Mein drittes Konzert/Festival in Pandemiezeiten. Diesmal war zwischen Balduintreppe und Park Fiction ein Gratis-D.I.Y.-Festival mit vornehmlich Hamburger Bands konspirativ aufgezogen und darauf geachtet worden, dass die frohe Kunde nicht viral geht, damit’s übersichtlich und sicher bleibt. Das scheint auch gut geklappt zu haben, die Mund-zu-Mund-Propaganda hatte die richtigen Leute angezogen. Meist war zu beobachten, dass, wer sich in gebührendem Abstand oder in Kleingruppen am Rand aufhielt, auf seine Maske verzichtete, und wer sich den Bühnen näherte, setzte sie auf. Getanzt wurde nicht, mitgesungen auch eher weniger. Im Vordergrund stand der Solidaritätsgedanke, andere zu gefährden oder das Konzept zu sabotieren, hatte niemand Bock drauf. Das ist löblich und spricht für die Szene, führt aber auch dazu, dass es – so neugierig ich auf die Sause und ihren Ablauf auch war – gar nicht so viel zu berichten gibt, außer natürlich zur Musik:
MILEY SILENCE bestehen aus drei Damen und einem Herrn, die an der Balduintreppe um 15:00 Uhr den Anfang machten. Rustikaler, roher Hardcore-Punk mit wütender weiblicher Stimme bei leider erschwerten Soundbedingungen: Die Gitarre war so gut wie gar nicht zu hören, der Bass dafür umso lauter – und hat irgendwann dann auch noch dermaßen viel Crunch bekommen, dass er alles weggeknarzte. Hingeknarzt zur Balduintreppe hatten sich während des maximal halbstündigen Gigs die Mitglieder unserer Beergroup, der allgemeine Umtrunk war schnell im Gange.
- Miley
- Silence
Um eine Umbaupause zu vermeiden, spielten LOSER YOUTH auf der Pavillon-Bühne in der Kehre bei glücklicherweise weitaus besserem Sound. Das Trio trat sogar mit (irgendwann rutschenden) Masken auf und Thommy läutete, passend zu den Lebkuchen in den Supermärkten, mit seinem geschmackvollen Pulli die Weihnachtssaison ein. Kurze deutschsprachige Songs mit überdrehtem Gesang, SHOCKS-und-Konsorten-inspirierter Mucke und unorthodoxen Enden, inhaltlich gegen dieses und jenes, u.a. Bullen und Abwasch, aber immer für Punk und mit reichlich Spass inne Backen. Hat wie immer Laune gemacht.
- Loser
- Youth
SCOOTER KIDS MUST DIE spielten anschließend auf der dritten provisorischen Bühne nahe des Park Fiction ihren Skate-Hardcore-Stiefel, mussten jedoch mit der von der Balduintreppe herübergeschleppten Anlage Vorlieb nehmen, sprich: leise Gitarre, lauter Knarzbass. Dieser Art von Musik bei eingeschränkter Bewegungsfreiheit zu lauschen fühlt sich noch mal komischer an als ohnehin schon; nichtsdestotrotz waren reichlich Besucherinnen und Besucher zusammengekommen und sahen ‘nen astreinen Straßengig mit sympathischen Ansagen und gegen Ende dem Hit „Ihr seit [sic] schlau“. Oldschool-HC mit guten Songs und viel Attitüde.
- Scooter
- Kids
- Must
- Die
An der Balduintreppe gab’s dann irgendeine Performance, aber wir zogen’s vor, im Park Fiction zu pausieren und uns weiter einen reinzuorgeln. Damit begann der durchwachsenere Teil des Festivals, denn es begann zu regnen – zunächst schwach, aber beständig, und irgendwann hatte es sich halt so richtig eingeregnet (nicht zu verwechseln mit eingenässt) –, was zu HH-Punk wie Arsch auf Eimer passt, so ganz ohne Unterstellmöglichkeit aber irgendwann doch zu nerven beginnt, außerdem konnte ich mit der nächsten Band, deren Name mir entfallen ist, auch so gar nichts anfangen. Dies änderte sich bei den Braunschweigern KACKSCHLACHT, das Brüder-Duo tischte gut einen auf und wusste mit betont einfach gehaltenem, aber dadurch ohne Umschweife zur Sachen kommendem (nennen wir es ruhig) Deutschpunk zu gefallen. Ich weiß, die halbe Welt hat die schon mal live gesehen, für mich aber war’s tatsächlich das erste Mal und ich habe auch etwas gebraucht, um das zu schnallen, denn auf dem Amp stand „Raketenhund“.
- Kackschlacht
Mit zunehmendem Pegel verlor ich zunehmend den Überblick, sodass ich mich glücklich schätzte, dass alle Bands nun auf der Pavillonbühne zockten, aber die NOTGEMEINSCHAFT PETER PAN erkannte ich dann doch schon noch. Sie dürfte in jedem Falle mitverantwortlich dafür gewesen sein, dass sich bei diesem mittlerweile echt miesen Wetter noch derart viele Menschen fröhlich unter freiem Himmel versammelten, um den Spagat zwischen Feierlaune und Hygienekonzept zu wagen. Die Anti-Ager spielten ein knackiges Set mit Fokus auf aggressiveren, flotteren Stücken, was für uns der krönende Abschluss des Festivals wurde. Ich glaube, irgendjemand spielte im Anschluss noch, aber die Grenzen meiner Aufmerksamkeitsspanne waren ausgereizt, außerdem war ich klitschnass und voll.
- Notgemeinschaft
- Peter
- Pan
Fazit: Geile Sache; großes Dankeschön an alle Mitverantwortlichen, die sich hierfür den Arsch aufgerissen haben. Zugleich aber, auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Punk- und HC-Konzerte fühlen sich unter diesen Auflagen gewöhnungsbedürftig bis schräg an und ein ganz entscheidender Faktor fehlt nun mal: Das unberechenbare, enthemmte Publikum. Nun kannste halt echt nur noch doof davorstehen und dich besaufen. Nee, ganz so isses natürlich nicht: Mal wieder unter Leute kommen, Freunde und Bekannte treffen und von Angesicht zu Angesicht (aus 1,5 m Abstand) sprechen usw. – das ist schon viel wert und Veranstaltungen wie diese fungieren diesbezüglich als Anziehungspunkt. Nicht zu unterschätzen ist zudem der Statement-Faktor, der mit solchen Konzerten einhergeht. D.I.Y.-Punk’s not dead!


















Eigentlich sollten beide Bands an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Monkeys Music Club zusammenspielen. Pandemiebedingt stemmte die Monkeys-Crew dann den Kraftakt, daraus eine Open-Air-Veranstaltung unter Einhaltung der Anti-Corona-Regeln auf dem abgelegen Cruise-Inn-Gelände in Steinwerder am Hafen zu machen. Das bedeutete wohl ‘ne Menge Abgekaspere mit den Behörden, bis es endlich das Ok gab, die Nummer für 800 Besucher(innen) durchzuziehen. Es sollte nach meinem Besuch des 




















































































Die internationale Thrash-Alliance-Tour machte ungefähr auf ihrer Mitte in Hamburg Halt und ging dankenswerterweise nichts in Docks oder in die Markthalle, sondern in den Kulturpalast am Bambi Galore, dem Herzen der Hamburger Metal-Szene. Der Eintrittspreis war echt fair, das Bier bezahlbar und der Termin an einem Freitag, also stand nach einer Feierabenddönerstärkung dem Thrash-Vergnügen eigentlich nichts mehr Wege. Wir hatten uns bemüht, peinlich pünktlich zu erscheinen, um den Opener FINAL BREATH nicht zu verpassen. Aufgrund etwas widersprüchlicher Angaben bei Fratzenbuch, auf dem Kulturpalast-Internetauftritt und auf den Eintrittskarten hätten wir aber gar nicht so zu hetzen brauchen: Obwohl bereits reichlich Metal-Volk anwesend war, waren wir sehr früh dran und konnten uns in aller Seelenruhe ins Bambi begeben, wo der Merchandise der Bands aushing und auslag. Kurios: DESTRUCTION verticken gebrauchte, reichlich lädierte Drumsticks ihres Trommlers Randy Black sowie ebenfalls Gebrauchsspuren aufweisende Trommelschoner oder so. Ob die ebenfalls in der Auslage zu findenden Schlüpfer mit aufgedrucktem DESTRUCTION-Schädel auch bereits benutzt waren, traute ich mich nicht herauszufinden. Was man als Band heutzutage so alles anbieten muss, um in Zeiten eingebrochener Tonträger-Verkäufe über die Runden zu kommen… Dafür bereue ich es heute, mir nicht gleich eines der schnieken Mad-Butcher-Shirts gesichert zu haben.






































Jetzt, da der Festtagstrubel überstanden ist und ich auf ein paar Litern Staropramen ins neue und letzte Jahr der Dekade gerutscht bin, ist es an der Zeit, endlich den Eintrag über’s letzte besuchte Konzert 2019 nachzureichen: Um die Weihnachtszeit herum öffnet das Monkeys ganz gern mal seine Pforten für gemeinnützige Veranstaltungen, diesmal unter dem Motto „Straßenklang: Von der Straße – für die Straße“ zugunsten der 





























Zuletzt kam’s knüppeldick mit Konzerten, die ich nur ungern hätte sausen lassen, auch wenn sie auf ungünstigen Terminen lagen: Das war bei EXCITER am Sonntag und auch bei diesem Thrash-Triple auf einem Mittwoch der Fall. Da ich den Headliner EXUMER noch nie live gesehen und Bock auf PRIPJAT hatte, ergriff ich die Gelegenheit der „Winter Hostilities Tour“ beim Schopfe – zumal REACTORY und PRIPJAT namentlich und konzeptionell ideal zusammenpassen. Gespräche bei EXCITER im Bambi hatten ergeben, dass die Hamburger Metal-Szene kaum Notiz von diesem Konzert genommen hatte. Die Promotion war offenbar nicht optimal gelaufen, tatsächlich fanden sich nicht überall, wo man es erwartet hätte, Hinweise auf diese Veranstaltung. Als etwas unglücklich empfand ich es auch, den Konzertbeginn mit 20:45 Uhr anzugeben, aber nur wenige Stunden vorher per Facebook bekanntzugeben, dass er auf 20:30 Uhr vorgezogen wurde – insbesondere, wenn der Opener ohnehin lediglich 25 Minuten spielt. Pünktlich wie die Maurer schroteten REACTORY aus Berlin dann auch vor leider nur rund zehn Leuten los. Die 2010 gegründeten Nuklear-Thrasher blicken auf eine Mini-LP und zwei Alben zurück, eine neue Langrille steht bereits in den Startlöchern. Ihr Stil bewegt sich zwischen ruppig, hektisch und technisch anspruchsvoll, manchmal auch alles gleichzeitig, der Gesang ist schön giftig und ein paar Gangshouts sorgen für eine leichte Crossover-Note. Selbstbewusst spielte die Band gleich vier Songs vom noch unveröffentlichten neuen Album, die Lust auf mehr machten, und der Sänger wanderte auch mal durchs Publikum, statt nur auf der Bühne zu verharren. Ein paar mehr Hooks würden REACTORY hier und da gut zu Gesicht stehen, so oder so jedoch knallte der Gig des mit nur einer Gitarre ausgestatteten Quartetts vielleicht auch gerade wegen seiner würzigen Kürze, ganz sicher aber aufgrund des bombigen, druckvollen P.A.-Sounds gut ins Mett.





























Wer schreit, hat recht



















ABSTURTZ lockten ins Gängeviertel, CHEFDENKER beehrten das Hafenklang, ich aber entschied mich fürs Geballer-Konzert in der Lobusch. Kurz nach 21:00 Uhr war allerdings noch kaum jemand da, sodass noch reichlich Wasser die Elbe (und Bier die Kehle) runterfloss, bis das Berliner Krachquartett HATEHUG irgendwann sein Intro in Form einer Rückkopplung in zwei Tönen erzeugte und anschließend seinen D-Beat/Crust-Punk durchholzte. Das ging relativ unterbrechungsfrei, zu Ansagen oder Kommunikation mit dem mittlerweile in beachtlicher Anzahl erschienenen Publikum ließ sich der Brüllhannes im Sega-Shirt nicht herab. Eben jenes Publikum sah sich dann auch kaum zu Reaktionen genötigt, Gespräche in der Umbaupause ergaben aber, dass die Band durchaus zu gefallen wusste. Tight, konsequent und zudem gut abgemischt war’s allemal und meine Ohren nun frei.













