Die von Martin Baltscheit getextete und von Max Fiedler gezeichnete Geschichte „Herr Elefant und Frau Grau gehen in die große Stadt“ ist ein weiterer Comic, auf den ich durch den Gratis-Comic-Tag 2026 aufmerksam wurde. Als Hardcover-Album erschien dieser erste Band einer zweibändigen Geschichte bereits im Jahre 2021 im Kibitz-Verlag, der es für den Comictag gratis als 68-seitiges vollfarbiges Heft herausgibt und damit anscheinend für die Fortsetzung im zweiten Band wirbt.
Der Elefant Herr Horst Elefant und die Gazelle Frau Elvira Grau verlieben sich ineinander und sind von nun an ein Paar – auch wenn sie dafür von anderen Tieren der afrikanischen Savanne skeptisch bis spöttisch beäugt werden. Einer der Safari-Touristen, die ständig zu Besuch kommen, um Tiere wie sie zu begaffen und zu fotografieren, hat sein Smartphone verloren. Es ist eingeschaltet und der Sprachassistent Siri ist aktiv. Er, den die Tiere für einen Flachkäfer handeln, beginnt mit ihnen über die Menschen zu plaudern. Ein Affe, der einst bei den Menschen lebte, kann das Gesagte bestätigen. So gibt es bei den Menschen „U-Bahn“ genannte Mäusetunnel, die Menschen leben in großen „Termitenbauten“ und haben eigene Wasserlöcher. Elvira und Horst werden neugierig, malen sich aus, wie sie in einer Menschenstadt leben würden, und beschließen, einer solchen einen Besuch abzustatten…
Die skurril wirkende Coverzeichnung, in der die beiden wie Menschen in einer Straßenbahn sitzen, sprach mich gleich an – und der Inhalt enttäuschte nicht. Dieser vermeintliche Kindercomic ist aufgrund seines humorigen und doch gehaltvollen Perspektivwechsels – Tiere blicken auf uns Menschen – auch für erwachsene Leserinnen und Leser bestens geeignet. Der generell spitze gezeichnete Comic ist dem Funny-Bereich zuzuordnen und bezieht sich seinen Humor daraus, wie sich die Tiere die Menschenwelt vorstellen und in Gedanken, an denen uns Baltscheit und Fiedler teilhaben lassen, menschliche Verhaltensmuster annehmen – womit diese zugleich karikiert werden. Die randlosen Panels folgen keiner festen Struktur, sondern ordnen sich ihren Inhalten unter.
Am Ende dieses Bands brechen Elvira und Horst erst Richtung Stadt auf – der perfekte Cliffhanger, der neugierig auf den „Abflug“ betitelten zweiten Band macht. Dieser wird wahrscheinlich aus viel Fish-out-of-water-Humor bestehen und muss in jedem Falle her. Ich werde weiter berichten.

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