straszenkinder in deutschland vhs-cover front (weboptimiert)Die VHS-Kassette mit der 34-minütigen Dokumentation „Straßenkinder in Deutschland“ war Teil des von „D2 Mannesmann“ in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Off Road Kids“ anberaumten „Buddy-Projekts“, einem pädagogischen Präventionsprojekt für die Sekundarstufe aus dem Jahre 1999. Für den von Sönke Wortmann produzierten Film führte Arne Feldhusen („Stromberg“, „Der Tatortreiniger“) Regie.

Vier Berliner Jugendliche gewähren einen Einblick in ihr Leben auf der Straße und berichten von den Umständen, die sie aus ihrem Elternhaus dorthin trieb – unterlegt von Bildern: Die 16-jährige Sunshine wird beim Schnorren gezeigt und der gleichaltrige Stricher Chris hängt in einer Kneipe ab. Patrick wiederum ist sogar noch ein richtiges Kind; er ist gerade einmal zwölf Jahre jung, bezeichnet sich als Zecke und Punk und wird von der Kamera ausgehend von Konsolenspielen im Einkaufszentrum in ein leerstehendes Haus begleitet, wo er raucht, von seiner kleinkriminellen Karriere berichtet und schließlich randaliert. Renate ist mit ihren 19 Jahren die Älteste und sie hat es am härtesten erwischt: Seit einer Drogen-Überdosis ist sie gelähmt und versucht, mit therapeutischer Hilfe ins Leben zurückzufinden. Bei Chris überrascht die Nonchalance, mit der er sich prostituiert, weil er keine Lust zu schnorren habe.

Diverse ehrenamtliche Helfer geben verschiedene Statements ab und es wird auf typische Krankheiten der Klientel eingegangen, vergnügt kommentiert von Sunshine, für die das alles ein großer Spaß zu sein scheint – oder ist es provokativer Trotz? Ein weiterer Straßensozialarbeiter weist noch vor den Schluss-Statements der Porträtierten darauf hin, dass es viele Anlaufstationen und Hilfsmöglichkeiten gäbe, von denen viele Straßenkinder gar nichts wüssten. Leider versäumte man die Chance, hier anzusetzen und viel stärker zu hinterfragen, weshalb Sunshine, Chris und Co. diverse Angebote ausschlagen oder nur unzureichend annehmen, wo genau die Probleme und/oder Ablehnungsgründe liegen.

Wer vorher kein Verständnis für diese Lebensweise dieser Menschen hatte, wird es auch durch Sichtung dieses Films nicht entwickeln – so gut er gemeint gewesen sein mag. Zumindest Renate und Chris jedoch dürften stärkere abschreckende Wirkung auf die eigentliche Zielgruppe, Schüler der Sekundarstufe, haben, während Sunshine mit ihrer lebenslustigen Art den dokumentierten erfolglosen Schnorrversuchen zum Trotz auf den einen oder anderen gar einladend wirken könnte – und manch Präpubertärer vielleicht Lust entwickelt, mit jemandem wie Patrick in Einkaufszentren abzuhängen, Ruinen zu erkunden und „Scheiße zu bauen“.