Günnis Reviews

Datum: 16. Oktober 2008

ARGLISTIGE TOISCHUNG – OI! TO THE CORPSES CD

(www.asphalt-records.de) / (www.arglistige-toischung.de)

Arglistig getoischt wurde ich in jedem Falle von dieser jungen Münchener Band, spielt Sie doch gar keinen Stumpf-Oi!, wie der Name zunächst vermuten lässt, sondern eine herrlich erfrischende Mischung aus rotzigem, melodischem Punkrock und so ’billyzeugs mit geilem weiblichen Gesang und frechen deutschen und englischen Texten zwischen Persönlichem, Lebenslust, Selbstverständnis, System- und Szene-Kritik und Morbidem. So bekommt der Kapitalismus ebenso sein Fett weg wie heuchlerische Szeneangehörige, man schaut gerne mal tiefer ins Glas, kloppt sich für 1860 München, fährt auf blutige Romantik ab und macht aus Nancy Sinatras Wanderstiefeln „Riot Boots“. Hier und da wird auch die Neonazi-Vergangenheit der Sängerin bzw. die Verarbeitung jener textlich angeschnitten. Höhepunkt ist aber sicherlich die Hommage an sächsische Stecher: „Ja, Baby, sag ‚Sau’ zu mir auf sächsisch! Sag ‚fertsch’ wenn du fertig bist und gleich noch mal von vorn!“ Da dürfte selbst der Sachen-Paule ’ne rote Rübe kriegen. Der bayrisch-sächsische Kulturaustausch scheint also bestens zu funktionieren. Die Platte wirkt abwechslungsreich, unverkrampft und frei von Scheuklappen. Lediglich bei den deutschen Texten holpert es hier und da noch ein wenig, besonders beim Refrain des ersten Songs: „Wir, nur wir, sind arglistige Toi!schung, trinken literweise Bier und sind ’ne herbe Enttäuschung“ Mitgröhlkompatibel ist das nicht so wirklich und der Reim gibt mir auch zu denken (ähem…). Das Digipak der CD kommt übrigens mit gezeichnetem Cover im Tattoo-Stil und das dicke Booklet enthält neben allen Texten richtig gute Fotos, auf denen zwar kräftig gepost wird, die die Grenze zum Peinlichen aber nie überschreiten und verdeutlichen, dass die Band, vor allem mit Gitarristin Anna, durchaus auch was fürs Auge bietet. Das Album sollte sich verkaufen wie geschnitten Brot, nicht nur in Sachsen, haha. 😉 Bleibt nur zu hoffen, dass sich das Ganze nicht irgendwann tatsächlich als „arglistige Toischung“ herausstellt und die talentierte Sängerin ihr Heil (wie zweideutig) wieder in politisch völlig verwirrten, gefährlichen, menschenverachtenden Kreisen sucht. 15 Songs in satten 54 Minuten. 2-. Günni

ALARMSTUFE RIOT – TOTE SZENE? CD

(www.rebellion-records.com) / (www.alarmstufe-riot.de)

„Alarmstufe Riot, dem Kult noch treu, Hardcore-Punk, Oi! Oi! Oi!“ Heftig klischeebeladen geht’s hier zur Sache. Metallischer Oi!-Punk, deutlich von den Onkelz beeinflusst, natürlich ohne deren Klasse zu erreichen. Dafür wirkt das Ganze mit seinen Texten über Verräter („Raus uns uns’rem Revier“), Penner („Deinen Iro, den stellst du niemals auf“) und Psychopathen („Knall ihn ab, knall ihn ab, ich knall ihn einfach ab“) zu aufgesetzt bzw. schlecht kopiert von anderen wütenden, pathosreichen Kombos und textlich irgendwie etwas neben der Spur. Interessanter wird’s da beim schweren, fast gothicartigen „Dein wahres ich“, bei dem sich der Gesang mit einer Dame geteilt wird. Apropos Gastsänger: DAILY-TERROR-Pedder darf bei „Suizid“ auch mal ans Mikro. Insgesamt ist mir das alles textlich wie musikalisch zu unausgereift. Die Texte können alle im Booklet nachgelesen werden, sind dort aber zum Teil etwas anders angegeben, als sie tatsächlich gesungen werden. Zehn Songs in 44 Minuten. 4-5. Günni

DIE ARBEITSLOSEN BAUARBEITER – HEIMSPIEL Maxi-CD

(www.pukemusic.de) / (www.diearbeitslosenbauarbeiter.de)

Chemnitzer Funrock-Kapelle mit einer Maxi-CD über Fußball. Vier deutschsprachige Songs, die größtenteils vom Chemnitzer FC bzw. dessen Lokalrivalitäten handeln und somit ausschließlich für Chemnitzer Regionalligafußball-Begeisterte von Interesse sein dürfte. Außerdem lispelt der Sänger. Läuft knapp zwölf Minuten, in denen auch der Stadionsprecher aus Karl-Marx-Stadt und die Südkurve mal zu hören sind. Ohne Wertung. Günni

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