Günnis Reviews

Datum: 7. Mai 2010

KRANK – BIER, BLUT, BOLZENSCHUSSGERÄT CD

(www.radikalabnormal.com) / (www.snaylerecords.ch)

Schweizer Deutschpunk kann durchaus besser sein als deutscher Deutschpunk. Das beweisen jedenfalls KRANK, die nach einer EP und Debüt-CD, beide mir unbekannt, ihr zweites Album mit der interessanten Alliteration im Titel veröffentlichen. Ganz so krank wie durch die blutverschmierte Coverzeichnung sowie Band- und Albumnamen angedeutet gibt man sich dann zwar nicht, dafür aber durchaus eigenständig mit teils absurden, banalen aber emotionalen, teils aber auch interessanten, kritischen Texten mit sarkastischer bis depressiver Tendenz, zu denen der überdrehte Gesang gut passt. Musikalisch ist das auch nicht verkehrt, „moderner“, wütend-melodischer Punkrock ohne allzu starke Metalkante oder dergleichen, der einige kleine Hits vorzuweisen hat, die im Ohr bleiben – allen voran „Anders als wie du“ und „Lange nicht genug“. Aber auch der Opener „2000 jetzt“ bollert gut los und einen Totalausfall findet man eigentlich nicht. Textlich fallen „Sie will“ („…nur ficken“) und das sinnfreie „Bratwurst“-Lied am stärksten ab, der Rest befindet sich auf einem gewissen Niveau. Ich vermute, dass am meisten der Gesang polarisieren wird und empfehle Fans von NOVOTNY TV bis RAZZIA, der Band eine Chance zu geben. Die Liveshows sollen übrigens unter Zuhilfenahme von reichlich Kunstblut über die Bühne gehen. Eine Schweizer Mischung aus ALICE COOPER und GWAR? Das mit roten Spritzern illustrierte Booklet bietet, leider nicht ganz rechtschreibfehlerfrei, alle Texte der in rund 41 Minuten vorgetragenen, inkl. „verstecktem“ Bonusstück 15 Songs des Albums. 2-3. Günni

AMOR & OPHELIA – INTIMPIERCING CD

(www.amorundophelia.de) / (www.bosworth.de)

Ein dauergewelltes blondes Mädel (Wer hat da „Püppchen“ gerufen?!) präsentiert sich acht Songs lang als selbstbewusste Nymphomanin und singt hauptsächlich über Lust und Leidenschaft, begleitet von glasklar produziertem, punkigem Pop-Rock mit Ohrwurmcharakter inkl. balladesken Ausflügen. Inwieweit die deutschen Texte tatsächlich die Gefühlswelt der Sängerin/Gitarristin widerspiegeln oder nur provokatives Mittel zum Zweck, möglichst aufzufallen und Tonträger zu verkaufen, sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Beurteilen kann ich aber, dass die Gute tatsächlich singen kann und die Texte nie niveaulos werden oder allzu sehr unter die Gürtellinie gehen. Das dürfte die einen beruhigen, den anderen aber zu bieder sein. Ich find’s eigentlich ziemlich unspektakulär, aber besser als das, was seit einigen Jahren so an deutschsprachigem Pop-Rock aus dem Radio dudelt. Im farbigen Booklet gibt’s neben allen Texten leider keine schlüpfrigen Bilder und die CD kommt mit ebenso unschlüpfrigem Video-Bonus, dafür allerdings gleich 3x hintereinander. Wem die PARASITEN zu hart sind, könnte hier fündig werden. Neun Songs in nur 28 Minuten. Ohne Wertung. Günni

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