Rund 220 unkolorierte Seiten stark ist dieses mittelgroße Paperback, das im Jahre 2002 offenbar in fünf verschiedenen Covern bei Berlin Comix erschien. Fünf miteinander befreundete Berliner Comiczeichner, u.a. der noch am Anfang seiner Karriere stehende Mawil und der damals bereits recht renommierte Kleist, zeichneten und schrieben die experimentelle Funny-Sammlung „Geschichten aus dem Comicgarten“. Zur Entstehung lese man das famos selbstironische Vorwort – wenngleich einmal dahingestellt sei, ob das dort beschriebene Konzept, innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe eine bestimmte Anzahl Comicseiten zu schaffen, also total spontan drauflos zu zeichnen, tatsächlich exakt so gegriffen hat.

Bei Michalkes kurzem Liebesdrama um Fuchsi und Fiesi in einfachem Strich hat es aber diesen Anschein; ebenso bei Mawil, der seinen Hasi in eine irre Justizposse stürzt, den Duracelhasen sterben lässt und sich selbst beim Nachdenken zeichnet, zwei Seiten nur mit schwarzen Panels füllt, die eine Ohnmacht ausdrücken sollen, mit Kommissar Hunter, den Schlümpfen, Goofy und Micky Maus bekannte Figuren auffährt und die eigentlichen Ereignisse ausspart, nur nachträglich von einer Figur behaupten lässt.

Von Fil stammt das Herzstück in drei Akten, ebenfalls voller bekannter Figuren: Lolek und Bolek, Catwoman, Werner, die Schlümpfe, Rudolf Scharping, Hulk bzw. Halk, Speedy Gonzales, ein Panzerknacker… und (Achtung!) das Filhuhn! (Tusch!) Damit nicht genug, das Bienchen ruft „Zeter und Mordillo“ – genau mein Humor. Fast überrascht war ich, dass Fil tatsächlich ein pointiertes Ende seiner Geschichte findet. Für Michalke wiederum ist der Comicgarten ein Urlaubsland, in dem eine fremde Sprache gesprochen wird und ein Rockabilly, der sich für ultracool hält, sein Fett wegbekommt. Naatz zeichnete eine Bulle-von-Tölz-Persiflage mit viel Mundart und Seitenhieben gegen Fickmangas, Pokémons und japanische Vergangenheitsbewältigung.

Und last but not least ist der Comicgarten für Kleist ein Knast, aus dem es zu entkommen gilt – doch im Comicuntergrund ist man zwar frei, hat aber nichts zu beißen. Eine bissige Parabel auf die Comicverlagsbranche inklusive wieder zahlreicher bekannter Figuren und am Ende einem frühen Seitenhieb gegen Computerautomatisierungen, was heutzutage KI wäre, gezeichnet in hübsch düsterem Stil und mit filmischen Perspektiven, die an Ausbrecherkinofilme erinnern.

Das ist alles angenehm und (zumindest mir) nie zu schräg und in jedem Falle besser als Geschichten aus dem Paulanergarten. Wer mag, darf trotzdem ein Weizen dazu genießen.