Der erotische Film – lange Zeit führte er ein Nischendasein, für prüde Verhältnisse allzu freizügige Aktricen wurden skandalisiert und unmoralischen Verhaltens bezichtigt. Dies änderte sich nach der sexuellen Revolution, als (oft nur bemüht) erotische Filme nicht nur in die Bahnhofskinos drangen und es beinahe zum guten Ton gehörte, sich vor der Kamera zu entblößen. Mit der Legalisierung der Pornographie ebbte diese Welle ab, gerade aus zahlreichen Genrefilm-Produktionen waren offenherzige Darstellungen jedoch nicht mehr wegzudenken und auch der erotische Film existiert in Abgrenzung zum Porno nach wie vor (ist heutzutage jedoch längst in seiner Nische zurück). Wer aber sind die Schauspielerinnen und Schauspieler des Erotikbereichs, was treibt sie an, was ist ihr Selbstverständnis, wie blicken sie auf die Branche, was gibt es eventuell Wissenswertes über sie zu berichten?

Wer solche oder ähnlichen Fragen beantwortet haben möchte, ist beim achten Sonderband der Kinozeitschrift „Cinema“ vollkommen falsch. Mit „Sex im Kino – Höhepunkte des erotischen Films“, „Erotik im Film – Kino der Lüste“ und „Sex im Kino ’83“ hatte der Hamburg Verlag bereits mehrere Sonderausgaben zum Thema Erotikfilm veröffentlicht, bevor (vermutlich im Jahre 1984) dieses 100-seitige Heft folgt. Hatte man zuvor zwischen den Bezeichnungen „Sonderheft“ und „Sonderband“ je nach Beschaffenheit des jeweiligen Printerzeugnisses changiert, beharrte man hier auf „Sonderband“, obwohl es sich um kein gebundenes Buch handelt. Die Titelseite mit ihren Fotografien und Namensnennungen lässt bereits erahnen, dass man sich hier vornehmlich den Damen dieses Gewerbes widmet; ein Blick ins Heftinnere sorgt für die Gewissheit, dass kein einziger Mann enthalten ist.

Der Damenwelt wendet man sich in Form von Oben-ohne- und Ganzkörperakten zu, meist farbig, aber auch mal in Schwarzweiß oder ohne wirklich etwas zu zeigen, wie z.B. im Falle Lillian Müllers oder Tracy Dixons. Bis zu vier Modelle teilen sich eine Seite, manche erhalten aber auch eine ganze Doppelseite für sich allein. Mal handelt es sich um ein einzelnes großformatiges Foto, mal um mehrere kleine, häufig um einen Größenmix. Beim Material werden Movie stills, also abfotografierte Filmszenen, mit professionellen Fotos, vermutlich aus den Mappen der Agenten oder aus anderen Zeitschriften, miteinander vermischt. Quellenangaben gibt es keine, nicht einmal zu den jeweiligen Filmen. Zudem handelt es sich tatsächlich um ein reines Fotomagazin ohne jegliche Information zu den abgebildeten Fotomodellen respektive Schauspielerinnen, sodass es sich von einem Schmuddelheftchen vom Kiosk de facto nicht unterscheidet.

Die einzigen Texte sind die Namensangaben, diese jedoch – gewissermaßen als Gipfel der Respektlosigkeit – nicht selten fehlerbehaftet. So macht man aus Eleonora Vallone „Elenora“, aus Gudula Blau „Gundula“, aus Lillian Müller „Lilian“, aus Tetchie Agbayani „Tetcha Agbaiani“, aus Elizabeth Grosz „Elisabeth“, aus Donatella Damiani „Daniani“ usw. Und weshalb schreibt man Sabine Rohrmanns Vornamen nicht aus, sondern verkürzt ihn als einzigen zu S.? Namen vergessen?

Wird man eigentlich wirklich zum „Sexstar“, wenn man in nur einem einzigen Film mitgespielt hat, dem Heimatfummelfilm „Waidmannsheil im Spitzenhöschen“? Einziges Kriterium schien viel mehr zu sein, in einem x-beliebigen Film irgendwann einmal blankgezogen zu haben. Die Auswahl der Modelle scheint völlig beliebig: Wo sind beispielsweise Gloria Guida und Lili Carati? Wer zur Hölle sind dagegen Jane Summer, Diana Sensation, Lilly Christen oder Martina Lohauss? Ohne erkennbare Sortierung werden hier bekannte Persönlichkeiten wie Marilyn Monroe, Faye Dunaway, Ornella Muti, Bo Derek, Sylvia Kristel, Nastassja Kinski, Ursula Andress, Romy Schneider, Barbara Bouchet, Laura Antonelli, Rosalba Neri oder auch Sybille Rauch mit unbekannten Sternchen und Nonames aneinandergereiht. Hauptsache war anscheinend, dass schnell ein brauchbares Foto aufzutreiben war, um das Heft vollzubekommen und in die Auslagen wuchten zu können. Mit Filmjournalismus hatte das nichts mehr zu tun.

„Sexstars“ ist bis dato die primitivste Veröffentlichung aus dem Hause „Cinema“, die mir in die Finger gekommen ist.