Günnis Reviews

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Frank Schäfer – Der Couchrebell: Streifzüge durchs wahre Leben

Nach seiner „Metal Antholögy“ und seinem „Comic(ver)führer“ veröffentlichte der Braunschweiger Autor, Journalist und Ex-Metal-Gitarrist Frank Schäfer im Jahre 2015 das im Freiburger Herder-Verlag erschienene, knapp 200 Seiten starke, autobiographische Taschenbuch „Der Couchrebell“, in dem er zahlreiche Brücken schlägt – vor allem von seiner Jugend als Hardrock- und Metal-Fan und -Musiker zum stolzen Familienvater, der er längst geworden war. Und das dreizehn Kapitel und ein Vorwort lang.

Dabei beginnt er bei der Ursuppe, nämlich der Geschichte der Rebellion, ausgehend von Adam und Prometheus. Glücklicherweise überspringt er ein paar historische Eckdaten und landet schließlich bei der Jugend und seiner eigenen halbherzigen Rebellion, die sich in seinem Falle als Spätgeborener nie so recht gegen seine Eltern richtete, da diese schlicht zu wenig Anlass boten. Er vermengt diese Erkenntnis mit humorigen Anekdoten und Einblicken in die Anfänge seiner eigenen musikalischen Aktivitäten. Im zweiten Kapitel widmet er sich dem Zusammenhang zwischen Rebellion und äußerem Erscheinungsbild, ausgehend von Mr. Hyde über seine Metal-Kluft bis hin zu Autobiografischem aus seiner Studentenzeit und der leider jäh beendete Karriere seiner unterbewerteten Metal-Combo Salem’s Law.

Daraufhin dreht es sich um Wacken’sche Pseudorebellion, den vereinigenden und gleichmachenden Geist von Festivals und im Speziellen das Burg-Herzberg-Festival – mindestens letzteres hatte ich bereits in einem seiner anderen Bücher gelesen, denn an die Umschreibungen der Hippies und Esoterik-Freaks erinnere ich mich. Ausgehend von „Clockwork Orange“ landen wir im nächsten Kapitel bei familiären, seinen Sohn Oscar einbeziehenden Anekdoten, und spätestens jetzt wird auch denjenigen, die den Klappentext nicht gelesen haben, klar, dass Rebellion dem Buch nur als lose Klammer dient und Schäfer seine Entwicklung vom Hard’n’Heavy-Rebell zum Familienvater augenzwinkernd und mit feinem Humor nachzeichnet. So auch im nächsten Kapitel, das in ein Plädoyer für Beleidigungen und Gossensprache übergeht, dabei einen mir bereits aus Schäfers „kleinem Provinzberater“ bekannten Passus enthält und in Musikindustrie-Schelte mündet.

Das folgende Kapitel startet mit der modernen Literatur und geht über in die Postmoderne und ihr Unvermögen zur literarischen Rebellion bzw. Kontroverse, die sich deshalb nur noch in politisch oder moralischen Fragwürdigkeiten der Autorenschaft finde. Als Beispiel zieht Schäfer Christian Kracht heran, von dessen Lesung in Braunschweig er berichtet und von dort aus zur Genese des Literaten Frank Schäfer, dem es nach und nach doch noch irgendwie gelang, seine Werke bei Verlagen unterzubringen, abbiegt, um schließlich bei köstlichen, sehr offenherzigen Anekdoten furchtbar schlecht besuchter Lesungen, einer Warnung vor Kiel und sich zumindest in seiner Heimat einstellenden Erfolgen anzukommen – frei von jeder Eitelkeit.

Das nächste Kapitel hat Melvilles „Bartleby der Schreiber“ zum Ausgangspunkt, von wo aus Schäfer tragikomisch bei seinem alkoholkranken Onkel Adolf landet, was leider traurig, aber mit einer Parallelenziehung zu Bartleby endet – und ich doch auch schon mal irgendwo bei Schäfer gelesen hatte… Von dort geht’s im darauffolgenden Kapitel zum Versuch des FC Braunschweig, in der ersten Liga ohne erstligareifen Kader zu bestehen, was als Beispiel für den mitunter mit Rebellentum einhergehenden Realitätsverlust dienen muss. Er druckt das komplette Mutmacher-Pamphlet ab, das er seinerzeit in der Innenstadt verteilte (WTF?!), letztlich aber nichts nutzte. Thoreaus in „Walden“ beschriebener Selbstversuch, Stadt und Maloche zu entfliehen, dient als Aufhänger des nächsten Kapitels, in dem Schäfer Skepsis an derartigen Unterfangen äußert, dann aber auch eine Anti-Landflucht-Polemik der taz auseinandernimmt, indem er klug abwägt. Mit seiner dort artikulierten Pro-Dorfrebellen-Haltung hat er natürlich völlig recht! Was dann an Dorfleben-Klartext inklusive pointierten Tipps folgt, hätte ich eigentlich eher im bereits erwähnten „kleinen Provinzratgeber“ erwartet, scheint mir doch aber gar nicht enthalten gewesen zu sein – kurios! Ferner berichtet er, wie es ihm persönlich nach Umzug aufs Dorf ergangen ist – Positives wie Negatives – und flicht geschickt ein paar Buchtipps ein.

Eine „Der Wilde“-Filmkritik steht am Anfang des nächsten Kapitels, ergänzt um seine, als Spätgeborenem, eher emotionsarme Beziehung zu Motorrädern und Anekdoten um seinen damals entsprechend motorisierten Bruder. In der Bewertung des Judas Priest‘schen Biker-Brimboriums finde ich mich wieder. Von dort aus navigiert er zu seinen ersten Versuchen als Gitarrist, weil er Gitarren seit jeher faszinierender gefunden habe als Krafträder, kombiniert mit einer Hommage an Krautrocker und Musikladenverkäufer Arndt Schulz. Mit einer Ehrerbietung wartet auch das darauffolgende Kapitel auf, genauer: mit einer an die alten Beat-Literaten, nur um anschließend verlauten zu lassen, dass deren populärste Vertreter durchweg den Verstand verloren und zu gewissenlosen Arschlöchern mutierten – was ihn und seine Clique indes nicht davon abhielt, Kerouacs Unterwegs-Romantik per Ochsentour nach Frankreich nachzuempfinden zu versuchen. Daraus wird ein wunderbar juveniler und launiger Urlaubsbericht, vielmehr Erinnerungsfragmente, mit viel Freude an der Selbstironie, übergehend in eine Reise mit Familie nach Malle in Erwachsenenjahren. Am Schluss landet er wieder bei Kerouac, dessen Briefwechsel mit Ginsberg und Niedergang.

Mit den japanischen Phänomenen Otaku und Kikaru dorodango steigt Schäfer ins nächste Kapitel ein, wobei ich mich frage, ob er mit ersterem nicht eigentlich Hikikomori meint (s. auch den Film „1000 Arten Regen zu beschreiben“). Dieses vergleicht er jedenfalls mit den „ersten historisch belegten Messies“ Homer und Langley Collyer. Einen solchen menschenscheuen Eremiten habe er auch in seiner Nachbarschaft. Während andere sich ängstigen, empfindet er Faszination für diese Typen und adelt sie zu Rebellen. Das letzte Kapitel widmet sich zunächst Peter Pan und den persönlichen Hintergründen des Autors dieses Klassikers, von wo aus Schäfer wieder auf seine Band zu sprechen kommt und altersweise (Ha!) Worte zu Nostalgie und dem Versuch, die Jugend noch einmal aufleben zu lassen, findet.

Ich habe oft geschmunzelt, dann und wann sogar laut lachen müssen. Wie Schäfer seine Bögen spannt, ist großes Luftgitarrentennis, und wie er quasi im Vorbeigehen Literaturwissen mit Filmkritik, Musikanekdoten, Coming of age, Familienalltag und viel Humor sowie sprachlicher Finesse miteinander verbindet, macht den Reiz dieses Buchs aus. Noch lieber wäre mir gewesen, wenn es ohne Zweitverwertung bereits in anderen Büchern veröffentlichter Texte ausgekommen wäre, aber sei’s drum. Und glücklicherweise gibt es abseits aller von Schäfer beschriebenen, sich kaum adäquat mit der Existenz als Familienpapa oder dem Älterwerden vereinbaren lassenden oder letztlich gar zum Scheitern verurteilten Formen der Rebellion immer noch die Möglichkeit der Alltagsrebellion fernab jeglicher Posen. Aber diese wäre ein eigenes Buch wert.

Wolfgang Sperzel – Fehlzündung

Mit „Fehlzündung“ machte Comiczeichner, Cartoonist und Illustrator Wolfgang Sperzel seine Metamorphose vom Autohasser zum Zeichner für „Auto Bild“ perfekt. Halt, stimmt so nicht – immerhin zeichnete er für diese schon seit 1993. Eine Auswahl der für jene Postille gefertigten Werke bietet dieses rund 60-seitige Softcover-Album, das im Jahre 2000 im Kieler Achterbahn-Verlag erschien. Das vollfarbige, unpaginierte Album beinhaltet oft einpanelige, aber auch mehrpanelige Cartoons zum Thema Auto, Autofahrerinnen und -fahrer und Straßenverkehr unterschiedlichster Größe in Sperzels großartigem Funny-Stil. Seine berüchtigten Kettenreaktionen finden sich leider keine mehr, dafür Wortwitze noch und nöcher. Immerhin sind Autofahrer und Polizei weiterhin Adressaten des Spotts, mit fliehenden Fahnen scheint er also nicht übergelaufen zu sein. Mancher Witz ist herrlich flach und dennoch oder gerade deshalb beschleicht mich das Gefühl, dass seine Cartoons das Beste an „Auto Bild“ sein dürften.

Nach diesem Album erschienen noch acht Hardcover-Bücher Sperzels bei Achterbahn, die „Autotypen“, die offenbar die Fahrerinnen und Fahrer jeweils einer bestimmten Marke karikieren.

Mawil – Strandsafari

Noch bevor der gefeierte deutsche Comiczeichner Mawil in Reprodukt seinen Stammverlag fand, veröffentlichte der Hünfelder Verlag Schwarz Turm im Jahre 2002 mit „Strandsafari“ eines seiner frühen Werke. Mir liegt die dritte, bei Reprodukt erschienene Auflage aus dem Jahre 2014 vor, ein 80 Seiten umfassender, unpaginierter, unkolorierter mittelgroßer Softcover-Band.

Im Mittelpunkt der zusammenhängenden Geschichte steht Mawils Supa-Hasi, ein kleines weißes sprechendes Häschen mit großem Kopf und so etwas wie ein Alter Ego Mawils. Dieses strandet – wie und warum auch immer – auf einer „einsamen Insel“, die vermutlich eher ein deutscher Strand ist. Er versucht zu überleben, kommt aber gar nicht klar. Glücklicherweise trifft er bald auf eine Dreierclique junger Urlaubender, darunter ein sich bevorzugt oben ohne aufhaltendes Mädchen, mit dem es sich anfreundet. Mawils ihm eigener Funny-Stil trifft hier auf halbrealistische bis realistische Zeichnungen von Mensch und Natur. Der Humor vermischt Situationskomik, die sich aus den unbeholfenen und kaum erwiderten Annäherungsversuchen Hasis an das Mädchen speist, mit einigem Slapstick; die Geschichte ist mehr Parabel auf flüchtige Urlaubsbekanntschaften in juvenilen Jahren denn Robinsonade.

Bis zu sieben Panels bringt Mawil auf den meist klar strukturierten Seiten unter und arbeitet schön mit Helligkeit und Dunkelheit. Aufgrund der nur wenigen (handgeletterten) Dialoge ist „Strandsafari“ recht schnell durchgeblättert, setzt sich aufgrund seines Stils und weil Mawil es versteht, bei aller Abstraktion die Gefühlsebene seiner Leserinnen und Leser anzusprechen, aber durchaus im Gedächtnis fest. Überhaupt hat mich Mawil schon lange am Haken, weiterer Stoff muss baldigst her.

Volker Reiche – Willi Wiedehopf räumt auf!

Bevor der spätere „Mecki“- und „Strizz“-Zeichner Volker Reiche als Auftragszeichner für Disney arbeitete, hatte er im Jahre 1976 mit „Liebe“ debütiert, das prompt indiziert wurde. Im Jahre 1984 erschien der von ihm gezeichnete erste „Erwachsenen-Comics aus deutschen Landen“-Band im Volksverlag und eben der mir nun vorliegende „Willi Wiedehopf räumt auf!“ im Kieler Semmel-Verlach (damals noch „Verlag“).

Das wie quasi alle damaligen Semmel-Veröffentlichungen rund 150 leider unnummerierten Schwarzweiß-Seiten umfassende große Taschenbuch birgt drei in einer Welt anthropomorpher Tiere spielende Geschichten um den titelgebenden komischen Vogel. Die Seitenstruktur umfasst ein bis fünf Panels pro Seite, wirkt sehr aufgeräumt und niemals gequetscht, im Gegenteil: Reiches Zeichenstil erweist sich als sehr angenehm und mit Mut zu großen Abbildungen. Willi führt zwischen den Geschichten knapp in dieselben ein.

In „Willi will fernsehen!“ wird er als Rabauke und Eintracht-Frankfurt-fast-schon-Hooligan charakterisiert, der betrunken seine Stammkneipe demoliert und sich mit seinen neuen Nachbarn anlegt: Wolfgang, dessen Frau, Dietlof und Alfons. Die beiden letztgenannten kennt man bereits aus den „Pullover-Comics“ (über die hier als nettes Randdetail eine herumliegende „Bild-Zeitung“ schlagzeilt); ebenso Bernd Pfarrs „Dulle“, dem Reiche einen Cameo gezeichnet hat. Jedenfalls wird’s schwierig, einen Platz zum Gucken des Endspiels zu finden – doch Willi ist opportunistisch und dreist genug, als dass ihm nicht noch etwas einfiele…

In „Willi räumt auf!“ ist er arbeitslos und pleite, zudem in seiner Stammkneipe verschuldet, will am Abend zum dortigen Preisskat – ergo muss Kohle her. Doch stattdessen wird Willi auf ungesunde Weise mehrfach mit dem Thema Aufräumen konfrontiert. Großartig, wie Reiche Willis sich auf- und schließlich entladende Wut zeichnet. Außerdem ist auch diese Geschichte hübsch kneipenkulturell.

Ein stolzer Alfa-Fahrer ist er in „Willi drückt drauf!“, wo er sich ein Wettrennen gegen einen anderen Alfa-Fahrer auf der Autobahn liefert. Für die nötige Reparatur seines Vehikels fehlt ihm leider das Geld, doch dank seiner Bauernschläue weiß er eine zufällige Begegnung für sich zu nutzen. Nach einem Fußball- und Kneipenrüpel in der ersten und arbeitslosem Großmaul in der zweiten Geschichte ist er hier nun also ein Autoproll inklusive entsprechendem Gequatsche und Verhalten.

Reiche hat mit „Willi Wiedehopf“ eine tolle Figur für eine jugendliche und erwachsene Leserschaft erschaffen und in einen Mikrokosmos wiederkehrender Nebenfiguren eingebettet. Schade, dass es nie zur angekündigten Fortsetzung kam. Dies liegt vermutlich daran, dass er ab 1985 die „Mecki“-Comics für die Fernsehzeitung „Hörzu“ zeichnen konnte, die mich als Kind, wenn ich sie einmal zu lesen bekam (meine Eltern hatten „TV Hören und Sehen“ abonniert), begeisterten und meine erste Begegnung mit Reiches Œuvre darstellten.

Mayito – A la plaza con Fidel: Un ensayo fotografico de Mayito

Im Vermächtnis meiner Großmutter fand ich diesen im Jahre 1970 veröffentlichten, rund 30-seitigen Bildband des kubanischen Fotografen und Kameramanns Mario García „Mayito“ Joya, der zwischen 1959 und 1966 entstandene Bilder zeigt. Diese sind Momentaufnahmen der kubanischen Revolution und zeigen deren schöne Seiten: Das kubanische Volk auf den Straßen, sich mit der Revolution solidarisierend oder direkt mitmachend. Der Titel rührt daher, dass Fidel Castro für seine Reden den Plaza de la Revolución auserkoren hatte.

Der überformatige Band eröffnet mit einer dreisprachigen Kurzbiographie Mayitos und präsentiert die jeweils ein oder zwei Seiten einnehmende Schwarzweißfotos, die leider ohne jegliche weiterführende Information auskommen müssen. Wir sehen demonstrierende und feiernde Menschenmassen/-gruppen, Militär, aber auch Porträts einzelner Menschen. Persönliche Worte des Fotografen in Landessprache schließen dieses Dokument einer Zeit, als auf der mittelamerikanischen Insel kräftig Faschisten- und Ausbeuterärsche getreten wurden.

Fuchsi – Zorro & Ko

Nachdem der Karikaturist und Comiczeichner Peter „Fuchsi“ Fuchs im Jahre 1983 mit „Zorro: Der Rächer der Enträchteten“ sein erstes eigenes Buch im Kieler Semmel-Verlach (damals noch „Verlag“) veröffenlicht hatte, folgte Zorros zweiter Streich zwei Jahre später – im gewohnten Verlagsstandard von rund 150 leider unnummerierten Schwarzweiß-Seiten im großen Taschenbuch.

Auf ein Inhaltsverzeichnis wurde diesmal verzichtet und der Band heißt „Zorro & Ko“, weil nicht jede enthaltene Geschichte eine des schwarzmaskierten Rächers ist. Dieser führt aber als Erzähler durchs Buch und präsentiert verschiedene Geschichten, ordnet diese zudem grob thematisch. Anarcho-Zorro-Onepager sind dennoch wieder reichlich vertreten, auch Zorro-lose oder Einpaneler satirischer Ausrichtung – aber eben auch etwas längere Geschichtchen.

So beispielsweise die zweier bayrischer Touristen, die nachhaltig in die Berliner Alternativszene eingemeindet werden. Fuchsi lässt hier Sympathie für jene Szene, aber auch einiges Augenzwinkern durchblicken. Der Öko Martin Müsli und der Punk Atze Ätzend, bekannt aus den Pullover-Comics, sind die Protagonisten gleich mehrerer Geschichten, in denen mal der eine, mal der andere der Dumme ist. In der Märchenecke werden Hänsel und Gretel bis zur Unkenntlichkeit satirisch in die Gegenwart übertragen, und etwas dystopische Science-Fiction findet sich ebenfalls. Eine Technokratie-Geschichte wird in „Friede · Freude · Eierkuchen“ fortgesetzt, obwohl jene Sammlung vorher erschien…? Verrückt.

Bei seinen Zeichnungen sowie Seiten- und Panelstrukturen nimmt sich Fuchsi alle Freiheiten, die er braucht, ein paar Rechtschreibfehler haben sich eingeschlichen und nicht jeder Gag sitzt, aber die Schlagzahl ist hoch und die Trefferquote kann sich sehen lassen.

28.03.2026, Monkeys Music Club, Hamburg: PETER PAN SPEEDROCK + SKROETBALG

Das niederländische Powertrio PETER PAN SPEEDROCK veröffentlichte zwischen 1997 und 2016 unzählige Scheiben und gönnte sich anschließend eine fünfjährige Auszeit. Seit 2021 spielt man wieder live und irgendwann steckte mir meine wesentlich bessere Hälfte, dass sie die Combo gern mal wieder sehen würde – ich glaube, das war leider, nachdem sie uns bereits ein-, zweimal durch die Lappen gegangen war. Als ich vor zig Monaten sah, dass sie Ende März wieder das Monkeys beehren würde, sicherte ich uns kurzerhand Tickets und blockte den Termin im Kalender.

Es handelte sich um eine Art Frühkonzert, sprich: 19:00 Uhr Einlass und um 20:00 Uhr sollte es schon losgehen, damit nach hinten raus noch genügend Zeit für die ‘80/‘90er-Disco blieb. Das bedeutete, dass wir – passenderweise – nach dem Fußball etwas Geschwindigkeit an den Tag legen mussten. Nach dem Zwischenstopp an der Dönerbude eilten wir zum Monkeys, wo SKROETBALG pünktlich wie die Maurer um 20:00 Uhr loslegten, als wir noch an der Garderobe unsere Plünnen abgaben. Erst mal im Pub-Bereich die After-Döner-Zichte schmauchen und ein Monkeys Red schütten, die ebenfalls aus den Niederlanden stammende Vorband lieferte den Soundtrack dazu. Dann aber ab vor die Bühne!

Das Monkeys dürfte so gut wie ausverkauft gewesen sein, erwartungsgemäß waren MOTÖRHEAD-Shirts und -Tattoos ebenso in hoher Frequenz vertreten wie Turbojugend-Kutten. PETER PAN SPEEDROCK zählen zu jenen Bands, die in den 1990ern den Spaß am Rock’n’Roll zurückgebracht hatten und sicherlich auch SKROETBALG beeinflussten. Das Quartett zockte ziemlich schnörkellosen, verzerrten, punkigen Drei-Akkorde-Hauruckrock mit niederländischen Texten und bewies etwas schrägen Humor. Sie sangen unter anderem darüber, wie scheiße die niederländische (und mir bis dato völlig unbekannte) Discounter-Kette „Action“ sei – und dass Beck’s angeblich das beste Bier braue. Ja nee, is‘ klar. Zwischendurch holten sie jemanden auf die Bühne, der anlässlich seines 40. Geburtstags eigens aus Groningen angereist war. Als Zugabe zockte man den TURBONEGRO-Klassiker „Get It On“ in einer gefeierten Version.

Zugegebenermaßen zählen PETER PAN SPEEDROCK nicht unbedingt zu den Bands, die ich zu Hause auflege, entsprechend wenig vertraut war ich mit dem Material. Ich versprach mir aber eine energiegeladene, hochoktanige Punk-/Rock’n’Roll-Show, und exakt die bekam ich auch. Die überwiegend flott nach vorne gespielten Songs umschifften jegliche Monotonie durch immer mal wieder eingestreute Licks und Grooves, wobei die Grundlage in etwa MOTÖRHEAD in weniger bluesig, dafür umso punkiger blieb – wenn ich mich an einer Definition versuchen wollte. Vor der Bühne fand vom ersten Song an relativ harter Pogo statt, dabei durchaus mit weiblicher Beteiligung und mitunter etwas übermotiviert. Wir standen am Rande des Pits und blieben unverletzt. 😉 Die BATMOBILE-Coverversion „Transylvanian Express“ von der Split-Platte mit den Psychobillys kam zu Live-Ehren, „Gotta Get Some“ erfuhr Unterstützung durch einen Gastsänger. Ohne ihn ist die Band nur zu dritt, wobei es schon beeindruckend ist, wie Sänger und Gitarrist Piet die Doppelbelastung meistert, während die Rhythmusfraktion das Pedal immer wieder durchtritt. Bei SKROETBALG bedankte er sich, außer für deren Aussage über Beck’s… Nach ich glaube einer guten Stunde war Feierabend, aber das Monkeys blieb ziemlich voll. Auch wir blieben einfach, genossen die Arbeit des DJs und tranken dem Club eine Schneise ins Bierregal – irgendwie muss man nach so’nem Gig ja wieder runterkommen…

Mawil/Michalke/Kleist/Naatz/Fil – Geschichten aus dem Comicgarten

Rund 220 unkolorierte Seiten stark ist dieses mittelgroße Paperback, das im Jahre 2002 offenbar in fünf verschiedenen Covern bei Berlin Comix erschien. Fünf miteinander befreundete Berliner Comiczeichner, u.a. der noch am Anfang seiner Karriere stehende Mawil und der damals bereits recht renommierte Kleist, zeichneten und schrieben die experimentelle Funny-Sammlung „Geschichten aus dem Comicgarten“. Zur Entstehung lese man das famos selbstironische Vorwort – wenngleich einmal dahingestellt sei, ob das dort beschriebene Konzept, innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe eine bestimmte Anzahl Comicseiten zu schaffen, also total spontan drauflos zu zeichnen, tatsächlich exakt so gegriffen hat.

Bei Michalkes kurzem Liebesdrama um Fuchsi und Fiesi in einfachem Strich hat es aber diesen Anschein; ebenso bei Mawil, der seinen Hasi in eine irre Justizposse stürzt, den Duracelhasen sterben lässt und sich selbst beim Nachdenken zeichnet, zwei Seiten nur mit schwarzen Panels füllt, die eine Ohnmacht ausdrücken sollen, mit Kommissar Hunter, den Schlümpfen, Goofy und Micky Maus bekannte Figuren auffährt und die eigentlichen Ereignisse ausspart, nur nachträglich von einer Figur behaupten lässt.

Von Fil stammt das Herzstück in drei Akten, ebenfalls voller bekannter Figuren: Lolek und Bolek, Catwoman, Werner, die Schlümpfe, Rudolf Scharping, Hulk bzw. Halk, Speedy Gonzales, ein Panzerknacker… und (Achtung!) das Filhuhn! (Tusch!) Damit nicht genug, das Bienchen ruft „Zeter und Mordillo“ – genau mein Humor. Fast überrascht war ich, dass Fil tatsächlich ein pointiertes Ende seiner Geschichte findet. Für Michalke wiederum ist der Comicgarten ein Urlaubsland, in dem eine fremde Sprache gesprochen wird und ein Rockabilly, der sich für ultracool hält, sein Fett wegbekommt. Naatz zeichnete eine Bulle-von-Tölz-Persiflage mit viel Mundart und Seitenhieben gegen Fickmangas, Pokémons und japanische Vergangenheitsbewältigung.

Und last but not least ist der Comicgarten für Kleist ein Knast, aus dem es zu entkommen gilt – doch im Comicuntergrund ist man zwar frei, hat aber nichts zu beißen. Eine bissige Parabel auf die Comicverlagsbranche inklusive wieder zahlreicher bekannter Figuren und am Ende einem frühen Seitenhieb gegen Computerautomatisierungen, was heutzutage KI wäre, gezeichnet in hübsch düsterem Stil und mit filmischen Perspektiven, die an Ausbrecherkinofilme erinnern.

Das ist alles angenehm und (zumindest mir) nie zu schräg und in jedem Falle besser als Geschichten aus dem Paulanergarten. Wer mag, darf trotzdem ein Weizen dazu genießen.

26.03.2026, Turtur, Hamburg: HARBOUR REBELS + DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS

Seit geraumer Zeit veranstaltet die „Krach 45“-DIY-Konzertgruppe Konzerte im Turtur auf der Elbinsel Wilhelmsburg. Das Besondere: Diese finden stets donnerstags statt. Für viele ist das der Vizefreitag, an dem man schon mal losgehen kann, für uns unser regelmäßiger Probetermin. Um dort auch mal auftreten zu können, verlegten wir quasi die Probe ins Turtur. Krach 45 beraumte ein Konzert zusammen mit unseren Proberaumkollegen, den HARBOUR REBELS, an, sodass es ein stilistisch gemischter Abend wurde (was ich ja ohnehin ganz gerne mag). Das Turtur entpuppte sich als direkt am Kanal gelegene, schlauchförmige Mischung aus Kneipe, Pizzabäckerei und Club mit Tresen, Außenterrasse und allem Pipapo – außer einer Bühne. Diese ebenerdig herzurichten, war gerade die Beschäftigung der Krachis, als ich etwas überpünktlich vor Ort aufkreuzte und die frohe Kunde vernahm, dass es frisch zubereitete Pizza als Bandverpflegung geben würde. Außerdem weihte man mich in die Besonderheiten der Gesangseinlage ein. Diese hat den Vorteil, dass die im Rechteck angeordneten, vier unter der Decke hängenden Boxen eine Art Surround-Sound erzeugen, aber den Nachteil, dass sie leicht Rückkopplungen mit dem Gesangsmikro erzeugen. Gitarren und Bass werden nicht abgenommen, Kickdrum und Snare hingegen schon. Alright.

Zu einer Herausforderung geriet der finale Soundcheck inklusive der Gesänge, da der Teufel wie so oft im Detail steckte. Den einen oder anderen rettenden Einfall und Eisenkarls Hilfe später aber stand das Setup und wir konnten uns die Wannen mit Pizza vollschlagen. (Meine „Welcome To Hell“ war derart grandios, dass ich da irgendwann noch mal als zahlender Gast vorbeikommen muss.) Freibier gab’s zudem satt und da ich am nächsten Tag – wenn auch etwas später als üblich – noch zur Lohnarbeit musste, versuchte ich mich am stets gefährlichen Spagat zwischen Spaß, geselligem, auflockerndem Trinken und, äh, Verantwortungsbewusstsein… Angesichts unserer jeweils in nur geringer Stückzahl erhältlichen Shirts war ich beim Aufbau des Merchstands heillos überfordert und packte die Dinger gar nicht erst aus. Da müssen wir mal wieder System reinbringen. Unser anderes Zeug verkaufte sich dafür nicht schlecht. So’nen kleinen Bauchladen dabei zu haben, lohnt sich dann eben doch immer mal wieder.

Ich freute mich über die erkleckliche Anzahl Besucherinnen und Besucher, die sich an einem Donnerstagabend aufgerafft hatten, darunter eine ganze Delegation vom Gaußplatz, und ein wenig später als ursprünglich geplant zockten wir dann auch endlich – insbesondere zur Beruhigung des ungeduldigen Keith 😉 – unser 15 Songs umfassendes Set. Bei „Elbdisharmonie“ entfiel mir spontan die letzte Strophe, sodass ich die dritte einfach zweimal sang – war mir bislang auch noch nicht passiert. Einen Song spielten wir falsch an, das dürfte es an Patzern aber gewesen sein. Mit Eisenkarl an den Drums kommunizierte ich mangels eines Monitors hin und wieder per Handzeichen. Gitarrist Kai trug plötzlich eine Narrenkappe (wie mir auffiel, als ich mal zur Seite blickte), die während des Sets zudem bis zum Drummer wanderte. Irgendwie darauf zu reagieren war ich gar nicht in der Lage, ich war im Tunnel. Eine kurze Verschnauf- und Trinkpause zusätzlich habe ich uns ermogelt; sechs Nummern quasi unterbrechungsfrei durchzuzocken, ist dann vielleicht doch ein bisschen viel – man wird ja nicht jünger. Vor der Bühne einige bekannte Gesichter, aber auch welche, die uns zum ersten Mal sahen. Schöne Mischung und gute Stimmung innerhalb einer durch den zahlreichen Gebrauch von Kunstnebel sowie den leicht übersteuerten Mikrosound erzeugten ‘80er-Jahre-Atmosphäre. Hatte was!

Die HARBOUR REBELS kamen quasi frisch aus dem Studio, wo sie ihr neues Album eingespielt haben, auf das man gespannt sein darf. Hier und heute gab’s natürlich in erster Linie den bekannten Stoff, was auch einen Stilwechsel bedeutete: Statt unseres wütenden HC-Punk-Gebollers Melodien satt, zum Mitsingen anregende Singalongs und dank der seit Keith‘ Einstieg wieder zwei Gitarren ordentlich Dampf aufm Kessel. Sängerin Jules melodischer Klargesang wies zunächst dieselbe leichte Verzerrung auf wie bei uns, diese wurde mit Eisenkarls Hilfe aber nach und nach herausgeregelt. Auch ihnen unterlief ein falsch angespielter Song und auf das Olaf-Scholz-Intro aus der Konserve musste verzichtet werden (ich glaube wegen eines leeren Akkus), alles andere klang für meine Ohren aber gewohnt souverän. „Die Masken sind gefallen“, „Raus aus dem Dreck“ und als Zugabe „Trunkenbold“ – Lieblingssongs: check. Der Sommerhit „Beach, Beer & Sun“ sorgte für zusätzliche Auflockerung zwischen vielen in deutscher und englischer Sprache vorgetragenen kämpferischen Songs. Die Stimmung war prächtig und einige schwangen nun auch ausgelassen das Tanzbein. Freue mich auf die neue Platte!

Am Ende war nach hinten raus sogar noch genügend Zeit, eine ganze Weile zu Klassikern aus den Konserve weiterzufeiern und trotzdem noch locker die letzte Bahn zu bekommen. In unserem Falle wurde das noch ein wenig herausfordernd, da auf dem Weg zum Bus noch jemand rückwärts aß und wir erst die richtige Haltestelle finden mussten, was letztlich aber alles gelang. Es war ein Tag bei miesem Wetter und arbeitsbedingt gedämpfter Laune bei mir, doch das Konzert und das ganze Ambiente gaben mächtig Aufwind, und am Schluss schienen fast alle irgendwie glücklich. Danke an Krach 45 und das Turtur für die Einladung und den tollen Service, an die HARBOUR REBELS für den Gig, an alle, die mit uns zusammen bereits am Donnerstag das Wochenende eingeläutet haben und nicht zuletzt an Sheila für die Schnappschüsse unseres Auftritts!

21.03.2026, T-Stube, Rendsburg: VIOLENT INSTINCT + HABGIER + BOLANOW BRAWL

Ursprünglich sollte dieses Konzert in Bad Oldesloe stattfinden, denn unter Kurort machen wir’s eigentlich nicht mehr (Scherz!), doch wurde es schließlich nach Rendsburg in die gute alte (und jüngst gerettete) T-Stube verlegt – einem wichtigen selbstverwalteten Ort für Live-Aktivitäten auf dem flachen schleswig-holstein’schen Land. Eigentlich hätte das Konzert auch mit den niederländischen CITY RIOT als Headliner aufwarten sollen, die letztlich jedoch wegen einer Doppelbuchung passen mussten. Veranstalter Sven alias „Oidesloer“ hatte also gut zu schwitzen, letztlich aber alles prima hinbekommen. Auch unser spätes Aufschlagen – aus den heillos überfüllten Hamburger Straßen auf die Autobahn zu kommen, dauerte länger als der eigentliche Teil der Strecke – schien den Zeitplan nicht sonderlich durcheinandergeworfen zu haben.

Nach sieben Jahren also ein zweites Mal BOLANOW BRAWL in der T-Stube, wo uns Sven und die Crew freundlich empfingen, uns mit der Bühne und deren Technik vertraut machten, den Soundcheck mit uns durchführten und uns mit superleckerem Mampf sowie Freigetränken verwöhnten. Als nach und nach die ersten Besucherinnen und Besucher eintrudelten, wurde draußen die Feuertonne angeheizt. VIOLENT INSTINCT waren auch längst da, deren Sängerin Aga stellte mir freundlicherweise ihr Funkmikro für den Gig zur Verfügung – besten Dank! Irgendwann zwischen 20:00 Uhr und 20:30 Uhr legten wir als erste Band los, was vor allem denjenigen zugutekam, die mit einer der letzten Bahnen wieder nach Hause wollten, mein Körper aber offenbar als etwas ungewohnt empfand – ich kam erst während des Auftritts langsam auf Touren. Wir zockten die komplette LP in an die Live-Situation angepasster Reihenfolge durch, was weitestgehend pannenfrei verlief. Der Keil, der die Bassdrum vom Wandern abhalten sollte, tat dies nur höchst unzureichend und geriet – wie die ganze Bassdrum irgendwann – zu einer potenziellen Stolperfalle für mich, brachte mich aber nicht zu Fall. Ha! Ansonsten war technisch alles ok und unsere aus Leuchtreklamen bestehende Bühnendeko leuchtete, während bei uns die Lampen angingen… Dafür warfen wir die vorgesehenen (Nicht-)Pausen zwischen den Songs übern Haufen, ohne uns aber zu verzetteln. Als Zugabe gab’s wie üblich „Total Escalation“, die Leute schienen zufrieden und wir hatten nun Feierabend. Fast. Hektisch bauten wir unsere Plünnen inklusive unseres neuen Banners ab, verstauten das Zeug in den Karren…

…und tatsächlich hatten HABGIER (nach einem Ennio-Morricone-Intro) schon angefangen, als ich nach einer Kippenlänge von draußen wieder reinkam. Die Neubrandenburger HC-Punk-Band ist auf Duo-Größe geschrumpft, sprich: Gitarristin/Sängerin in Personalunion, Basser/Background-Shouter – aber kein Drummer. Dieser kam aus der Konserve. Dem angemessen rauen Sound, perfekt abgerundet von der herrlich dreckigen Stimme der Sängerin, tat dies keinen Abbruch; für die Optik wäre ein(e) Drummer(in), der/die sich Animal-mäßig so richtig schön reinlegt, aber schon geil gewesen. Das deutschsprachige Material deckte die für diese Musik üblichen, leider nie überholt scheinenden Themen ab, und irgendwann gab’s einen „Song für alle DDR-Punks und die, die’s noch werden wollen“, nämlich eine Coverversion von SCHLEIMKEIMs „Frage der Zeit“. Die Klampfe sägte amtlich, kein Song dürfte länger als 90 Sekunden gewesen sein, und gefühlt recht flott war der Gig auch schon wieder vorbei. Hat Spaß gemacht – und klasse auch, dass die Band relativ kurzfristig hatte einspringen können.

Viel zu lange war’s her, dass ich VIOLENT INSTINCT zuletzt livegesehen hatte; eine ganze Weile hatten sich die Hamburger(innen) live auch eher rar gemacht. Drummerin Camila, mit der ich die Band bisher nie sah, war leider aus gesundheitlichen Gründen verhindert, die Band für diesen Auftritt also auf Quartettgröße geschrumpft. Einer der beiden Denisse hat kurzerhand von der Gitarre ans Schlagzeug gewechselt, man trat also mit nur einer Klampfe auf. Dadurch ging natürlich gerade während den Leadparts etwas Druck flöten, was man aber recht gut kompensiert bekam. Nachdem ich Aga kurz in Unruhe versetzt hatte, weil ich ihr Mikro so gut im Backstage abgelegt hatte, dass ich mich selbst nicht mehr erinnern konnte, wo genau (es sich dann aber doch noch anfand), gab’s 14 Songs lang deutsch- und englischsprachigen, klischeefreien Streetpunk vom Feinsten zu hören. VIOLENT INSTINCT stiegen mit „Lass dich fallen“ in ihr Set ein und setzten anschließend den Fokus verstärkt auf die jüngeren englischen Stücke, darunter auch eine unveröffentlichte Nummer. Und mit der geforderten Zugabe „Hamburg“ setzte man sogar noch einen drauf. Die Songs leben von ihren eingängigen Melodien, den klugen Texten und Agas melodischem Klargesang sowie ihrer Ausstrahlung. Nach wie vor eine großartige Band, von der ich hoffe, dass sie bald mal wieder neues Material veröffentlicht.

Nach dem Konzert ging’s betrunken mit Christian und Veranstalter Sven noch auf ein Bierchen in eine sehr anheimelnde Rendsburger Kneipe, woraufhin wir uns aber sputen mussten, noch die letzte Bahn zu kriegen. Am Bahnhof trafen wir einen anderen Sven, der auf dem Konzert gewesen war und zusammen mit uns weitertrinkenderweise zurückfuhr, bis ich irgendwann ziemlich zerschossen am Sonntag gegen 13:30 Uhr zu Hause wieder die Augen öffnete…

 

Hatte sich also mal wieder gelohnt! Danke an Sandy fürs Fahren und für die Fotos unseres Gigs, an Sheila fürs Video, an Aga fürs Mic, an Oidesloer-Sven für die Einladung und an dessen sowie das T-Stube-Team für die Gastfreundschaft mit allem Zipp und Zapp sowie nicht zuletzt allen Besucherinnen und Besuchern!

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