Günnis Reviews

Kategorie: Bücher (page 1 of 12)

Gerald Fricke / Frank Schäfer – Das Campus-Wörterbuch

Klugscheißerhumor

„Das Campus-Wörterbuch“, 1998 gut 100 Seiten stark im Eichborn-Verlag erschienen, steht in der Tradition vom späteren Rock- und Metal-Literaten Frank Schäfer in Koautorschaft mit Kollegen wie Gerald Fricke verfasster „lexikalischer Werke“, die sich vielmehr der humoristischen, persiflierenden Auseinandersetzung mit ihrem jeweiligen Themenkomplex verschrieben haben. „Unter Mitarbeit einiger Fachgelehrter“, also inklusive einigen Gastbeiträgen, knöpfen sich Fricke und Schäfer den kompletten universitären Wortschatz „von Abitur bis Zwangsexmatrikulation“ vor und grasen damit einen allein schon aufgrund seines elitären Vokabulars sehr dankbaren Bereich ab. Und selbst, wenn man wie der Verfasser dieser Zeilen bereits im fünften Semester ist, wird man noch nicht ohne Weiteres alle hochtrabend klingenden Begriffe korrekt zuzuordnen wissen. Da hilft dieses Taschenbuch, das sprachlich zwischen wissenschaftlichem Duktus und deftiger Polemik fast alles auseinandernimmt, was mit Unis und dem Studierendendasein zu tun hat. Beides wird kräftig aufs Korn genommen, manchmal vielleicht etwas sehr selbstverliebt in die Fähigkeit zur eigenen akademisch verschwurbelten Schreibe und nicht immer unter Rücksichtnahme auf die Rezipierenden, die mitunter nur Bahnhof verstehen, wenn es allzu Insiderwissen-voraussetzungsreich wird.

Stand des Buchs ist indes 1997 und seitdem hat sich doch einiges geändert. Da „Das Campus-Wörterbuch“ jedoch auch immer wieder Bezug auf historische Ereignisse oder Personalien nimmt, vermittelt es einen durchaus aufschlussreichen Eindruck von der Vergangenheit – und davon, was sich anscheinend nie ändert. Manch einer bekommt ganz schön sein Fett weg und auch die Beurteilung der unterschiedlichen deutschen Universitätsstädte dürfte aufgrund ihres bisweilen beißenden Spotts nicht vorbehaltlos auf Gegenliebe stoßen. Kein Buch zum Durchackern am Stück, sondern zum immer mal wieder Hervorholen und sich alphabetisch Vorarbeiten, flankiert von einem Vorwort, einem – natürlich – Literaturverzeichnis sowie, als besondere Pointe, einem vernichtenden Gutachten dieser „Diplomarbeit“ durch Prof. Dr. Hanno Hackmann, eventuell bekannt aus Dietrich Schwanitz’ „Der Campus“-Roman.

Ralph Valenteano – Das Lächeln der Liebe. Der siebenstufige Pfad zu einer erleuchteten Beziehung

„Was ist das Geheimnis einer erfüllenden Beziehung? Begleiten Sie die unglückliche Beziehungswaise Mali dabei, wie sie ihre Antwort auf diese Frage aller Fragen findet. Hilfe erfährt sie dabei von dem erleuchteten Beziehungsweisen Malik, dem einst von Buddha und Jesus die ,Kunst des Herzens’ und das Wissen um den ,siebenstufigen Pfad zu einer erleuchteten Beziehung’ gelehrt wurden.“ (Klappentext)

Der Musiker und Verfasser von Büchern „zu mystischen und spirituellen Themen“ (Wikipedia) Ralph Valenteano veröffentlichte im Jahre 2011 über den Darmstädter Schirner-Verlag dieses 80-seitige Büchlein mit Lettern großzügigen Formats, das angereichert wurde mit iStock-Illustrationen, die an fernöstlichen Buddhismus gemahnen sollen, aber vielmehr an all diese bis unter die Decke mit überteuertem, überflüssigem Krempel vollgepackten, penetrant nach Räucherstäbchen müffelnden Esoterik-Läden erinnern. In Form eines kitschigen Märchens, in dem die hübsche Mali, die stets an die falschen Partner gerät, auf den weisen Heiler Malik trifft, der sie an die Hand nimmt und lehrt, wird die universelle Botschaft vermittelt, dass man erst einmal sich selbst finden muss, bevor andere einen lieben können. Diese simple Formel ist sicherlich nur allzu wahr. Um keine ungesunden emotionalen Abhängigkeiten zu entwickeln und jedes Mal aufs Neue denselben Mist durchzumachen, sollte man sich darüber bewusst werden, welche eigenen Charakterzüge, Fehler und unverarbeiteten Verletzungen bis hin zu Traumata einem die jeweils falschen Partnerinnen oder Partner eigentlich widerspiegeln, und daraufhin in seiner eigenen Seele mal kräftig entrümpeln, aufräumen und feucht durchwischen, um mit sich selbst im Reinen zu sein und dadurch Partnerinnen oder Partner kennenlernen zu können, die dies auch sind und mit denen eine erfüllende Beziehung auf Augenhöhe möglich wird, in der man sich gegenseitig ergänzt statt sich herabzuziehen.

So weit, so gut. Die Besserwisserei des Allwissenheit für sich beanspruchenden Malik in diesem Büchlein ist jedoch ebenso befremdlich wie die undifferenzierte Aufforderung zur Vergebung. Natürlich kann man unaufgeräumten Ex-Partner(inne)n, mit denen man chaotische und turbulente oder schmerzhafte Zeiten hinter sich hat, verzeihen, ist man erst einmal mit sich selbst im Reinen und sich darüber bewusst, wie und weshalb man diese Partnerschaft heraufbeschworen und was man für seinen weiteren Lebensweg an Lehren daraus gezogen hat. Mit keiner Silbe geht Valenteano jedoch darauf ein, dass sich mitnichten alles vergeben lässt, schon gar nicht, wenn etwas vorgefallen ist, was seinerseits Traumata o.ä. ausgelöst hat. Auch esoterischer Humbug wie „Alle Menschen sind auf der geistigen Ebene miteinander verbunden“ ist abzulehnen. Das wäre ja furchtbar! Dieses Büchlein propagiert ferner unverbesserlichen Optimismus – als müsse man nur fest genug an etwas glauben, damit es in Erfüllung geht. Auf komplexere, weitergehende Fragen jedoch weiß auch Valenteano keine Antwort und wirft stattdessen munter mit Jesus- und Buddha-Zitaten um sich und bringt auch noch Gott ins Spiel. Diese verquaste Vermengung religiöser Konnotationen mit esoterischem Geschwurbel ist ärgerlich, aber letztlich typisch für diese Klientel in ihrer Erklärung psychologischer Phänomene mittels übernatürlicher „Mächte“.

So hilfreich es sein mag, innerhalb einer auf Effizienz, Konkurrenzkampf und Technologiegläubigkeit ausgerichteten Welt zu sich selbst zu finden, sein persönliches emotionales Gleichgewicht auszutarieren und sich eine gewisse Spiritualität zu wahren, so kontraproduktiv ist es, einfache Wahrheiten esoterisch aufzuladen und bedeutungsschwanger mit Begriffen wie „Erleuchtung“ u.ä. um sich zu werfen, um eine weltfremde Klientel entsprechend zu bedienen, statt an den gesunden Menschenverstand zu appellieren.

Mad-Taschenbuch Nr. 25: Angelo Torres, Tom Koch – Das Mad-Buch der Weltgeschichte

Im Jahre 1980, drei Jahre nach seinem Erscheinen in den USA, brachte es dieses Mad-Taschenbuch auch zu einer deutschen Veröffentlichung. Unterteilt in sieben jeweils eine Epoche abbildende Kapitel und eingeleitet von einem dreiseitigen Vorwort wird sich rund 160-Schwarzweißseiten lang von 3050 v. Chr. bis 1969 n. Chr. in alternativer Geschichtsschreibung geübt. Ein kurzer Text leitet in den jeweiligen Abschnitt ein, der sich pro Ereignisjahr in ein großformatiges Bild im Karikaturstil und ein paar Zeilen dazu passenden Text aufteilt, der auf Mad-typische satirische Weise bestimmte Weltereignisse aufs Korn nimmt und gern Parallelen zur Gegenwart zieht oder generell anachronistisch in Erscheinung tritt. So heißt es zum Jahr 31 v. Chr.: „Das Drama zwischen Antonius und Kleopatra findet in der Originalbesetzung statt und ist damit um viele Millionen billiger als die spätere Neuverfilmung mit Richard Burton und Elizabeth Taylor.“ Und 1001: „Leif Eriksson entdeckt Amerika, hält es aber nicht für wert, darüber zu reden.“ Oder 1626: „Die Indianer sind überzeugt, ein glänzendes Geschäft zu machen, indem sie New York den Holländern für 24 Dollar überlassen.“ Auch schön: „1894: Thomas Edison führt den ersten Film vor. Alle sind davon hell begeistert – mit Ausnahme der Filmkritiker.“ Für all die Kriege und sonstigen blutigen Wahnsinn, der sich durch die Menschheitsgeschichte zieht, haben Zeichner Torres und Autor Koch nur Spott übrig, ansonsten mischen sich unter den Humor manch Absurdität, Seitenhiebe und Sprachwitz. Spaßiger Gesichtsunterricht nicht nur für Mad-Jünger und ein stilistisch neuer Ansatz innerhalb der Taschenbuchreihe, die hiermit eine Jubiläumsausgabe feierte, ohne dies mit auch nur einer Silbe zu erwähnen.

Charles M. Schulz – Die Peanuts: Werkausgabe, Bd. 2: 1953 – 1954

„Demut vor dem Leben in all seiner Rätselhaftigkeit“ – Gary Groth über Charles M. Schulz

Wie in meinen Zeilen zum ersten Band bereits erwähnt, begann der Hamburger Carlsen-Verlag im November 2006, eine alle Strips umfassende, streng chronologisch sortierte „Peanuts“-Werkausgabe zu veröffentlichen. Der zweite, erneut rund 350 Seiten starke Hardcover-Band umfasst die täglichen Comic-Strips der Jahre 1953 und 1954 inkl. aller umfangreicheren Sonntagsseiten. Drei Seiten lang führt Andreas Platthaus, Comic-Experte der in ihren Beiträgen zur politischen Meinungsbildung so beschämend reaktionären, für ihren Kulturteil aber vielgelobten F.A.Z., in diese Ausgabe ein, indem er vornehmlich auf die Besonderheiten in Schulz’ Comics dieses Zeitabschnitts hinweist und damit noch neugieriger auf sie macht, als man als Peanuts-Freund und/oder Comic-Archäologe ohnehin schon ist. Zwei Seiten lang darf ferner Gary Groth Charles M. Schulz charakterisieren und ein Index sowie eine Vorschau auf den nächsten Band komplettieren das wie gehabt auf hochwertigem Kartonpapier gedruckte Buch im Schutzumschlag.

„Ich glaube, ich bin ein geborener Außenseiter… Ich scheine einfach nirgends hineinzupassen.“ – „Vielleicht könntest du dich einer Gruppe Außenseiter anschließen…“ – „Selbst da würde ich vermutlich nicht hineinpassen…“ – Charlie Brown und Schröder im Gespräch

Der Hauptteil gehört natürlich den unkolorierten Comic-Strips und der Evolution Schulz’ Figuren, die damals noch nicht abgeschlossen war: Sie alterten noch immer, was hier zu interessanten Entwicklungen wie den zahlreichen Marotten führt, die sie immer stärker ausbilden. Dies trifft insbesondere auf Lucy zu, die – neben Charlie Brown, versteht sich – diesen Band dominiert. So wird sie in Bezug auf Lebensmittel enorm pingelig, hadert bereits mit dem Kindergarten wie Ältere mit Schule oder Arbeit und versucht 1954 ständig, die Sterne am Himmel und später Wolken und Sonnen (!) zu zählen. Außerdem kommentiert sie in schöner Regelmäßigkeit mit Unverständnis die Texte von Kinderliedern – und natürlich ist sie stolz, eine Nörgelliese zu sein, was sie für eine Art sportlicher Disziplin hält. Erfreulich ist für sie, dass sie zu lesen beginnt, wenngleich sie nun gern pseudowissenschaftlichen Nonsens von sich gibt und den die Dinge besser wissenden Charlie als Dummkopf bezeichnet, was diesem auf den Magen schlägt und woran er im weiteren Verlauf regelrecht verzweifelt. Dass er trotzdem wirklich immer im Dame-Brettspiel gegen sie verliert, macht die Sache nicht besser.

Dass Charlie ein Alter Ego seines Schöpfers ist wird im Running Gag deutlich, in dem er Comics zeichnet, deren Pointen partout nicht ankommen. Geradezu selbstreferentiell mutet es an, wenn Schulz im Mai 1953 (S. 58) Comiczeichner Charlie in die Sprechblase legt, sein Humor sei zu subtil für den gemeinen Leser. Dies und vieles andere muss der Melancholiker mit sich selbst ausmachen. Dass man als Leser(in) bei Team-Aktivitäten Charlies wie z.B. Baseballspielen die Interagierenden so gut wie nie sieht, verstärkt den Eindruck von Einsamkeit und Isolation, der zu einem seiner Markenzeichen wurde, wenn er auch längst nicht jedem Strip immanent ist. Das Lächeln seines Hundes stimmt ihn aber schnell wieder fröhlich. Snoopy läuft nach wie vor auf allen Vieren, seine von Platthaus als vermeintlichen Stilbruch gewerteten Sprechblasen im August 1953 (S. 98) interpretiere ich eher als Gedankenblasen bzw. als Lautartikulation, die für Menschen unverständlich sind, aber natürlich auf Snoopys menschliche Eigenschaften verweisen. Wie häufig er Süßigkeiten zu fressen bekommt, irritiert indes noch immer.

Lucys kleiner Bruder Linus darf im Juni 1953 (S. 74) erstmals eigene Gedanken formulieren, seine Schmusedecke debütiert am 1. Juni 1954 (S. 222). Als sie später wieder aufgegriffen wird, avanciert sie gar kurzzeitig zum Trend: Alle Jungs haben plötzlich eine! Mit Schmuddelkind Pig-Pen feiert im Juli 1954 (S. 240) eine meiner Lieblingsfiguren ihren Einstand und hat eine ganze Reihe starker Auftritte, wenngleich sie noch nicht permanent eine Schmutzwolke um sich herum erzeugt. Als auf traurige Weise visionär erweist sich ein Strip aus dem Mai 1954, in dem Kriegscomicsammler Charlie nicht weiß, ob er sich nach den Ausgaben „Der Unabhängigkeitskrieg“, „Der Krieg von 1812“, „Bürgerkriegs-Comics“, „Der Erste Weltkrieg“, „Der Zweite Weltkrieg“ und „Der Koreakrieg“ auf das nächste Heft freuen soll. Im Oktober 1953 (S. 122) verfügt eine Sonntagsseite erstmals über einen eigenen Titel („Das Kricket-Spiel“) und das Motiv Charlies erfolgloser Drachensteigversuche wird auf einer Sonntagsseite im Juni 1954 (S. 227) eingeführt. So, wie die Figuren noch altern, tun dies auch die äußeren Umstände, sprich: Es gibt Jahreszeiten. Eigenartigerweise zeichnete Schulz am 31.10.1954 keinen Halloween-Strip, obwohl das Thema in den Strips zuvor aufgegriffen wurde. Dass Schulz neben seinem reduzierten Strich auch wesentlich aufwändiger, detaillierter und realistischer zeichnen konnte, beweisen in den Strips auftauchende Objekte wie Schröders Beethoven-Büste oder auch Vögel, die mit Snoopys späterem Freund (und hier noch lange nicht herbeiflatterndem) Woodstock nicht das Geringste gemein haben.

Welchen Aufwand es bedeutet, dem eigenen Komplettismusanspruch gerecht zu werden, lässt der abschließende Kommentar der Herausgeber erahnen, die einen Einblick in die schwierige Ausgangslage gewähren und denen gar nicht genug dafür gedankt werden kann, sich dennoch auch der verschollensten Strips angekommen und sie aufwändig restauriert zu haben, sodass auch diese Ausgabe vollständig ist und sich die Rezipientinnen und Rezipienten ins comichistorische Vergnügen stürzen können.

Mad-Taschenbuch Nr. 23: Don Martin – Super Mad oder Die gesammelten Abenteuer von Käpt’n Hirni

1978 war es so weit: Meine Lieblingsfigur des Mad-Stammzeichners Don Martin, Käpt’n Hirni, feierte sein Debüt im Taschenbuchformat! Die Superhelden-Persiflage um einen in seiner Kindheit und Jugend Superhelden-Comic-süchtigen grenzdebilen, ausschließlich in Soundwords monologisierenden Tunichtgut, der von seinen Eltern, der Schule, dem Arbeitsamt und schließlich seiner Vermieterin herausgeworfen wird, dessen Schicksal aber eine entscheidende Wendung nimmt, als er sich in suizidaler Absicht von einem Hochhausdach stürzt und dabei versehentlich einen Bankräuber zur Strecke bringt, beginnt mit seiner Origin Story und erstreckt sich schließlich über vier wahrhaft heldenhafte Geschichten. So muss er es mit dem infantilen Superschurken Hugo Schlonz alias Babyboy ebenso aufnehmen wie mit einem widerspenstigen Aufzug, mit Gorgonzola, der Monsterspinne und als großes Finale Baldur, dem bösen Bomber. Hierfür hat er wie aus den Mad-Taschenbüchern gewohnt 160 Schwarzweiß-Seiten zur Verfügung, die sich meist auf ein, manchmal zwei Panels beschränken, sodass Don Martins klarer karikierender Strich in den kauzigen, bizarren Zeichnungen optimal zur Geltung kommt. Brutaler Slapstick und anarchischer, respektloser bis absurder Humor geben sich die Klinke in die Hand und verschmelzen zu einer satirischen Parodie klassischer Superhelden-Topoi. Darüber hinaus wird der Film-noir-Stil aufs Korn genommen, wenn Käpt’n Hirni bedeutungsschwanger wie ein Off-Sprecher in kurzen Blocktexten zu seinen Leserinnen und Lesern spricht, jedoch von den dazugehörigen Bildern konterkariert wird, wenn sie die tatsächlichen, wenig rühmlichen Umstände und Ereignisse zeigen. Das „Käpt’n Hirni“-Konzept ist mitsamt seinen Gags ziemlich gut gealtert und ich amüsiere mich nach wie vor köstlich über die Abenteuer des Helden in seiner gepunkteten Unterhose. Käpt’n Hirni for MCU!

Mad-Taschenbuch Nr. 22: Sergio Aragones – Zum Schießen

Im 22. Mad-Taschenbuch kam zum vierten Mal Heftrandzeichner Sergio Aragones zu alleinigen Ehren. Das Bill Gaines gewidmete, 160 Schwarzweißseiten starke Büchlein versammelt eine Vielzahl sich über eine bis maximal drei Seiten erstreckende textlose Gagzeichnungen im gewohnten karikierenden Funny-Stil, deren Pointen sich von banal bis genial bewegen. Die Zeichnungen sind bisweilen überraschend detailliert ausgefallen und manchmal muss man schon mehrmals hingucken, um die Gags zu erfassen. Wer Aragones mag, wird hiermit seinen Spaß haben, der natürlich in doppelter Hinsicht entsprechend kurzweilig ausfällt: Textlastigere Mad-Taschenbücher wird man länger in den Händen halten und auch den einen oder anderen hintergründigeren oder satirischeren Witz mehr erhalten. Nichtsdestotrotz ein schönes weiteres Stelldichein eines Mad-Familienmitglieds der ersten Stunde.

TV-Jahrbuch 1991

ISBN: 3-8927779-01-6

Firmierte das erste TV-Jahrbuch „Spielfilme 89 – Die Höhepunkte des Fernseh-Jahres“ noch unter der Mutterzeitschrift „Cinema“, war es also ein Ableger jenes Kinomagazins und somit der Kino Verlag GmbH, vermarktete man den Nachfolger „Spielfilme 1990“ als Buchableger der „Video Plus“-Zeitschrift, einem damals neuen „Cinema“-Spin-Off für den Heimkinomarkt, und gab daher im Impressum die Video Zeitschriften Verlag GmbH an. Nachdem im August 1990 die legendäre und sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreuende TV-Zeitschrift „TV Spielfilm“ ins Leben gerufen wurde, prangt nun deren Logo auf dem Buchrücken des TV-Jahrbuchs 1991, das Impressum weist die Verlagsgruppe Milchstraße aus. Die Anzahl der Senderlogos auf dem Titel hat sich um zwei auf insgesamt neun erweitert, denn die Kabel-/Satellit-Kanäle 3Sat und Eins Plus waren hinzugekommen. Statt Stallone druckte man ein gezeichnetes „Conan“-Motiv Arnold Schwarzeneggers aufs Cover des nun knapp 200 Seiten umfassenden Bands.

Sein Vorwort nutzt Chefredakteur Willy Loderhose, um die von den Privatsendern vorangetriebene Tendenz zum Senden rund um die Uhr (das damals noch nicht selbstverständlich war) und die damit gestiegene Nachfrage nach dadurch nach den Regeln des Markts immer teurer werdenden Sendelizenzen für Spielfilme zu skizzieren, was im Nachhinein die Zunahme von Werbeblöcken erklärt. Damit einher geht aber auch ein immer breiteres Spielfilm-Angebot im TV, was Loderhose zur Überschrift „Fernsehen = Heimkino“ veranlasste – zumal er am Ende auf den in den Startlöchern stehenden Pay-TV-Sender „Premiere“ verweist, damals für 39 DM monatlich abonnierbar. Auch aufgrund der dadurch zunehmenden Konkurrenz zeigt er sich dem Fernsehjahr 1991 gegenüber optimistisch. Das Inhaltsverzeichnis macht Werbung für die „TV Spielfilm“, bevor Thomas Müller-Siemens im Vorwort zum Spielfilmteil jedoch vor Masse statt Klasse warnt.

Dieser Abschnitt nimmt natürlich den Löwenanteil des Buchs ein und stellt Filme wie „Amadeus“, „Harry und Sally“, „The Untouchables“, „Angel Heart“ etc. inklusive schöner großer Bilder vor. Überraschend kritische Worte findet man zu den „Rambo“-Fortsetzungen, Tim Burtons „Batman“-Filmen, dem dritten „Indiana Jones“ und „Der Sizilianer“. Wenn im Artikel über „Der Prinz von Zamunda“ auf ein Interview mit Eddie Murphy verwiesen wird, das sich im Buch gar nicht findet, ahnt man: Bei den Filmvorstellungen und -rezensionen dürfte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um unverändert aus verschiedenen „Cinema“-Ausgaben übernommene Texten handeln. Dass diese mitunter vom Buch-Layout stark abweichen, irritiert ebenso wie das mangelnde Lektorat, denn anscheinend wurden einige orthographische Klopse direkt mittransferiert. Die Infokästen zu den einzelnen Filmen sind mitunter unvollständig, teilweise fehlt gar das Erscheinungsjahr. Schlimmer ist aber das lange Zeit für die „Cinema“-Filmvorstellungen übliche Spoilern von Wendungen, Pointen und Enden.

Der „Filmhits des Jahres“-Abschnitt wird von der Vorstellung diverser sich bestimmten Schauspieler(inne)n, Figuren oder Regisseur(inn)en widmenden Filmreihen aufgelockert, wobei man mitunter kritische Worte zur Filmauswahl fand. Offenbar als weniger wichtig erachtete Spielfilme erhalten in den senderspezifisch eingestreuten „Kurz belichtet“-Rubriken lediglich Kurzvorstellungen, was leider auch für diverse Werkschauen gilt. Ein nicht unbeträchtlicher Anteil an Spielfilmen findet sogar nur noch in unsortierten Auflistungen ohne weitere Informationen statt, im Falle meine ehemaligen Lieblingssenders Tele5 betrifft dies leider den Großteil der Ausstrahlungen. Immerhin erfährt man so, dass Filme wie „Spasmo“, „Mit Django kam der Tod“ oder „Il Nero – Hass war sein Gebet“ dort offenbar liefen. Generell macht es Spaß, sich zu erinnern zu versuchen, was man damals selbst gesehen hat, und abzugleichen, was es als TV-Mitschnitt ins VHS-Privatarchiv gebracht hat. Weniger schön hingegen ist es, feststellen zu müssen, die eine oder andere in der deutschen Fassung überhaupt nicht mehr erhältliche, echte Rarität mitzuschneiden versäumt zu haben…

Im Vorwort zum Serienteil beschreibt Meriko Gehrmann die RTL-Produktion „Ein Schloss am Wörther See“ [sic!] als Novum, hatten die Privatsender bis dahin doch vornehmlich Serien eingekauft, statt sie selbst zu produzieren – der Erfolg schien RTL recht zu geben, denn wie wir wissen, folgten unzählige weitere Eigenproduktionen. Der Serienteil wird hier stattdessen noch bestimmt von „Twin Peaks“, „Allein gegen die Mafia“, „Alf“, „Miami Vice“ und „Peter Strohm“. Schön, dass auch weniger geläufige Serien, die seinerzeit auf Tele5 liefen, Berücksichtigung finden. Den aufkeimenden Wettkampf um immer gewinnträchtigere und spektakulärere Gameshows zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und den Privaten handelt man auf einer Doppelseite im Serienteil ab, die im Inhaltsverzeichnis unterschlagen wird.

Der vom übrigens Inhalt losgelöste Erotikteil fällt mit nur vier Filmvorstellungen erneut ziemlich dünn aus und wird wie gewohnt ergänzt von einer Übersicht über andere Erotikformate – „Tutti Frutti“ & Co. waren immer noch Themen, waren sie doch Aufreger und Quotenbringer gleichermaßen. So greift Artur Jung sie auch in seinem Vorwort auf und kritisiert die Doppelmoral, mit der man ihnen gegenüberstand. Ein wunderbares Zeitdokument ist der von einem Vorwort Silke Kieneckers eingeleitete Abschnitt „Stars 1991“, der neben Peter Striebeck, Thekla Carola Wied, Peter Falk, Günther Jauch und Konsorten auch die durch die Wiedervereinigung ins gesamtdeutsche Fernsehen drängenden Stars der ehemaligen DDR porträtiert, angefangen bei Wolfgang Lippert über Carmen Nebel bis hin zu Gunther Emmerlich. Den Sonderstatus, den Programmansager Denès Törzs damals einnahm, unterstreicht seine Berücksichtigung in dieser Kategorie, war er doch bekannt für besonders eloquente und informative Filmeinführungen – gute alte Zeiten. Leider endet dieser Abschnitt eher peinlich, wenn im üppig bebilderten Text über das Hamburger „Die Schmidts“-Varieté aus Lilo Wanders „Frau Wandas“ wird, die „life“ statt live auftritt…

Der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik ist auch ein Thema des Sportteils, in dessen Vorwort Michael Schrödner große Hoffnung in die Athletinnen und Athleten des ehemaligen deutschen Realsozialismus setzt.  Ferner gehen aus seinen Zeilen die Bedeutung des deutschen Siegs der Herrenfußball-WM im Vorjahr und der anhaltenden Erfolge im Tennis durch Steffi Graf und Boris Becker hervor. Heute nur noch schwer vorstellbar: Damals hatten tatsächlich die Privatsender den Öffentlich-Rechtlichen zum wiederholten Male die Lizenzen für Spitzenfußball- und -Tennis-Berichterstattung weggeschnappt, weshalb sich ARD und ZDF auf weniger populäre Sportarten beschränken mussten. Schrödner verweist auf das kommende Pay-TV-Angebot Premieres, „jede Woche ein Bundesligaspiel live und in voller Länge“ auszustrahlen, woraus bekanntlich das Hauptverkaufsangebot des Senders erwuchs, dessen Nachfolger Sky heute etliche Privathaushalte und Gaststätten mit x parallelen Sport-Liveübertragungen sowie -Konferenzen versorgt. Eine Doppelseite beschreibt den aktuellen Stand der Schwergewichts-Weltmeisterschaft im Boxen und verweist in weiser Voraussicht auf den ehemaligen DDR-Champ Henry Maske, Wrestling heißt noch Catchen und wird ebenso wie andere Randsportarten in den Sportspartenkanälen Eurosport oder Sportkanal zu sehen sein, die somit nun auch Erwähnung finden – innerhalb eines Artikels, der den Siegeszug des Sport-Pay-TVs voraussagt. Auf einen kurzen Abschnitt zum Tennis folgt eine Übersicht über die wichtigsten Sportereignisse 1991, wobei die Spalte „TV“ in vielen Fällen frei blieb: Offenbar waren die Übertragungsrechte noch nicht geklärt.

Den damaligen Stand der Fernsehlandschaft in der Rezeption fasst der für ein solches Buch relativ detaillierte Statistikteil zusammen, in dem erwartungsgemäß die Fußball-WM-Spiele mit deutscher Beteiligung die Einschaltquoten-Ranglisten dominieren, ansonsten aber erstmals die Privaten – im sechsten Jahr ihres Bestehens – die Öffentlich-Rechtlichen überholt haben. Somit wird der temporäre Siegeszug des Privatfernsehens dokumentiert, während zugleich Michael Lohmann in seinem Vorwort den Wettbewerb zwischen beiden Formen begrüßt. Wie gehabt runden ein Inhaltsverzeichnis, ein Index  und ein ausführliches Adressverzeichnis auch diesen Band ab, der sich gut eignet, die damalige TV-Landschaft ausgehend vom Fokus aufs Spielfilmangebot nachzuvollziehen, aber auch an seine Grenzen hinsichtlich der schieren Fülle gerät – und nicht zuletzt ob seiner Fehler etwas mit heißer Nadel gestrickt wirkt.

Frank Schäfer – Alte Autos und Rock’n’Roll. Der rasende Rezensent I

Der Braunschweiger Frank Schäfer dürfte einer der umtriebigsten popkulturellen Autoren sein, die Deutschland zurzeit zu bieten hat. Auf „Generation Rock“ folgten „Homestories. Zehn Visiten bei Schriftstellern“ und „Woodstock ’69. Die Legende.“, die ich beide nicht gelesen habe. Bei „Alte Autos und Rock’n’Roll. Der rasende Rezensent I“ jedoch, dem Auftakt zu einer neuen losen Reihe von Rezensions- und Essaysammlungen, musste ich jedoch wieder zugreifen, vereint er doch einmal mehr jüngere Texte aus Zeitschriften wie dem „Rolling Stone“ und der „Sounds“, Tageszeitungen wie der „Neuen Zürcher Zeitung“, der „jungen Welt“ und der „taz“ sowie den Online-Angeboten des „Spiegels“ und der „Zeit“. Erschienen ist dieser rund 180 Seiten umfassende Band im broschierten Taschenbuchformat 2010 im Münsteraner Oktober-Verlag.

24 Kapitel lang setzt sich der Doktor der Philosophie und ehemalige Heavy-Metal-Musiker nicht etwa nur mit Rock’n’Roll, sondern mit weit mehr, was ihn irgendwie beschäftigt hat, auseinander. Auf ausführliche, sich in gewohnter Weise von den üblichen Kurzkritiken in Musikmagazinen abgrenzenden Schallplattenrezensionen treffen somit Beobachtungen der Neo-Hippie-Veranstaltung Burg-Herzberg-Festival und persönliche Einblicke in seine private musikalische Sozialisation, die in eine wunderschöne Thin-Lizzy-Ehrerbietung münden, spricht bzw. schreibt er mir aus der Seele, wenn er seine „Schwierigkeiten beim Hören schwarzer Musik“ darlegt (nicht, dass ich es nicht noch mal probieren würde!) oder den sozialen Aspekt von Gesellschaftspiele-Abenden anzweifelt, gibt er The Human League eine Mitschuld am Tode Lester Bangs, setzt er sich mit seinen eigenen Steckenpferden, den Rockromanen und Musikkritiken, kritisch auseinander und unterhält er sich mit Kulturtheoretiker und Schriftsteller Klaus Theweleit über Jimi Hendrix. Schäfer hat auch gelesen, was Greil Marcus über Bob Dylan geschrieben hat, verfasste einen Nachruf auf Popkritiker Helmut Salzinger und den legendären britischen Radio-DJ John Peel und besuchte – einer meiner Favoriten dieser Sammlung – die Comiczeichner Mawil und Kleist in Berlin.

Am tiefsten beeindruckt hat mich Schäfer diesmal jedoch mit seiner klugen Erklärung der Peter-Pan-Obsessionen Michael Jacksons, die er zum Aufhänger nimmt, durchaus auf andere Personalien übertragbare Rückschlüsse auf eine versäumte Kindheit zu ziehen. Und damit nicht genug: Wie er in „Nur eine Nacht“ das Wiedersehen eines ehemaligen Liebespaars auf einem Thin-Lizzy-Reunion-Konzert detailliert nacherzählt, vereint, was Schäfer so häufig ausmacht: Sein sensibles Gespür für Musik und für menschliche Biographien sowie sein von Melancholie geprägter Blick in die Seelen seiner Protagonistinnen und Protagonisten vor dem Hintergrund unerbittlich verrinnender Zeit, was positiv an seine Rockromane erinnert, die es sich in meinem Regal zwischen Salinger und Schamoni längst gemütlich gemacht haben.

Sicher, sein Bericht vom Wacken Open Air 2007 liest sich reichlich verklärend – vielleicht handelte es sich aber auch tatsächlich um das letzte W:O:A dieser Art, bevor man dort für Geld bereit wurde, so gut wie alles zu tun. Das Schöne an allen Essays Schäfers ist es jedoch, dass sie quasi nie theoretisch sind; ganz so also, wie es wirkliches Essays voraussetzen: Sie scheinen auf persönlichen Erlebnissen und Begegnungen oder eben der eigenen offenen und ernsthaft interessierten Herangehensweise an seine unterschiedlichen Themen zu beruhen. Daraus resultiert, dass man sich gar nicht selbst für all diese zu interessieren braucht; es reicht vollkommen, sich für Schäfers erzählerischen Schreibstil zu erwärmen. Dieser ist glücklicherweise meist vor allem in Bezug auf eine angenehme und gut rezipierbare Sprachästhetik anspruchsvoll, aber auch erneut mitunter durchaus herausfordernd – zumindest habe ich für mich neue Wörter wie „konzis“ (offenbar sein damals neues Lieblingswort, das er etwas über Gebühr strapaziert), „inkommensurabel“, „kregel“, „Inauguratoren“ und „Epiphanie“ gelernt.

Hollywood Story: Der ultimative Guide zu Batman

Anlässlich des 80. Geburtstags der Comic- und Filmfigur Batman veröffentlichte der New Yorker Centennial-Media-Verlag 2019 einen 104-seitigen A4-Band mit Klebebindung und Cover aus festem Kartonpapier, der auch ins Deutsche übersetzt wurde und in den Filmzeitschriftenabteilungen der Bahnhofskiosks für 9,80 € erhältlich war. In einem äußerst ansprechenden, professionellen, hübsch bunten Layout inkl. vieler toller Abbildungen werden Hintergrundinformationen zur Entstehung der Comic-Figur und, begleitet von durchaus kritischen Worten, ihrer Schöpfer geliefert, bevor es natürlich zunächst um die klassischen Comics geht. Anschließend widmet man sich Batmans Sidekick Robin, der komödiantischen Fernsehserie aus den 1960ern , Batmans Helfern und Femmes Fatales, seinen „zehn übelsten Gegenspielern“, seinem Kostüm, seinem Batmobil und seiner Bat-Höhle. Recht ausführlich werden die verschiedenen Verfilmungen (inkl. Lego-Film) abgehandelt, wobei ein starker Fokus auf die jeweiligen Schauspieler gelegt wird. Das ist sogar etwas zu viel des Guten, aber, ok – schließlich befindet man sich ja in einer „Hollywood Story“. Ohne wirklich in die Tiefe zu gehen schlägt man auch kritische Worte zur einen oder anderen umstrittenen Kino-Adaption an. Leider zog man nur eine einzige Zeichentrickserie heran, die beliebte „Batman: The Animated Series“ aus dem Jahre 1992, andere Zeichentrickauftritte des dunklen Ritters werden lediglich am Rande erwähnt. Abschließend werden einige Sammlerstücke exemplarisch vorgestellt, wird knapp auf Kuriositäten wie die Batman-Achterbahn, eine Batman-Briefmarke oder Batman-Lego-Crossover-Videospiele eingegangen und als Rausschmeißer ein furchtbar unvollständiger und damit komplett überflüssiger Zeitstrahl untergebracht.

Bei der Fülle an Themen und dem starken Augenmerk auf Batmans Leinwandadaptionen liegt es in der Natur der Sache, dass vieles lediglich oberflächlich angerissen wird. So sind z.B. insbesondere die Schurken des Batman-Universums kongeniale Geniestreiche – eine vollständige Übersicht über alle wiederkehrenden Gegenspieler(innen) wäre toll gewesen. Auch hätte ich mir gewünscht, dass in Bezug auf die Comics mit Begriffen wie Silver oder Golden Age gearbeitet worden wäre. Auf die deutschen Comicausgaben wird leider mit gar keiner Silbe eingegangen. Im Filmteil hätte ich gern mehr über die alten Kurzfilmreihen erfahren. Auch eine vollständige Übersicht über die verschiedenen Zeichentrickadaptionen wäre wünschenswert gewesen. Nahezu unverzeihbar ist der vollständige Verzicht auf Actionfiguren innerhalb dieses Bands.

Dennoch: Für einen mehr als nur groben Überblick ist diese Ausgabe durchaus geeignet, Batman-Fans dürften beim Durchblättern allein schon aufgrund der vielen Abbildungen ihre Freude haben und vielleicht das eine oder andere wieder- oder neu entdecken. Die Texte habe ich als frei von orthographischen Fehlern in Erinnerung, der Genitiv war jedoch kein Freund des Übersetzers oder der Übersetzerin. Aufgrund seines hochwertigen Hochglanzpapiers ist „Der ultimative Guide zu Batman“ auch ein schönes haptisches Erlebnis. Ein etwas weniger marktschreierischer Titel hätt’s jedoch auch getan. Und ich bin um die Erkenntnis reicher: Ich muss endlich mal die Batman-Filmographie komplettieren…

Patrick Cadot / Michel de Bom – Die phantastischen Abenteuer von Yvain und Yvon: Band 1 – Die Spur des Baphoment / Band 2 – König der Wölfe

In den alten Yps-Comicheften wurden neben in sich abgeschlossenen Episoden verschiedener Comicreihen i.d.R. auch Fortsetzungsgeschichten veröffentlicht. So gerne ich Yps damals als Kind gelesen habe, so wenig war daran zu denken, dass ich lückenlos die Hefte erwerbe bzw. erworben bekomme. Das führte dazu, dass ich Yps sehr unchronologisch las und daher die Fortsetzungsgeschichten zwar stets zur Kenntnis nahm, aber lediglich überblätterte. Eine, die mich mit ihren Zeichnungen am meisten faszinierte, war „Isegrims Abenteuer“ um einen Wolf mit leuchtend roten Augen, die ihre deutsche Erstveröffentlichung 1987 in Yps Nr. 592 fand und bis 1989 in Nr. 716 abgedruckt wurde. Es handelte sich um die Reihe „Yvain et Yvon“ der Belgier Patrick Cadot und Michel de Bom, die im Original 1985 erschienen war.

Der deutsche Feest-Verlag veröffentlichte 1988 und 1989 unter dem neuen Titel „Die phantastischen Abenteuer von Yvain und Yvon“ zwei jeweils rund 50-seitige Softcover-Alben in neuer Übersetzung von Petra Butterfaß, die ich anlässlich meiner Wolfs-Tätowierung antiquarisch erwarb. Yvain und Yvon sind Zwillingsbrüder im Kindesalter, von denen sich Yvon in den rotäugigen, sprechenden Wolf Ysengrin verwandeln kann. Dies halten die beiden vor fast allen anderen geheim und durchstehen gemeinsam aufregende, gefährliche Abenteuer.

Im Band „Die Spur des Baphomet“ befinden sie sich in den Ferien in Südfrankreich, wo sie mit der Sagengestalt des Baphomets konfrontiert werden und aufgrund ihrer Neugier, ihres Spürsinns und natürlich Yvons besonderer Fähigkeiten einem habgierigen Komplott um einen uralten Schatz der Templer auf die Spur kommen. In klar strukturierten, in den Größen variierenden vollfarbigen Panels wird in typischen frankobelgischen Zeichnungen eine spannend konzipierte Detektivgeschichte mit Fantasy-Elementen erzählt, die die Mythologie um den Baphomet und die Templer aufgreift und sehr frei adaptiert. Gepaart mit etwas Humor und skurrilen Erwachsenenfiguren wurde ein Comic zu Papier gebracht, der von seiner geheimnisvollen Stimmung und den sympathischen Protagonistin lebt, die ihr großes Geheimnis hüten und außerhalb der familiären Obhut über sich hinauswachsen. Damit ist er bestens für etwas größere Kinder geeignet sowie natürlich für alle Freunde des unverkennbaren frankobelgischen Zeichenstils. Abgerundet wird dieser erste Band durch eine Kurzvorstellung Cadots und de Boms.

Im zweiten Band „König der Wölfe“ geht es ins elsässische Tritenheim – und wesentlich härter zur Sache als in der vorausgegangenen Geschichte. Ysengrin vernimmt dank seiner Wolfsinstinkte eine innere Stimme, die ihn zum Treffen der Oberhäupter aller Wolfsclans lockt. Der Grund: Der neue König der Wölfe soll gewählt werden. Doch Tetramund, der noch amtierende Wolfskönig, wird von Baron von Wallenstein gefangen und dessen dekadenten Gästen vorgeführt..

„König der Wölfe“ entspinnt eine ganz neue, düstere Mythologie um die Gattung der Wölfe und klagt den Umgang der Menschen mit ihnen an. Tetramunds Gefangennahme und anschließende Befreiung ist dabei erst der Auftakt zu einer blutigen Eskalation mit Toten auf beiden Seiten, bei der die Wut der Zeichner auf trophäenjagende Adlige und ihre speichelleckende Gefolgschaft mehr als nur durchschimmert. Das ist konsequent, trotz einigen Humors auch traurig und bitter und somit sicherlich nichts für ganz junge Leserinnen und Leser. Für Freunde frankobelgischer Comics mit einem gewissen inhaltlichen Anspruch jedoch handelt es sich um eine lohnenswerte, berührende Entdeckung, die angesichts der Hysterie schießwütiger feiger Exemplare der Gattung Mensch aufgrund der Rückkehr des Wolfs in hiesige Gefilde aktueller denn je ist. Ich jedenfalls bin begeistert!

Schade, dass es mit dem bereits angekündigten dritten Band in Deutschland nichts mehr wurde…

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