Günnis Reviews

Monat: November 2011

19.11.2011, Linker Laden, Hamburg: EIGHT BALLS

Die EIGHT BALLS baten mal wieder zum Tanz zu erhabenem Oi!-Punk, der zum besten in dieser Richtung gehört, was Deutschland zurzeit zu bieten hat. Diesmal stieg die Party im Linken Laden mit seinem Wohnzimmerambiente, der eigentlich zu klein für so ein Konzert ist, so dass sich erwartungsgemäß das Publikum fast schon übereinanderstapelte, als ich leider aufgrund des überraschend pünktlichen Beginns etwas zu spät eintraf und Gassenhauer wie „Alles für die Firma“ und „Scheißeschmeißer“ verpasste. Alles andere ist aber genauso gut und glücklicherweise funktionierte auch der Ventilator wieder, so dass man nicht sofort wie der „Incredible Melting Man“ zu einem Haufen Grütze zerfloss. Alle Hits im Gepäck, zwei, drei Zugaben und Schluss. Großartig wie immer! Mal wieder mit dabei übrigens Aushilfs-Gitarrero und Quasi-Eight-Ball Ladde (IN VINO VERITAS), der diesmal nicht Mücke, sondern Eike an der Klampfe vertrat und seinen Job wie immer ausgezeichnet erledigte. Und so feierten letztlich St. Paulianer, HSVer und Rostocker einträchtig zusammen – manchmal klappt’s eben doch noch mit der vielbeschworenen Unity. Die schmalen 4 Taler Eintritt jedenfalls waren perfekt investiert. „Auf die Knie, Beine breit, es ist wieder Eight-Balls-Zeit! Erst anal und dann oral, wir sind die Kings of Asozial!“

12.11.2011, Störtebeker, Hamburg: THE ABOUT:BLANKS + CUT MY SKIN + irgend’ne Exotencombo

Auf diesen Abend hatte ich mich im Vorfeld sehr gefreut. Weniger wegen der Bands, vielmehr wegen des sympathischen Orts. Ich war schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr im Störtebeker mit seinen unschlagbar günstigen Getränkepreisen und seinem stimmigen Ambiente und so wurd’s verdammt noch mal wieder Zeit. Und ich wurde nicht enttäuscht, denn den Anfang machte eine was die Nationalitäten der Bandmitglieder betrifft bunt zusammengewürfelte Band, die aber anscheinend, wie man mir sagte, „hauptsächlich“ aus Südamerika käme. Das war ganz astreiner, superwütender HC-Punk, vorgetragen in Landessprache von einer Ein-Meter-Fuffzich-Sängerin mit unfassbar derbem Organ. Kurze, brutale Songs, dazwischen mindestens doppelt so lange monoton heruntergebetete Ansagen vom Gitarristen. Dadurch bekam das Ganze etwas ein wenig unfreiwillig Komisches, aber ansonsten war’s absolut top und eine wahre Aggressions-Explosion! Ich war verzückt und das sympathische Publikum schien meinen positiven Eindruck zu teilen. Leider weiß ich den Namen der Band nicht, da die gar nicht mit auf dem Flyer stand und ich es auch verpeilt hab, ihn in Erfahrung zu bringen. Ach ja, der Bassist hatte wohl mit ‘ner fiesen Entzündung an der Hand zu kämpfen und kroch auf dem Zahnfleisch, was ihn aber nicht davon abhielt, irgendwann mitsamt Bass ins Publikum zu springen – das ist Einsatz!

Ordentlich euphorisiert ließ ich mich anschließend auf ganzer Linie von THE ABOUT:BLANKS aus Berlin mit ihrem energiegeladenen ’77-Punkrock marke England zum fröhlichen Pogo einladen. Rotzige, geradlinige Songs, Alarmgesang , ordentlich Feuer im Arsch – wat willste mehr? Vielleicht die eine oder andere Coverversion eines Klassikers der PISTOLS oder THE CLASH, ok… aber man kann bekanntlich nicht alles haben. Der Laden war übrigens mittlerweile gerammelt voll und der Sound war von Anfang so dermaßen laut, dass mir tatsächlich so’n bischn die Ohren klingelten – gehört dazu!

CUT MY SKIN stand ich eher skeptisch gegenüber, nachdem ich ein paar Mal gehört hatte, dass Sängerin Patti, die ich noch aus früheren SCATTERGUN-Zeiten kannte, in politischen Fragen gern mal übers Ziel hinaus bzw. in die eigenen Reihen schießen soll. Hab mich auch nie mit der Band befasst, kannte höchstens ein, zwei Songs von Samplern. Doch drauf geschissen, denn was da an völlig geilem Midtempo-UK-Punkrock auf der Bühne zelebriert wurde, hat mich schnell überzeugt und positiv überrascht. Tolle Melodien und Singalongs, klasse Stimme, Sängerin mit viel „Credibility“ – die Band hatte zu 100% das richtige Gefühl für diese Mucke und wurde dementsprechend sehr gut vom Publikum angenommen. Ja, auch dieser Auftritt war geil. Drei Bands – drei absolut sehens- und hörenswerte Gigs. Und das alles im Störtebeker – großartig!

05.11.2011, Lobusch, Hamburg: WICKED CITY + DEAD CLASS + INSIDE JOB

Eine Woche später, gleicher Ort, gleicher Preis:

Ich kenne Stonerrock und finde ihn langweilig, ich kenne Punk und finde ihn aufregend – aber was zur Hölle soll „Stonerpunk“ sein? Langweilig-aufregendes?! Die Australier WICKED CITY belegten ihre Mucke mit diesem Etikett und, naja, was zunächst noch interessant, weil ungewohnt klang, nutzte sich recht schnell ab und trieb mich zum Quatschen vor die Pforten.

DEAD CLASS aus Irland mit ihrem flotten und spritzigen Punkrock machten da schon wesentlich mehr Spaß, wenn’s auch stellenweise arg poppig wurde. Scheißegal, der Funke sprang aufs Publikum über und die mittlerweile wieder überaus anständig gefüllte Lobusch feierte einen guten Gig. DEAD CLASS hatten Stunden vorher übrigens bereits an anderer Stelle in Hamburg einen Gig, zeigten aber keinerlei Ermüdungserscheinungen. Respekt!

Den Rausschmeißer besorgten dann die Hamburger INSIDE JOB, die ich mittlerweile nun schon öfter gesehen hatte und daher wusste, mich erwartete: Absolut geradliniger 80er-Retro-Hardcore à la CIRCLE JERKS und Konsorten mit einem wild posenden Sänger, der sich für kaum etwas zu schade ist und sich auch gern mal auf dem Fußboden wälzt. Wie immer sehr überzeugend und kurzweilig und wie immer mit einigen schönen Coverversionen von BLACK FLAG, NEGATIVE APPROACH und sowat gespickt. Die Überraschung war aber das BODY-COUNT-Cover „Copkiller“ im Oldschool-Soundgewand. Arschgeil! Das Publikum reagierte wie häufig bei solchen Shows sehr wohlwollend, aber insofern verhalten, als nun keine Circle Pits o.ä. durch den engen Laden tobten. Aber auch so immer wieder klasse, meine Empfehlung!

29.10.2011, Lobusch, Hamburg: RUNNIN‘ RIOT + FLEAS AND LICE + INSTINCT OF SURVIVAL

Pierre von FLEAS AND LICE feierte mit diesem wie Lobusch-üblich nur ‘nen schlappen Fünfer kostenden Konzert seinen Geburtstag, die verflohten und verlausten Holländer machten den Anfang in einer derbe vollen Hütte. Schepperiger Hardcore-Punk mit männlichem wie weiblichem Gesang. Kam sehr gut an und hat auch live immer was, wenn’s auch nicht 100%ig meins ist. Ich suchte irgendwann einen Ausweg aus dem Gedrängel und zog es vor, bei noch halbwegs angenehmen Temperaturen vor der Tür mit Bekannten zu quatschen. Jedes Mal, wenn die Tür aufging, drang ein schwüler Wärmeschwall mit nach draußen, drinnen tropfte quasi bereits der Schweiß von der Decke.

Anschließend musste die aufgeheizte Menge allerdings einen Downer in Form der lokalen Crust-Coreler von INSTINCT OF SURVIVAL über sich ergehen lassen und der Platz vor der Bühne wurde wesentlich übersichtlicher. Das, was sie macht, macht die Band bestimmt nicht schlecht und ich versuche auch jedes Mal, dem Ganzen etwas abgewinnen zu können, aber es sollte mir auch an diesem Tag nicht gelingen. Schleppender Crust-Sound mit Gebrülle, ein einziger, monotoner Soundbrei… puh, da muss selbst ich passen. Der eine oder andere ungehaltene Kommentar anderer Konzertbesucher drang zu meinen Ohren, aber ein paar Unerschrockene hatten trotzdem ihren Spaß am Auftritt.

Irgendwann dann aber endlich der eigentliche Grund meines Erscheinens: RUNNIN‘ RIOT aus Belfast! Vor x Jahren mal live gesehen und als ziemlich gut in Erinnerung habend, freute ich mich doch sehr auf ein Wiedersehen – und wurde keinesfalls enttäuscht. Knackiger, aggressiver Oi!-Punk in Landessprache, schnörkellos und 100%ig authentisch. Der Sänger fegte in Mönchsrobe über die kleine Bühne und war darunter bestimmt am Transpirieren wie die Sau. Der Funke sprang sofort über und neben den eigenen Songs machten auch die Coverversionen u.a. von TWISTED SISTER, „We Are Not Gonna Take It“, mächtig Laune. Total geiler Auftritt und sehr schöner Abschluss einen lohnenden Konzertabends!

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