(WCS Fanzine, c/o Andreas Falk, Im Hänfert 22, 66709 Steinkirchen, WCSFanzine@aol.com)

Saarländisches A5-Skinhead-Fanzine mit dem Schwerpunkt auf Oi!. Neben massig Reviews und Konzertberichten gibt es Interviews mit IRON FIST, BITCHES ’N’ BASTARDS, THE YOUNG ONES, PARIS VIOLENCE, STOMPER 98, SILVERCITY, UNE VIEN POUR RIEN?, ein Kreuzworträtsel + Gewinnspiel, eine Erzählung sowie Porträts der Urväter des Ska. Auffallend ist die Affinität zu Frankreich (ist beim Saarland also nicht nur ein Klischee, hehe): Es werden mehrere französische Bands ausgequetscht und locker die Hälfte (wenn nicht sogar noch mehr) der Reviews behandeln französische Veröffentlichungen. Haben da Labels wie Bords de Seine fette Promo-Pakete geschickt? Auf Aktualität legt man dabei nicht unbedingt wert und bespricht auch einiges älteres Material – warum auch nicht. Mir persönlich sind die Reviews oft zu nichtssagend und scheinen mir recht unkritisch, wenn ich sehe, was da alles abgefeiert wird. Aber wehe, es wagt sich jemand über den anscheinend recht engen musikalischen Horizont des Autors hinaus – ein gnadenloser Verriss ist die Folge, so geschehen mit den jüngsten Werken von 4 PROMILLE und den BROILERS. Die Konzertberichte umfassen oftmals nicht nur das Konzert an sich, sondern auch, was man vorher noch so machte (angefangen beim Aufstehen) und wann man sich letztendlich in die Furzmulde legte. Leider schien man hier nicht viel vom Korrekturlesen zu halten… neben Rechtschreibfehlern sind teils abenteuerliche Satzkonstruktionen die Folge. Die Interviews sind solide, besonders die Antworten von STOMPER-98-Sebi sind sehr ausführlich, persönlich und interessant. Wenn eine Band wie THE YOUNG ONES allerdings von sich gibt, das belgische „De Kastelein“ sei ein normaler Skinhead-Pub, der Interviewer dazu nichts weiter sagt und die vorangegangene Frage schon implizierte, dass man Kritik daran ohnehin für „PC-Getue“ halte, habe ich a) schonmal überhaupt keine Lust mehr, so eine Band zu supporten und nehme b) dem Zine die angeblich antifaschistische Grundhaltung nicht so recht ab. Der (selbstgeschriebenen?) Erzählung, die vor infantilen Oi!-Klischees nur so tropft, fehlt es irgendwie an einem Ende oder wenigstens einem Hinweis darauf, dass es sich möglicherweise um eine Fortsetzungsgeschichte handeln solle sowie um eine Angabe des Autors – wie übrigens ärgerlicherweise auch fast allen Reviews und der sehr guten und informativen Legenden-des-Ska-Story, die mir – sorry – irgendwo geklaut zu sein scheint. Positiv erwähnen will ich aber die selbstgebrannte CD, die dem Heft beiliegt und auf der sich diverse interviewte Bands ein Stelldichein geben, so dass sich der Leser gleich selbst ein Bild von ihren Qualitäten machen kann. Alles in allem ein Fanzine, das sich bemüht und in dem sichtlich viel Arbeit steckt (ist auch ein ziemlich dicker Schinken geworden), dem es aber für meinen Begriff an Identität, Standpunkten und Mut zur Kritik/Polarisation mangelt – und ich fürchte, dass man zugunsten einer „unpolitischen“ Haltung darauf verzichtete. Aber warten wir mal ab, wie sich das Ganze entwickelt.