Gnnis Reviews

Category: Tonträger (page 8 of 28)

SYSTEMFEHLA – MEDIENEVENT CD

(www.nix-gut.de) / (www.systemfehla.de)

„Im Westen nichts Neues“ nennt sich ein Song dieser Band aus Hannover, und das gleiche möchte ich ihr attestieren: Bemühter, für das Label so typischer „Deutschpunk“, der am Hörer vorbeirauscht, ohne dass großartig was hängen bliebe oder wirklich Spaß machen würde. Der Sänger nervt mit seiner dünnen, klaren Gymnasiastenstimme extrem und die gesellschaftskritischen Texte pendeln zwischen gar nicht mal schlecht („Empathie“, „Freie Menschen“) und doof („Deutschpunk“, „Punkerbande“, wobei letzterer eine Abwandlung der Affenbande mit der gestohlenen Kokosnuss ist – hier wurde allerdings Sternburger Bier geklaut…). Mit „Greif nach den Sternen“ gibt’s ein eingedeutschtes Cover von SOCIAL DISTORIONs „Reach For The Sky“, welches dann auch prompt zusammen mit „Freie Menschen“, bei dem Gunnar von DRITTE WAHL als Gastsänger fungiert, den besten Song dieses Albums darstellt. Wally von TOXOPLASMA und Micro von den ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN dürfen dann auch noch mal mitträllern, retten die Platte aber auch nicht mehr. Das Booklet enthält Fotos und sämtliche Texte. 19 Songs + Intro in 58 Minuten. 4. Günni

ABBRUCH – EINFACH NUR MUSIK CD

(www.pukemusic.de) / (www.abbruch-musik.de)

Das Gute vorweg: Die Jungs beherrschen ihre Instrumente. Das war’s dann aber auch schon fast, was es Positives über das Album der drei grinsenden Sauberpunks aus Berlin zu berichten gibt. Nein, lieber Infowisch, das klingt NICHT nach den ÄRZTEN und erinnert mich auch nicht an die frühen GOLDENEN ZITRONEN. Das ist völlig aufgesetzter, unglaubwürdiger Kinder-„Deutschpunk“ mit schiefen Gesängen und zum Teil fürchterlichen Lala-Melodien, der sich über satte und ermüdende 19 Songs in 65 Minuten erstreckt und besonders immer dann, wenn er versucht, witzig zu sein, das genaue Gegenteil davon ist. Zwar haben sich zwischen die klischeebehafteten Texte auch ein, zwei passable geschlichen (allesamt nachlesbar), aber als Gesamtkunstwerk ist das unerträglich! Da kann man der Band die Spielfreude noch so sehr anmerken und das Booklet noch so liebevoll gestaltet worden sein – ich bin froh, dass ich’s jetzt hinter mir hab. 4-. Günni

LUCIFER STAR MACHINE – STREET VALUE ZERO LP/CD

(www.nicotinerecords.com) / (www.luciferstarmachine.com)

Das zweite Album der Punk’n’Roller aus London, zugleich das erste, das ich rezensieren darf, bedient sich der härteren Spielart des Subgenres und jagt Punkrock, Rock’n’Roll, Psychobilly und Schweinerock durch den Mixer, um das Gebräu die immer mal wieder stark an HC-Shouter erinnernde Kehle herunterzugurgeln, es anschließend wieder hochzuwürgen und uns ins Gesicht zu rotzen. Ich persönlich bevorzuge nach wie vor die Originale der jeweiligen Genres oder smartere Versionen wie THE BONES oder SMALL TOWN RIOT, für ’ne zünftige Prollparty sind L.S.M. aber sicher zu haben. Mir wirkt das etwas zu aufgesetzt und uninspiriert, passt aber gut zur Flammenhemd.Fraktion und auf die Biker-Party. Ok, das liest sich jetzt wirklich mieser, als es letztendlich ist. Moderner, harter Genre-Mix eben, der sich weniger um Originalität als um gute Party schert. Reinhören. Leider kann ich so gar nichts zur Aufmachung des Albums sagen, da mir nur ’ne Vorab-Version fast ohne alles vorliegt. Zwölf Songs + Intro + versteckter Bonustrack (rausgebrülltes „Hound Dog“ – nee, danke.) in ca. 35 Minuten. Anspieltipp: „Built To Last“. 3-. Günni

ALL TIME HIGH – FRIENDS IN HIGH PLACES CD

(www.nicotinerecords.com) / (www.myspace.com/alltimehighrock)

Als “Seattle Rock” angekündigt, erweisen sich ALL TIME HIGH aus – wer hätt’s gedacht – Seattle glücklicherweise nicht als NIRVANA-Rip-Off. Ihr Debüt besteht tatsächlich aus diesem irgendwie für die Region typischen Sound aus Punk- und Bluesrock, Garage und Stoner-Zeug und wurde, authentischer geht’s kaum, von Jack Endino abgemischt, der sich bereits bei Bands wie NIRVANA, TAD, MUDHONEY und SOUNDGARDEN als Produzent verdingen durfte. Ha, erinnert mich schwer an meine Pubertät in den 90ern, gar nicht schlecht. Kenner wissen jetzt ohnehin schon, wohin die Reise bei dieser Band geht, der Rest wird mit dem Kopf schütteln und konstatieren, dat wär’ ja gar keen Punk. Ist tatsächlich auch mehr die gesetztere Variante des Seattle-Krachs, Aggressivität oder Pogotauglichkeit findet sich hier kaum. Wirkt aber irgendwie erfrischend auf mich – trotz den nichtssagenden Covers. Leider kann ich darüber hinaus so gar nichts zur Aufmachung des Albums sagen, da mir nur ’ne Vorab-Version fast ohne alles vorliegt. Zwölf Songs in 42 Minuten. Anspieltipp: „Tight Rope“. 2-3. Günni

SICK OF SOCIETY – WEEKEND ANARCHY CD

(www.sickofsociety.de)

Nanu? Laut Info hat dieses süddeutsche Trio schon so einiges an Tonträgern auf den Markt geschmissen, entzog sich bislang aber vollständig meiner Kenntnisnahme. Die mir vorliegende D.I.Y.-Scheibe enthält, darf man der Selbstdarstellung der Band Glauben schenken, „Porn’n’Roll“ – wer nun aber niveaulosen Scheißdreck erwartet, liegt verkehrt. Das ist astreiner, melodischer, hymnischer HC-Punk/Punkrock mit kritischen Texten in fast ausschließlich englischer Sprache, der sich nicht zu verstecken braucht. Geht gut ins Ohr und ist prägnant genug, um dort auch hängenzubleiben. Bei „It’s All In Vain“ darf sogar geskankt werden und der einzige Song in Muttersprache „Endstation Bahnhofsklo“ könnte fast von SUPERNICHTS stammen. Durch den manchmal näselnden Sänger erinnert mich die ganze Chose angenehm an BASH! und Konsorten, wobei S.O.S. aber um einiges härter und schneller sind. Einige Songs weisen starke HC-Einflüsse auf („The Wall“ z. B.) und werden dementsprechend aggressiver gesungen. Ok, den mehrstimmigen Gesang bekommen andere sicherlich besser hin, aber viel mehr zu meckern gibt’s hier nicht. Sympathische, solide, gut produzierte Scheibe, der ihr unbedingt mal eine Chance geben solltet! Die CD gibt’s für lächerliche 5,- € (+ 2,- € P&V) direkt bei Oliver Kast, Römerstr. 26, 89269 Vöhringen und verfügt übrigens über einen professionell gestalteten Computer-Part mit Songtexten, Infos und sogar fünf Videos. Vier davon bestehen aus Live-Bildern, eines ist eine witzige Strichmännchen-Animation. 16 Songs + Intro in 34 Minuten (da weißte Bescheid). Glatte 2. Günni

AGAINST ME! – THE ORIGINAL COWBOY LP/CD

(www.fatwreck.com) / (www.againstme.net)

Nun hat mich also auch eine Scheibe von AGAINST ME! erwischt. In diesem Falle handelt es sich um die laut Info in nur wenigen Stunden aufgenommenen und abgemischten Demos zum „As The Eternal Cowboy“-Album. Gut, dass man das dazugeschrieben hat, denn wie klassische Demos klingen diese spitzenmäßigen, druckvollen Aufnahmen nun wirklich nicht. Damit wären wir auch schon beim Knackpunkt dieser Rezi: Ich kenne das „As The Eternal Cowboy“-Album nicht. Noch nie gehört, nix, nothing, nada. Diesem Umstand geschuldet, kann ich die Demos natürlich auch nicht in direkten Vergleich setzen. Alles, was ich sagen kann, ist dass die Songs eigenständiger, klischeefreier Punkrock mit paar Country- und Folk-Einflüssen sind, die deutlich aus dem Fat-Wreck-Programm herausstechen. Den großen Hype um diese Band verstehe ich dennoch (noch?) nicht und ob der geneigte Fan diese Demo-Aufnahmen braucht, kann ich nicht beurteilen und muss jeder für sich selbst wissen. Zur Aufmachung kann ich auch nix sagen, da man mir nur eine Vorab-Version im Pappschuber schickte. Lediglich acht Songs in nur 22 Minuten. Ohne Wertung. Günni

THE MOCHINES – THE EAGLE HAS LANDED CD

(www.nicotinerecords.com) / (www.myspace.com/themochines)

Vor ein paar Jahren hatte ich das Debüt-Album dieser südafrikanischen, seinerzeit von mir noch fälschlicherweise als US-Band bezeichneten, Combo bekommen, das ich zwar nicht schlecht fand, aber auch kein wirklicher Hammer war. Deshalb kann ich den MOCHINES eine gewaltige Steigerung attestieren, die ihnen auf dem nun vorliegenden Folgewerk gelungen ist. Knackiger, flotter, frischer Punk’n’Roll, der richtig Laune macht und neben der mitreißenden Mucke besonders durch den frechen, rotzigen Gesang punktet, der das Ganze noch weiter nach vorne peitscht. Der kann ebenso aggressiv singen wie in ungeahnte Höhen vordringen. Wer dabei stillsitzen kann, muss unter Ganzkörperlähmung leiden. Super produziertes Partybrett, das sofort Lust auf ekstatische Zuckungen macht. Nicht zu lahm, nicht zu prollig, einfach genau richtig und verdammt wild. Yeah, Baby, Yeah! Vom ersten bis zum letzten Song wird hier am Rad gedreht, wobei bei mir am meisten die Hymne auf den jüngst verstorbenen Stuntman EVIL KNIEVEL hängen blieb – klasse! Vom Rock’n’Roller über den Punkrocker bis zur Glam-Tunte dürfte diese Platte jeden wegblasen. Mein Highlight der letzten Wochen! Lediglich das ROSE-TATTOO-Cover „Nice Boys“ find’ ich mittlerweile etwas ausgelutscht. Leider kann ich so gar nichts zur Aufmachung des Albums sagen, da mir nur ’ne Vorab-Version fast ohne alles vorliegt. Zwölf Songs in 43 Minuten. 2. Günni

FALSE ALARM – FUCK ’EM ALL WE’VE ALL READY (NOW) WON! CD

(www.nicotinerecords.com) / (www.myspace.com/falsealarmrecords)

Die L.A.-Chaoten von FALSE ALARM haben sich bereits zu Beginn der 80er gegründet, aber nicht soviel gebacken bekommen. 1996 gab’s die erste Reunion mit ’nem Mini-Album und 2001 die zweite. Seinerzeit schrieb man ein komplettes Album (für das Dee Dee Ramone das Cover zeichnete), veröffentlichte dieses aber erst 2006. Dieses wurde dank des italienischen Labels „Nicotine Rec.“ nun auch in Europa veröffentlicht. Währt halt alles etwas länger bei dieser Band – aber wird auch alles gut? Kann man schon so sagen. Diese Platte enthält herrlich authentischen, altmodischen Punkrock mit 1000 klassischen Einflüssen, hat Ecken und Kanten, Melodien, geile Mid-Tempo-Grooves und Angepisstheit. Für Freunde der gediegenen Old-School-Unterhaltung dürfte das was Leckeres sein, bei mir kommt’s jedenfalls ganz gut an. Der Anfang von „Youth Gone Mad“ klingt aber so dermaßen nach „Chaos“ von den 4-SKINS, dass ich schon mit ’ner Cover-Version rechnete. Is’ aber nich’. Leider kann ich so gar nichts zur Aufmachung des Albums sagen, da mir nur ’ne Vorab-Version fast ohne alles vorliegt. 14 auf dem Cover angegebene Songs + einem Bonustrack in 44 Minuten. Anspieltipp: „Horrible Life“. 2-3. Günni

ROCK ROTTEN’S 9MM ASSI ROCK’N’ROLL – QUO VADIS CD

(www.asphalt-records.de) / (www.9mm-rock.com)

Rock Rotten, ehemaliges Mitglied der V8WANKERS, mit dem zweiten Album seiner aktuellen Band – das erste, das ich zu hören bekomme. Und da bin ich auch ganz froh drüber, denn diese deutschsprachige Mischung aus Schweinerock und Metal mit Brüllgesang zündet bei mir überhaupt nicht. Diese aufgesetzte Härte, mit der unter permanentem Double-Bassdrum-Geballer die holperig gereimten deutschen Texte herausgebrüllt werden, geht mir tierisch auf den Sack und ist ganz, ganz weit davon entfernt, Erinnerungen an glorreiche ONKELZ- oder ROSE-TATTOO-Alben wachwerden zu lassen. Hier fehlt’s an lyrischem Geschick, musikalischer Abwechslung und vor allem an Seele. Das Album wirkt auf mich total stumpf, anstrengend und unsexy. Da kann die Aufmachung im Digipak mit Vollfarb-Booklet voller Fotos und allen Texten (inkl. Rechtschreibfehler…) noch so gediegen daherkommen, das ist einfach nix für mich. Übrigens: Es müsste wohl eher „Asi“ statt „Assi“ heißen – oder soll es sich hierbei um „Assistenten-Rock’n’Roll“ handeln…? Ich geb ’ne knappe 4 wegen ein, zwei netten Refrains. 10 Songs in 40 Minuten. Günni

HIGHSCHOOL NIGHTMARE – NIGHTMARE HIGH CD

(www.true-rebel-records.com) / (www.pukemusic.de) / (www.myspace.com/highschoolnightmare)

Nachdem Timo von SMALL TOWN RIOT vor einiger Zeit eine Solo-Horrorpunk-EP unter dem Namen HIGHSCHOOL NIGHTMARE ganz allein eingespielt hatte, hat sich, zunächst nur für Live-Auftritte, schnell eine richtige Band bestehend aus Ritchy (THE VARANES) und Benny um ihn geschart, die nun unter Beteiligung am Songwriting den Longplayer eingezimmert hat. Dieser ist verdammt abwechslungsreich ausgefallen, man hat das enge Horrorpunk-Korsett also abgestreift und bedient sich auch weiterer Spielarten des Punkrocks, covert sogar gekonnt die BEATLES („Should Have Known Better“). Will sagen: Glücklicherweise kein weiterer überflüssiger MISFITS-Klon. Das Album beginnt vielversprechend mit dem Ohrwurm „Sick Sad World (Hellcome To Well)“ und, siehe da, es hält dieses Niveau fast durchgehend. Die melodischen Songs zwischen poppig, melancholisch und wütend schmeicheln mit ihren Refrains und Chören den Gehörgängen des Zuhörers und überraschen hier und da mit dezent eingesetzten Gastinstrumenten wie Klavier oder Mundharmonika. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Melodien sich jedes Mal aufs Neue aus drei Akkorden zaubern lassen und muss Timo & Co. hier abermals attestieren, dafür ein verdammt gutes Händchen zu haben. Ein Blick in die Texte (nachzulesen im sehr schön gestalteten Booklet) macht deutlich, dass durchaus „punktypische“ Themen abgedeckt werden, aber eben alles ein wenig dicker aufgetragen, morbider und/oder schnulziger als üblich, was der Verbundenheit zum Horrorpunk-Subgenre geschuldet ist und eben die Besonderheit dieser Band ausmacht. Die vier Hits der EP wurden übrigens neu aufgenommen und zwischen die neuen Songs gefügt. Bei ihnen vermisse ich etwas den ungehobelten Lofi-Klang der EP-Versionen, aber dafür fügen sie sich gut in das Gesamtwerk ein, das – keine Sorge – auch alles andere als überproduziert oder glattpoliert wurde. Mit „Song For The Blue“ gibt es übrigens die Fortsetzung des VARANES-Hits „Travelling Heart“ in Form einer sehr geilen Ballade, neben dem genialen „Are You Lonely“ DIE Oberschnulze (im positiven Sinne) des Albums. Als Fazit sach ich ma: Horrorpoppunk’n’roll vom Feinsten, der da an der Nightmare High unterrichtet wird! Vinyl soll übrigens Ende Mai aus dem Presswerk kommen. 16 Songs in 44 Minuten. 2. Günni

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