Gnnis Reviews

Category: Tonträger P (page 1 of 2)

POPPERKLOPPER – WAS LANGE GÄRT, WIRD ENDLICH WUT! CD

(www.nix-gut.de) / (www.popperklopper.com)

Die Herren POPPERKLOPPER blicken mittlerweile auch schon auf ein über 20-jähriges Bestehen der Band zurück und haben sich auf ihrem neuen Longplayer weitestgehend vom ruppigen HC-Punk, wie ich ihn von alten Platten noch im Ohr habe, verabschiedet. Ich muss allerdings dazusagen, dass ich keines der jüngeren Erzeugnisse der Band so wirklich kenne und daher nicht beurteilen kann, ob hier ein radikaler Stilwechsel vollzogen wurde oder es sich um eine „natürliche Weiterentwicklung“ handelt; ich tendiere aber zu Letzterem. Den Gesang jedenfalls übernimmt immer noch das mir vertraute raue Organ, und jenes trägt die ausgewogen sozial- und kapitalismuskritischen und persönlichen Texte, z.B. über Drogenabhängigkeit und Liebeskummer, schön abwechselnd in deutscher und englischer Sprache vor, während der Rest der Band eine Mischung aus klassischem ’77-Punkrock und Streetpunk zelebriert und dabei insgesamt mehr Wert auf Melodie als auf Aggression legt. Das Album läuft ohne Ausfall, aber auch ohne allzu große Aha-Momente durch; eine grundsolide Angelegenheit, die mir bisweilen aber etwas zahm erscheint. Bei „Up In The Smoke“ kommt ein schönes Rock’n’Roll-Klavier zum Einsatz, in diese Richtung hat man sich also auch geöffnet. Gecovert werden THE BOYS mit „Contract Hustle“ und THE HEARTBREAKERS mit „One Track Mind“. Leider ist die Reihenfolge der Songs gegen Ende durcheinandergeraten und stimmt nicht ganz mit der auf dem Digipak angegebenen überein. Der eigentliche Hammer ist für mich hingegen das „Booklet“, das hier in Form einer Art Zeitung, „Der Popperklopper“, im Posterformat mit viel Humor und Liebe zum Detail gestaltet wurde. Das ist wirklich mal was Anderes und sehr gelungen! Zusätzlich enthalten ist darüber hinaus ein professionelles, vier Songs umfassendes Live-Video vom „Resist To Exist“-Festival 2008 in guter Qualität. 15 Songs in 43 Minuten. 3. Günni

DIE PUCKS – NOCH MEHR GEILE SCHEISSE! CD

(www.rilrec.de) / (www.diepucks.de)

Falls die Dresdner sich nach Puck, der Stubenfliege, benannt haben, sind sie ähnlich lästig wie seine Artgenossen, denn nach meinem unmissverständlichen Verriss des Debüts vor zwei Jahren fühle ich mich tatsächlich belästigt, nun auch noch mit dem Folgewerk betraut zu werden. Aber was soll’s, Ohren zu und durch. Ich muss zugeben, die Texte überraschen mich diesmal positiv. Die sind aus dem Leben gegriffen, durchdacht, klischeefrei, trotzdem mitunter kritisch und nachdenklich. Wirklich nicht schlecht. Nur leider ist die Mucke nach wie vor unerträglich. Der Sänger lispelt immer noch wie die Sau, die Sängerin klingt ausdruckslos und schief und das Schlagzeug wirkt oft neben der Spur. Trotzdem ist ein Fortschritt erkennbar, ganz so mies wie die erste Platte ist das nicht mehr. Manche Melodie klingt gar nicht verkehrt. Alles in allem ist das aber immer noch viel zu harmlos und nix, was meiner Meinung nach als vollwertiges Album auf die armen Fanziner losgelassen werden sollte. Obwohl das von Frank Ludes (NONSTOP STEREO) gestaltete Cover witzig gestaltet wurde, der übrigens zusammen mit Dirk von den SMELLY CAPS als Gastsänger dabei ist. Vollfarbiges Booklet mit allen Texten, 14 Songs in 34 Minuten. Texte: 2, Mucke: 4-5. Günni

PROPAGANDA NETWORK – ANTIEVOLUTION CD

(www.nix-gut.de) / (www.propagandanetwork.de)

Das Propaganda-Netzwerk schlägt wieder zu und präsentiert seinen zweiten Streich in Form eines neuen Albums voll wütendem, engagierten Polit-Punk in deutscher Sprache, der mal mehr, mal weniger zum Nachdenken anregt und mal mehr, mal weniger verklausuliert oder sperrig ist, aber in jedem Falle abseits von Klischees und Parolen durchdachte und reflektierte, auch mal persönlich-emotionale Lyrik in musikalisch fitte, treibende HC-Punksongs presst, die mir unterm Strich etwas besser gefallen als auf dem Vorgänger. Musikalisch besitzt die Band Eigenständigkeit, Talent und Wiedererkennungswert, wozu nicht zuletzt die markante Stimme des Sängers beiträgt. Ein interessantes Album auf einem gewissen Niveau, mit dem sich eine nähere Auseinandersetzung lohnen kann, wenn man Zugang zu den Texten bzw. deren Stil findet. Dabei helfen können die Linernotes, mit denen ein Teil der im schicken Booklet abgedruckten Texte versehen wurde. Großer Pluspunkt ist übrigens das tolle, zum Album passende, stimmige Cover, kleiner Minuspunkt hingegen für die Rechtschreibfehler im Booklet. Mit ihrem zweiten Album konnten sich PROPAGANDA NETWORK musikalisch noch mal steigern und untermauern, dass sie in ihrer Nische unserer Subkultur zu den besseren, interessanteren Bands gehören. 14 Songs in knapp 40 Minuten, wobei aus mir unbekannten der letzte Song als versteckter Bonus an Song 13 gehängt wurde. 2 (Mucke) bis 3 (Texte). Günni

PARANOYA – ATMEN LP/CD

(www.majorthreat.de) / (www.paranoya-online.de)

Holla, ganz schönes Brett! Schreibt der Beipackzettel noch ganz allgemeingültig von “verschiedenen Punkstilen” und “sowohl persönlich als auch sozialkritisch” angelegten Texten, bläst nach dem Ein- bzw. Auflegen der Scheibe ein ganz schöner HC-Sturm aus den Boxen, der allerdings tatsächlich immer mal wieder von etwas punkrockigeren Klängen aufgelockert wird. Erwähnenswert finde ich auf jeden Fall die Metal-Einflüsse, die hier und da immer mal wieder aufblitzen und ebenso wie die teils besorgniserregend wütenden Schlagzeugattacken das Salz in der musikalischen PARANOYA-Suppe darstellen. Auf der Produktionsseite wurde versucht, das Maximum rauszuholen, was ich persönlich in dieser Form jetzt nicht unbedingt gebraucht hätte, befindet sich das Ergebnis doch m. E. am Rande zum Überproduzierten. Aber passt schon. Die größtenteils deutschsprachigen Texte wirken in ihrer Mischung aus Pessimismus und Wut kämpferisch und aufrüttelnd. Hierbei fällt aber auf, dass die Texte sich größtenteils in recht starren Reimschemata bewegen, was sie, insbesondere im Zusammenhang mit dieser Art von Punk/HC, nicht in diesen Ausmaßen bräuchten. Die (wenigen) englischen Texte fallen allerdings deutlich ab. Mit diesem zweiten Longplayer (der erste ist mir gänzlich unbekannt und auch schon acht Jahre alt) ist den Jungs ein interessantes, abwechslungsreiches Album gelungen, bei dem es was zu entdecken gibt und das geradezu nach mehreren Durchläufen schreit! So habe ich mir auch noch keine abschließende Meinung gebildet, kann aber schon mit Gewissheit sagen, dass mir das Gehörte gefällt! Im Booklet wurden die Texte abgedruckt und individuell zu jedem Song grafisch anders unterlegt. 19 Songs in 46 Minuten, Anspieltipp: “Stadtrand”. 2-. Günni

DIE PROFIS – NEUE SENSATIONEN + ALTE GEHEIMNISSE CD

(www.teenage-rebel.de) / (www.myspace.com/dieprofis)

Scheiße, wer oder was ist DAS denn?! Eine völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratene Mod-Punk/Power-Pop-Band aus dem Düsseldorf zu Beginn der 80er Jahre, deren einzige LP „Neue Sensationen“ aus dem Jahr 1982 jetzt zusammen mit zwölf Bonustracks bestehend aus Sampler-Beiträgen, Demos und Aufnahmen der Vorgängerband STAIRS von Teenage Rebel Rec. ausgebuddelt und als CD neu aufgelegt wurde. Und das wurde angesichts der Qualität dieser Band auch verdammt noch mal allerhöchste Zeit, denn die fast ausschließlich deutschen Songs strotzen nur so vor Energie, Spielfreude und Kreativität inkl. unpeinlicher, direkter, GUTER Texte, die schon damals so manche Punkband alt haben aussehen lassen. Der perfekte Soundtrack zum Erwachsenwerden in einer spießigen Gesellschaft, die einem mit ihren Normen und Wertvorstellungen den letzten Nerv raubt, während man einfach nur zu guter Musik abfeiern und mit Mädels rumknutschen möchte. Erinnert mich teilweise an die alten ÄRZTE, nur reifer und mit mehr Pfeffer im Arsch. Das aber wirklich nur als GANZ grober Anhaltspunkt. Die Aufnahme der LP wurde großartig produziert, der Sänger hat ’ne tolle charismatische Stimme und die Songs machen einfach Spaß – da reiht sich Hit an Hit. Diese Platte ist ein großartiges Dokument einer sehr kreativen Periode deutscher Musikgeschichte, bei der Bands wie DIE PROFIS aufgrund der Borniertheit der Musikindustrie auf der Strecke blieben. Die hätten definitiv das Zeug zum Durchbruch gehabt. Richtig Mühe gegeben hat man sich auch beim Booklet, das neben den Texten alte Fotos und Bilder enthält. Richtig geile Veröffentlichung! 25 Songs in 79 Minuten, Anspieltipp: „Neue Sensationen“. 1. Günni

DIE PARASITEN – WAT FOTT ES, ES FOTT… CD

(www.dieparasiten.net) / (www.antirockstar-industries.com)

Obwohl nach drei EPs und einem Album schon die fünfte Veröffentlichung dieser Kölner Fast-All-Girl-Combo, höre ich mit der neuen Platte zum ersten mal von den PARASITEN – und bin überrascht! Supergeil produzierter, rockiger, poppiger deutschsprachiger Punkrock mit einer VERDAMMT GEILEN weiblichen Stimme! Sängerin rAff kann richtig gut und vor allem kraftvoll singen (besser als „Deutschrock“-Trullas á la Christina Stürmer und Konsorten), aber auch rotzig oder aggressiv klingen und variiert perfekt, jeweils passend zur Musik, die größtenteils recht flott, aber extrem eingängig ist und so manchen Ohrwurm zu bieten hat. Zusätzlich aufgelockert wird das Ganze mit vereinzelten Saxophon und Klaviereinsätzen. Und keine Sorge: Die trotz des Albumtitels glücklicherweise nicht in Mundart vorgetragenen Texte sind gänzlich unpeinlicher, meist persönlicher Natur und überschreiten eigentlich lediglich bei „Gefunden“ ein wenig die Grenze zum Kitsch. Ist aber nicht schlimm, denn gleich der nächste und damit letzte Song lautet „Kein Punk mehr“ und ist ein ganz schönes Brett, das auf ironische Weise Szeneregeln und –zwänge thematisiert, wobei der Ausbruch aus jenen ein Freiheitsgefühl ähnlich dem vom Ausbruch aus der Gesellschaft, der die meisten ja erst in die Punkszene trieb, erzeugen kann. Die Band scheint wenig Wert auf Etiketten zu legen und ich gehe davon aus, dass es ihr ziemlich Schnurz sein wird, ob man sie nach diesem Album dem Punkrock, dem „Deutschrock“ oder dem radiotauglichen Pop zuordnen wird. Die Texte sind im Booklet nachzulesen, aufgrund der lupenreinen Produktion aber sehr gut zu verstehen. Zehn Songs in 35 Minuten, Anspieltipp: „Kein Plan“. Tolle Band, tolle Platte! 2. Günni

DIE PUCKS – …IMMER IM KREIS, ABER VORAN… CD

(www.diepucks.de)

Schlimmster Hippie“punk“ aus Dresden mit dümmlich-naiv-harmlosen bis weinerlichen Erstsemestersozialpädagogentexten und männlich/weiblichem Wechselgesang. Der Sänger lispelt sich einen ab und der Alten sollte man die Stimmbänder herausreißen und sie zurück in ihre Menstruationsgruppe stecken. Da ist Rolf Zuckowski mehr Punkrock. 20 Songs in 54 Minuten, Booklet mit Texten und Fotos. Glückwunsch, glatte 6. Günni

POLICE SHIT – GEGEN EUCH AUS PRINZIP CD

(www.contra-net.com) / (www.elb-power-records.com)

Oh mein Gott, neues von POLICE SHIT… das bedeutet Uffta-Oi!-Punk der groben Gangart mit derbem Grölgesang aus dem Osten der Republik. In den vor Klischees nur so triefenden Texten beweisen die Jungs in stellenweise holperigen Reimen ihr eher simples Weltbild, bei dem sich fast alles um ihr Selbstverständnis als Oi!-Punks dreht – also gegen Nazis, Kommunisten, Hippies (alles gleich im ersten Song!), „verlauste Zecken“ und natürlich die Gesellschaft. Lyrisch ist das so was von abgedroschen bis einfach nur schlecht (beispielsweise der Anti-Veganer Song – und das sag’ ich als Fleischfresser), ich kann’s echt nicht mehr hören. Mit etwas Geschick kann man so was auch halbwegs geistreich, mit ’nem gewissen Witz oder sonst wie ansprechend verpacken, POLICE SHIT können dies leider nicht. Stattdessen geht’s weiter mit ’nem folgerichtig „Oi! II“ betitelten Song, „ein Oi! auf uns, die Faust für euch“, bla bla bla… Wie kann man sich nur so sehr selbst beschränken und in seinen eigenen Klischees fest- und verfahren?! So sehr vieles davon im Prinzip auch stimmen mag, so wenig besteht Anlass, das ständig auf diese Weise wiederzukäuen. Abgemischt wurde das Ganze sehr basslastig, einige Songs kommen sehr schleppend daher, andere verfügen über paar Knüppelparts. Der eine Gitarrist schrubbt sich einen ab, während sich der andere um ein paar Melodien bemüht, die die Songs eingängig und verdaulich machen sollen, was mal mehr, mal weniger gelingt. Letztendlich retten aber auch Klavierintros und ein Song wie „Polizist“, der tatsächlich mal ansatzweise über so was wie Witz und Einfallsreichtum verfügt, die Platte nicht mehr aus dem deutschen Klischee-Oi!-Sumpf. Die Texte kann man im reichlich bebilderten Booklet nachlesen, elf Songs in 41 Minuten. 4-. Günni

PARASITES – RETRO-POP REMASTERS CD

(www.GoKartRecords.de) / (www.myspace.com/officialparasites)

Schon seit über zwanzig Jahren existiert (mit Unterbrechungen) diese US-Amerikanische Pop-Punk-Band, die es aber nie geschafft hat, einen ähnlichen Popularitätsgrad wie GREEN DAY und Konsorten zu erreichen. Mir liegt nun die aktuelle Best-Of-Zusammenstellung vor, die mir wenig Lust darauf macht, mir eines der acht regulären Studioalben komplett anzuhören… zu weichgespült und radiotauglich ist der Sound. Ich stehe Pop-Punk nun wirklich nicht generell ablehnend gegenüber, aber das ist hier ist mir letztendlich dann doch zu lasch. Habe die letzten zwei Dekaden also nicht wirklich was verpasst, wenn ich diese Band mit Nichtbeachtung strafte. Dann lieber die RAMONES oder QUEERS. Das als Booklet herhaltende Booklet verfügt leider auch über keinerlei abgedruckte Lyrics, Hintergrundinfos oder sonst irgendwas, was das Attribut „liebevolle Aufmachung“ verdient hätte. 14 Songs + versteckter Bonus-Track in 47 Minuten. Ohne Wertung… Günni

PROPAGANDA NETWORK – PAROLE PAROLE PAROLE CD

„Polit-Punk“ schrieb man sich auf die Fahnen und brettert dementsprechend los… in deutscher Sprache und mit sperrigen Texten, die man irgendwie versuchte, in Punkrock-Songs zu quetschen. Das gelingt leider oft nicht sonderlich und klingt dadurch sehr verkrampft und bemüht. Schade, denn es sind tatsächlich ein paar wirklich gute Songs darunter, wie „Konvexspiegel“, „Ein Fortschritt zurück“ oder „Flensburger Memme“ – Songs eben, die den eng gesteckten „Polit-Punk“-Rahmen verlassen und dadurch mehr künstlerische Freiheit offenbaren. Hätte man ’ne 4-Song-EP draus gemacht, wär’s ein Knaller geworden. So aber bleibt ein durchwachsenes Album, das einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt. An der Aufmachung gibt’s hingegen nix zu meckern: Glänzendes Digipack mit schickem Booklet mit allen Texten. Zwölf Songs in 35 Minuten. 3-. Günni

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