Gnnis Reviews

Date: 25. März 2019

Mad-Taschenbuch Nr. 20: Antonio Prohias – Die neuesten Abenteuer von Spion & Spion

„Spion & Spion“ zum Dritten: 1978 wurden die beiden Spitznasen fürs deutsche „Mad“ abermals im Taschenbuchformat aufeinander losgelassen. 160 je zwei oder auch nur ein Panel umfassende (leider wieder unnummerierte) Seiten lang heißt es in den mehrseitigen Geschichten diesmal stets „Der Trick mit…“, worauf eine Alliteration wie „…der ruchlosen Revolte“ oder „…dem trügerischen Treffen“ folgt. Wie üblich sind sich die eineiigen Zwillinge spinnefeind, weshalb sie sich gegenseitig nach dem Leben trachten und sich ausgeklügelte Fallen stellen. Es gibt nur Schwarz und Weiß, ganz wie im Gut-und-Böse-Denken des Kalten Kriegs, den Prohias persifliert, ohne seine Figuren bestimmten politischen oder ideologischen Lagern zuzuordnen. Zu sagen haben sie sich auch weiterhin nichts, die Zeiten von Dialog und Diplomatie sind für die Spione längst vorbei. Man lässt die Waffen sprechen. In einem kurzen Vorwort erfährt man in diesem Band ein wenig zum Autor, nämlich dass er ehemaliger Karikaturist einer kubanischen Tageszeitung sei, der in die USA emigriert sei und nun zeige, dass „es im schmutzigen Kampf der Spione weder Moral noch Sieger gibt.“ Dieser politkritische Aspekt wiederum wird diejenigen eher sekundär interessieren, die sich an Prohias’ Geschick erfreuen, wortlose Geschichten zu erzählen und dabei eine originelle bis herrlich absurde Idee nach der anderen auszutüfteln, die meist Kettenreaktionen, Explosionen und Gewalt nach sich ziehen. Die Titelseiten der einzelnen Kurzgeschichten weisen in jeweils nur einem Panel einen von der eigentlichen Geschichte losgelösten Gag auf, was deren Dichte in diesem Büchlein erhöht. Schwarzweißdenken für Freunde überzeichneter, abstrakter Kriegsführung, die genau wissen, dass sich weder der eine noch der andere Spion jemals unterkriegen lässt und bald wieder in wessen Auftrag auch immer seinem Erzfeind gegenübersteht.

16.03.2019, T-Stube, Rendsburg: THE SPARTANICS + BOLANOW BRAWL

Die Winterpause ist vorbei, der erste BOLANOW BRAWL des Jahres sollte im schleswig-holstein’schen Rendsburg stattfinden. Doof nur: Niemand hatte Bock zu fahren. Also wurde kurzerhand ein Trolley geordert, am Samstagnachmittag mit allem Gedöns vollgepackt und bondagemäßig eingewickelt und verschnürt. Im seit Tagen anhaltenden strömenden Regen schoben wir das Vehikel zum Bahnhof, inkl. ein paar Zwangspausen, wenn dieser Turmbau zu Babel einzustürzen drohte. Als wir beim Überqueren einer Ampel an einer vielbefahrenen Kreuzung am Kantstein hängenblieben, schafften wir’s in letzter Sekunde mit vereinten Kräften, der Zermalmung unter Autoreifen zu entkommen. Die Fahrt an sich war dann sehr entspannt, in RD angekommen platterte es aber genauso wie zuvor in der Hansestadt. Aufgrund mangelnder Ortskenntnisse drehte unser Tross den einen oder anderen überflüssigen Schlenker, verbog die Trolley-Achse in einem Schlagloch und schob das Ding durch den Matsch, bevor er völlig durchnässt an der T-Stube eintraf.

Die Organisatoren Hajo & Co. zeigten sich ob der Wahl unserer Anreise und der damit verbundenen Strapazen überrascht und offerierten erst mal erfrischendes Pils, mit dem Backstage-Kühlschrank bis zum Rand gefüllt war. Also Klamotten auf die Heizung und die geschundenen Körper auf die Sofas verteilt – und beraten, wie wir Experten hier überhaupt wieder wegkommen. Nachdem die Leipziger Streetpunks THE SPARTANICS eingetroffen waren, ging man sogleich auf Tuchfühlung und tauschte sich fachmännisch aus. Im letzten Jahr hatten diese Irren satte 53 Konzerte gespielt, da können wir nicht mithalten… Respekt! Soundchecks, lecker Risotto einwerfen etc., auf das Übliche folgte ein kleiner Ausflug: Ein Spaziergang, um mal bischn was von der Stadt zu sehen, mit anschließender Einkehr ins „Charleston“, einer sehr geräumigen Kneipe, deren Interieur sich in einem seltsamen Gestaltungs-Crossover aus Wikinger- und Löwenbildchen zusammensetzt. Die Getränke waren fair bepreist und so kippten wir uns einen hinter die Binde, bevor’s in die T-Stube zurückging. Der Beginn verzögerte sich noch bis ca. 22:30 Uhr, eigentlich kein Problem, wenngleich ich ahnte, dass es später sehr eng werden würde, noch etwas von den Leipziger Kollegen mitzubekommen – aufgrund des eher suboptimalen Bahnfahrplans planten Ole, Flo und ich, den Zug um 23:57 Uhr zu nehmen…

Unser Gig lief recht rund; dass wir urlaubsbedingt ein paar Wochen lang nicht mehr alle zusammen hatten proben können, dürfte man uns kaum angemerkt haben. Mich durch unhaltbare Behauptungen wie angeblichen McDonald’s-Fraß-Konsum in Misskredit zu bringen, hatten die geschätzten Bandkollegen bereits im Vorfeld erledigt, auf der Bühne hielten sie sich diesmal überraschenderweise zurück. Fürs Publikum waren wir ziemlich neu, man lauschte interessiert, ohne gleich durchzudrehen. Wir rechneten nicht unbedingt mit Zugabenforderungen und integrierten den zehnten und letzten Song ins normale Set, als plötzlich alle noch was hören wollten. Geprobt hatten wir aber leider nichts weiter und einfach irgendwas noch mal zu spielen war uns zu doof, weshalb wir klanglos die Bühne verließen – um die Erkenntnis reicher, zumindest für Konzerte mit nur einer weiteren Band uns doch mal wieder ein, zwei Stücke mehr draufzuschaffen.

Im Zuge der Umbaupause verstauten wir schnellstmöglich unser ganzes Gelöt im Technikkabuff hinter der Bühne, machten noch überraschend guten Umsatz am Merch-Bauchladen und dann, ja dann… musste ich in den sauren Apfel beißen und tun, was ich eigentlich hasse: Noch während des ersten Songs der SPARTANICS meine sieben Sachen packen und zusammen mit Flo zum Bahnhof eilen, dort noch auf Ole treffend, mit dem wir den ersten Teil der Strecke gemeinsam zurücklegten. Das ist echt ärgerlich, da ich die Leipziger liebend gern gesehen/gehört hätte. Christian, Raoul und Keith sowie Sandy blieben vor Ort, zogen sich die Band rein und feierten noch eine gute Party, während Flo und ich schließlich in die verdammte AKN umstiegen, wo ich Blut und Wasser schwitzte, weil jener Bummelzug an jeder Milchkanne hält, aber keine Toilette aufweist. Zudem stieg nach wenigen Stationen ein ganzer Pulk Wichtigtuer vom Wachpersonal ein, der unablässig die Reihen hoch und runter patrouillierte. Wat ‘ne nervige Scheiße!  Dafür waren wir allerdings wie geplant um kurz nach 2:00 Uhr wieder in Hamburg und konnten uns sogar noch ‘nen Absacker inner Spelunke genehmigen.

Fazit: T-Stube top, THE SPARTANICS top, Trolley naja, Wetter und AKN Flop. Bleibt die Hoffnung, dass die umtriebigen Leipziger demnächst mal wieder in der Nähe zocken oder – noch besser – es zu ‘nem weiteren gemeinsamen Gig kommt. Und: Wir brauchen ‘nen Fahrer (m/w/d). Wer schon immer mal ‘ne Affenbande mitsamt Equipment durch die Gegend kutschieren und dabei nüchtern bleiben wollte, darf gern mit uns in Kontakt treten…

Danke an Hajo & Co., ans Rendsburger Publikum – und natürlich an Flo für die Schnappschüsse!

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