Dietmar Wischmeyers erstes „Logbuch“ stammt aus dem Jahre 1997 und lautete „Eine Reise durch das Land der Bekloppten und Bescheuerten“. Um eine der vielen Fortsetzungen handelt es sich bei diesem „Schwarzbuch der Bekloppten und Bescheuerten“, erschienen im Jahre 2002 im Münchner Ullstein-Verlag als rund 130 Seiten umfassendes Taschenbuch.
Satiriker Wischmeyer versammelt hier ungefähr 50 weitere seiner verächtlichen, bissigen Radiokolumnen, kulturpessimistische Polemiken aus spitzer Feder. Einschübe wie humoristisch absurde Namensfindungsversuche eines Paars fürs Kind oder eine leider nur mäßig witzig kommentierte Fotostrecke in der Buchmitte lockern die Kapitel auf. Wischmeyers Rundumschlag ist keiner Ideologie oder sonst irgendwem oder irgendetwas verpflichtet, was ihn sehr erfrischend macht. Es trifft nicht immer die Richtigen (Schlingensief?!), manches wirkt etwas weit hergeholt oder erzwungen, hier und da wäre vielleicht doch etwas Demut ratsam gewesen. Einiges ist aber auch verdammt gut beobachtet (Der Rumlatscher im Zug! Die homophoben Dauerpubertierenden!). Zudem findet sich einiges an Zeitkolorit, wodurch die Glossen mitunter aber auch etwas überholt wirken. Großartig: „Die Bibel in 15 Minuten“. Und mit dem Radiogespräch „Wohin steuert die SPD?“ wandelt Wischmeyer auf den Spuren Loriots.
„Das absolut Ekelerregende am deutschen Analcharakter ist ja sein Obrigkeitsduckmäusertum und dessen Kehrseite: das unkontrollierte Saurauslassen, sobald keiner mit der Knute daneben steht.“
Pointierte Abrechnungen mit den Schattenseiten deutscher Mentalität und Gesellschaft wie in obigem Zitat sind eine feste Säule der Tiraden Wischmeyers und zählen zu den Höhepunkten des Buchs, das mir ungeachtet ein paar weniger Silbentrennungs- und Zeichensetzungsfehler direkt Lust aufs nächste Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten macht – das natürlich in der immer breiter werdenden Regalzeile ungelesener Bücher längst bereitsteht, denn auch ich zähle zu den Bekloppten und Bescheuerten…
