Günnis Reviews

Monat: April 2009

FEINDKONTAKT #3

(www.myspace.com/feindkontakt)

Dickes Zine? Nee, eher dickes Papier. Was andere für ihren Heftumschlag benutzen, findet bei Gung aus Plauen gleich fürs ganze Heft Verwendung. Das FEINDKONTAKT versteht sich als nichtpolitisches Skinhead-Fanzine und interviewt die Dessauer Ska-Combo HÖRINFARKT (die spielen tatsächlich ONKELZ-Lieder im Ska-Sound? Muss ich hören!) und die italienische HC-Band PAYBACK. Der Rest besteht neben Reviews und sowas aus vielen Kolumnen und Konzertberichten, wobei mir vieles wie nur kurz angerissen, dabei durchaus Potential offenbarend, aber leider nicht weiter ausgeführt vorkommt. Konzertberichten gegenüber bin ich zwar im Gegensatz zu anderen nicht grundsätzlich abgeneigt, aber der eine oder andere scheint hier doch eher Füllmaterial zu sein. Das Layout ist aufgeräumt und von vielen s/w-Bildern in guter Qualität durchsetzt, manchmal aber ziemlich platzverschwenderisch. Warum man sich einerseits gegen braune Idioten ausspricht, es sich aber nicht nehmen lässt, auf den fahrenden Zug aufzuspringen und auf Olaf von den STAGE BOTTLES verbal einzudreschen, wird mir ebenso wenig klar wie der Sinn des abgedruckten Horoskops (?!) oder das Angeben von Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis, wenn diese gleichzeitig auf allen Seiten fehlen. Durchschnittliches Zine, würd’ ich mal sagen, das mich jetzt nicht so begeistert hat, wie fast alle anderen kleinen Zines aber allein schon durch seinen regionalen Bezug natürlich seine Existenzberechtigung hat – weshalb ich hoffe, dass meine Kritik konstruktiv aufgefasst wird und sich das Teil entwickelt! Für 2 Panzerketten käuflich zu erwerben. Günni

DER TRINKER #3

(greif80@web.de)

Dieses Stuttgarter Skinhead-Fanzine scheint aus dem Umfeld der GEWOHNHEITSTRINKER zu stammen (wenn ich jetzt nicht völlig danebenliege!?). Autor und Ex-Waldorfschüler Greif hat im Schnipsellayout ein kurzweiliges, unterhaltsames Heftchen zusammengeschustert und mit Porno-Bildchen verziert, das sich betont international gibt und gleich einen ganzen Haufen ausländischer Bands und Szeneangehöriger interviewt. So beispielsweise die Spanierin Estrella von Camden Town Records, BASANEES 75 (F), die OFIZBOIS (Türkiye), FRANKY FLAME (GB), RAUFHANDEL (CH), GATANS LAG (DAN), GUVNORS (S), KALEVALAN VIIKINGIT (FIN), BATTLE SCARRED (S) und ANTIPATI (S), wobei die ganzen Bands im Rahmen seiner „Oi! Oi! Oi! Oi!ropa“-Reihe alle die gleichen Fragen gestellt bekamen, so dass man die Antworten alle im direkten Vergleich nachlesen kann. Was die allerdings teilweise so von sich geben, ist doch sehr fragwürdig. So gibt Franky Flame als Probleme seines Landes gleich an erster Stelle „Massive Einwanderung, Asylbetrüger und illegale Einwanderung“ an, was ich, auch ohne genauer über die Situation in England Bescheid zu wissen, ziemlich seltsam finde, und BATTLE SCARRED erzählen, wie verdammt geil doch Bands wie SKREWDRIVER wären. Ich finde es schade, dass Greif das alles so unkommentiert stehenlässt und solchen Ansichten damit eine Plattform bietet. Andererseits bietet das vermutlich einfach einen ungeschönten Einblick in die derzeitige europäische Skinhead-Szene, der möglicherweise gar nicht weiter kommentiert werden muss. Schließlich hat der Leser seinen eigenen Kopf und kann seine eigenen Schlüsse ziehen. Greif selbst ist ein begabter Schreiber, in dessen lesenswerten, witzigen Kolumnen auch seine zynisch-provokante Anti-Spießer-Haltung deutlich wird, die ich ganz bestimmt nicht rechtsaußen einordnen würde. Ein weiterer Schwerpunkt des Heftes ist der Interviewblock zum Thema „Konsumterror in der Oi!-Szene“, in dem sich Greif über den ganzen kitschigen, unnötigen Krimskrams auskotzt, der in zahlreichen Mailordern mittlerweile angeboten wird, und diverse Menschen hinter den Versänden dazu befragt (Sunny Bastards, KB, Bandworm, United Kids). Leider scheinen dabei einige von Meckos Antworten abgeschnitten worden zu sein, schade. Gute Themenwahl jedenfalls. Darüber hinaus werden die PRODUZENTEN DER FROIDE zum Rapport gebeten und einige Nachwuchsbands vorgestellt, so z. B. die Hamburger von IN VINO VERITAS (Tipp!). Die GEWOHNHEITSTRINKER haben ihre Kolumne und berichten vom aktuellen Bandgeschehen und das Übliche in Form von Reviews etc. gibbet natürlich auch. Das Heft schließt dann mit der Pornoabteilung, in der Greif von seiner Entjungferung in der Waldorfschule berichtet. Ob man ihm das so glauben kann? 😉 Sympathisches A5er, dem es noch etwas an Biss fehlt – wobei ich mit einigen Bands aber nichts anfangen kann und will. Kost’ 2 Oi!ro. Günni

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