Der gebürtige Sachse und freiberufliche Karikaturist und Illustrator Erich Rauschenbach veröffentlichte von 1984 bis ins Jahr 2004 hinein diverse Cartoon-Bände im Eichborn-Verlag. Einer davon ist „Der kleine Herr Gott – ganz gross!“ aus dem Jahre 1986, der rund 80 unpaginierte Seiten in Schwarzweiß und Graustufen im A5-Softcover umfasst.
Der erste Eindruck verspricht sozial- und religionskritische, vielleicht gar blasphemische Cartoons im satirischen Funny-Stil und somit gute, im Idealfall hintergründige Unterhaltung, was der Inhalt jedoch nicht einlöst. Rauschenbachs auf bis zu sechs Panels pro Seite verteilte Zeichnungen seiner eine bis ein paar wenige Seiten umfassenden Gags und Geschichtchen sind niedlich, der Inhalt hingegen meist profan und hin und wieder für einen Schmunzler gut, wenn tatsächlich Bezug auf die christliche Mythologie und ihren Monotheismus genommen wird. Weitaus häufiger jedoch widmet Rauschenbach sich dem „frivolen“ Herrenwitz, mit dem man damals vielleicht in Praline & Co. für Erheiterung sorgte, der heute aber ziemlich überholt und zuweilen plump sexistisch wirkt.
Interessanterweise jedoch bestehen nicht alle Geschichten aus Zeichnungen, sondern auch aus Aneinanderreihungen gestellter Fotos, mutmaßlich aus diversen Prospekten und – passenderweise – „Herrenmagazinen“, die er mittels seiner handgeletterten Sprech- und Gedankenblasen rekontextualisiert und zu „Foto-Love-Storys“ verarbeitet. Damit greift er gewissermaßen mancher satirisch mit Stockfotos arbeitender Spaßseite in den sozialen Netzwerken (bspw. „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ [sic]) vorweg.

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