Günnis Reviews

Monat: April 2011

16.04.2011, El Dorado (Gaußplatz), Hamburg: FUSELWOCHE

Ach ja, nach dem Punk- und Alkitreffen letzten Samstag war ich auf dem Gaußplatz (Hamburg-Altona), um mir bei freiem Eintritt FUSELWOCHE (oder so) anzusehen. D.h., eigentlich wollte ich DOGS ON SAIL sehen, aber die haben so unpunkig-überpünktlich angefangen und außerdem ihren „Headliner“-Status nicht wahrgenommen oder durchgesetzt, dass ich keinen einzigen Ton mehr von ihnen gehört hatte, obwohl ich mich den ganzen Tag drauf gefreut hatte :'(

FUSELWOCHE (oder so) waren dann aber ziemlich cool, einfacher 1-2-3-4-Uffta-Pogo-HC-Punk mit deutschen Texten und Attitüde, kam irgendwie genau richtig und hat echt Spaß gemacht. Zudem war der Sound in der (wohlgemerkt renovierten, ich war echt lange nicht mehr da) Gaußplatzkneipe 1A.

12.04.2011, Hamburg, Docks: NOFX + TEENAGE BOTTLEROCKET + OLD MAN MARKLEY

Hab mich direkt nach der Arbeit alleine auf den Weg gemacht, um auch endlich mal NOFX live zu sehen. Die Karte hatte ich mir Monate vorher im VVK gesichert, womit ich gut beraten war, denn das Konzert war ausverkauft und sogar ein Zusatzgig wurde anberaumt, der einen Tag vorher über die Bühne ging. Mit ihren rund 30,- EUR war die Karte allerdings alles andere als ein Schnäppchen.

Ich erwartete eigentlich Scharen von Skate- und Melodicore-Kiddies, doch offenbar ist das NOFX-Publikum mit der Band gealtert oder man hat sich mit ernstzunehmenden Platten wie „The War On Errorism“ auch ein etwas anders gelagertes Publikum erspielt.

Seit ca. zehn Jahren begab ich mich also erstmals wieder in den fiesen Kommerzschuppen mitten auf dem Kiez und dachte eigentlich, nach meinen „Vaja con tioz“-, „Color Line Arena“-, Wacken- und Markthallen-Besuchen könne mich nichts mehr schocken. Doch Pustekuchen, 2,- EUR Garderobengebühr für mein Gepäck und 3,30 EUR für 0,3 Liter Bier aus Vodka-Bechern dürften mit zum Gipfel des Rock’n’Roll-Raubrittertums gehören. Um ein wirklich angenehmes Konzert verleben zu können, hat man auch „etwas“ zu viele Karten verkauft, so dass es im Laufe des Abends „etwas“ sehr drängelig wurde. Docks = Scheißladen.

Positiv erwähnen muss ich aber den spitzenmäßigen Sound, den zumindest die beiden Vorbands hatten. Glasklar und druckvoll, alles andere wäre aber auch ein (weiteres) Armutszeugnis gewesen. Den Anfang machten OLD MAN MARKLEY, eine achtköpfige Country-Truppe, die mit Kontrabass, Waschbrett etc. und männlich/weiblichem Wechselgesang sowie sehr flotten Songs für US-amerikanisches Ambiente der angenehmen Sorte bürgten und gerade, weil sie aus dem üblichen musikalischen Rahmen fielen, ein klasse Opener waren. Mut zur Abwechslung!

Es folgten TEENAGE BOTTLEROCKET, melodischer California-Punk mit zumindest bei diesem geilen Livesound hoher Hitdichte, der sofort gezündet hat. Kein Melodicore, eher die alte Schule, ’ne Art Mischung aus RAMONES und LURKERS mit ordentlich Tempo und überraschenderweise sogar gelegentlichen Hardcore-Erruptionen. Dank zwei Gitarristen gab’s ein gutes, kurzweiliges Brett auf die Löffel. Doch, war geil.

Dann also NOFX. Humorvoll wie eh und je und der Laden brach natürlich aus allen Nähten. Nachdem mir vorher schon Lars und Dirk über den Weg gelaufen waren, erspähten mich in dem Gewühl endlich ein paar Kumpels, mit denen ich mich an einen der Tresen begab, um bei angenehmerer Luft, leicht erhöhtem Fußboden und „direkt an der Quelle“ das übrige Publikum zu über- und die Band zu erblicken und natürlich zu erhöhren. Doch was war das für eine Songauswahl? Klar, „Fuck The Kids“, „Stickin‘ In My Eye“, „Bob“, das Rancid-Cover „Radio“, „Eat The Meek“ – geht alles klar! Aber wo waren Kracher wie „Kill All The White Man“, „Don’t Call Me White“, „Moron Bros.“ und mein absoluter Lieblings-NOFX-Song „Lori Meyers“?! Sie wurden nicht gespielt, nichts davon! Unfassbar! Stattdessen schon relativ früh die erste Unterbrechung, also das „offizielle“ Ende. Daher rechnete ich mit einem ca. einstündigen „Zugabenblock“, doch auch dieser wurde recht früh beendet und lediglich durch Gitarrist Eric Melvin, der sich ca. eine Viertelstunde lang nicht von seinem Schifferklavier trennen konnte, während um ihn herum schon abgebaut wurde, in die Länge gezogen. Der Sound war auch nicht so geil wie bei den Vorbands, was aber an meinem (mehr oder weniger) selbstgewählten Stehplatz gelegen haben kann.

Nee, also das war irgendwie enttäuschend, vor allem für soviel Kohle. Das Docks sieht mich jedenfalls so schnell nicht wieder und NOFX höchstens mal auf ’nem Festival oder vielleicht ’nem kleinen Clubgig unter anderem Namen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich aber die fairen Merch-Preise inkl. selbstkritischer Produktqualitätseinschätzungen: „Old CD, at leat 5 Songs are cool.“ Dafür Daumen hoch!

02.04.2011: Hafenklang, Hamburg: True-Rebel-Jahresfeier mit HAMBURGER ABSCHAUM, THE OFFENDERS und EIGHT BALLS

In aller Kürze:

Bei herrlichem, sommerlichen Frühlingswetter blies das Hamburger True-Rebel-Label zur Jahresfeier für faire 8 Taler an der Abendkasse, den Beginn im anfangs gut gefüllten, später vollen Hafenklang machten die Bauwagen-Punks von HAMBURGER ABSCHAUM mit einer kurzweiligen Show inkl. Kettensägeneinsatz, Trompete etc. Gitarrist Holli gab alles und sah im Sträflingsoutfit spitzenmäßig aus. Erster verhaltener Pogo. Trotzdem zog es mich nach draußen, um das Wetter auszunutzen und auf der Straße zu trinken, zu quatschen etc. Etliche sahen das anscheinend ebenso wie ich, so dass sich eine beachtliche Menschentraube vor dem Laden bildete. Einige sah man zum ersten Mal in diesem Jahr, angelockt von der freundlichen Witterung. Dadurch hab ich die Ska-Punk-Band THE OFFENDERS komplett verpasst. Immer wieder kamen mir aber glücklich dreinschauende, völlig verschwitzte Leute entgegen, die anscheinend ausgiebigst das Tanzbein geschwungen und die Band abgefeiert hatten. An THE OFFENDERS muss also irgendwas dran sein, vielleicht beim nächsten Mal.

Dann aber endlich der Höhepunkt des Abends, die glorreichen EIGHT BALLS mit immer noch relativ neuer Platte und ’nem Ersatz-Gitarrero für den verhinderten Mücke im Gepäck. Trotz dadurch leicht eingeschränkter Stückauswahl wurde eine exzellente Oi!-Punk-Hymne nach der anderen geschmettert und selbst ich verrenkte meine alten Knochen zeitweise zwischen anderen schwitzenden, betrunkenen Grobmotorikern beim Tanzen bzw. dem, was wir dafür hielten.

Nach diesem klasse Auftritt stellte sich die Frage, ob man den Rückweg nach Hause antreten sollte, gar nicht mehr, stattdessen ging’s zur „Aftershow-Party“ ins Skorbut auf dem Kiez, wo man die Feier anscheinend bis um 9:00 Uhr morgens fortführte… Wahnsinn. Was für eine Frühjahrseinstimmung!

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