Ursprünglich sollte dieses Konzert in Bad Oldesloe stattfinden, denn unter Kurort machen wir’s eigentlich nicht mehr (Scherz!), doch wurde es schließlich nach Rendsburg in die gute alte (und jüngst gerettete) T-Stube verlegt – einem wichtigen selbstverwalteten Ort für Live-Aktivitäten auf dem flachen schleswig-holstein’schen Land. Eigentlich hätte das Konzert auch mit den niederländischen CITY RIOT als Headliner aufwarten sollen, die letztlich jedoch wegen einer Doppelbuchung passen mussten. Veranstalter Sven alias „Oidesloer“ hatte also gut zu schwitzen, letztlich aber alles prima hinbekommen. Auch unser spätes Aufschlagen – aus den heillos überfüllten Hamburger Straßen auf die Autobahn zu kommen, dauerte länger als der eigentliche Teil der Strecke – schien den Zeitplan nicht sonderlich durcheinandergeworfen zu haben.
Nach sieben Jahren also ein zweites Mal BOLANOW BRAWL in der T-Stube, wo uns Sven und die Crew freundlich empfingen, uns mit der Bühne und deren Technik vertraut machten, den Soundcheck mit uns durchführten und uns mit superleckerem Mampf sowie Freigetränken verwöhnten. Als nach und nach die ersten Besucherinnen und Besucher eintrudelten, wurde draußen die Feuertonne angeheizt. VIOLENT INSTINCT waren auch längst da, deren Sängerin Aga stellte mir freundlicherweise ihr Funkmikro für den Gig zur Verfügung – besten Dank! Irgendwann zwischen 20:00 Uhr und 20:30 Uhr legten wir als erste Band los, was vor allem denjenigen zugutekam, die mit einer der letzten Bahnen wieder nach Hause wollten, mein Körper aber offenbar als etwas ungewohnt empfand – ich kam erst während des Auftritts langsam auf Touren. Wir zockten die komplette LP in an die Live-Situation angepasster Reihenfolge durch, was weitestgehend pannenfrei verlief. Der Keil, der die Bassdrum vom Wandern abhalten sollte, tat dies nur höchst unzureichend und geriet – wie die ganze Bassdrum irgendwann – zu einer potenziellen Stolperfalle für mich, brachte mich aber nicht zu Fall. Ha! Ansonsten war technisch alles ok und unsere aus Leuchtreklamen bestehende Bühnendeko leuchtete, während bei uns die Lampen angingen… Dafür warfen wir die vorgesehenen (Nicht-)Pausen zwischen den Songs übern Haufen, ohne uns aber zu verzetteln. Als Zugabe gab’s wie üblich „Total Escalation“, die Leute schienen zufrieden und wir hatten nun Feierabend. Fast. Hektisch bauten wir unsere Plünnen inklusive unseres neuen Banners ab, verstauten das Zeug in den Karren…
- Bolanow
- Brawl
…und tatsächlich hatten HABGIER (nach einem Ennio-Morricone-Intro) schon angefangen, als ich nach einer Kippenlänge von draußen wieder reinkam. Die Neubrandenburger HC-Punk-Band ist auf Duo-Größe geschrumpft, sprich: Gitarristin/Sängerin in Personalunion, Basser/Background-Shouter – aber kein Drummer. Dieser kam aus der Konserve. Dem angemessen rauen Sound, perfekt abgerundet von der herrlich dreckigen Stimme der Sängerin, tat dies keinen Abbruch; für die Optik wäre ein(e) Drummer(in), der/die sich Animal-mäßig so richtig schön reinlegt, aber schon geil gewesen. Das deutschsprachige Material deckte die für diese Musik üblichen, leider nie überholt scheinenden Themen ab, und irgendwann gab’s einen „Song für alle DDR-Punks und die, die’s noch werden wollen“, nämlich eine Coverversion von SCHLEIMKEIMs „Frage der Zeit“. Die Klampfe sägte amtlich, kein Song dürfte länger als 90 Sekunden gewesen sein, und gefühlt recht flott war der Gig auch schon wieder vorbei. Hat Spaß gemacht – und klasse auch, dass die Band relativ kurzfristig hatte einspringen können.
- Habgier
Viel zu lange war’s her, dass ich VIOLENT INSTINCT zuletzt livegesehen hatte; eine ganze Weile hatten sich die Hamburger(innen) live auch eher rar gemacht. Drummerin Camila, mit der ich die Band bisher nie sah, war leider aus gesundheitlichen Gründen verhindert, die Band für diesen Auftritt also auf Quartettgröße geschrumpft. Einer der beiden Denisse hat kurzerhand von der Gitarre ans Schlagzeug gewechselt, man trat also mit nur einer Klampfe auf. Dadurch ging natürlich gerade während den Leadparts etwas Druck flöten, was man aber recht gut kompensiert bekam. Nachdem ich Aga kurz in Unruhe versetzt hatte, weil ich ihr Mikro so gut im Backstage abgelegt hatte, dass ich mich selbst nicht mehr erinnern konnte, wo genau (es sich dann aber doch noch anfand), gab’s 14 Songs lang deutsch- und englischsprachigen, klischeefreien Streetpunk vom Feinsten zu hören. VIOLENT INSTINCT stiegen mit „Lass dich fallen“ in ihr Set ein und setzten anschließend den Fokus verstärkt auf die jüngeren englischen Stücke, darunter auch eine unveröffentlichte Nummer. Und mit der geforderten Zugabe „Hamburg“ setzte man sogar noch einen drauf. Die Songs leben von ihren eingängigen Melodien, den klugen Texten und Agas melodischem Klargesang sowie ihrer Ausstrahlung. Nach wie vor eine großartige Band, von der ich hoffe, dass sie bald mal wieder neues Material veröffentlicht.
- Violent Instinct
Nach dem Konzert ging’s betrunken mit Christian und Veranstalter Sven noch auf ein Bierchen in eine sehr anheimelnde Rendsburger Kneipe, woraufhin wir uns aber sputen mussten, noch die letzte Bahn zu kriegen. Am Bahnhof trafen wir einen anderen Sven, der auf dem Konzert gewesen war und zusammen mit uns weitertrinkenderweise zurückfuhr, bis ich irgendwann ziemlich zerschossen am Sonntag gegen 13:30 Uhr zu Hause wieder die Augen öffnete…
Hatte sich also mal wieder gelohnt! Danke an Sandy fürs Fahren und für die Fotos unseres Gigs, an Sheila fürs Video, an Aga fürs Mic, an Oidesloer-Sven für die Einladung und an dessen sowie das T-Stube-Team für die Gastfreundschaft mit allem Zipp und Zapp sowie nicht zuletzt allen Besucherinnen und Besuchern!





















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