehlen dann leider doch. Etwas mehr „Spirit“ hätte der Platte gutgetan. Zur Aufmachung kann ich nichts sagen, da mir nur eine Promo-Version im Pappschuber vorliegt. 11 Songs in 35 Minuten. 3-. Günni

MOFAKETTE – RESTSCHLUCK CD

(www.toxic-toast.de) / (www.mofakette.de)

MOFAKETTE stammen aus Stuttgart und spielen auf ihrem Longplay-Debüt sehr eingängigen, deutschsprachigen Punkrock mit Melodie, Chören und immer einem Bein im Rock’n’Roll. Das läuft ganz angenehm durch, tut aber auch keinem so wirklich weh, wozu die zwar unpeinlichen, aber auch unspektakulären Texte über Wochenendgestaltung, Liebe und ein wenig Gesellschaftskritik das Ihrige beitragen. Das klingt für mich an bisschen, als wäre das dem Versuch geschuldet, besonders eigenständig und klischeearm zu sein, wobei mir einfach das gewisse Etwas fehlt. Der Sänger singt größtenteils leicht angeraut und die Produktion ist gelungen; nicht zu dünn, nicht überproduziert. MOFAKETTE fallen nicht sonderlich auf, weder angenehm, noch unangenehm. Live zur Untermalung einer Party aber bestimmt nicht schlecht und spannender als aus der Konserve. Das im Comic-Stil gezeichnete Cover ist dafür ein echter Hingucker und im Booklet gibt’s alle Texte mit- und nachzulesen.
13 Songs in nur 30 Minuten. 3. Günni

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