Tan Çağlar, Sohn türkischer Gastarbeiter, ist ehemaliger Basketballprofi, Schauspieler (Kriminalassistent Malik Aslan im Berliner „Tatort“ und Chirurg Dr. Ilay Demir in der Krankenhaus-Serie „In aller Freundschaft“), Mannequin, seit 2017 Comedian – und er sitzt im Rollstuhl. Nach „Rollt bei mir“ und „Geht nicht? Gibt’s nicht“ ist „Der Teufel trägt Rollstuhl“ sein drittes Programm, mit dem er durch Deutschland tourt und in diesem Zuge auch einen Abstecher ins schöne Prerow auf’m Darß machte, als meine wesentlich bessere Hälfte und ich dort gerade urlaubten. Es hat mittlerweile Tradition, dass, wann immer wir da sind, wir ein Comedy- oder Satireprogramm auf der Freiluftbühne aufsuchen, einem sehr schnuckeligen Veranstaltungsort, der deutlich kleiner sein dürfte als jene, die Çağlar für gewöhnlich bespielt. Dass trotzdem ein paar Plätze freiblieben, dürfte mit einer Terminvorverlegung zusammenhängen, die anscheinend leider nicht alle mitbekommen hatten.

Wir kannten bisher keines seiner Programme und hatten ihn als Comedian auch bisher nicht wahrgenommen, ließen uns also einfach überraschen. Çağlar wusste offenbar, dass dies womöglich auch anderen so gehen würde und ein Teil des Publikums vornehmlich deshalb anwesend sein wird, weil es „In aller Freundschaft“-Fan ist. Diesen holte er nach einem Wortwitz mit seinem Namen (stellt man den Nach- vor den Vornamen, spricht er sich kurioserweise „Scharlatan“ aus) direkt ab und bewies bereits hier einen sympathischen Mix aus ungezwungener, spontaner Plauderei und Humor. Ungefähr zwei Stunden lang (nach der Hälfte gab’s eine viertelstündige Pause) verband er die – seine – Themen Fernsehen, Behinderung, Comedy und Migrationshintergrund mit zahlreichen Anekdoten aus seinem bewegten Leben, bezog auf unterschiedliche Weise immer wieder das Publikum ein und bewies ein sicheres Gespür für Pointen, die auch dann kamen, wenn man gar nicht unbedingt mit ihnen gerechnet hätte. So erweckte er den Eindruck eines persönlichen, in Teilen improvisierten Programms, innerhalb dessen er aber stets dahin zurückfand, worauf er hinauswollte.

Mit viel Selbstironie und Freude am humorvollen Vermitteln eigentlich ernster Inhalte wie Barrieren bzw. vermeintliche Barrierefreiheit und den Umgang mit Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern im Alltag nahm er genau diese aufs Korn, ohne sie (und somit sich) der Lächerlichkeit preiszugeben. Stattdessen schuf er Verständnis ohne jede Verbissenheit, sondern mit viel Offenheit, Esprit und Komik. Mit einer Dame aus dem Publikum tanzte er sogar nach der Pause auf der Bühne, die er zu einer Spezialversion von Madonnas „Like a Prayer“ und mit Pyros in beiden Händen betrat – nachdem er während der ersten Hälfte so getan hatte, als kenne er das Lied gar nicht… Von langer Hand vorbereite Gags wie dieser gingen damit einher, den Abend locker auf sich zukommen zu lassen und sich auf sein Publikum einzustellen. Zumindest wirkte es so, denn Tan Çağlar ist auf der Comedy-Bühne natürlich längst ein Profi. Das hat mir nicht zuletzt aufgrund der vielen positiven Energie ausgesprochen gut gefallen und war eine gelungene Überraschung, bei der ich tatsächlich viel zu lachen hatte.