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18.06.2016, Menschenzoo, Hamburg: AUSBRUCH + HAMBURGER ABSCHAUM

ausbruch @menschenzoo, hamburg, 20160618

Mit AUSBRUCH haben sich weitere „Deutschpunk“-Veteranen aus den ‘80ern reformiert und wollen’s noch mal wissen. Damals hatte man mit „Harte Zeiten“ ein Album am Start und fiel ansonsten insbesondere durch Sampler-Beiträge auf. Die Texte waren zum Teil zeitgenössisch plakativ, gern aber auch abseits von Parolengedresche gesellschafts- und politkritisch und dabei durchaus durchdacht. An diesem Abend verschlug es sie in den Menschenzoo und mir wurde die Ehre zuteil, für adäquate Beschallung aus der Konserve zu sorgen. Den Vorturner machten die Platzhirschen von HAMBURGER ABSCHAUM mit einem verglichen mit ihren Shows als Haupt-Act gekürzten Set, das sehr kurzweilig und griffig ausfiel und zum Feiern einlud, was die Gäste in der bestens gefüllten Spelunke dann auch hingebungsvoll taten. Diverse eingängige Refrains wurden fleißig mitskandiert, vorne wütete der Pogo-Mob und auf der Mini-Bühne drängelten sich faszinierenderweise so sieben, acht Leute…? Die Kettensäge kam glücklicherweise nur kurz zum Einsatz, jedoch nicht, ohne die Kellerbutze nachhaltig mit Benzinduft zu erfüllen. Beste Stimmung bei einer bis auf kurze charmante Verhacker fitten Band, die ihre mit reichlich Lokalkolorit gewürzten Songs wie üblich mit charakteristischem Trompeten-Einsatz versah und gleichzeitig mit doppelter Gitarrenschrammelfront und zweistimmigem Gesang punk as fuck war sowie inhaltlich mit starkem Hang zur Selbstironie sympathisch und schwer authentisch wirkt. Ob nun gegen Yuppies und Gentrifizierung und für mehr Bauwagenplätze geworben wird, im einzigen englischsprachigen Song Flüchtlinge willkommen geheißen werden, den Vorzügen eines Treckers im Stadtverkehr gehuldigt, diversen Unsympathen zurecht „Auf’s Maul“ angedroht oder der LABSKAUS-Volltreffer „Lauf um dein Leben“ gecovert wird – der „Abschaum aus dem Norden, vollgepackt mit zwei Akkorden“ macht jedes Konzert zur rustikalen Abrissparty.

Welchen Stellenwert HAMBURGER ABSCHAUM bei uns genießen, zeigte sich auch darin, dass direkt nach deren Gig dann doch einige bereits aufbrauchen und sich AUSBRUCH erst gar nicht mehr anschauten. Nichtsdestotrotz war’s natürlich immer noch amtlich gefüllt, als die augenscheinlich gut gealterte (und geschmackssicher gekleidete – gleich zwei THE-CLASH-Shirts auf der Bühne) Band mit ihrem Midtempo-lastigen Punkrock begann. Vor der Bühne war die meiste Zeit gut was los, mit meinen immer noch frischen Beintattoos musste ich mich jedoch weiter hinten aufhalten. Einmal wagte ich mich nach vorne, um ein paar Fotos zu schießen und direkt sprang mir eine Olle (aus Versehen) barfuß (!) an die Wade… Einige der großen Hits hatte man ans Ende des Sets gepackt, das mit rund 80 Minuten recht lang ausfiel und somit auch Platz für ein paar wenige Songs bot, die meines Erachtens kleine Rohrkrepierer sind, ansonsten aber Abwechslung bot: Altes Material mischte sich mit unveröffentlichtem neuem, die Offbeat-Nummer „Deine Freiheit“ wurde ebenso mittig platziert wie das klasse TRACY-CHAPMAN-Cover „Talking ‘bout Revolution“ und das englischsprachige „I’ve Got a Picture“ – und am Ende hieß es dann „Deutscher Eid“, „Kämpf um dein Recht“ und „Wo ist die Freiheit?“. Die älteren Semester sangen alles kräftig mit und letztlich dürften alle eine gute Zeit gehabt haben. Natürlich sind AUSBRUCH nach wie vor relevant, weil textlich leider alles andere als überholt, so dass sich mir die Sinnfrage einer Reunion wie dieser gar nicht erst stellt – zumal wenn eine Band augenscheinlich Bock auf genau diese Kellergigs hat und sich allürenfrei und ohne Gepose authentisch präsentiert. Hier und da hätte ich das Set etwas gestrafft, alles in allem zeigt der Daumen aber eindeutig nach oben!

Im Anschluss durfte ich den verbliebenen (und neu hineingestolperten) Gästen und den Zoowärterinnen noch bis 4:00 Uhr morgens meinen Musikgeschmack aufzwängen. Danke an den Menschenzoo, AUSBRUCH und HAMBURGER ABSCHAUM für den geilen Abend!

P.S.: Fototechnisch diesmal auch hier sehr mau, beim ABSCHAUM hab‘ ich mich gar nicht erst nach vorn getraut…

Categories: Konzertberichte

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2 Comments

  1. Hans - Peter Dieken

    23. Juni 2016 — 14:35

    Danke , auch noch für die schöne Musik.
    Hansel ( AUSBRUCH)

  2. Hans - Peter Dieken

    23. Juni 2016 — 14:42

    Und schick mir doch mal bitte die Fotos die du von uns hast. Danke.

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