Günnis Reviews

Monat: März 2008

PLASTIC BOMB #62

(www.plasticbomb.de)

Gleich negativ fällt auf, dass der Heftumschlag nun im gleichen dünnen Papier daherkommt wie der Rest des Heftes, was ihn wesentlich anfälliger für Beschädigungen macht und dem Heft mehr einen Zeitungs-Charakter verleiht. Und irgendwie scheint das PB insgesamt dünner geoworden zu sein…? Kurz nachgezählt, aha: Acht Seiten weniger als zuletzt, zum gleichen Preis, wohlgemerkt… In den Vorworten beschreibt Micha seinen Auszug aus seiner Siffbude, Helge gedenkt Mikey Offender (R.I.P.!), Swen geht auf den ebenso populistischen wie heuchlerischen Nokia-Hass ein und Kuwe hat mit 43 seine Umschulung geschafft und lästert gegen Willi Wucher. Interviews gibt’s mit Andreas Geiger, dem Macher so genialer Dokumentation wie „Punk im Dschungel“ oder „Heavy Metal auf dem Lande“, das mir sehr gut gefällt, der Band PASCOW, die recht sympathisch rüberkommt, den Ruhrpott-Punk-Urgesteinen ARTLESS (Erstes Interview überhaupt! Vorsicht, wieder auf Tour!), den Polen von UTOPIA, den Spaghettifressern von KLASSE KRIMINALE, den Kanadiern NO MEANS NO, Fabsi von den MIMMI’S (der Mann wird zwar ständig interviewt, hat aber auch stets ’ne Menge zu erzählen), den Chinacken-Skins von MI SAN DAO (der Bandname könnte auch bayrische Mundart sein, ähem), der Sängerin von PENETRATION (war bereits auf dem Titelblatt der letzten Ausgabe angekündigt) und Andrea von den PESTPOCKEN (wurde auch mal Zeit, dass eine der Pestpöckinnen zu Wort kommt). Außerdem wird die schwule Hardcore-Kampagne „Gay.Edge.Liberation“ in Form eines kurzen Interviews vorgestellt. Neben den üblichen Kolumnen (Exoten-Punk, Zepps Zoom, Stanley Heads Ska-Ecke, Kleinanzeigen, Reviews und Verrisse, Konzerttermine sowie leider oftmals ziemlich lieblos per Kopieren/Einfügen zusammengeschusterte News) wartet Micha mit einem ausführlichen Konzert- und Erlebnisbericht des CRASS-Events „Feeding of the 5000“ in England auf, der sich sehr gut und humorvoll liest, aber leider nicht ohne hochnäsige Kommentare gegen vermeintlich inhaltsleere Bands wie THE BUSINESS auskommt. Stark ab fällt dagegen seine zweite Kolumne, in der sich Micha in alkoholbedingter Kater-Paranoia über arme Omis beim Bäcker auslässt. Über jeden Zweifel erhaben hingegen ist erneut Cris Scholz’ Kolumne sowie Vascos großartige „Wunderbare Welt der Propaganda“, diesmal zum Thema Schein und Sein der EU. Dem immer aktuellen Thema „Freiräume erkämpfen und verteidigen“ wird durch Berichte über „Panka hyttn“ in Wien, „Rabatz“ in Paderborn und „Köpi“ in Berlin Tribut gezollt. Der Initiative B.A.F.F., die sich gegen Nazis in Fußballstadien engagiert, wird ebenfalls Platz eingeräumt und das Oberhausener Friedensdorf vorgestellt. Unterm Strich also eine inhaltlich solide Ausgabe ohne Ausfälle. 3,50 € inkl. CD. Günni

MR. BLUE – FREE BORN MAN CD

(www.sunnybastards.de)

Keinen Punk, sondern erdigen, dreckigen Country mit Bluesrock-Einlagen kredenzen uns hier MR. BLUE, die mir schon auf dem genialen „A Street Tribute To Bud Spencer & Terence Hill“-Sampler positiv auffielen. Hier nun also ein Longplayer, der vermutlich (bei vielen Songs weiß ich es einfach nicht) aus Coverversionen besteht, allerdings nicht irgendwelcher Punk- oder Pop-Songs, die in Country-Gewand gekleidet wurden, sondern bekanntere und weniger bekannte Klassiker traditioneller US-amerikanischer Musik aus den Bereichen Country (is klar), Rhythm & Blues und Rock’n’Roll von Johnny Cash, Charlie Walker, Elvis Presley, John Denver etc. Find ich nicht schlecht, macht live in einer verrauchten Kneipe aber bestimmt noch mehr Spaß als auf CD. Wer gut auf sowas kann, wird hier möglicherweise eine hochinteressante Platte für dich entdecken. Allerdings klingen die Höhen dann und wann produktionsbedingt etwas dünn. Das fette Booklet enthält viele Fotos, aber leider keine Hinweise auf die Ursprünge der Songs. 18 Songs in 50 Minuten. Einer Wertung enthalte ich mich mal, da etwas zu „exotisch“. 😉 Günni

SNIFFING GLUE – WE ARE… SNIFFING GLUE …FUCK YOU! CD

(www.risingriotrecords.com) / (www.myspace.com/sniffinggluepunk)

Geil! Englischsprachiger Oldschool-Hardcore-Punk in 2008, der von Sound, Texten, Attitüde und Aufmachung her aber genau so vor über einem Vierteljahrhundert in den USA hätte stattfinden können – zumindest fast, denn hier geht’s noch etwas heftiger zur Sache. Die ganze Platte ist überdeutlich von wüstem 80er-Ami-HC-Geprügel inspiriert, die Songs strotzen vor Energie und kommen glaubwürdig rüber. Der Sänger macht seine Sache sehr gut und dreht am Rad. Die Texte sind naturgemäß herrlich angepisst und gegen alles mögliche, so soll es sein. Können alle im Booklet im Schnipsellayout nachgelesen werden. Die CD enthält übrigens zusätzlich die „Suburban Suicide, Suburban Violence“-EP inkl. des CURE-Covers (!) „Lovesong“ (sehr gute Wahl). Spitzenscheibe, ich bin begeistert! 18 Songs in 32 Minuten – noch Fragen? Anspieltipp: „Pig Fight“. 2+. Günni

SLICK’S KITCHEN – HALF EVIL – HALF ALBUM Mini-CD

(www.redlionmusic.com) / (www.slickskitchen.com)

Schweinerock’n’roll mit Ausflügen in 08/15-Pop-Rock aus deutschen Landen, in englischer Sprache. Perfekt produziert und alles, aber irgendwie… gibt mir das nicht allzu viel. Nach sechs Songs und 18 Minuten war dann auch schon wieder alles vorbei und außer dem nervigen Ohrwurm vom Ende ist nichts hängen geblieben. Zu Glatt. 4. Günni

DIE BOCKWURSCHTBUDE – FÜR EINE HANDVOLL BOCKWURSCHT CD

(www.nix-gut.de) / (www.bockwurschtbude.de)

Diese Berliner Band, die offensichtlich keine Ahnung von guten Bandnamen hat, liefert hier eine Scheibe mit 18 feinen deutschsprachigen Songs ab; schön basslastig produziert mit deutlich in den Vordergrund gemischtem, sehr angenehmem Gesang, der die größtenteils unpeinlichen, teils ironischen/humorvollen, teils sehr direkten, kritischen Texte über Pennerpunks und weitere „Szeneinterna“, Mädels, Depriphasen und gesellschaftliche Missstände bzw. den Umgang mit selbigen darbietet. Wow, was für Satz. 😀 Die unaufdringlichen, aber stets vorhandenen Melodien kommen gut, eine gewisse wütende Grundstimmung herrscht vor und der eine oder andere Chor unterstützt die kraftvollen Refrains. Gefällt mir überraschend gut. Das Cover ist allerdings ziemlich langweilig bis hässlich. Apropos Cover, enthalten ist mit „Blackriding Underground“ eine gelungene Coverversion von FLUCHTWEG, an die mich die Band auch bisweilen erinnert. Kommt im Digipak mit Booklet mit allen Texten und kurzweiligen Linernotes. Immerhin ist man so ehrlich, zuzugeben, dass ein Song wie „Der Schnorrerpark bei Leipzig“ nur so heißt, weil er sich auf „gegenseitig“ reimt, haha. 17 Songs + Intro + verstecktem Bonustrack in 50 Minuten, Anspieltipp: „Der Schnorrerpark bei Leipzig“. 2. Günni

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