Die ursprünglich vom Frankobelgier Peyo erdachten und gezeichneten Schlümpfe, eine der populärsten Funny-Comic-Reihen schlechthin (die daher auch keiner weiteren Erklärung bedarf), werden längst von anderen Zeichnern und Textern fortgesetzt. Dieses von Pascal Garry gezeichnete und von Alain Jost sowie Thierry Culliford getextete, 50-seitige Heftchen wurde vom toonfish-Verlag zum Gratis-Comic-Tag 2026 herausgegeben. Normalerweise schreibe ich nicht auch noch über Comichefte; da es sich hierbei aber um das im Original bereits im Jahre 2009 und hierzulande 2011 veröffentlichte 27. Schlümpfe-Album handelt, das lediglich in Heftform gebracht wurde, doch ein paar Worte dazu.

Bastelschlumpf Handy tüftelt an einer Maschine zum Entsteinen von Kirschen, die ihm jedoch nicht recht gelingen will. In seiner Arbeit wird er zudem immer wieder von den anderen Schlümpfen unterbrochen, die ihn um handwerkliche Hilfe bitten. Als er mit den Nerven am Ende ist, verordnet Papa Schlumpf ihm einen Urlaub. Handy verschlägt es an einen entlegenen, aber idyllisch gelegenen schlumpf- und menschenfreien See, wo er Entspannung sucht und zunächst auch findet. Er baut sich dort eine kleine Hütte und lässt es sich gutgehen. Doch von den andren Schlümpfen bleibt sein Zufluchtsort nicht lange unentdeckt und bald ist der ganze Ort von urlaubenden Schlümpfen übersät. Diese fehlen jedoch im Schlumpfdorf. Gargamel macht ausgerechnet dann das Dorf ausfindig, als alle zum See ausgeflogen sind…

In klar voneinander abgegrenzten, somit höchst übersichtlich angeordneten, in ihrer Anzahl pro Seite jedoch variablen und natürlich vollfarbigen Panels wird nicht einfach eine x-beliebige Kindergeschichte erzählt, sondern eine auch für ältere Leserinnen und Leser goutierbare, kluge Allegorie auf verbreitete menschliche Phänomene wie Ausnutzung, Überarbeitung und Erholungsbedarf, aber auch darauf, wie aus bisher unberührter Natur schnell attraktive Massentourismusziele werden, die schließlich nicht nur den Erholungseffekt fraglich erscheinen lassen, sondern durch Übertourismus auch die Natur belasten.

Wie der unvermeidliche Bösewicht Gargamel mit seiner Katze Gargamel auch in diese Handlung integriert wird, ist grundsätzlich gut (will sagen: nicht übermäßig erzwungen) gelungen, dürfte aber eher bei den Jüngsten für Spannung sorgen. Bei allem bleibt man selbstredend dem Funny-Stil verhaftet und legt Wert auf karikierenden Humor, etwas Situationskomik und Slapstick. Und natürlich auf den Sprachwitz, wenn etliche Verben durch „schlumpfen“ ersetzt werden. Konsequent durchgezogen wird dies indes nicht, um zu vermeiden, dass Dialoge in ihrer Bedeutung uneindeutig werden.

Das Heftformat leidet ein wenig unter der Verkleinerung der Zeichnungen und Sprechblasen, zudem verzichtete man leider auf Seitenzahlen. Schön zu sehen aber, dass die Schlümpfe – es dürfte Jahrzehnte her sein, dass ich zuletzt einen ihrer Comics las – auch in der „Neuzeit“ offenbar noch immer qualitativ hochwertig und relevant sind. Waren die in ihren Themen unter Peyo eigentlich auch schon so generationenübergreifend angelegt?