Bin ich bewandert in bildender Kunst oder habe ich ein ernsthaftes Interesse an historischen Gemälden? Nö. Diesen im Jahre 1961 in der Sowjetunion veröffentlichten Bildband der Staatlichen Tretjakow-Galerie aus dem Nachlass meiner Großmutter hatte ich mir für den vergangenen Sommerurlaub trotzdem eingesteckt und an einem sonnigen, aber etwas windigen Tag in einem Marseiller Park ausgepackt. Das großformatige Hardcover-Buch mit Serows „Das Mädchen, das von der Sonne beschienen wird“ zeigendem Schutzumschlag hat einst einen Wasserschaden erlitten, sieht entsprechend ramponiert aus und müffelt beim Aufschlagen; trotzdem tauchte ich genüsslich und interessiert in seinen Inhalt ein.
Auf einen vierseitigen russischen Einführungstext V. Chesnokovs folgen, grob chronologisch sortiert – beginnend im 15. Jahrhundert, größtenteils dem 19. und 20. Jahrhundert entstammend – verschiedenste Motive, sofern bekannt mit Angabe des Künstlers, des Werktitels und des Jahres. Diese Angaben finden sich in drei Sprachen, u.a. Deutsch, übersetzt auch im Anhang. Unter den insgesamt 55 Abdrucken auf hochwertigem Papier befinden sich handwerklich unfassbar gute Malereien und Gemälde, die einen Eindruck der russischen Kunstgeschichte vermitteln: Landschaften, Tiere, Menschen, mal Stimmungen und Gefühle transportierend, mal betont nüchtern.
Und als ich mich erst einmal sattgesehen und meine Lesepause bzw. meinen „Museumsbesuch by Proxy“ beendet hatte, widmete ich mich meinem nächsten Comic. Doch der nächste Griff in Omas Fundgrube wird hoffentlich nicht lange auf sich warten lassen.

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