Günnis Reviews

Monat: Dezember 2012

20.10.2012, Rondenbarg, Hamburg: HAMBURGER ABSCHAUM + MORPHOTRON

Allseits unbeliebtes Line-up-wechsel-dich-Spielchen im Vorfeld, zwei ABSCHAUM-Support-Acts konnten sich gegenseitig nicht leiden und sagten deshalb beide ab, PRAXIS DR. SHIPKE und AN ARCHIA kam letztlich auch noch irgendwas dazwischen und MORPHOTRON waren es, die dann letztendlich tatsächlich bereit standen, um den HAMBURGER ABSCHAUM zu begleiten, als dieser anlässlich der bevorstehenden Albumveröffentlichung das Konzert live mitschnitt. Des ABSCHAUMS Rufe jedenfalls wurden erhört und reichlich Gefolgsleute erschienen, um drei Talerchen abzudrücken. Aufgrund des ganzen technischen Equipments für die Liveaufnahmen spielten ABSCHAUM zuerst und den Sound besorgte diesmal nicht Norman, sondern – wenn ich das richtig verstanden habe – der Produzent des Albums. Man überraschte mit einem ausgefallenen, atmosphärischen Intro, das kurz vor Beginn des Sets eingespielt wurde und auf den Gig einstimmte. Feine Sache, wenn auch alles andere als üblich bei Punkgigs dieser Größenordnung – gerade deshalb gefiel mir das besonders. Über die Band selbst hab ich ja schon reichlich Worte verloren, weshalb ich mich kurz fasse: Auch dieses Konzert wusste zu gefallen. Das Publikum war gut drauf und unterstützte die Band mit Sprech- und Sangeschören, der Band merkte man keinerlei Nervosität an – aber der Sound im Publikum war nicht wirklich optimal. Ungewohnt leise der Gesamtklang und noch mal leiser anscheinend wieder Hollis Gitarre. Auch dieses Manko wurde im Laufe der Zeit wieder besser, jedoch merkte man schon, dass man sich in erster Linie darauf konzentrierte, einen vernünftigen Sound für die Aufnahmen zu bekommen, statt dem Publikum wie sonst die volle Dröhnung um die ungewaschenen Löffel zu schlagen.

MORPHOTRON sind eine relativ neue Band aus Hamburg, an den Drums jedoch niemand Geringerer als Hamburger Punk-Legende George, „hauptberuflich“ Sänger der genialen DOGS ON SAIL. MORPHOTRON stellten sich als angenehm rauer Punkrock mit deutschen Texten heraus, mit schön räudiger Straßenrockkante und ohne Schnörkel. Zwar leerte es sich nach dem ABSCHAUM etwas vor der Bühne, aber nicht wenige nahmen die Gelegenheit wahr, – sicherlich wie ich zum ersten Mal – einem Liveauftritt dieser interessanten Band beizuwohnen. Auf der Bühne wirkt das Trio noch etwas unspektakulär, aber mit der Zeit wird bestimmt mehr Sicherheit und damit mehr Bühnenbewegung kommen. Leider konnte ich mir den Gig nicht bis zum Schluss anschauen, da meine Süße und ich noch etwas anderes vorhatten und die letzte Bahn in die Heimat bekommen mussten. Ein schöner Abend war’s. Bin auf die ABSCHAUM-Platte inkl. der Liveaufnahmen gespannt, scheint etwas wirklich sorgfältig Konzipiertes mit Hand und Fuß zu werden!

06.10.2012, Krombacher-Clubhaus, Ennepetal (bei Hagen): DRUNKEN DISASTER + JEDEN SONNTAG + FROHNATUR + DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS + Special Guests

drunken disaster + jeden sonntag + frohnatur + disillusioned motherfuckers + special guests @krombacher-clubhaus, ennepetal (bei hagen), 06.10.2012Alte Kumpels unseres Gitarreros Kai luden zur großangelegten Geburtstagsparty mit lokalen Bands nach Ennepetal bei Hagen in unmittelbarer Ruhrpottnähe. Der Veranstaltungsort entpuppte sich als überdimensionierter „Krombacher-Club“, eine Art von Krombacher gesponsertes Vereinsheim/-lokal, das die Eltern der Feiernden zur Verfügung stellten. Man hatte nicht nur einen schönen Kneipenraum mit Tresen, sondern auch noch einen Speisesaal, einen schnieken Backstageraum und den Konzertsaal mit zweigeteilter Bühne und massig Platz vor selbiger. Und alles war mit Krombacher vollgepflastert, überall stand Bier herum, eigener Kühlschank im Backstagebereich, massenweise leckeres Essen – wow! Es gab Freibier bis zum Abwinken und vor allem aber ein Wiedersehen mit den Hagener Chaoten, der KWW etc. Feine Sache das, nur leider kamen dann doch einige Gäste weniger als ursprünglich von den Gastgebern erwartet – eigenartig. Womit kann man denn heutzutage noch Leute vom heimischen Sofa locken, wenn nicht mit einer solchen Party?!

Ob des bevorstehenden zweiten Auftritts mit den DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS hielt man sich natürlich mit Alkoholika zurück, was nicht ganz leicht fiel, da man bereits arschfrüh angekommen war, aber lange Zeit eigentlich nichts weiter zu tun hatte. Unser Plan, als erste oder spätestens zweite Band zu spielen, wurde auch noch jäh durchkreuzt; aufgrund verschiedener Umstände drängelte sich eine Band nach der anderen vor, bis wir schließlich als vierte und somit letzte drankamen. Bis dahin fiel es gar nicht so leicht, den richtigen Pegel zu halten und meine Nervosität stieg. Dafür kam ich aber in den Genuss von FROHNATUR, der anscheinend dienstältesten Punkband Hagens, die ein trashiges Set mit vielen Coverversionen spielte. An den Instrumenten war man ziemlich fit, ich glaube besonders den Drummer hab ich als herausragend in Erinnerung, als Gesang kam jedoch lediglich monotones Genöle. Das hatte ziemlich feisten Asi-Charme und wusste live durchaus zu unterhalten – was davon beabsichtigtes Kalkül und was tatsächlich eingeschränkten Mitteln geschuldet ist, vermag ich nicht zu beurteilen, haha… Wenn mich meine Erinnerung nicht trübt, folgten DRUNKEN DISASTER, eine großartige Punkband, ebenfalls aus Hagen, die mit astreinem HC-/Chaos-Punk (oder so) vollends überzeugte. Richtig geiles Zeug; ich hoffe, die kommen ordentlich rum und werden noch viel öfter zu sehen sein! JEDEN SONNTAG dann wiederum kamen wesentlich entspannter daher, angepunkter Alternative/Indie-Rock-Sound mit deutschen Texten und viel Melodie, aber nie einen gewissen rauen Charme vermissen lassend. Dank des guten Sounds kam da live auch wirklich was rüber, Druck und Ausstrahlung waren vorhanden. Ich glaube, zu diesem Zeitpunkt befanden sich dann tatsächlich auch die meisten Anwesenden im Konzertsaal und hatten ihren Spaß. Ich sag’s mal so: Nicht ganz meine Mucke, aber ein guter Sound, um Mädels anzulocken und zu begeistern. 😉 Zudem weder doof noch nervig. Deshalb: Respekt, Jungs!

Endlich ließ man dann uns auf die Bühne, es war glaube ich mittlerweile nach Mitternacht. Der Auftritt war wohl ganz ok, ich bin vor der Bühne rumgesprungen, der Rest der Band stand auf selbiger, so hatte jeder genügend Platz. Das mittlerweile locker mind. halbierte Publikum war inzwischen zu Teilen strunzevoll und/oder bekam allgemein nicht mehr so viel mit, einige klebten am Tresen, verpassten den Auftritt komplett und waren anschließend überrascht, dass wir „schon“ gespielt hatten, andere aber waren trotz fortgeschrittener Stunde tatsächlich noch interessiert und zogen sich uns rein. Es blieb Raum für kurzweilige Kommunikation mit dem Publikum, gleich drei Leuten konnte zum Geburtstag gratuliert werden und pipapo. Einige Verspieler waren dem Alkoholkonsum geschuldet, aber das interessierte zu diesem Zeitpunkt keine Sau mehr. Nach ein oder zwei Zugaben in Form von Songwiederholungen war Schluss und endlich konnte ich trinken, soviel ich wollte – und mir mit ausreichend Sicherheitsabstand den mächtigen KAPUTTOR der MONGO KNÜPPELGARDE anschauen, der zusammen mit anderen windeltragenden Schergen der KWW allerlei unnützen Scheiß zu Klump haute bzw. hauen ließ. Doch auch diese großartige Entertainment-Einlage stellte noch nicht den Abschluss des Abends dar, Unermüdliche aus fast allen anwesenden Bands fanden noch einmal auf der Bühne zusammen und jamten wohlklingend und gefühlt stundenlang vor sich hin. Sehr geil – und bald holte mich auch mit dem letzten Bier der finale Rettungsschuss ein und ich sank auf einer Matratze im Backstageraum in traumlosen Schlaf. Danke für die Einladung, für Speis, Trank und alles andere an Gastgeber Pepe & Co.!

04.10.2012, Rondenbarg-Kneipe, Hamburg: ALERT + DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS

alert + disillusioned motherfuckers @rondenbarg, hamburg, 04.10.2012Kurzfristig angeboten bekommen und natürlich nicht ausgeschlagen: Unser (DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS) allererster Auftritt als „Heimspiel“, proben wir doch seit geraumer Zeit auch auf dem Hamburger Rondenbarg, als Vorgruppe für ALERT aus Israel auf einem Donnerstagabend. Die perfekte „Testumgebung“, um sich live mal auszuprobieren, da eben im kleinen Rahmen der rustikalen Kneipe. Nichtsdestotrotz ging mir bischn die Flatter, die ich mit fester (danke, René, für den schmackhaften Auflauf) und flüssiger Nahrung bekämpfte. Draußen gab’s Hamburg-typisch mal wieder Wetter, Wetter, Wetter, aber in der gemütlichen Kneipe war’s dank Ofen mollig warm. Eine Bühne im engeren Sinne gibt es nicht, man steht also quasi Auge in Auge dem Publikum (sofern vorhanden) gegenüber. Den Sound besorgte Norman am Mischpult, der auch das Konzert organisiert hatte. Irgendwann zu leicht fortgeschrittener Stunde ging’s dann los und wir prügelten unseren satte sieben Songs (wow!) umfassenden Set herunter. Das flutschte eigentlich alles ganz passabel und die rund 40 Anwesenden zeigten sich durchaus interessiert und begeisterungswillig. Als Zugabe gab’s dann noch mal „Elbdisharmonie“, so dass man insgesamt mit paar Ansagen (die ich aufgrund der israelischen Gäste und anderer anwesender Ausländer spontan sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch machte – wenn ich’s nicht gerade vergessen hatte…) auf ca. 25 Minuten „Stagetime“ kam. Im Anschluss hatte ich das gute Gefühl, dass man für solche Gigs in der Tat mittlerweile recht livetauglich ist und konnte mich nun zusammen mit den Bandkollegen ins Vergnügen stürzen und die großartigen ALERT abfeiern, die uns eindrucksvoll bewiesen, wie man als HC-Punk-Band abgehen und das Publikum mit einbeziehen kann, wenn man schon ein paar Jährchen miteinander zockt und ordentlich eingespielt ist. Sehr aggressiver Sound mit Keif-Gesang, stilistisch irgendwo zwischen Anarcho- und Chaos-Punk einzuordnen, von fidelen Jungs, die kurzerhand die nicht vorhandene Bühne vergrößerten und durchs Publikum sprangen etc., jegliche Distanz vermissen ließen und eine geile kleine Donnerstagabend-Party mit uns feierten. Geile Scheiße, gerne wieder und danke an alle für alles!

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