Titel wechsel dich: Statt „Erotik im Kino“ kehrte man für diese Fleischbeschauvorschau aufs Kinojahr 1987 wieder zum ursprünglichen Titel der Cinema-Sonderbandreihe zurück. „Sex im Kino ‘87“ also – und anhand des Umfangs (132 statt wie zuvor 100 Seiten) könnte man meinen, das erotische Kino habe einen Aufschwung erlebt.
Dem war natürlich nicht so (bis „Basic Instinct“ waren es noch ein paar Jährchen), doch dürften sich diese Bücher, bei denen es sich mehr oder weniger um Bildbände mit ein wenig Text handelt, nach wie vor gut verkauft haben. Also wurde der Markt bedient, so lange es ging. In Ermangelung echter Erotikfilme, die die Seiten füllen könnten, ohne auf den Pornographie-Bereich zurückgreifen zu müssen, knallte man aufs Papier, wer immer sich in den letzten Jahren als attraktive Frau einmal im Rahmen einer Spielfilmrolle vor der Kamera ausgezogen hatte (oder nicht einmal das: Helen Slater, WTF?!). Damit dies gelang, wich man vom bisherigen Konzept, Filme vorzustellen, ab und präsentierte Schauspielerinnen, ähnlich wie in den Sonderbänden „Sexstars“ oder „Göttinnen des erotischen Films“. Damit ist „Sex im Kino ‘87“ zwar ein retrospektiv nicht uninteressanter Überblick darüber, welche als sexy empfundenen Schauspielerinnen seinerzeit angesagt waren, aber weniger die erwartete Kino- oder Videovorschau. Nichtsdestotrotz lässt sich den Filmographien entnehmen, dass in vielen Fällen der jeweils jüngste Film der Damen nach Deutschland in den Verleih kam – darunter eben auch Familientaugliches.
Jeder Schauspielerin wurde ein von der Redaktion erdachter Titel zuteil; so ist Maruschka Detmers „die Wildkatze“, Béatrice Dalle „die Sensation“, Jessica Lange „die Intellektuelle“ und Madonna „der Megastar“. Von der sei übrigens, so heißt es im Text, ein „Pornofilm“ aufgetaucht. Ist damit „A Certain Sacrifice“ gemeint (der nun wahrlich kein Porno ist)? Das Bildmaterial ist wie gewohnt hübsch anzusehen, in Teilen aber lediglich in Schwarzweiß gedruckt worden und wiederholt sich in den zahlreichen Cinema-Veröffentlichungen zum Thema. Die Textinhalte gehen als Kurzporträts durch und größtenteils in Ordnung, die Fehlerquote scheint sich in Grenzen zu halten (in die Bildunterschrift auf S. 25 schlichen sich aber gleich zwei Stück). Am Schluss liefert der Band noch einige Szenenbilder inklusive eines Russ-Meyer-Specials und ein paar Bond-Girls. Ein Inhaltsverzeichnis und ein Namensindex erleichtern das schnelle Auffinden der Inhalte.

Schreibe einen Kommentar