„Peter Pervers“ aus der Feder des für seine satirischen Geschmacksgrenzenauslotungen berüchtigten französischen Comiczeichners und -autors Gotlib erschien im Original im Jahre 1981. Zwei Jahre später lizenzierte der Volksverlag den Comic für ein Softcover-Album. 1990 sicherte sich Carlsen die Rechte an einem Abdruck innerhalb seiner bunt gemischten, aber inhaltlich qualitativ hochwertigen Taschenbuchreihe „Carlsen Pocket“, als deren vierter Band das Peterle erschien. Ob sich diese inhaltlich vom Album unterscheidet, ist mir leider nicht bekannt. Weiß jemand mehr?

Über rund 130 unkolorierte Seiten mit freier, aber aufgeräumter Panelstruktur erstreckt sich dieser satirische Funny-Comic mit häufig dialoglosen, sich maximal über wenige Seiten ziehenden, pointierten Kurzgeschichten des schlechten Geschmacks. Gotlib eröffnet mit einigen Gags zum Klassiker-Topos „Exhibitionisten mit Mantel“, die aber nur dem eigentlichen Star die Bühne bereiten: Bald kommt Peter, manchmal auch Petra, ins Spiel, jener alte Sack mit der Schniefnase, der anderen gern nicht immer, aber öfter sexualisierte streiche spielt und sich am Ende völlig übertrieben darüber wegschmeißt. Dabei geht enorm albern, mitunter aber auch schwarzhumorig zu. Als Identifikationsfigur taugt Peter Pervers dabei genauso wenig wie Don Martins Käpt’n Hirni.

Einmal taucht plötzlich Lucky Lukes Gaul Jolly Jumper auf, ein anderes Mal ist Peter ein Dschungeltarzan oder auch ein Raumfahrer, woraus eine „Alien“-Verballhornung wird. Als notgeilen Superman-Verschnitt lernt man ihn ebenso kennen wie als Dr. Pervers und Mr. Peter im alten London, wo er von Sherlock Holmes verfolgt wird. Überraschung: Mr. Peter ist „Der Unsichtbare“ – welch herrliches absurdes Mash-up! Irgendwann ist er auch Gott und Peter Pervers von Nazareth, womit Gotlib seinem Faible für Blasphemie nachgehen konnte.

Es wirkt, als sei es Gotlib irgendwann zu langweilig geworden, Peter Pervers als reinen Streichespieler im Hier und Jetzt zu zeichnen, sodass er viel mehr Freude daran entwickelte, diese kuriose Figur in die eigenartigsten und eigentlich unpassendsten Sujets zu transferieren. Ein bescheuerter, kurzweiliger Spaß, der immer mal wieder bewusst „drüber“ ist.