Als Teil des alternativen Hafengeburtstags wurde wie gehabt auch dieses Jahr am Störtebeker eine Bühne für Punk, Crust, Death Metal u.ä. aufgebaut. Bei mir kam aber einiges zusammen: a) war ich gesundheitlich angeschlagen, sodass sich eine wilde Party mit Vollrausch diesmal verbot, b) sollte es am nächsten Morgen in einen bitter nötigen Kurzerholungsurlaub nach Duisburg (ja, ganz recht!) gehen, weshalb sich eine wilde… ihr wisst schon, und c) hatte ich vor allem Bock auf SHEER TERROR, die im Monkeys gastierten – zumal ich mir nach dem letzten verpassten Gig der NYHC-Legende geschworen hatte, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Nach der Arbeit machte ich mich trotzdem erst mal auf dem Weg zum Hafen, um an den empfehlenswerten Veggie-Ständen, die Teil des Alternativprogramms sind, etwas zu essen und mir anschließend zumindest einen Teil des SHELL-SHOCKED-Auftritts anzusehen. Das Hamburger Quartett zockt flotten, wütenden Punk mit Street- und Hardcore-Punk-Anleihen sowie deutschen als auch englischen Texten. Der Gitarrist setzt vornehmlich auf kräftige Riffs und versieht den Sound spätestens mit seinen Soli mit einer durchaus geschmackvollen Metal-Kante. Da ich davon ausging, dass SHEER TERROR bereits um 21:00 Uhr im Monkeys spielen würden, machte ich mich nach ungefähr fünf Songs aber auch schon wieder vom mehr als gut mit allerlei bekannten Gesichtern gespickten Acker – um auf der Bahnfahrt herauszufinden, dass der Beginn um eine halbe Stunde nach hinten verschoben wurde…
- Shell-Shocked
Im Monkeys war man sich des ungünstigen Termins offenbar bewusst und hatte erst gar keine Supportband angeheuert. Dafür wiederum war der Laden gar nicht so schlecht besucht. Um kurz nach halb zehn ging’s mit ‘nem Dröhnintro los, in dessen Folge die ersten drei Songs ohne Pause durchgeholzt wurden. Anschließend erklärte Bandkopf Paul Bearer, dass es sich um die zweite Show überhaupt für den Basser handele – was dieser sich aber nicht anmerken ließ. Weiter ging’s mit „Heartburn in G“, das Eröffnungsstück des starken „Standing Up For Falling Down“-Albums aus dem Jahre 2014, gefolgt vom Klassiker „Twisting and Turning“, dem OLD-97‘S-Cover „Salome“ sowie „Roses“. Die beiden letztgenannten stechen insbesondere durch Pauls hier zum Zuge kommenden cleanen Gesang heraus, wobei vor allem eine Nummer wie „Roses“ dazu beiträgt, dass diese Band das gewisse Etwas hat. Jeweils nach drei, vier Songs nahm er sich zudem wie gewohnt Zeit, um etwas mit dem Publikum zu plaudern. So fand er passende Worte zur aktuellen Situation in seiner US-amerikanischen Heimat und deren Präsidenten, oder aber protzte damit, mittlerweile auf die 60 Lenze zuzugehen, aber noch immer all sein Haar, fast alle seine Zähne und sogar einige Kilo abgenommen zu haben. Seinen Humor hat er glücklicherweise nicht verloren, und so haben seine „Spoken Word“-Passagen auch immer ein bisschen was von Stand-up. Vor allem aber kommt er sehr menschlich und sympathisch rüber, wenn er ohne zu predigen dazu anregt, jeden Tag zu versuchen, ein etwas besserer Mensch zu sein. Und dass Hardcore-Bands nicht auf Tour kommen, um für Zusammenhalt zu werben, sondern um T-Shirts zu verkaufen. Ehrlich ist er nämlich auch, der Gute.
- Sheer Terror
Vom für November angekündigten neuen Album spielten SHEER TERROR das bereits vorab ausgekoppelte „Squat Diddler“ in einer herrlich rauen und wütenden Version. Der Großteil des Sets bestand aber natürlich aus den Klassikern des Debüts, von denen „Just Can’t Hate Enough“ die letzte Eigenkomposition des Abends war, an die man aber direkt, also ohne vorher die Bühne zu verlassen oder sich per „We Want More!“-Rufen bitten zu lassen, das THE-CURE-Cover „Boys Don’t Cry“ anfügte. Nach einer knappen Stunde war Feierabend. Sicherlich ging’s auf SHEER-TERROR-Konzerten in der Vergangenheit schon mehr zur Sache, ein paar Leute waren aber auch an diesem Abend stets vor der Bühne in Bewegung. Andere begnügten sich damit, die Songs mitzusingen oder einfach dazustehen, mit dem Fuß zu wippen und zu genießen. Beim nächsten Mal komme ich gern wieder rum, dann hoffentlich in etwas besserem Zustand. Bleibt zu hoffen, dass diese Europa-Tour nicht eigentlich bereits als eine zum neuen Album angesetzt war, sich dieses aber verzögert hat…
- Sheer Terror

















