2005, zwischen seiner Anekdoten-Sammlung „Pünschel gibt Stoff“ und dem Sammelband „Soundtrack eines Sommers“, für den er als Herausgeber fungierte, veröffentlichte Frank Schäfer im Reiffer-Verlag seine knapp 100 Seiten starke und rund 40 Kapitel umfassende Sammlung an Plattenkritiken und vereinzelt eingestreuten Konzertberichten im praktischen Taschenbuchformat, die zuvor bereits im „Rolling Stone“, der „Neuen Zürcher Zeitung“ und der „jungen Welt“ verstreut abgedruckt wurden. Vorangestellt wurde ein Vorwort, dass ebenso anschaulich wie amüsant von einer typischen Lesung zum Thema Heavy Metal zu berichten weiß. Von Neil Young über Motörhead und Turbonegro zu Type O Negative, von einer Richard-Hell-Anthologie über Lynard Skynard, Gary Moore und  Bad Religion zu Gluecifer/Hellacopters/Backyard Babies, von Metallica zu The Darkness und zurück zu Motörhead – Schäfer rezensiert, was innerhalb dieser Stilbreite so zwischen 2002 und 2004 an Tonträgern veröffentlicht wurde und gibt sich nicht mit den paar Zeilen, die für gewöhnlich in einschlägigen Postillen zur Verfügung stehen, zufrieden, sondern nutzt die Möglichkeit, gern mal über mehrere Seiten hinweg über das Werk, den oder die Künstler und/oder ihre Bedeutung zu philosophieren. Und dies sei ihm ausdrücklich gestattet, denn der Mann kann nicht nur schreiben, was er in diversen vorausgegangenen Veröffentlichungen bereits bewiesen hat, sondern bringt zudem sowohl die nötige Musikleidenschaft als auch ein nicht ungefähres Fachwissen mit. Als ehemaliger Gitarrist geht er oft insbesondere aufs jeweilige Geklampfe ein, was seine Kritiken lebens- und techniknaher als manch oberflächliche Meinungsbekundung der schreibenden Laienzunft erscheinen lässt und möglicherweise auch sein Faible für, nun ja, Gitarrenmusik erklärt, die eben auch mir vielleicht ewig fremdbleibende Genres wie Southern- oder Blues Rock einschließt. Zum durchaus immer mal wieder streitbaren Neil Young findet er ein schönes Fazit, und lässt er durchblicken, dass Motörhead-Scheiben (damals) neueren Datums immerhin zur Hälfte etwas taugen und es eben richtig Spaß machen kann, die jeweiligen Höhepunkte zu entdecken, möchte man ihm ebenso zustimmen wie seiner Erkenntnis, zeitgenössische Rockalben seien häufig zu lang. Allerspätestens wenn er zu einem persönlich besuchten The-Strokes-Konzert auf den Punkt bringt, was gute Gigs ausmacht und konstatieren muss, „das hier war tausendundeine Nacht, aber doch kein Rock’n’Roll! Dazu fehlte einfach die Möglichkeit, dass auch etwas schiefgehen könnte“, spricht er mir so dermaßen aus der Seele, dass ich weiß: Wir speisen grundsätzlich im selben Restaurant. Da darf er dann auch mal Slamdancing mit Crowdsurfing verwechseln. In Bezug auf Black Sabbath vertritt er allerdings eine sehr exklusive Einzelmeinung und Bruce Springsteens „I’m On Fire“ ist sicher vieles, aber keine „breitbeinig-tumbe Proletennummer“. Klar hat auch jeder so seine Lieblinge unter den großen, in Ehre ergrauten Rockstimmen und Schäfers ist Glenn Hughes, aber muss man deshalb wirklich jede Belanglosigkeit – dann auch noch so offensichtlich – noch irgendwie schönzureden versuchen? Ja, es sind durchaus auch diese kleineren Stolpersteine und Meinungsverschiedenheiten, an denen man sich herrlich reiben kann – ein allgemein abnickungsfähiges Konsenswerk wollte Schäfer sicher – glücklicherweise! – nicht verfassen. Auch wenn die besprochenen Alben inzwischen bereits älter und Schäfers geteilte Informationen über ihre Interpreten mittlerweile überholt sein mögen – die Kritiken bleiben auf ihre eigene Weise zeitlos. Sie ermöglichen die eine oder andere neue Perspektive auf diese oder jene Platte, aufs jeweilige Phänomen, auf die Rezeption. Sie inspirieren und machen bisweilen neugierig, der eine oder andere Titel landet als Suchbegriff in YouTube oder Spotify, der eine oder andere Semi- oder eigentlich dann doch Gar-nicht-Klassiker wird wieder hervorgekramt, der eigene Höreindruck mit Schäfers postuliertem Empfinden abgeglichen. Und wer jemals daran gezweifelt hat, dass Plattenkritiken entpragmatisiert und, ja, poetisch sein können, findet in Schäfer seinen Meister.