Gnnis Reviews

Category: Tonträger L

DIE LOKALMATADORE – SÖHNE MÜLHEIMS CD

(www.teenage-rebel.de) / (www.lokalmatadore.com)

Alles beim Alten bei den Lokalmatadoren. Das heißt: 70er-Jahre Blues- und Glamrock beeinflusster Proletarier-Punkrock mit Texten aus dem völlig normalen Leben, die dabei helfen, über eigene Eskapaden humoristisch hinwegsehen zu können. Eine Therapie-Platte für den Asi in uns, sozusagen. Bei „Surfin’ Tolstoi“ wird sogar astrein gesurft, Songs wie „Pipi machen, Zähne putzen, ab ins Bett!“ und „Arsch voll Kot“ haben das Zeug zu Hymnen und mit der PETER & THE TEST TUBE BABIES-Coverversion „Lokalverbot“ („Banned From The Pubs“) qualifiziert man sich auf jeden Fall fürs Achtelfinale gegen England. Und wer nicht nur spaßeshalber im Proberaum zu Easy-Listening-Sound das Alphabet rülpst, sondern es wirklich fertig bringt, das auf Platte zu pressen, hat bei mir ohnehin einen Stein im Brett vorm Kopf. Die Hitdichte eines „Heute ein König… morgen ein Arschloch“-Albums wird zwar nicht erreicht, aber wer schafft das schon? Die CD kommt mit Booklet mit allen Texten, und vermutlich gilt wieder: Wer alle Coverversionen und Plagiate errät, bekommt einen Keks (voll Kot). 16 Songs in 31 Minuten. 2. Günni

LAUTSTARK – SPURLOS AUFGETAUCHT CD

(www.7us.de) / (www.lautstark-rockt.de)

Ich dachte schon, es ginge nicht mehr mieser als EGOTRIP, doch weit gefehlt – das gleiche Label hat das Album von LAUTSTARK verbrochen: Auf Radiotauglichkeit getrimmter, deutschsprachiger Emo-Poprock, vorgetragen von drei Milchbubis der Sorte Schwiegermamis Liebling. Das hat nun wirklich so dermaßen überhaupt gar nichts mit Punkrock zu tun, dass ich beim dritten Song, einer ganz fiesen Heulsusennummer, ausgemacht habe und mich weigere, mir diese konstruierte gequirlte Kacke weiter anzuhören. Was soll ein Online-Fanzine wie Crazy United mit sowas?! Booklet mit Texten und pipapo, elf Songs in 36 Minuten. 6. Günni

LUCIFER STAR MACHINE – STREET VALUE ZERO LP/CD

(www.nicotinerecords.com) / (www.luciferstarmachine.com)

Das zweite Album der Punk’n’Roller aus London, zugleich das erste, das ich rezensieren darf, bedient sich der härteren Spielart des Subgenres und jagt Punkrock, Rock’n’Roll, Psychobilly und Schweinerock durch den Mixer, um das Gebräu die immer mal wieder stark an HC-Shouter erinnernde Kehle herunterzugurgeln, es anschließend wieder hochzuwürgen und uns ins Gesicht zu rotzen. Ich persönlich bevorzuge nach wie vor die Originale der jeweiligen Genres oder smartere Versionen wie THE BONES oder SMALL TOWN RIOT, für ’ne zünftige Prollparty sind L.S.M. aber sicher zu haben. Mir wirkt das etwas zu aufgesetzt und uninspiriert, passt aber gut zur Flammenhemd.Fraktion und auf die Biker-Party. Ok, das liest sich jetzt wirklich mieser, als es letztendlich ist. Moderner, harter Genre-Mix eben, der sich weniger um Originalität als um gute Party schert. Reinhören. Leider kann ich so gar nichts zur Aufmachung des Albums sagen, da mir nur ’ne Vorab-Version fast ohne alles vorliegt. Zwölf Songs + Intro + versteckter Bonustrack (rausgebrülltes „Hound Dog“ – nee, danke.) in ca. 35 Minuten. Anspieltipp: „Built To Last“. 3-. Günni

LOS KRACHOS – GEGENWIND CD

(www.bandwormrecords.de)

Die Rostocker LOS KRACHOS liefern hier ein schönes, derbes Punkbrett in (fast ausschließlich) deutscher Sprache ab, kurzweilig, humorvoll und mit dem richtigen Gefühl für mitgrölkompatible Refrains und kleine, feine Melodien, die im Ohr bleiben. Erinnert mich an Bands wie z. B. AGENT KRÜGER, die in eine ähnliche Kerbe schlagen. Der kehlige Gesang haut einem Texte um die Ohren, die zu verstehen man kein abgeschlossenes Germanistik-Studium an einer Hamburger Schule benötigt und mal mehr, mal weniger geschliffen negative Auswüchse des kapitalistischen Systems, Deutschtümelei und die Zwänge der Gesellschaft anklagen und die eigenen Lebensentwürfe gegenüberstellen, was dann z. B. im nihilistischen Opener „Scheißegal… jetzt!!!“ mündet und mit „Nichts-Nutz“ eine astreine Hymne für den Punk-Nachwuchs hervorbrachte. Solch sehr direkten Texten stehen aber auch der eine oder andere nachdenklichere Song wie z. B. „10 Sekunden“ gegenüber. Bei „Treibjagd in Gotham City“ und „Undine (weine nicht um deine schönen Pferde)“ wird man dann Zeuge des schrägen Humors der KRACHOS und mit „…sagen alle“ hat man eine Art inoffiziellen Nachfolger zu FUCKIN’ FACES’ „Hey! Hey! Hey!“ geschaffen, haha. Die Platte geht gut nach vorn, rockt und, und das ist das wichtigste: Sie macht Laune! Die Texte sind im mit Fotos versehenen Booklet allesamt nachzulesen und Cover und die restliche Gestaltung des Digipaks sind hier mal richtig gelungen! 16 Songs in 43 Minuten. 2. Günni

LÜKOPODIUM – DENK LAUT ODER VERGISS ES CD

(www.nix-gut.de) / (www.luekopodium.tk)

Die Ösis von LÜKOPODIUM legen ihr mittlerweile viertes Album vor; flotter, kämpferischer deutschsprachiger Punkrock á la POPPERKLOPPER, bei dem man, wenn ich mich richtig an den Vorgänger erinnere, den Metal-Einfluss stark zurückfuhr und persönlichen Texten mehr Raum bot. Kommt insgesamt melodischer als die letzte VÖ, reißt mich aber immer noch nicht unbedingt vom Hocker. Trotzdem eine deutliche Steigerung. Freunde von A.C.K., POPPERKLOPPER und Co. werden vermutlich ihre Freude daran haben. 13 Songs in 44 Minuten, das schön gestaltete Farb-Booklet kommt mit allen Texten. Anspieltipp: „Ich will nicht mehr“. 3-. Günni

LADEHEMMUNG – SEID BEREIT! CD

(www.nix-gut.de) / (www.ladehemmung.com)

„Der Genre-Liebhaber wird ein neues Lieblingsalbum besitzen“, kündigt der Promozettel ziemlich größenwahnsinnig an. Solche Sprüche erweisen sich meistens als Eigentor, so auch bei dieser Hallenser Band von der Saale. Uninteressanter deutschsprachiger Punkrock/Streetrock mit Grölgesang, weder musikalisch noch textlich irgendwas Besonderes. Außer vielleicht „Bau auf“, das ist nämlich ganz besonders peinlich. Ok, „Wie es ist“ und „Auf die Pferde“ sind ganz in Ordnung, reißen das Album aber auch nicht mehr aus dem Sumpf der Durchschnittlichkeit. Die Texte kann der geneigte Hörer im Booklet nachlesen. 14 Songs in 44 Minuten. 4. Günni

LUNCHBOX – DON’T TEACH YOUR GRANDMOTHER HOW TO SUCK EGGS Mini-CD

(www.brotzeitdose.de)

Milchgesichtiger Pop-Punk/“Melodicore“ aus Süddeutschland in englischer Sprache, hier mit einer in Eigenregie veröffentlichten 6-Song-Mini-CD. Geht schnell ins Ohr, aber genauso schnell auch wieder raus. Teflon-Mucke – bleibt nix haften. Der Sänger klingt mir noch zu stimmbrüchig und der Sound der CD ginge für ein Demo in Ordnung, „gewaltig, intensiv und treibend“ (selbstgeschriebener Promo-Wisch) ist für mich aber was anderes. Überhaupt scheinen die Jungs ganz schön von sich überzeugt, loben sich in besagtem Promo-Zettel über den grünen Klee, protzen mit 4.000 „Friends“ bei MySpace (wow…) etc… und siezen Frank im Anschreiben, haha. 😀 Nicht ganz unpeinlich finde ich auch, sich selbst einen „Parental advisory“-Hinweis aufs Cover zu bappen und Telefonstreiche bei Plattenfirmen als versteckten Bonustrack mit auf die CD zu packen. Naja, aber spielen können ’se wohl ganz ordentlich. 4. Günni

LAST LINE OF DEFENSE – WE ARE THE STREET CD

(www.myspace.com/llod69)

Endlich da! Die Demo-CD der Wedeler (Schleswig-Holstein, nähe Hamburg) Oldschool-Hardcore-Combo! In Hamburg und Umgebung längst nicht mehr nur ein Geheimtipp, haben die in der lokalen Szene verwurzelten Jungs nun auf jeden Fall die überregionale Aufmerksamkeit verdient. Trockener, knackiger, wütender Hardcore von Leuten, die sowohl die Instrumente als auch Aussage und Attitüde beherrschen und authentisch und unangepasst loslegen. Die CD kommt für ein Demo verdammt professionell daher – sowohl, was die Aufmachung (farbiges Booklet mit allen Texten) als auch die Aufnahmequalität anbelangt. Wer die Band schonmal live sehen durfte, weiß, wie sie sich ins Zeug legt, alles gibt und eine geniale Show hinlegt. Das auf CD einzufangen ist nicht einfach, aber zumindest ansatzweise gelungen. Wird man noch eine Menge von hören, hier stimmt einfach alles! 6 Songs, mein persönlicher Hit: „Hard Times“! Gibt’s für 5,- EUR + Porto bei der Band. 1. Günni

LIMBUS – DEMO MMVI CD-R

(www.enterlimbus.com)

Überproduzierter NOFX-Klon aus Schweden mit einer recht professionell gestalteten 4-Track-Demo-CD. Die Gitarren sind zwar schön heavy, dem Rest fehlt es aber an Aggressivität und Eigenständigkeit sowie an Melodien, die nicht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder rausgehen. Handwerklich gut, aber ohne jeglichen Wiedererkennungswert. 4. Günni

LÜKOPODIUM – ÜBERWACHUNGSSTAAT CD

(www.luekopodium.tk) / (www.nixgut.de)

Metal-Punk mit deutschen Texten, wie er oft als „Deutschpunk“ bezeichnet wird, aus Österreich. Erinnern in ihren besten Momenten etwas an POPPERKLOPPER oder UNGUNST, erreichen aber nie die Klasse einer Band wie DRITTE WAHL z.B. Rauscht etwas an mir vorbei. Zwar variiert man das größtenteils recht flotte Tempo häufiger, nur leider nicht zugunsten von Melodie oder Wiedererkennungswert. Inhaltlich bietet man auch nichts Neues oder Außergewöhnliches, holpert sich aber nicht so sehr durch die Reime wie zahlreiche Kollegen. Der Gesang ist zum Glück akzentfrei. Booklet mit allen Texten, 10 Songs in 34 Minuten. 4+. Günni

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