Günnis Reviews

Datum: 14. Oktober 2007

STRAWBERRY BLONDES – RISE UP CD

(www.deckcheese.com) / (www.myspace.com/strawberryblondes)

Hahaha, wie geil! Dreister RANCID-Rip-Off (inkl. geklauten „Yeahs“) aus England, der aber so dermaßen Laune macht, dass er absolut seine Existenzberechtigung hat. Oberfette Produktion, oberfette Chöre, größtenteils textlich das volle Klischee-Brett, die reinste Punkrock-Party also! Oder ist das gar eine Art Tribut bekannter Musiker, die hier unter Pseudonymen agieren? Egal. Kann ich bedenkenlos allen Freundes des RANCID-Sounds bzw. der Bands, die diesen beeinflusst haben bzw. der Bands, die dieser beeinflusst hat, ans Herz legen! 13 Songs inkl. eines Remixes von „Mr. Punk Rock Movie“ Don Letts in 31 Minuten, Booklet kommt mit allen Texten. Anspieltipp: alle! 2. Günni

SPARMARKT-TERRORISTEN – SPIEL, SPASS UND FLUGZEUGBENZIN CD

(www.sm-t.de.vu)

Diese vermutlich noch recht junge Band mit dem hochgradig kindischen Namen stammt aus Bischofswerda in Sachsen und versucht sich auf diesem D.I.Y.-Album an schnörkellosem deutschsprachigem Punkrock. Die Aufnahme ist eher Lo-Fi, musikalisch holpert’s aber weniger, dafür umso mehr textlich: Die thematisch üblichen Ergüsse inkl. des obligatorischen Anti-Nazi-Songs kommen selten ohne erzwungene Reime aus und sind zum Teil dann doch eher ein Griff ins Klo… allerdings nie so schlimm wie so Manches, was ich mir hier schon antun musste. Ich denke schon, dass da ein gewisses Potential vorhanden ist und will hier niemanden entmutigen. Das farbige Booklet hat man sehr liebevoll gestaltet, jeder abgedruckte Text wurde mit passenden Bildern unterlegt. Allerdings hätte man das mal korrekturlesen sollen, denn es strotzt nur so vor Fehlern. Außerdem vergaß man offensichtlich, einen Schnittrand einzuplanen, wodurch einige Texte am Rand beschnitten wurden. Also, Jungs: Weiter üben und an den Texten feilen, mal über einen Namenwechsel nachdenken und dann noch mal wiederkommen. Dem Album liegt übrigens ein Aufkleber bei. 16 Songs inkl. KNOCHENFABRIK-Coverversion („Filmriss“) in 54 Minuten. 4. Günni

RADIO BADLAND NR. 28 – SEPTEMBER 2007 CD-R

(www.radiobadland.de)

RADIO BADLAND und kein Ende – so soll es sein! Die „Rockshow im Bürgerfunk bei Radio WMW“ war wieder auf Sendung und füllte eine knappe Stunde mit Mucke von den FLATLINERS, BROILERS, TURBOSTAAT, EVIL CONDUCT, MUFF POTTER, THE TOASTERS u.v.m. Außerdem hielt man den Konzertveranstaltern „Turbodisco“ (Vreden) das Mikro hin, ließ diese ihr Konzept vorstellen und quetschte sie ordentlich aus. Wie immer ’ne gelungene, kurzweilige Sendung. Passt! Günni

BRENNENDE LANGEWEILE – BORED TEENAGERS DVD

(www.sunnybastards.de)

Wolfgang Büld, in Subkulturkreisen bekannt durch und respektiert für seine Dokumentarfilme „Punk in London“ und „Punk in England“, drehte 1978 dieses im Rhein/Ruhr-Gebiet spielende Szene-Filmchen fürs TV um die Deutschland-Tour der ADVERTS, dessen Rahmenhandlung von einem jugendlichen Pärchen (sie Friseuse, er arbeitslos) erzählt, das den Weg der Band kreuzt. Die Handlung im Groben: Die ADVERTS kommen auf Tour, das Pärchen ist gelangweilt (sie von ihm, er von seinem Leben), man besucht ein ADVERTS-Konzert, lernt die Band samt Anhang persönlich kennen, er ist scharf auf Bassistin Gaye, sie bumst den Roadie. Klar, dass es sich hier um einen absoluten B-Movie handelt, dessen Akteure mit Schauspielerei nicht viel am Hut haben. So hat die Hauptdarstellerin („Karin“) das Temperament einer Schlaftablette und scheint permanent auf Valium zu sein. Der Rolle des „Peter“ bläute man vermutlich ein, er solle stets so gelangweilt wie möglich tun, wodurch er eine völlig aufgesetzt wirkende, affektiert-nölige Sprechweise an den Tag legt, die stellenweise verdammt schwul daherkommt, haha. Allgemein strotzt der Film nur so vor unfreiwilliger Komik – z.B. wenn Prinzessin Valium an Gayes Bass herumzupft und „Looking Through The Gary Gilmore’s Eyes“ vor sich hin „singt“; Ganz zu schweigen vom Anfang mit dem Hippie und dem rowdyhaften Verhalten des Schnauzbartträgers – Trashalarm! Aber kommen wir zu den positiven Seiten des Films: Die ADVERTS verleihen dem Ganzen eine Menge (und nötigen) Pepp und die zahlreichen Live-Aufnahmen sind über jeden Zweifel erhaben. Deren (deutsch untertitelte) Dialoge sind bestimmt von britischem Humor und Spitzen gegen Deutschland („better luck for the next war“) und wirken weitaus weniger gekünstelt – was wahrscheinlich daran liegt, dass man der Band Gratis-Bier und Raum und zur Improvisation gab. Ebenfalls überaus gelungen ist die realitätsgetreue Darstellung deutscher Beamter (Zoll und „Freunde und Helfer“), die, anstatt in Notsituationen zu helfen, auf Paragraphen herumreiten und den ADVERTS Steine in den Weg legen. Witzige Einfälle beweist der Film außerdem bei schrägen Charakteren wie dem Lokaljournalisten mit seinem dummen Fragen und vor allem seiner oscarreifen Tanzeinlage, dem Promoter, der Schwierigkeiten hat, ein Hotel für die Band zu finden oder der Tussi, die nicht zum Konzert mitkommt, ohne sich vorher so richtig aufzudonnern, allerdings keinen Schimmer hat, wer überhaupt die ADVERTS sind. Schwächen weist der Film hingegen eindeutig bei der Handlung auf: Angedachte Handlungsstränge werden nicht fortgeführt (wohl auch auf Wirken der Band hin, s. Interview im Booklet) und man vermisst so etwas wie ein Schlusspointe. [Achtung, Spoiler!] Nachdem Karin sich vom Roadie vernaschen ließ, finden sie und Peter am Ende des Films wieder zusammen, als ob nichts vorgefallen wäre… jaja, die wilden Siebziger, oder was? Da hätte ich dann schon etwas mehr erwartet. Letztendlich bleibt ein halbdokumentarisches, sympathisches Zeitdokument mit viel Zeitkolorit, authentischen Aufnahmen einer 77er-Punkband, Komik und Charme, das mir viel Spaß bereitete. Nachdem der Film lange Zeit nicht erhältlich war (nie auf VHS erschienen), nahm sich Sunny Bastards seiner an, restaurierte das Material, drehte eigenes Bonusmaterial in Form von ausführlichen Interviews mit Regisseur Büld und bannte es zusammen mit Trailern und Bildern vom Set auf DVD, die außerdem ein zwölfseitiges Booklet mit ADVERTS-Historie und Interview mit Sänger TV SMITH enthält. Also wieder eine äußerst liebevolle Veröffentlichung des sympathischen Labels. Wie es zu dieser kam, lässt sich übrigens prima im offiziellen Forum unter http://www.punkboard.de/pb/thread.php?threadid=4347 nachvollziehen. Ironischerweise stellte sich das ZDF jahrelang bzgl. der Bereitstellung des Materials quer, um es kurz vor Veröffentlichung der DVD zum ersten Mal seit Jahren wieder auszustrahlen. Ein weiterer guter Grund, seine Glotze bei der GEZ abzumelden… Günni

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