Das rund 50-seitige 35. „Schwermetall präsentiert“-Album datiert aufs Jahr 1990, erschien im Alpha-Verlag im Softcover, ist schwarzweiß und handgelettert – und versammelt offenbar eine zuvor monatlich seitenweise im „Schwermetall“-Magazin abgedruckte Science-Fiction-Geschichte.
Als Zeichner im halbrealistischen bis realistischen Stil fungierte Geier, als Texter zunächst Michael Hau alias BiMi. Und worum es geht, lässt sich zunächst schwer erfassen; anscheinend handelt es sich in erster Linie um eine Sci-Fi-Comic-Persiflage, die es darauf anlegt, alle möglichen mehr oder weniger populären Comicfiguren in Cameos unterzubringen (Sokals Canardo beispielsweise ist der Kanzler und Mézières‘ Valerian steht plötzlich in Reizwäsche da). Maryara spricht tiefstes Bayrisches, der Meta-Baron schwäbelt und nach einer Raum-Zeit-Reise sind Maryara und Titelheld Toni nackt. Auf S. 15 begibt man sich auf die Meta-Ebene und klärt in Comicform, wie es überhaupt zu „Tonis großes Spiel“ kam.
Die Geschichte entstand anscheinend erst nach und nach, ohne fertiges Skript. BiMi stieg irgendwann als Texter aus und Robi (alias Horst Brack aus „Catchup“ alias Rochus Hahn, „Das Wunder von Bern“-Drehbuchautor) für ihn ein, was anlässlich der 25. Seite thematisiert wird. Da wird klar, dass BiMi, der Robi direkt die Freundschaft kündigt, tatsächlich an purem Nonsens gelegen war, während Robi die Geschichte in so etwas wie geregelte Bahnen lenkt, eine echte Erzählung entstehen lässt, die zumindest etwas weniger improvisiert wirkt und mit etwas mehr Ernsthaftigkeit so auch in klassischer Anything-goes-Sci-Fi-Fantasy hätte auftauchen können.
So stellt sich mit der Zeit heraus, dass Schurken hinter dem „Goldenen Furunkel“ her sind. Toni muss erst mal herausfinden, was das überhaupt ist. „Tonis großes Spiel“ ist ein spannendes Experiment aus der deutschen Anarcho-Comicszene und herrlich irres, respektloses Vergnügen. Zu Geier und Robi später mehr.

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