Günnis Reviews

Monat: Juli 2025

19.07.2025, Krähenwiese, Hamburger Stadtpark: „LäggerMugge und Bier“-DIY-Open-Air

Sommer, Sonne, Sand und Meer

Zwei Punkrocker waren da was am Planen dran: Anlässlich ihrer Geburtstage ein kleines unkommerzielles DIY-Open-Air auf der Krähenwiese im Hamburger Stadtpark mit pfandfreiem Dosenbier aus Dänemark. Für einen von ihnen sollte es ein Revival werden, der hatte so was früher schon öfter mal ausgeheckt. Sieben bis neun Bands waren im Gespräch, am Ende wurden’s fünf – und wir waren eine davon. Das klang nach Chaos, Anarchie und Spaß, also waren wir dabei. Gestellt wurden ein Schlagzeug, Boxen und ‘ne Gesangsanlage, Aufbau direkt auf der Wiese, dahinter ‘ne Kühlbox mit Getränken, alles generatorbetrieben. Leider musste während der Gigs die Stromzufuhr zur Kühlbox gekappt werden, aber irgendwas ist ja immer. Das Wetter spielte perfekt mit, inmitten zeitweise reichlich verregneter Tage hob sich dieser Samstag mit strahlendem Sonnenschein empor.

Unser Drummer hatte sich bereiterklärt, in Sachen Technik – Transport, Aufbau etc. – tatkräftig zu helfen und war demnach wenig zu beneiden, als er schon ab dem späten Vormittag damit beschäftigt war. Als ich nach dem Frühstück um kurz vor 15:00 Uhr dazustieß, stand die „Bühne“ und BUDDERFAHRT besorgten den Soundcheck. Mit den anderen Bands wurde die Reihenfolge ausgeknobelt, immer mehr buntes Volk trudelte ein und das fröhliche Betrinken in der Sonne nahm seinen Lauf.

Um 17:00 Uhr legten BUDDERFAHRT perfekt passend mit ‘nem das Zeug aus der Überschrift thematisierenden Liedchen los. Im weiteren Verlauf ging das Trio nicht immer ganz so fröhlich vor, nachdenkliche Midtempo-Song gaben sich mit punkig geschrammeltem, schnellerem Material und Feiersongs die Klinke in die Hand. Sänger/Gitarrist Meik führte mit launigen Ansagen durchs Set und bewahrte sich eines der Highlights, ein seinem verstorbenen Vater gewidmetes Lied, bis zum Schluss auf. Sehr sympathischer Opener, den ich hier – wie alle andere Bands – zum ersten Mal live sah.

Dann war es an uns (DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS), unsere 16 etwas aggressiven Nummern durchzuprügeln. Meine Bandkollegen hatten mich genötigt, eine nicht 100%ig geschmackssichere Kette, die ich zum Geburtstag von ihnen erhalten hatte, umzuhängen, was ich zumindest ein paar Songs lang tat. Um mich gut selbst zu hören, latschte ich vor die Gesangsboxen und freundete mich schnell mit der dortigen Bewegungsfreiheit an, die man von kleinen Clubbühnen natürlich nicht gewohnt ist. Mein Radius wurde lediglich durchs Mikrokabel eingeschränkt, mit dem ich versehentlich – Obacht, Kabelsalat! – mehrmals Gitarrist Kais Tretmine rauszog. Wir brachten ein paar Leute zum Tanzen, versemmelten den Schluss vom angesichts der Jahreszeit vielleicht nicht ganz passend erscheinenden „Blutiger Schnee“ so’n bischn und legten die eine oder andere kurze Trinkpause ein. Als wir fertig waren, sah mein ehemals weißes T-Shirt (sicherlich nicht die beste Idee gewesen…) aufgrund der ständigen Berührungen mit dem durch Rasen und Matsch gezogenen Mikrokabel aus, als hätte ich mich in einer Pfütze gesuhlt. Hat Spaß gemacht – dabei fing der Spaß jetzt erst so richtig an!

Die Schuldigkeit war nämlich getan, nun galt es nur noch zu trinken und zu feiern. BRIGADE HELBING, junge Hamburger Oi!-Band, bestehend aus alten Hasen, lieferte mit ihrem rustikalen Sound den perfekten Soundtrack dazu. Der ehemalige TESTOSTERON-Sänger Markus, HARBOUR-REBELS-Gitarrist Dennis und die Rhythmusfraktion aus L.A.K.- und SMEGMA-Leuten mischten eigenes Material mit Coverversionen von u.a. SMEGMA und coverten „Mehr als Fußball“, jenen FCSP-Song der Band des Drummers, im Duett mit Jule von HARBOUR REBELS. Letzteres taten sie als lautstark geforderte Zugabe dann gleich noch mal. Spitzen-Party-Gig, nach dem ich folgerichtig gut angeheitert war.

Es folgten KYLMÄ KRYPTA, was Finnisch ist und so viel wie „Kalte Gruft“ bedeutet – eine Band, die ich über ihren Gitarristen Flo kennengelernt hatte, der mir wiederum immer beim AFC auf der Kampfbahn über den Weg läuft. Das ist selbst für einen Post-Punk-Muffel wie mich erfrischend angegrufteter, dabei glücklicherweise sehr punkiger Stoff, der mit seiner finnischen Sängerin und ihren in Muttersprache verfassten Texten ein echtes Alleinstellungsmerkmal aufzuweisen hat. Ebenfalls (noch immer) nicht alltäglich: eine Drummerin. Habe mir die schick aufgemachte Tape-EP gleich mal eingesackt.

Mit HORDAKS HORDE machte eine schon recht lange existierende HH-Punk-Band den Rausschmeißer. An den Gig kann ich mich nicht erinnern, weil ich viel zu betrunken war, Fotos zu machen habe ich auch vergessen, aber ich werde die Etherianer mit ihrer hervorragenden ‘80er-Kult-Actionfiguren-Kenntnis bestimmt gebührend gefeiert haben. Anschließend war mir anscheinend mehr danach, mal ein Nickerchen unter freiem Himmel zu machen, wurde aber aufopferungsvoll von meinem Kumpel Christian und meiner wesentlich besseren Hälfte durch den ÖPNV nach Hause geleitet. Danke dafür, danke an die beiden Geburtstagskinder, auf deren Party ich bis ins Delirium mit- und meinen eigenen Geburtstag quasi eingezeckterweise nachfeiern durfte, danke an alle Helferinnen und Helfer und die zumeist sympathischen, entspannten Gäste von Hund über ganz jung über angeblich erwachsen bis in Ehre ergraut! Und nicht zuletzt an alle, die Schnappschüsse unseres Gigs gemacht und uns zukommen lassen haben.

15.07.2025, Bürgerweide, Bremen: IRON MAIDEN (+ AVATAR)

Photo by Charly Alex

IRON MAIDEN sind seit jeher eine meiner Lieblingsbands, aber ihre Konzerte meist teuer und überfüllt. Daher nehme ich bei Weitem nicht jede Tour mit, sondern gehe nur alle Jubeljahre mal hin. Oh, die kommen zum 50. Bandjubiläum nach Bremen, und dann auch noch an meinem Geburtstag? Shut up and take my money! Mein letzter MAIDEN-Gig lag Jahre zurück; dies war die passende Gelegenheit, den Gönni zu machen und mir was zu gönnen. Die Monate strichen ins Land, Urlaub wurde eingereicht und in meinem Bandkollegen Christian ein Abnehmer für meine vorsorglich gleich mitgekaufte zweite Karte gefunden, denn der hatte die NWOBHM-Veteranen doch tatsächlich noch nie livegesehen. Nach ‘nem halben Tag Arbeit brach ich früh genug gen Bremen auf, um in Ruhe in meinem günstigen, aber ein paar Kilometer entfernten Zimmer einzuchecken (und mich mit dem Bremer ÖPNV vertraut zu machen). Ich hatte beschlossen, über Nacht zu bleiben und den nächsten Tag in Bremen zu verbringen. Christian kam etwas später nach und wir trafen uns am Bahnhof wieder, um noch etwas zu essen und das erste Kioskbierchen zu zischen.

Auf Teile des Drumherums freute ich mich, zum Beispiel den Anblick des sich fest in Hand von MAIDEN-Fans befindenden Bahnhofsviertels und die meist angenehme Atmosphäre innerhalb dieser Klientel zwischen Feierlaune und Vorfreude. Angenehm auch, dass das Gelände dieses Open-Air-Konzert direkt am Bahnhof liegt, man also keine langen Wege hat. Auf anderes freute ich mich hingegen überhaupt nicht, hatte mich aber damit abgefunden und mich darauf eingestellt: Ein mediokrer Veranstaltungsort, der nun mal nichts anderes als ein gepflasterter Platz ist, auf den man eine Bühne gestellt hat; völlig entfesselter Kommerzwahn bei Verpflegung (0,5 Liter Bier 7,- EUR + 3,- EUR Becherpfand – fuck you!) und, wie bei MAIDEN leider üblich, eine weder qualitativ noch musikalisch passende Vorband, die es zu überstehen galt. Daher hatten wir’s auch nicht allzu eilig, das Gelände zu betreten, sondern tranken uns mit Kioskgetränken auf dem Vorplatz warm, wo wir zwei ausländische Musiker beobachten konnten, die Klassiker wie „Angel of Death“ und „Highway to Hell“ über ‘ne kleine portable Anlage zockten.

Irgendwann ging’s dann aber doch rauf aufs Gelände, wo wir zwei von angeblich 35.000 Fans waren. In diesem Getümmel bekannte Gesichter zu finden, war reine Glückssache, funktionierte in zumindest einem Fall aber doch (Hallo Sascha!). Ok, also erst mal AVATAR, „Alternative Metal“ oder so aus Schweden. Boah, nee. Belanglose Musik und ein als Mischung aus Marilyn Manson und Alice Cooper verkleideter Sänger, der das Publikum zu animieren und – warum auch immer – zwischen den Songs mit Kopfstimme zu kreischen versuchte, obwohl er’s gar nicht konnte. Und obwohl der Wetterbericht einen trockenen Abend in Aussicht gestellt hatte, kamen dem Wettergott angesichts dieser Performance die Tränen. Zum Glück waren die Bierstände überdacht.

Kaum waren AVATAR mit ihrem Set durch, klarte der Himmel für England’s Finest wieder auf. Diese hatten sich für die Tour ein Best-Of-Set zurechtgelegt, das ausschließlich zwischen 1980 und 1992 veröffentlichtes Material enthielt – Songs aus der erweiterten klassischen Phase also. Deep Cuts brauchte man nicht zu erwarten, allerdings auch keine Durststrecken. Kurzum: Mit einem solchen Set kann man nicht viel falsch machen. Wir positionierten uns ungefähr am Ende des ersten Drittels schräg zur Bühne, von wo aus Bierstand und Klos in akzeptabler Reichweite waren, man aber trotzdem ‘nen passablen Blick auf die Bühne hatte. Und ziemlich pünktlich gegen zehn vor neun erklang dann auch wie üblich UFOs „Doctor Doctor“ aus der Konserve, ein wichtiger Bestandteil des MAIDEN-Live-Ritus. Und eine Band dieser Größenordnung kann sich gleich zwei Intros leisten, also noch „The Ides of March“ hinterher, bereits versehen mit einer wirklich geil gemachten Computeranimation, die durch die Stationen früher Artworks und Texte führte – und mit Erscheinen der Band auf der Bühne in den ersten Livesong „Murders in the Rue Morgue“ überging. Der Sound war zunächst nicht das Gelbe vom Ei, noch recht matschig und Bruce viel zu leise. Finde ich immer schade, so was, ist aber leider alles andere als unüblich. Es folgten gleich drei weitere Songs aus der frühen Phase mit dem leider kürzlich verstorbenen Ex-Sänger Paul Di’Anno und der/die Mischer(in) bekam den Sound in den Griff, nur Bruce blieb enttäuschend leise. Auch dies änderte sich aber bald – möglicherweise noch während „Phantom of the Opera“, wenngleich ich ihn gern noch lauter gehört hätte, zumal er sowohl körperlich als auch stimmlich topfit wirkte und es die reinste Freude war, ihm zuzusehen und zuzuhören.

Sicher, das Zusehen gelingt ab einem gewissen Abstand zur Bühne nicht ohne Weiteres, erfreulicherweise verstand die für die Videoscreens links und rechts der Bühne zuständige Regie ihr Handwerk aber formidabel: Solierende Gitarristen wurden ebenso stets eingefangen wie Bruce‘ Posen und seine verschiedenen Kostüme. Zu jedem Song wurde der Bühnenhintergrund in passende digitale, zum Teil animierte Backdrops gehüllt, echte Pyros kamen wohldosiert zum Einsatz. Auf „The Number of the Beast“ folgte „The Clairvoyant“, auf „Powerslave” „2 Minutes to Midnight”. Mit „Rime of the Ancient Mariner” spielte man den wohl beeindruckendsten Longtrack der klassischen Phase, vollständig inklusive der beunruhigenden Geräusch-Samples aus der Konserve. „Run to the Hills“ ist aufgrund der Tonlage echt schwierig mitzusingen, was mich natürlich nicht davon abhielt, ganz gleich, wie krumm und schief es klang – was raus muss, muss raus! Überraschend gab’s mit „Seventh Son of a Seventh Son“ einen zweiten Longtrack, der, wenngleich von einem meiner Lieblingsalben stammend, live aufgrund seiner Keyboard-lastigen Parts etwas verlor – schlicht deshalb, weil kein Keyboarder auf der Bühne zu sehen war. So hätte ich mir stattdessen lieber drei andere Songs des Albums gewünscht, z.B. „Can I Play With Madness“, „The Evil That Men Do“ oder „Infinite Dreams“.

Sei’s drum, mit dem nach wie vor hochgradig beeindruckenden „Hallowed Be Thy Name”, „The Trooper“ (etwas irritierend: Bruce u.a. mit Deutschlandfahne wedelnd) und dem das reguläre Set beschließenden „Iron Maiden“ reihte sich Hit an Hit, bevor „Churchill’s Speech“ den Zugabenteil mit – natürlich – „Aces High“, „Fear of the Dark“ (Bruce als Nachtwächter) und dem großartigen AOR-Singalong-im-Sci-Fi-Metal-Gewand-Kracher „Wasted Years“ einleitete. Dann war Feierabend. Maskottchen Eddie war nicht nur im Artwork allgegenwärtig, sondern auch in unterschiedlichen Inkarnationen überlebensgroß über die Bühne gestampft und hatte Saures bekommen, was nach wie vor seinen herrlich trashigen Charme hat. Auf „The Loneliness of the Long Distance Runner” wird man aber wohl zeitlebens verzichten müssen und angesichts der vielen derzeit tobenden Kriege hätte ich „Afraid to Shoot Strangers“ als angebracht empfunden. Als einziges Album der genannten Phase wurde „No Prayer for the Dying“ komplett ausgespart, und dass „Revelations“ nicht gespielt wurde, war vielleicht ganz gut, denn dann hätte ich wohl weinen müssen. Das sind angesichts dieses bockstarken Sets aber Luxusprobleme. Nicht nur Bruce wirkte topfit, die ganze sechsköpfige Band mit ihren drei Gitarren war’s und Simon Dawson, der nach über 40 Jahren Nicko McBrain am Schlagzeug beerbte, gab sich ebenfalls keine Blöße. Einziger Wermutstropfen: Sein reduzierteres Schlagzeug sieht bei Weitem nicht so beeindruckend aus wie Nickos. Als mitten im Set die Dämmerung einsetzte, war auch die Atmosphäre perfekt, das Wetter blieb zudem trocken und der Großteil des Publikums hielt sich an die Bitte der Band, nicht ständig die Smartphones in die Höhe zu reißen und permanent zu filmen oder zu fotografieren. Das tat auch ich, weshalb ich nur wenige Schnappschüsse angefertigt und mich darüber hinaus im Netz bedient habe. Die Credits habe ich jeweils genannt; wer mit der Verwendung hier nicht einverstanden ist, braucht mich nur kurz anzuschreiben, dann entferne ich sie wieder.

Nach einem Absacker am Kiosk verabschiedete ich Christian, der das Glück hatte, dass seine eigentlich verpasste letzte Bahn kräftig verspätet war, und begab mich zu meiner Unterkunft. Den nächsten Tag stromerte ich noch durch Platten- und Comicladen, war dann aber auch einigermaßen matt und froh, am frühen Nachmittag nach Hause fahren zu können.

Damals wie heute: UP THE IRONS!

04.07.2025, Goldener Salon, Hamburg: MAID OF ACE + BOLANOW BRAWL

Unser dritter Gig in neuer Besetzung fand im schönen Goldenen Salon des Hafenklangs statt, der gegenüber dem „eigentlichen“ Hafenklang den Vorteil einer breiten Fensterfront mit Aussicht auf die Elbe sowie eines Tresens, an den gelehnt man weiterhin das Treiben auf der Bühne verfolgen kann, hat. Und auf der Fläche vor der Bühne befinden sich keine Stützsäulen, die den Blick erschweren könnten. Dafür muss man auf einen Backstage-Raum verzichten. Es handelte sich um ein Frühkonzert, das bereits um 20:00 Uhr beginnen sollte, weil die Räume im Anschluss für eine andere Veranstaltung benötigt wurden. Als wir um 17:00 Uhr ankamen, waren MAID OF ACE, die die Backline stellten, gerade mit dem Bühnenaufbau beschäftigt. Kurz darauf gab’s lecker Schmackofatz; zum ohnehin bereitstehenden kalten Buffett servierte mit Thommy einer meiner Hamburger Lieblings-Bandköche ein köstliches Kartoffel-Blumenkohl-Curry auf liebevoll angerichtetem gelben Reis. MAID OF ACE sind vier Schwestern (!), die offenbar alles selbst machen, jedenfalls fuhren sie selbst und hatten keinen Roadie oder Mercher dabei. Die Bassistin fehlte aufgrund eines dringenden anderen Termin leider, dafür war eine Freundin aus L.A. kurzerhand eingeflogen gekommen, die sich ihre Bassparts innerhalb knappster Zeit draufgeschafft hatte. Wow, ok! Es wurde soundgecheckt und als alles standesgemäß klang, waren wir an der Reihe. Allzu viel Zeit blieb allerdings nicht mehr, denn der Einlass war eigentlich für 19:00 Uhr geplant und das Volk begehrte denselben. Ein, zwei falsch ins fremde Equipment eingesteckte Kabel beschleunigten den Ablauf nicht unbedingt, aber irgendwas ist ja immer. Umso schöner, dass der Soundmann cool blieb und neben der P.A. den Bühnen- und Monitorsound bestmöglich mit uns aufeinander abstimmte.

Dieser Freitag lag inmitten zahlreicher relevanter Punkkonzerte, die an den Tagen zuvor stattfanden oder kurz darauf stattfinden sollten. Dennoch bot sich uns eine beachtliche Kulisse, als wir um kurz nach acht anfingen. Der interessiert dreinschauende Haufen gab sich zwar zunächst Hamburg-typisch etwas reserviert, aber mit ein paar dummen Sprüchen lockerten wir die Stimmung auf und brachten hier und da schließlich etwas Bewegung in die Bude. Es war der Tag der Veröffentlichung unserer ersten Digital-Vorab-Single („Cliché“) aus dem am 22. August bei Smith & Miller herauskommenden Album. Jenen Song spielten wir zusammen mit elf weiteren Nummern, wobei wir beim letzten Song trotz der einen oder anderen kurzen Stimmpause seltsamerweise irgendwie out of tune klangen. Die durch die eingangs erwähnte Fensterfront scheinende Sommersonne sorgte für eine für Indoor-Konzerte ungewöhnliche Tageslichtatmosphäre, gegen die die Nebelmaschine zumindest auf der Bühne ab und zu anarbeitete. Hat Spaß gemacht, gröbere Pannen waren ausgeblieben und die Anwesenden dürften passabel für den Hauptact aufgewärmt worden sein.

MAID OF ACE haben seit ihrer Gründung Mitte der 2000er eine für ‘ne D.I.Y.-Punkband ohne Plattenlabel beachtliche Größe erreicht. Drei Alben hat man herausgebracht und ist letztes Jahr mit GREEN DAY getourt. Derzeit sind sie auf Festland-Tour, was die fleißigen Ladies schon öfter waren, aber seltsamerweise hatte ich bisher keines ihrer Konzerte besucht und mich auch erst, als sich dieser Gig anbahnte, musikalisch mit ihnen beschäftigt. Asche auf mein Haupt, denn das ist wirklich geiler Scheiß: Klangen anfänglich noch herrlich dreckige Grunge-Einflüsse in ihrem rotzig-frechen UK-Punk durch, nahmen später die Streetpunk-Einflüsse zu. In jedem Falle aber geht’s immer kräftig in die Offensive, und als so umgänglich und freundlich sich die Mädels auch erwiesen, auf der Bühne wurden sie zu den reinsten Krawallschachteln, die aggressiv riffen, ballern und kehlig Gift verspritzen. Die Songs kommen dabei meist schnell auf den Punkt und bleiben dank mehrstimmiger Chants und Shouts sowie eingängiger Refrains haften. Der Sound im mittlerweile rappelvollen und entsprechend drängeligen Goldenen Salon war geil, das Publikum feierwütig und der Gig bis auf ein Manko ganz nach meinem Geschmack: Er hätte gern noch ‘ne Viertelstunde länger sein dürfen.

Unser Basser Urko hatte am nächsten Morgen eine wichtige Prüfung und verabschiedete sich daher frühzeitig, wir anderen halfen den Maids noch beim Equipmentschleppen und zumindest zu dritt plus Freunden führten wir sie noch zum Onkel Otto, wo sie bewiesen, auch am Glas ziemlich gut zu sein. Bei lauschigen Sommertemperaturen konnte man prima draußen sitzen und sich die Bettschwere antrinken. Und während wir den Rest des Wochenende freihatten, mussten MAID OF ACE am Nachmittag schon wieder auf die Bühne des Ruhrpott-Rodeos…

War ‘ne gelungene Sause! Danke an MAID OF ACE, ans Hafenklang-Team, die Besucherinnen und Besucher und nicht zuletzt Sandy für die Schnappschüsse unseres Gigs!

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