Günnis Reviews

Datum: 4. September 2010

BRDIGUNG – TOT ABER LEBENDIG CD

(www.brdigung.com) / (www.antirockstar.de)

Kiek an, wat neues von der BRDIGUNG. Das Debütalbum vor zwei Jahren fand ich ja noch durchwachsen, konnte aber viele gute Ansätze erkennen. Und jetzt? Hat man fast alles richtig gemacht. Die Jungs spielen immer noch ihren treibenden Metal-Punk, aber die geniale Lead-Gitarre kommt noch geiler rüber und fiedelt sich einen ab, dass manche Metal-Band vor Neid erblassen dürfte. Der Gesang ist rauer geworden und die düsteren, ausschließlich in deutscher Sprache vorgetragenen Texte sind besser. Dabei wird ein breites Spektrum abgedeckt: Von persönlich bis kritisch, dabei oft voller Pathos und manchmal etwas ZU dick aufgetragen, aber nur noch selten holprig, dafür umso öfter richtig gut. Und glücklicherweise beließ man es bei einem einzigen selbstbeweihräucherndem Song der Frankfurter Schule. Kräftige Refrains zum Fäusteballen, ein paar Chöre zum Mitgrölen und eine fette Produktion machen das Vergnügen perfekt. Im alle Texte enthaltenden Booklet präsentiert man sich mit professioneller Gestaltung und ebensolchen Bandfotos stylisch ohne Ende. Für Punk-Puristen ist das sicherlich nichts; aufgeschlossenere Menschen, die bei den Begriffen „Metal“ oder „Streetrock“ nicht gleich panisch die Flucht ergreifen, sollten aber unbedingt mal reinhören. Wem bereits das Debüt zusagte, kann blind zugreifen. Eine beachtliche Steigerung – von dieser Band wird man noch viel hören. 14 Songs in 48 Minuten ohne einen einzigen Ausfall! 2. Günni

BORDERPAKI – 1362 CD

(www.borderpaki.de) / (www.sn-punx.de)

BORDERPAKI aus Schleswig-Holstein gibt es mittlerweile schon seit 15 Jahren, trotzdem ist das dritte Album das erste, das ich in Gänze zu hören bekomme – bisher kannte ich die Band nur von Sampler-Beiträgen. Zu deutschsprachigem Gesang wird flotter, gekonnter, aber recht überraschungsarmer Punkrock der melodischeren Form dargeboten, dessen Riffs immer mal wieder verdächtig an die anderer Bands erinnern – zumindest teilweise aber beabsichtigt. Rübis Gesang ist klar und die von ihm vorgetragenen Texte pendeln zwischen Klischee, Betroffenheitslyrik und nicht recht zünden wollendem Humor auf der einen und norddeutschen Themen wie Sturmfluten (daher auch der Titel), Seefahrerromantik und bissiger Systemkritik auf der anderen Seite. Lyrisch ist man sehr bemüht, was mal mehr, mal aber auch weniger fruchtet, z.B. wenn sich „Maybach“ auf „Reibach“ reimt o.ä… Produziert ist das recht ordentlich, der Gesang kommt gut rüber und ist verständlich. „1362“ ist für mich ein durchschnittliches „Deutschpunk“-Album mit einigen guten Ansätzen. Etwas mehr Eigenständigkeit würden BORDERPAKI aber gut zu Gesicht stehen. Vom Bodensatz ihres Ex-Labels „Nix Gut“ sind sie aber glücklicherweise viele Seemeilen entfernt. Das Booklet enthält alle Texte und wurde ansprechend in Schwarzweiß gestaltet. Warum allerdings der Promo-Wisch die Band anpreist wie Sauerbier und dabei keine noch so abgedroschene Phrase auslässt, will mir nicht in den Sinn. Das finde ich echt peinlich und möchte ich an dieser Stelle aber nicht speziell auf Band bzw. Label gemünzt verstanden wissen, sondern auf ALLE Bands und Labels, die sich einem nicht näher definierten Underground zugehörig fühlen, aber derartige Werbeschreiben verbrechen. Nix für ungut. Zwölf Songs in 42 Minuten. 3. Günni

DIE ARBEITSLOSEN BAUARBEITER – LIVE IM SO36 BERLIN CD

(www.diearbeitslosenbauarbeiter.de) / (www.pukemusic.de)

DIE ARBEITSLOSEN BAUARBEITER aus Karl-Marx-Stadt haben im Dezember 2009 ein Live-Album im Kreuzberger SO36 aufgenommen, das zu beurteilen mir schwer fällt, da ich bisher quasi nichts von der Band kannte. Musikalisch würde ich das als Funpunk mit ein wenig Asi-Charme à la LOKALMATADORE oder so einordnen. Der Live-Sound klingt sehr ordentlich und macht Laune, scheint eine gelungene Party gewesen zu sein. Ein paar Ohrwürmer sind ebenso dabei wie Coverversionen der TOTEN HOSEN („Auswärtsspiel“), von BLUR („Song 2“) und von J.B.O. („Ein Fest“). Die Platte hat viel Energie und verleitet zum hektischen Mitwippen und Biertrinken, was das gut zu hörende Publikum sicherlich auch tat. Dem tut auch der lispelnde Sänger keinen Abbruch. Ohne lange Ansagen oder Pausen folgt ein Song auf den nächsten, bis nach 18 an der Zahl nach 48 Minuten der Ofen aus ist. Für Freunde der Band bestimmt eine gute Wahl, zumal die Songs – obwohl ich die Originale gar nicht kenne – klingen, als würden sie um einiges flotter als auf den Studioalben vorgetragen werden. Als Bonus wurden noch drei Videos auf die CD gepresst, davon ein im Proberaum aufgenommener Clip sowie zwei Live-Clips vom Konzert. Ohne Wertung. Günni

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