Günnis Reviews

Autor: Günni (page 108 of 109)

NADA – VAMOS CD

(www.nixalsnada.de) / (www.nixgut.de)

Argh, ich hasse drittklassigen Kindergitarrenpop mit Bläsereinsatz, oftmals fälschlicherweise mit den Genres „Punk“ oder „Ska“ in Verbindung gebracht. Diese wild Pubertierenden oder Hobby-Jugendlichen aus Wermelskirchen legen noch einen richtig ekelhaften, schwülstigen Gesang drüber, der die peinlichen deutschen Texte rezitiert und hauen diese CD raus. Aus der Gebrauchsanleitung: „Die Mischung aus sozialkritischem und Fun Punk lässt kleine Mädchenherzen höher schlagen“ – klar, ist bestimmt der Knaller zwischen Schlumpftechno und Tokio Hotel. Aber so kann man eben aus der Not bzw. dem eigenen Unvermögen eine Tugend machen… Und jetzt alle: Das hat mit Punk-, das hat mit -rock, das hat mit PUNKROCK NICHTS ZU TUN! 13 Songs in 41 Minuten. 6. Günni

LÜKOPODIUM – ÜBERWACHUNGSSTAAT CD

(www.luekopodium.tk) / (www.nixgut.de)

Metal-Punk mit deutschen Texten, wie er oft als „Deutschpunk“ bezeichnet wird, aus Österreich. Erinnern in ihren besten Momenten etwas an POPPERKLOPPER oder UNGUNST, erreichen aber nie die Klasse einer Band wie DRITTE WAHL z.B. Rauscht etwas an mir vorbei. Zwar variiert man das größtenteils recht flotte Tempo häufiger, nur leider nicht zugunsten von Melodie oder Wiedererkennungswert. Inhaltlich bietet man auch nichts Neues oder Außergewöhnliches, holpert sich aber nicht so sehr durch die Reime wie zahlreiche Kollegen. Der Gesang ist zum Glück akzentfrei. Booklet mit allen Texten, 10 Songs in 34 Minuten. 4+. Günni

MINNIE’S – IL PANE E LE ROSE CD

(www.minnies.it) / (www.antstreet.de) / (www.noreasonrecords.com)

5-Song-Mini-CD dieser italienischen Band, die sie sich auch hätten sparen können. Die ersten beiden Songs sind irgendein balladeskes Gitarrengeklimper, die restlichen drei völlig austauschbarer Pop-Punk / Indie-Pop. Von den Texten verstehe ich nüscht, weil ich des Italienischen nicht mächtig bin. Wage aber zu bezweifeln, dass da großartig was bei rumgekommen wäre. Als Bonus gibt’s ‘nen PC-Video-Track, den ich mir aber erspart habe. 5. Günni

V.A. – ES LEBE DER PUNK 6 CD

(www.nixgut.de)

Wieder ein NIX-GUT-Labelsampler zum Spottpreis. Enthält (bis auf einen Song) ausschließlich deutschsprachige Punkmucke von Bands wie KOLPORTEURE, THANHEISER, STAATSPUNKROTT, SCHMUTZIGE TATEN etc… und das ist nun echt seltenst mein Fall. Mit dem Großteil der Songs kann ich nichts anfangen. Zu infantil, musikalisch einfach daneben, gesanglich schrecklich, einfach nicht Fisch, nicht Fleisch, wie man so schön zu sagen pflegt. Soll das teilweise harter Polit-Punk sein? Da lachen ja die Hühner (um bei den Tieren zu bleiben). Am ehesten sagen mir noch die Songs von SPEICHELBROISS („Our Town“), IRRENOFFENSIVE („Stadt, Land, Fluss“), USK („20 Jahre“) sowie der erste von NI JU SAN, der völlig anders als der zweite, nämlich ausnahmsweise mal wirklich hart und dreckig, klingt, zu. Der Rest ist entweder belangloser Durchschnitt oder total fürchterlich. 20 Songs. 4-. Günni

GUTS ’N’ GLORY – DESTINATION NOWHERE CD

(www.guts-n-glory.net) / (www.halb7records.de)

Yeah, klassischer, rauher Mid-Tempo-Oi!-Sound britischer Prägung aus Hannover. Gut-, aber nicht überproduziert, dreckiger Gesang, fette Refrains und Chöre und Melodien, von denen einige nach zwei- bis dreimaligem Hören gut hängenbleiben. Besonders der Titelsong ist ein Hit! Die Fünf Skinheads an den Instrumenten bzw. dem Mikro sind anscheinend nicht mehr die Jüngsten, was sich auch textlich widerspiegelt. Man spielt(e) auch schon bei Bands wie SOULS ON FIRE, MIOZÄN, SANITYS DAWN, MELONES (RAMONES-Coverband) oder KONSUMSCHADEN, so dass man über einen beachtlichen musikalischen Horizont verfügt und anscheinend nicht viel von Scheuklappen hält. Die (durchgehend englischen) Texte gefallen mir richtig gut. Man erklärt mehr als einmal auf unpeinliche und mutmachende Weise, dass man sich auch im mittleren Alter noch mit der Szene identifiziert und auch nicht vorhat, das zu ändern, ohne dabei altklug zu wirken. Darüber hinaus verarbeitet man Erfahrungen aus dem täglichen (Klassen)kampf ums Überleben und Zwischenmenschliches. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die klaren, phrasen- und klischeefreien Absagen an Penner“punks“ und rassistische Arschlöcher. Schönes Booklet mit vielen Fotos und allen Texten, 14 Songs in 43 Minuten. Vinyl soll im September folgen. Würde ich gern mal live sehen – glatte 2! Günni

MANIFESTATION – F.T.W. CD

(www.manifestation-music.de) / (www.vinyl-junkies-rec.de)

Diese Platte der Saarländer ist Anfang 2005 bereits als 10“ erschienen, nun wurde die um drei Live-Bonussongs aufgestockte CD hinterhergelegt. Soll Oldschool-Hardcore sein; wer krachigen, scheppernden, ungestümen Ami-HC der Frühzeit erwartet, wird aber enttäuscht. Ist dann doch eher moderner klingender, prolliger HC mit ’nem gewissen Metal-Einschlag bei der Gitarrenarbeit, Gröhlgesang und allem, was dazugehört. Handwerklich auf jeden Fall sauber. Textlich das Übliche – Kampf ums Überleben, Arschhochkriegen, „True-Sein“… und bei „Time To Die“ wird man konkret, als man sich mit der aggressiven, kriegerischen US-amerikanischen Außenpolitik auseinandersetzt. In „Till The End“ heißt es dann noch „I Hate Everybody, Everything … Hippies And Junkies“. Ganz harte Jungs also… 3. Günni

CRUSADERS – THE ANGER INSIDE CD

(www.crusaders-dresden.de) / (www.randale-records.de)

Eigenständiger Oi!-Punk aus Dresden – schon das dritte Album, allerdings das erste, welches ich zu hören bekomme. „Eigenständig“ im Sinne von: man versucht weder, nach den Onkelz, noch nach den 4-Skins zu klingen. Es wurde viel wert auf Melodie gelegt, ohne ins Poppige abzudriften. Der Gesang ist recht markant, relativ hoch und dabei heiser. Die durchgehend englischen Texte machen einen guten, durchdachten Eindruck. Es wird das typische Oi!-Kontingent abgedeckt: Way Of Life, Selbstverwirklichung, Feiern aber vor allem auch Kritisches. Da spricht man eine recht deutliche Sprache und setzt sich u.a. kritisch mit der Wiedervereinigung und dem Versagen der Politik im Allgemeinen auseinander. Rechte, reaktionäre Scheiße sucht man hier vergebens. Nicht so 100%ig meine Mucke, könnte nach meinem Geschmack etwas heftiger zur Sache gehen. Wird aber auf jeden Fall seine Freunde finden. Einfach mal reinhören! Booklet mit Fotos und allen Texten, 15 Songs in 47 Minuten. 3+. Günni

BREAKS – KILLING ILLUSIONS CD

(www.thebreaks.de)

Der Beipackzettel fing schon „gut“ an: „Wenn die drei smarten Jungs aus der Nähe Marburgs die Bühne betreten, stehen vor allem Mädels in den ersten Reihen. Denn gut sehen sie aus, die drei.“ Naja, ich hab’ trotzdem mal reingehört und erwartungsgemäß wurde ich Opfer von langweiligem, nichtssagendem Pop-Punk (oder „Indie“ oder „Alternative“), der hörbar nach MTViva (und vermutlich auch nach 12 – 15jährigen Groupies) schielt und dem es an allem fehlt, was guten Punkrock ausmacht. Die CD hat die Band übrigens selbst rausgebracht – haben die dann auch ihre Bandinfo mit oben genannten Zitat selbst geschrieben? „Please help me to kill these illusions“, heißt es im Titelsong. Kein Problem, immer gerne. 8 englischsprachige Songs in 37 Minuten. 5. Günni

STAMMTISCH JUNGZ – PROLLSONGS (Demo-CD-R)

(www.stammtisch-jungz.de.vu)

Der gute Oi!stfriese war so nett, mir die Demo-CD seiner Trümmerkapelle aufs Auge zu drücken, die sich einer der missverstandensten, in Kennerkreisen sich aber ungebrochener Beliebtheit erfreuender Spielart unseres geliebten Punkrock verschrieben hat: dem STUMPF-OI! – und das mit Haut, ohne Haaren und vor allem ohne sich zu schämen.

Die Aufnahmequalität macht für ein Demo echt was her und schmeichelt meinen geplagten Ohren. Ebenso wie der dargebotene Gossensound der sympathisch dahergeschrammelten Midtempo-Riffs, hämmernden Uffta-Drums und einem Sänger, der die proletarischen, aber stets augenzwinkernden Weisen über Saufen, Fußball und Oi! gröhlt und röhrt, als ginge es um Leben oder Tod. So soll es sein und alte Helden wie SMEGMA oder die BIERPATRIOTEN lassen grüßen. Titel wie „Dick sein“, „Bier und Korn“ oder „Prollsong“ halten auf ganzer Linie, was sie versprechen, und lassen angenehmerweise kein Klischee aus. Und bei den sparsam als In-/Outros eingesetzten Film- und TV-Zitaten musste ich doch sehr schmunzeln, besonders bei „Bremen 2004“, hehe.

Der Soundtrack zur Bierdusche – garantiert Studentenpunk- und Smartie-back-to-the-roots-Skin-untauglich. Ein Fest für jeden von uns, der gerne mal den Proll- und Sauf-Asi raushängen lässt; alle anderen wundern sich und verstehen nur Bahnhof.

8 Songs + Intro/Outro in 22 Minuten, Solo-Gedudel etc. wurde also der Zugang zum Proberaum verwehrt. PROST + FICKEN OI! Glatte 1. Günni

WEGWEISER – FREIFLUG FÜR SPATZENHIRNE CD

(www.wegweiser-band.de.vu) / (www.nixgut.de)

Kitschiger Pop-Punk/Pop-Rock mit Blechgebläse und schwülstigem, cleanem Gesang aus Ostfriesland. Inhaltlich gibt man sich größtenteils „alternativ“ (man macht seine „private anarchy“) und jammert auch mal rum („zu feige für den Suizid – ich hasse mich selbst“), zeigt sich größtenteils aber positiv und lebensbejahend. Ok, warum nicht, kann man ja mal – nur bitte nicht so ekelhaft hippie- und sozialarbeitermäßig. Beispiele gefällig? „Hat dich der Tag bereits am Morgen schon geschafft, liegt es nur an dir selbst, was du daraus noch machst. Ist auch die Wut in dir auf alle Welt ohne Maß, liegt es nur an dir selbst, dass sie nicht umschlägt in Hass.“ / „Du stehst vor Abenteuern und brauchst nichtmal viel zu lernen. Alles, was du wissen musst, steht nicht mehr in den Sternen“. Gegen Ende wird’s einfach nur noch peinlich: „Wahre Liebe gibt es nicht, du glaubst, das ist ein Witz? Ich bin auf alle spitz!“ (wollte man da mal den Proleten mimen?) oder „Schalt‘ das Licht nicht aus, im Dunkeln hab‘ ich Angst“ (ach Gottchen)… aber wie singt „Hinni Hopeless“ (der Name ist Programm) in „Ode To The Outback“? „Ich bleib‘ hier in Ostfriesland!“ Na, ein Glück. So punkig und gefährlich wie die Jusos und so rebellisch wie ein Abend bei den Jesus Freaks. Nix Gut, 17 Songs. 5. Günni

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