Günnis Reviews

Monat: Februar 2011

16.02.2011, Markthalle, Hamburg: SODOM + DIE HARD + SUFFERAGE

Ich war vorgestern bei SODOM + DIE HARD + SUFFERAGE in der Hamburger Markthalle. Bei ungemütlichen Temperaturen trafen meine Begleitung und ich gegen 18:45 Uhr am Ort des Geschehens ein und genehmigten uns ein im wahrsten Sinne des Wortes Warm-up-Bierchen, wozu sich schnell ein sich die Kante gebender Jüngling im Sodom-Shirt gesellte. Dieser kam aus Freiburg, war wegen eines Vorstellungsgespräches in Bremerhaven in Norddeutschland und hat seinen Aufenthalt kurzerhand für das Konzert verlängert. Und da die Süddeutschen gerne quasseln, besonders, wenn sie gut einen im Tee haben, wussten wir innerhalb kürzester Zeit bestens über die Konzert- und Discoszene in Freiburg und dem schweizerischen Bratteln (oder so) Bescheid. 😀

Ich hatte eigentlich ähnlich wie beim Thrashfest kürzlich mit einer vollen Hütte gerechnet, doch zum Konzertbeginn pünktlich um 19:30 Uhr war der Saal noch sehr übersichtlich gefüllt. Die Hamburger SUFFERAGE begannen mit typischem Death Metal, sauber rübergebracht, aber überraschungsarm und wenig innovativ. Ein, zwei Songs stachen aber aus der schleppenden musikalischen Walze heraus und die Band kam sympathisch rüber. Leider gefiel mir der Sound wie häufig in der Markthalle überhaupt nicht, die Bassdrum wurde so dermaßen in den Vordergrund gemischt, dass sie praktisch alles andere übertonte und klang dadurch ziemlich künstlich. In der Umbauphase hab ich doch tatsächlich alte Kumpels wiedergetroffen und der Laden füllte sich mittlerweile beständig mit Metalheads, die sich die Schweden von DIE HARD anschauen wollten. Die sorgten dann auch ordentlich für Stimmung, hatten optisch auch einiges zu bieten und spätestens mit dem VENOM-Cover „Countess Bathory“ das Publikum auf ihrer Seite. Schönes Oldschool-Black-Thrash-Zeug, besonders die temporeichen Songs wussten zu gefallen. Gegen Ende gab’s sogar einen kleinen Ohrwurm, vermutlich der Hit der Band. Schönes Ding, leider war aber hier der Sound alles andere als optimal und klang breiig und blechern. Warum kann man nicht auch den Vorgruppen mal einen vernünftigen Klang bescheren? Ist doch scheiße, sowas.

Die Stimmung war jetzt jedenfalls prächtig, die gute Nachricht vom Fußball hat diese noch verstärkt und nun sollte ich ENDLICH zum ersten Mal in meinem Leben SODOM sehen, jene Kult-Thrash-Institution, die ich schon seit x Jahren regelmäßig höre. Zwar kenne ich das neue Album noch nicht, konnte den Opener „In War and Pieces“ aber sofort mitgrölen und freute mich darüber, dass ich glaube gleich Song Nummer 2 schon der Klassiker „Sodomy and Lust“ sein sollte. Spätestens jetzt war ich komplett euphorisiert und feierte jeden einzelnen Akkord. Die Songauswahl war klasse und endlich war der Sound auch vernünftig, lediglich Bernemanns Gitarre war anfänglich etwas zu leise. Der neue Mann hinter der Schießbude machte seine Sache ganz vorzüglich, verzichtete aber wie ich glaube auch schon sein Vorgänger auf die Witchhunter-Trommelwirbel, die ich auf der ersten Sodom-Liveplatte so liebe. Mein persönlicher Höhepunkt war der Uralt-Heuler „Blasphemer“, der mit einer Vehemenz durch die mittlerweile volle Halle geballert wurde, dass ich noch heute leichte Nackenschmerzen verspüre. „Masturbate to kill myself“, ganz großes Damentennis!!! Schade nur, dass die Melodie der deutschen Nationalhymne während „Bombenhagel“ weggelassen wurde, haha. Zwischendurch erwähnte Tom, dass er sich immer freut, wenn ein Außenseiterteam wie St. Pauli oder Schalke 04 mal gewinnt und erntete frenetische „Sankt Paulihi, Sankt Paulihi!“-Rufe – sehr zum Unmut gewisser Leute wie z.B. dem Bauern, der schräg hinter mir geflucht hat wie ein Rohrspatz und fast wie Rumpelstilzchen auf einem Bein herumgehüpft ist, gnihihi… „The Saw is the Law“, „Nuclear Winter“ (Killer und Nackenbrecher vor dem Herrn!), „Der Wachturm“, „Eat Me“, „Agent Orange“ usw. usf… ein geniales Brachialgewitter. Unser Freiburger Freund hielt sich übrigens permanent in der ersten Reihe auf und etablierte bereits bei der ersten Band den Schlachtruf „Freibier für alle!“, was augenscheinlich auch belohnt wurde – er bekam tatsächlich immer wieder Getränke von der Bühne gereicht. Beharrlichkeit führt manchmal eben doch zum Ziel…

Mit mittlerweile auch ordentlich Sabbelwasser intus wurde nach einem der besten Markthallen-Konzerte seit langem dann irgendwann die Heimreise angetreten und noch über Gott und die Welt gequatscht und sich am Bierchen gelabt, bis ich zu Hause hochzufrieden in den Schlaf sank und heilfroh war, mir in weiser Voraussicht den nächsten Vormittag freigenommen zu haben…

War hoffentlich nicht mein letzter Besuch in Sodom!

Stefan Bollinger / Fritz Vilmar – Die DDR war anders: Eine kritische Würdigung ihrer wichtigsten sozialkulturellen Einrichtungen.

bollinger, stefan + vilmar, fritz - die ddr war andersBeginnt ziemlich wissenschaftlich und nicht unbedingt einfach zu lesen, doch hat man die Einleitung erst mal hinter sich gelassen, wird an exemplarischen Beispielen deutlich, dass auch die DDR über progressive Elemente verfügte, die im Zuge der Einheit und einseitiger Geschichtsschreibung hinweggefegt wurden und in Vergessenheit geraten sind bzw. sollen.

Sehr differenziert, kritisch und sachlich.

05.02.2011, Rote Flora, Hamburg: JESUS SKINS + FEINE SAHNE FISCHFILET + CONTRA REAL

Ich war seit dem Fauxpas mit Left Jab vor Jahren zum ersten Mal wieder in der Roten Flora, anlässlich des Soli-Konzerts mit den JESUS SKINS, FEINE SAHNE FISCHFILET und CONTRA REAL.

Und es war echt verdammt nett. Entspannte Atmosphäre, freundliche Menschen, Punk Rock Spirit – nicht zuletzt durch den sehr fähigen DJ. Mit Dritte Wahl auf den Ohren per MP3-Player kam ich an der Flora an, betrat den Laden, und was lief? Dritte Wahl, haha. Wenn das mal kein gutes Omen war ;). CONTRA REAL fingen an, textlich engagierter, kämpferischer, musikalisch rudimentärer Schrammelpunk, sympathisch, trotz etwas langer Ansagen. Das Publikum nahm den Opener eher verhalten auf. Lag vielleicht auch am grottigen Sound. Weiter ging’s mit Ska-Punk von FEINE SAHNE FISCHFILET aus S-H und plötzlich war die Bude gerammelt voll – unglaublich! Die Band sorgte ordentlich für Stimmung und eine Coverversion von 2 Unlimited im Ska-Punk-Gewand („No Limit“) hat dann auch mich sehr erheitert. Der Sound war immer noch scheiße, aber egal. Dann endlich der heimliche (?) Grund meines Erscheinens, die JESUS SKINS, die ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte. Betrunkene Bandmitglieder lieferten eine erwartungsgemäß trashige und pannenreiche Vorstellung, EIGHT-BALLS-Pierre unterstützte bei einigen Songs, was diesen den richtigen Kick verpasste. Mittlerweile hielt ich mich auch vor der Bühne auf, wobei links nur der Bass und rechts nur die Gitarre zu hören waren. In der Mitte wurd’s dann matschig. Scheiß Sound also auch hier, hat aber nicht weiter gestört, sondern irgendwie in das Ambiente gepasst. Hat Laune gemacht und kam schön prollig rüber, das Publikum hingegen war augenscheinlich aber in erster Linie wegen der Fischfilets da, haha…

Anschließend ging’s weiter mit Disco, wobei eine sehr feine Songauswahl meinen Ohren schmeichelte und ich überlegte, nicht vielleicht sogar doch noch dazubleiben. Bin dann aber doch per Taxi (nach Einladung, besten Dank!) ins Skorbut und hab den ganzen Fußball- und Bullenscheiß Fußball- und Bullenscheiß sein lassen…

Copyright © 2026 Günnis Reviews

Theme von Anders Norén↑ ↑