Günnis Reviews

Monat: März 2011

29.03.2011, Headcrash, Hamburg: BONDED BY BLOOD + LAZARUS A.D.

Nachdem der kleine Club bei D.R.I. ja fast aus allen Nähten platzte, hatten diesmal nur ca. 50 Leute die gleiche gute Idee wie ich, sich diese beiden Oldschool-Thrash spielenden Neothrasher anzusehen. Bei der Gelegenheit wurde mir aufgrund der größeren Übersichtlichkeit auch erst bewusst, WIE klein der Laden wirklich ist. Ein kleiner Laden der großen Preise, um genau zu sein, denn mit 15,- € an der Abendkasse war der Konzertbesuch alles andere als ein Schnäppchen. Gegen 21:15 Uhr oder so eröffneten LAZARUS A.D. aus Wisconsin, USA, den Abend. Die Band hat bisher zwei Alben draußen, ist mir bislang aber lediglich von gelungenen Samplerbeiträgen bekannt. Live sind sie ziemlich fit, aber längst nicht jeder Song traf meinen Geschmack. Einiges klang mir zu modern und war mir zu midtempolastig. Vor allem war es aber eines: LAUT! So unfassbar laut, dass es wirklich schon wehtat und ich mir zum allerersten Mal in meinem Leben Ohrenstöpsel besorgte und diese in die Gehörgänge popelte. War das die Rache dafür, dass ich’s beim D.R.I.-Konzert bisweilen etwas zu leise fand? Ca. nach ’ner dreiviertel Stunde war dann Schluss und der eigentliche Grund meines Erscheinens, BONDED BY BLOOD aus Kalifornien, legten nach kurzer Umbaupause inkl. Soundcheck los. Von den zwei veröffentlichten Alben nenne ich das erste mein Eigen, das mich sehr überzeugt hat. BBB klingen wie eine Mischung aus frühen Exodus und Vio-lence, fabrizieren also hysterisches, hyperaktives Gehacke. Oftmals pfeilschnell, aber mit passenden Breaks und Variationen, so dass die Songs einen guten Wiedererkennungswert besitzen. Hier konnte ich meine Ohrstöpsel auch in der Tasche lassen; entweder hatte man ein Einsehen und die Lautstärke etwas gedrosselt oder meine Lauscher hatten das Handtuch geworfen und ihre Empfindlichkeit heruntergeschraubt, um diese begnadete Band nicht abgedumpft über sich ergehen lassen zu müssen. Das spärliche Publikum bewegte sich inkl. meiner nun auch etwas mehr, trotzdem war’s eigentlich Perlen vor die Säue. Schon seltsam, solche Bands, zu denen in den 80ern vermutlich jederzeit das reinste Slam-, Mosh- und Dive-Inferno abgegangen wäre, so zu sehen. Aber wat soll’s, der Sänger, der anscheinend ein anderer als auf meiner Platte war, hat das beste draus gemacht, sich den Spaß nicht nehmen lassen und verfügt über das genau richtige Organ für diese Mucke. Auch dieses Set war aber recht kurz, nach einer Zugabe war ebenfalls nach einer dreiviertel Stunde schluss. Kurz aber sehr gut! Eine geile Band, deren zweites Album nun auch schleunigst in meine Sammlung wandern muss.

Wer was für zünftigen Thrash übrig hat, sollte BONDED BY BLOOD auf jeden Fall mal seine Aufmerksamkeit widmen.

19.03.2011, Headcrash, Hamburg: D.R.I. + LIQUID GOD

Um mir meine alten HC-/Thrash-Crossover-Helden D.R.I. endlich einmal live anzusehen, suchte ich am Abend des 19.03. erstmals das Headcrash auf dem Kiez auf. Ich traf um kurz vor 21:00 Uhr ein und musste feststellen, dass die auf meiner im VVK gesicherten Karte aufgedruckte Uhrzeit „20:30 Uhr“ keinesfalls der Einlasszeitpunkt, sondern der tatsächliche Konzertbeginn war. Nun gut, der frühe Vogel findet bekanntlich auch mal ein Korn und so war die Vorband bereits in Gange. Zu meinem Entsetzen musste ich aber feststellen, dass das keinesfalls SSS, sondern eine indiskutable lokale Langweiler-Metal-Combo namens LIQUID GOD war, da SSS ihren Auftritt abgesagt hatten. Dass das billigste Bier mit 2,50 EUR für 0,33 Liter zu Buche schlug, war dann das Tüpfelchen auf dem I eines vollkommen missratenen Konzertauftakts.

Der nicht sonderlich große Laden war aber schon ganz gut mit einem völlig gemischten Publikum gefüllt, obwohl sich ein größerer Teil der Leute verständlicherweise lieber vor der Tür aufhielt. Kurz, bevor D.R.I. loslegten hab ich dann auch endlich ein paar bekannte Gesichter entdeckt (bzw. sie mich) und mitbekommen, dass das Headcrash ausverkauft war. An der Kasse mussten mehrere Leute abgewiesen werden und der Laden war wirklich brechend voll, es war ein einziges Gequetsche und Gezwänge. Noch bevor die Band startete, fingen schon die ersten an, nervös herumzuhüpfen und mit dem Intro gab’s kein Halten mehr – das ja ganz gerne mal als etwas hüftsteif verschrieene norddeutsche Publikum ging sofort mit und hat durchgehend eine geile Party gefeiert – inkl. Stagediven, Crowdsurfen etc. Bei „Thrashard“ sah’s sogar aus, als wären locker Dreiviertel des Saals in Bewegung! D.R.I. spielten sich durch die Klassiker, beherrschten sowohl die alten Speedcore-Attacken als auch das thrashige Crossover-Zeug und hatten anscheinend genauso viel Bock auf das Konzert wie das Publikum. Der Sound war auch ziemlich gut, wenn auch verhältnismäßig leise. Natürlich wurde die Band nach dem ersten verlautbarten Ende des Konzerts lautstark zurück auf die Bühne gefordert, woraufhin ich im Zugabenblock eine völlig geile Version von „Five Year Plan“ hören durfte. Lediglich meinen alten Lieblingssong „Manifest Destiny“ habe ich schmerzlich vermisst. Sänger Kurt mit langen Haaren und Bart rief zwischendurch dazu auf, lokale HC-Bands zu unterstützen und lobte das D.I.Y.-Prinzip. Sympathisch.

Der Gig hat mich so sehr euphorisiert, dass der ganze Ärger vorher vergessen war. Meine anfängliche Skepsis hat sich als unangebracht gewiesen, D.R.I. haben’s nach wie vor drauf. Und da ich ein verlorengegangenes Handy seinem überglücklichen Besitzer zurückgeben konnte, wurde ich zudem mit lecker Freibier bedacht, was die eigenen Finanzen schonte. Ein geiles Konzert in einem etwas fragwürdigen Ambiente.

Anschließend ging’s ins Skorbut, wo ich noch ca. die Hälfte des Gratis-Gigs von HIGHSCHOOL NIGHTMARE mitbekam und bis zum nächsten Morgen bei Bier und Gesprächen verweilte.

12.03.2011, Villa, Wedel: LABSKAUS + INSIDE JOB + UNHOLY HANDJOB + LAST LINE OF DEFENSE + DER FAUSTMÖRDER

Krankheitsbedingt stand mein Besuch von „Lars‘ & Lars'“ Geburtstagsparty auf der Kippe; hätte ich mir das tatsächlich nehmen lassen, hätte ich mich aber sehr geärgert. War wieder einmal ein geiler Abend, alle (!) Bands top, besonders LABSKAUS, die ich noch gar nicht kannte, haben mich positiv überrascht. Rüpeliger Punk mit deutschen Texten, paar echten Hits und sympathischem Gesamteindruck. INSIDE JOB hab ich zum zweiten Mal gesehen, schneller Oldschool-HC mit kurzen Songs, war diesmal im Gegensatz zum letzten Auftritt, wo irgendwie der Wurm drin war, auch technisch echt fit. Der Sänger gab wieder alles ohne Rücksicht auf (eigene) Verluste, inkl. BLACK-FLAG- und NEGATIVE-APPROACH-Coverversionen. UNHOLY HANDJOB boten wieder ihre unheimliche Themenvielfalt dar (Lieder gegen Krieg, gegen Krieg, gegen Krieg und gegen Menschen, weil Menschen machen Krieg), ob die Band tatsächlich Texte hat, bezweifle ich aber immer noch. Faszinierend aber, wie der Gitarrist zum hysterischen weiblichen Geschrei ein geiles Riff nach dem anderen aus der Hüfte schleudert, und der Drummer hat’s ebenfalls 100%ig drauf. LAST LINE OF DEFENSE hatte ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, gefielen natürlich auch wieder sehr gut. Gibt’s da eigentlich irgendwann mal ’ne neue Platte oder so? DER FAUSTMÖRDER betraten maskiert die Bühne und lieferten eine Konzeptshow zum Thema „Faust“ ab. Kurzweilig und sehr unterhaltsam.

Erwähnenswert auch der Junge (Wie alt war der? 11?), der nach INSIDE JOB zusammen mit deren Drummer seine beeindruckenden Gitarrenkünste beweisen durfte. Top!

Ebenfalls top: Gemischtes (Punks, Metaller, Skins etc.) und absolut sympathisches Publikum, kein Ärger und nix. Vielen Dank auch für Gästelistenplatz und Freibierstempel!

Wäre ist etwas fitter gewesen, hätte ich bestimmt auch mal so richtig das Tanzbein geschwungen. Wedel ist immer wieder eine Reise wert!

27.02.2011, Villa, Wedel: ANTICOPS + OUT OF STEP + BRICKTOP + GENTLEMEN’S SPORTS + REGRET YOUR LIES

BRICKTOP kamen als Ersatz für die ausgefallenen BULLSEYE.

Nach einem für einen HC-Gig wie ich fand ellenlangen Soundcheck eröffneten GENTLEMEN’S SPORTS irgendwann endlich den Abend mit moshigem HC à la MADBALL & Konsorten – technisch fit, aber natürlich sehr vorhersehbar. Mir Ignorant reichen bei sowas die Originale. Das Cover des MADBALL-Klassikers „Down By Law“ kam aber sehr gut. Das Publikum war übrigens ein gänzlich anderes als sonst in der Villa. Sehr viele Kids.

Dann ging’s weiter mit BRICKTOP, die in eine ähnliche Kerbe schlugen. Die Mucke war glaub ich bischn langsamer als bei der vorherigen Band. Hm. War nicht schlecht, aber auch nichts, was mich jetzt vom Hocker gerissen hätte. Der Bassist, der sein Instrument auf Brusthöhe spielt, sorgte für ein paar witzige Einlagen. Beide Bands stammen aus der „DSA-Crew“, mit der ich dadurch erstmals in real konfrontiert wurde. Mit bekacktem Kung-Fu-Gehopse hielt man sich glücklicherweise sehr zurück – der positive Einfluss Paddys? (OUT OF STEP)

Wenn mich nicht alles täuscht, waren nun auch endlich OUT OF STEP dran, neben Langeweile, Hummeln im Arsch und Neugier auf Blicke über den eigenen Tellerrand der Hauptgrund für mein Erscheinen. Hab die zu ihren Anfängen relativ häufig gesehen, dann aber irgendwie ’ne recht lange Zeit gar nicht mehr und war überhaupt nicht mehr auf dem Laufenden, kannte auch die neueren Aufnahmen gar nicht. Schande über mich, denn OUT OF STEP waren gewohnt genial, streuten geile Coverversionen ein, machten klasse Ansagen und riefen den Mob zum Durchdrehen auf. Hier erreichte die Stimmung auch ihren Höhepunkt, war auch einfach ein großartiger Auftritt. Hektischer „Posi-Core“ mit klasse Frontmann, der ständig das Publikum mit einbezieht. Hab mir gleich mal die mir fehlenden CDs mitgenommen und werde mich mal auf den neuesten Stand bringen.

REGRET YOUR LIES sind eine blutjunge Band, anscheinend erst letztes Jahr gegründet und die Bandmitglieder 16-jährige Teenies. Die Mucke war zwar keinen Meter originell oder eigenständig, halt wieder dieses Moshcore-Zeug oder wie auch immer, aber die Instrumente wurden beherrscht und authentische Energie war da. Der eine Typ, der vorher immer die kleine Miss Teenage-HC (nicht missverstehen, ihr Ferkel ;)) im viel zu großen Oberhemd (oder soll ich „Wifebeater“ sagen?) Huckepack genommen hat und durchs Publikum gesprungen ist, stand nun mit auf der Bühne, sie durfte auch ab und zu ins Mikro trällern und schnell war gar nicht mehr so richtig klar, wer überhaupt zur Band gehörte und wer nicht, haha. Hier musste der mitgereiste Disneyclub dann aber doch mal zeigen, wie toll man seine Kampfsport-Moves beherrscht, naja… haben jedenfalls ihre Band gut unterstützt. Also, dass die Jungs und Mädels da wat auffe Beine stellen, statt inner Disse abzuhängen, ringt mir Respekt ab. Trotzdem halte ich es aber ganz mit dem Spruch „Never trust a Hardcore Kid that never listened to Punk“ (und ich fürchte, davon liefen diesen Abend viele herum) und stehe diesem ganzen Zeug skeptisch gegenüber.

Bei den ANTICOPS aus Berlin, eigentlich so’ne Art Headliner des Abends, war dann aber endgültig die Luft raus. Viele waren inzwischen gegangen; entweder mussten sie ins Bett (:D), dachten vielleicht, die letzte Bahn würde gleich fahren, hatten keinen Bezug zur einzigen Band von außerhalb oder aber schlicht nach vier HC-Bands die Schnauze voll. Die ANTICOPS haben sich dann zwar gut ins Zeug gelegt, waren aber sichtlich enttäuscht ob des geringen Zuspruchs. Leider konnte ich mit der Mucke auch gar nichts anfangen, dieses tiefgestimmte, monotone Brüllzeug gibt mir einfach nix, sorry. Da es meine stockbesoffenen Begleiter mittlerweile auch eher auf den Kiez gezogen hat, bin ich dann, wie ich zu meiner Schande eingestehen muss, auch mittem im Set abgehauen und gen Skorbut getuckert. Tat mir echt leid für die Band, aber wer weiß, vielleicht hat man gegen Ende mit den Verbliebenen ja doch noch gut gefeiert.

Ach ja, trotz mehrmaliger Aufforderung (ich glaube, es war bei BRICKTOP) hat kein einziger Circle Pit gekappt.

Unterm Strich ein nicht uninteressantes Konzert, bei dem ich aber lediglich OUT OF STEP wirklich überzeugend fand. Der Rest ist einfach echt nicht mein Ding, nicht meine Szene, nicht meine Interpretation von Hardcore.

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