Günnis Reviews

Autor: Günni (page 20 of 86)

14.03.2017, Monkeys Music Club, Hamburg: THE SELECTER

Die 1979 im englischen Coventry gegründeten THE SELECTER waren in der mächtigen Two-Tone-Troika bestehend aus MADNESS, THE SPECIALS und eben jenen schon immer meine Favoriten; besondere Songs aus der zweiten Reihe wie „Bomb Scare“ oder „Washed Up And Left For Dead“ gehen nicht nur in die Beine, sondern auch ans Herz. Doch obwohl seit Anfang der 1990er wieder aktiv, war es mir nie vergönnt, sie einmal live zu sehen. Letztes Jahr gastierten sie im Monkeys, was jedoch mit einer Bowling-Veranstaltung verbunden war und dementsprechend satt erhöhter Eintritt fällig wurde, weshalb ich mich weiter in Verzicht übte. Dies änderte sich, als die Band im Zuge ihrer Deutschland-Tour erneut dem Monkeys einen Besuch abstattete, diesmal ohne Bowling, ohne Vorbands, just pure SELECTER – und wesentlich bezahlbarer.

Vor Ort zog sich erst mal eine lange Schlange zur Kasse, wie ich es beim Monkeys noch nicht erlebt hatte. Dies schien sowohl mit dem hohen Besucherandrang als auch einem Soundcheck-Länge-bedingt etwas späteren Einlass zusammenzuhängen. So verzögerte sich auch der Konzertbeginn um eine halbe Stunde auf 21:30 Uhr. In ihrem rund eineinhalbstündigen Set konzentrierte sich das Oktett (inkl. Bläser und Orgelspieler) auf ihre beiden Klassikeralben sowie das aktuelle Album „Subculture“. Natürlich ist die aktuelle Besetzung weit davon entfernt, original zu sein – Originalmitglied Neol Davies ist sogar mit einer eigenen THE-SELECTER-Variante unterwegs –, dafür jedoch überaus versiert an den Instrumenten. Bei perfektem Monkeys-Sound saß jeder Ton und transportierte den Geist der alten Songs originalgetreu. Und dann ist da natürlich Pauline Black, jene in Würde gealterte Grand Dame des Two Tone, die noch immer über ihre einzigartige, durchdringende Stimme verfügt und mit ihrem ebenso resoluten wie charmanten Auftritten, gewandet in feinen Zwirn, die Herzen des auch an diesem Dienstagabend die Hütte vollmachenden Publikums im Sturm eroberte. Welch eine Ausstrahlung!

Black kommunizierte und scherzte mit dem Publikum, lobte die in der ersten Reihe tanzenden Mädels, animierte zum Mitsingen, tanzte mit ihrem für die männlichen Gesangseinlagen zuständigen Sidekick Gaps, schüttelte den Schellenkranz und nahm einen Blumenstrauß entgegen, den der alte Charmeur Sam ihr mitten im Set überreichte. 😉  Es wurde im gemischten Publikum viel das Tanzbein geschwungen und geschwitzt, zu den Eigenkompositionen gesellten sich die klassischen Cover „Train to Skaville“ und „Carry Go Bring Home“ sowie das James-Bond-Thema, „Too Much Pressure“ wurde passenderweise um einen „Pressure Drop“-Part erweitert.  Der Skandalsong „Celebrate The Bullet“, der seinerzeit zum Split führte, fehlte ebenso wenig wie das frenetisch bejubelte und in einer interessanten Phrasierungsvariante interpretierte „On My Radio“. Der kleinere der beiden Bläser tauschte sein ihn beinahe überhöhendes Rieseninstrument zwischenzeitlich gegen eine Flöte und ohne Zugaben (u.a. einem Medley klassischer Hits) ging’s nicht in die Koje. Meine beiden eingangs erwähnten Zweite-Reihe-Hits fehlten zwar, mit ihnen hatte ich aber ohnehin nicht gerechnet. Songauswahl und Schwerpunkt gingen auch so vollkommen klar.

Wenn ich mal mitten in der Woche zu einem Konzert tigere, muss es etwas Besonderes sein – und das war es! Ein weiteres „Must-See“, hinter das ich einen Haken setzen kann. Auf dass Mrs. Black & Co. der Musiklandschaft noch lange in dieser bestechenden Form erhalten bleiben mögen. Und vielleicht sollte ich doch mal in die bisher mit Ignoranz gestraften „neuen“ Alben ab den ‘90ern reinhören…

P.S.: Neben meinen wackeligen Amateurschnapsschüssen aus dem sich stetig in Bewegung befindenden Publikum gibt’s bei Kevin Winiker fantastische Profi-Fotos.

11.03.2017, Gängeviertel, Hamburg: NASTY JEANS + SELBSTBEDIENUNG + DONKANAILLE + TORTENSCHLACHT

Eigentlich sollten die Rostockerinnen von TORTENSCHLACHT, auf einer Mini-Tour aus Köln kommend, an diesem Abend in Kiel spielen, doch wegen der Absage des Hauptacts fiel das Konzert flach. Auf der kurzfristigen Suche nach einem Ersatz-Gig konnte ich sie jedoch erfolgreich an die BeyondBorders-Konzertgruppe vermitteln, die sich spontan und unkompliziert bereiterklärte, TORTENSCHLACHT als Opener fürs Konzert im Gängeviertel aufzunehmen. Somit ging’s dann auch relativ früh gegen 21:15 Uhr oder so los und die Technik meinte es zunächst nicht sonderlich gut mit den Mädels: Erst funktionierte Shiftys Mikro nicht, dann war der Gesang allgemein zu leise, Rückkopplungen quietschten und pfiffen durch die P.A. und dann riss Gitarristin Biene auch noch die E-Saite. Ersatz war jedoch bald dank des kollegialen Verhaltens der anderen Bands gefunden und so konnte es mit charmantem, etwas rumpeligem deutschsprachigen Punk weitergehen, dessen provokante Texte sich das Trio auf seine Ostsee-Kodderschnauzen gerecht aufteilt und der immer mal wieder mit gediegenen Bassläufen oder auch dem Einsatz halbcleanen Klampfensounds hervorsticht. Die Heiserkeit vom Vortags-Gig hörte man ihnen nur während der Ansagen an und Shiftys melodischer Background-Gesang war die Sahnehaube auf manch Tortensong. Chaotisch wurd’s beim SCHLEIMKEIM-Cover „In der Kneipe zur trockenen Kehle“, bei dem kurzerhand das Publikum die Mikros annektierte, sich mit der Originalstruktur des Songs jedoch als nicht gänzlich vertraut erwies. Lustig war’s allemal und aus dem anfänglichen Bauernpogo entwickelte sich im Laufe des Gigs dann auch doch noch positive, ausgelassene Stimmung. Daumen hoch!

Die weiteren drei Bands kannte ich wiederum überhaupt nicht. DONKANAILLE stammen ebenfalls aus MeckPomm, genauer: aus Gadebusch, bestehen seit 2012 und haben mit „Honig & Stacheldraht“ ein Album am Start. Der Sound des Quartetts klang wie ‘ne Mischung aus D-Punk und Hardcore und erinnerte mich zeitweise grob an die EMILS abzüglich deren Metal-Einflusses. Textlich gibt man sich kritisch und bissig und klang live rauer, aggressiver und bischn mehr auf dicke Hose als auf dem Album, was der Band ganz gut zu Gesicht stand. Aggressive Backgrounds sorgten für zusätzlichen Kick und der Rollifahrer, der den Gesang eines der Songs übernahm, ebenso für Abwechslung wie die Gesangseinlage eines Freundes der Band. Mittlerweile hatte sich der Laden noch weiter gefüllt und die Stimmung weiter gelockert, vor der Bühne war immer was los und der Sänger mischte sich unters Publikum. Guter, sehr souveräner Gig, dem es in den Midtempo-Parts etwas an Hooks und ansonsten vielleicht ein wenig an individueller Note mangelte, mit Engagement, Spielvermögen und Attitüde aber zu überzeugen wusste.

SELBSTBEDIENUNG aus Aargau hätten zu den Pechvögeln des Abends werden können, als direkt beim ersten Song die Bassanlage den Dienst versagte und eine gefühlt stundenlange Reparationspause einläutete. Auf vielen anderen Konzerten hätte sich die Butze sicherlich schnell spürbar geleert, doch nicht hier: Die Leute ließen sich die Laune nicht verderben, tranken weiter und beobachteten die schwitzende Technik-Crew bei ihren Versuchen, der Lage wieder Herr zu werden. Letztendlich sind besonders fieser Weise wohl gleich zwei Komponenten in‘ Dutt gegangen, was die Sache verkomplizierte. Als der Tieftöner irgendwann endlich wieder lief, wurde erst mal ein Bass-Solo gefordert und die Band konnte – ab nun störungsfrei – weitermachen. Offenbar wären die Eidgenossen lieber Hamburger, so oft, wie sie St. Pauli besangen. Fürchtete ich zunächst nervigen Schunkel-Fun-Punk, steigerte sich das Trio schnell mit flotteren, raueren Songs auch ernsterer Natur, die auf viel Publikumsresonanz stießen. Bei drei Alben kann die 2007 gegründete Band aus dem Vollen schöpfen und spielte auch recht lang. Zum eigenen Material gesellte sich ein Medley aus „Antifa Hooligans“, „God Save The Queen“ und „Das Herz von St. Pauli“, doch war mittlerweile meine Aufmerksamkeitsspanne leicht erschöpft, weshalb vieles doch ziemlich an mir vorbeirauschte, so kurzweilig die Schweizer auch unterhielten.

Jener reduzierten Aufmerksamkeitsspanne kam dann die Hamburg-Lübeck-Connection NASTY JEANS entgegen: Schnelle, kurze, eruptive Punk-/Oldestschool-HC-Songs ohne Intros, Intermezzi, Outros oder sonstige Schnörkel, immer direkt von Null auf 100 und geschultert von einer kleinen, zunächst unscheinbar wirkenden Sängerin, die mit einer kräftigen Rotzröhre überraschte. Das war genau das Richtige zur mittlerweile reichlich fortgeschrittenen Stunde und wurde entsprechend vom noch keine Ermüdungserscheinungen zeigenden Publikum gefeiert. Geiler Abschluss eines etwas pannenreichen, nichtsdestotrotz lohnenden Abends, der neben musikalischer Abwechslung das gewohnte Gängeviertel-Flair bot und mal wieder Laune machte – wie üblich bei Eintritt in selbst zu definierender Höhe auf Spendenbasis. Danke an BeyondBorders und alle Mitverantwortlichen!

Michael Jürgs – Seichtgebiete. Warum wir hemmungslos verblöden

Ex-„Stern“- und „Tempo“-Chefredakteur Michael Jürgs gelang 2009 mit dem in seiner Titelgebung auf Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ referenzierenden „Seichtgebiete“ ein Bestseller, in dem er nach Gründen für rückläufige gesellschaftliche Bildung und zunehmende Verrohung sucht und diese in den Medien, vornehmlich im Angebot der Fernsehsender zu finden gehabt glaubt. Auf rund 250 Seiten (Taschenbuch-Ausgabe, Goldmann-Verlag) beschäftigt er sich mit dem Thema, doch bereits auf S. 17 stolpere ich über die arg verkürzte Mutmaßung, sog. „brutale Killerspiele“ könnten echte Killer „produzieren“, was mich auf unschöne Weise an moralinsaure und weltfremde Computer-/Videospiel-Debatten erinnert. Und während ich mich weiter durch sein Werk arbeite und dabei bisweilen mit seinem Schreibstil – häufig separiert er Neben- als Hauptsätze, um dann wieder arg verschachtelte oder bandwurmartige Absätze zu generieren – bisweilen auf Kriegsfuß stehe, neigt Jürgs zu langatmigen metapherreichen Schwurbeleien, statt auf den Punkt zu kommen. Das kann durchaus anstrengend werden, verklärt jedoch nicht den Blick auf den Inhalt, dem immer dann zugestimmt werden kann, wenn inhaltsarme, fragwürdige TV-Formate auf- und angegriffen werden und sich diese Kritik auch auf den Print-Bereich erstreckt.

Verlässt Jürgs diesen Rahmen, greift er einzelne Beispiele gesellschaftlicher Missstände auf, die er anhand konkreter Ereignisse exemplarisch nachzeichnet. Das ist nicht wirklich empirisch, jedoch zweckdienlich, vor allem aber immer noch besser – weil realitätsverwurzelt – als müde seitenlange Phantasien, die offenbar lustig sein sollen, sich jedoch nach Füllmaterial anfühlen.

Inhaltlich ist „Seichtgebiete“ zum Teil bereits überholt, die Medienlandschaft hat sich seit Erscheinen weiter geändert, bezogen auf Sender wie Sat.1 und RTL dahingehend, dass man sich mittlerweile fast schon den Trash-Talk zurücksehnt, der ab den 1990ern zunehmend das Programm von mittags bis nachmittags bestimmte und mittlerweile komplett durch vermutlich noch billigere Doku-Soaps mit Laiendarstellern ersetzt wurde. Auch bezieht sich Jürgs positiv auf Thilo Sarrazin, dessen ausländerfeindliche Tirade „Deutschland schafft sich ab“ erst kurze Zeit später erschien. Für Dieter Bohlen und Stefan Raab hat Jürgs sogar vorsichtiges Lob übrig; von Kernenergie- und Arbeitgeber-Altkanzler Helmut Schmidt zeichnet Jürgs ein verklärtes Bild, das mehr einer Wiedergabe dessen Images gleicht, als dass es auf Fakten beruhen würde. Auch bei aller vorgetragenen Kritik an „Germany’s next Topmodel“ hat er das Konzept dieses schlimmen Auswuchses dümmlicher Fernsehunterhaltung offenbar nicht in Gänze verstanden, dichtet er Heidi Klum doch positive Eigenschaften und Verhaltensweisen im Umgang mit ihren Mannequin-Anwärterinnen an. Dass sie die entscheidende Rolle dabei spielt, den Willen Heranwachsender und Jugendlicher zu brechen, um sie dazu zu bringen, sich vor der Öffentlichkeit komplett lächerlich zu machen und in einen unerbittlichen Konkurrenzkampf um Oberflächlichkeiten mit Gleichaltrigen zu drängen, erwähnt er mit keiner Silbe.

Charlotte Roches gewiss streitbarem, aber eben auch an gesellschaftlichen Tabus rüttelndem Roman „Feuchtgebiete“ spricht er undifferenziert und vor allem unbegründet jegliche Substanz ab und untermauert damit seine befremdlich elitäre Forderung nach Aufsplittung der Print-Bestsellerlisten in eine für die Hochkultur und eine für den Pöbel. Mit einem solchen Elitarismus hält Jürgs sich ansonsten aber glücklicherweise weitestgehend zurück, begeht auch nicht den Fehler, Privatfernsehen generell zu verteufeln und erkennt und benennt z.B. auch den erfrischenden parodistischen Humor eines Pro7-Formats wie „Switch Reloaded“. Und wenn er auf S. 187 Literatur-Leidenschaft gekonnt in Worte kleidet, kann ich ihm nur beipflichten und zu dieser Fähigkeit zur Emotionalität beglückwünschen.

Dem Autor zustimmen möchte man auch während seiner Abrechnung mit Günter Struve, der in seiner Funktion als Programmdirektor der ARD zur Verflachung des Ersten Deutschen Fernsehens beitrug – mittlerweile ist Struve nicht mehr im Amt und die ARD gefühlt ein Stück zurückgerudert, doch erinnere ich mich an jene Zeit, in der ich der ARD wesentlich kritischer als heutzutage gegenüberstand und ohne, dass ich die Senderpolitik seinerzeit wirklich verfolgt hätte, liefert mir Jürgs quasi im Nachhinein Hintergrundinformationen und Argumente.

Irgendwie war es das dann aber auch schon fast. Die hochtrabend angekündigten „Auswege aus dem dumpfen Sumpf“ bleiben vage; die wichtige Rolle, die z.B. Subkultur dabei einnehmen könnte, ist Jürgs offenbar völlig fremd und sein Kulturbegriff bleibt unpräzise und lediglich grob umrissen – was wenig verwundert, wenn auch die Ursachenforschung oberflächlich bleibt. So verrät uns Jürgs kaum wirkliche Gründe für die Volksverblödung. Der Verweis auf die in der Nazizeit ausgeblutete kulturelle Intelligenz ist ein wichtiger, auch die Gängelung freier Kunst unter dem SED-Vorsitz in der DDR ist nicht von der Hand zu weisen. Doch Jürgs nennt nicht aktuelle Nutznießer, zeichnet kaum eine Entwicklung konsequent nach. Wie war das eigentlich genau mit der Einführung des Privatfernsehens, damals, unter Helmut Kohl? Welche Argumente aus wessen Munde sprachen dafür, welche dagegen? Warum genau ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen hinter Quoten her, ähnlich den Privaten? Wem nützt eine bildungsferne Masse ohne politisches oder gesellschaftliches Bewusstsein und ohne kulturhistorische Kenntnisse – und warum? Wie ist eigentlich die Medienbranche aufgeteilt, wer steht hinter Journaille und TV und welche Interessen verfolgen sie? Und wie bringen sie ihr Publikum dazu, ihr Angebot zu konsumieren und das anderer Anbieter auszuschlagen? Weshalb werden weder in den Öffentlich-Rechtlichen noch in den Privaten Systemfragen laut, welches politische Spektrum wird jeweils abgedeckt, was wird als Konsens verkauft und was nicht? All diese Antworten bleibt Jürgs schuldig, überwiegend stellt er nicht einmal diese Fragen. Möglicherweise ist er dann eben doch mit vielem einverstanden und möchte sich lieber mit Symptomen befassen denn mit Ursachen. Evtl. wäre damit auch einhergegangen, seine eigene Rolle z.B. als „Stern“-ChefRed kritisch zu reflektieren, was ebenfalls ausbleibt.

Damit ist mir „Seichtgebiete“ dann leider zu… seicht.

Cefischer – Oskar ist der Größte

C. Fischer, genannt Cefischer, war ein gefragter Pressezeichner und Illustrator, zeichnete darüber hinaus beispielsweise die Titel diverser Kinderbücher Erich Kästners. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs jedoch verlor er bei einem Bombenangriff beide Arme. Daraufhin brachte er sich das Zeichnen mit dem Mund bei und veröffentlichte regelmäßig in der Frankfurter Illustrierten die Abenteuer seines Katers Oskar in Comicform, woraus drei Bände für den Knaur-Verlag entstanden. „Oskar ist der Größte“ ist der dritte Band dieser Reihe. Das 98-seitige farbige Buch aus dem Jahre 1979 ist in drei Abschnitte aufgeteilt: „Oskar und Lumpi“ besteht hauptsächlich aus einzelnen, in sich abgeschlossenen Comic-Strips mit Oskars Hund Lumpi, in „Oskar wird Schloßherr“ erbt Oskar ein Schluss „mit Dienern und allem, was dazugehört“ und in „Oskars Seereise“ geht es auf große Fahrt, auf der Oskar und sein Diener schiffbrüchig werden und auf einer einsamen Insel stranden. In beiden letztgenannten Kapiteln bauen die aus ein bis vier Bildern bestehenden Comic-Strips aufeinander auf. Oskar und seine Familie sind vermenschlichte Katzen, während Lumpi – ähnlich wie Micky Maus’ Pluto – ein „echter“ Hund ist. Es handelt sich um Funnys, also karikierende, lustige Comics. Der Humor ist eher simpel und sehr familiengerecht, unbeschwert, bisweilen naiv, nie bissig. So kennt man es aus deutschen Zeitschriften und Magazinen der Nachkriegszeit; es ist schlicht nette Unterhaltung, die unangenehme Themen ausklammert. „Oskar ist der Größte“ ist ein nicht uninteressantes Zeitzeugnis jener Ära und dass Cefischer all diese Comics tatsächlich mit dem Mund gezeichnet hat, ringt mir höchsten Respekt ab.

Uli Stein – Feiern

2012 erschienener, gebundener Geschenkband des beliebten, omnipräsenten Cartoonisten Uli Stein aus dem Lappan-Verlag, das zahlreiche, sich auf einzelne Seiten beschränkende Comic-Gags zum Thema Feiern enthält und darüber hinaus mit nicht ganz ernstgemeinten Ratschlägen und Produktvorschlägen angereichert wurde. Manch müder Witz hat sich eingeschlichen, aber auch einige echte Lacher sind dabei und allgemein lässt sich viel schmunzeln. Obacht jedoch: Stein setzt sich vornehmlich mit typischen Spießer-Feiern auseinander, es geht also mehr um Themen wie Büffet und Etikette als ums Komasaufen oder Ausrasten. Und hier und da hätte vielleicht ein Lektor über die Texte schauen sollen.

Ernst Volland – Harte Tage mit Friedhelm

Grafiker und Karikaturist Ernst Volland veröffentlichte über den Rowohl-Verlag 1983 dieses Comic-Buch, das in recht einfachem, krakeligem Schwarzweiß-Zeichenstil kurze, sich über wenige Seiten erstreckende Anekdoten aus dem Leben des frechen, arbeitsscheuen Punks Friedhelm erzählt, für den Volland Sympathien hegt, die bisweilen aber auch selbstironisch bzw. selbstkritisch ausfallen. Nicht jede Pointe sitzt, der Großteil jedoch ist lustig und bissig genug, um kurzweilig gut zu unterhalten. Eine Art Ausläufer des Humors der ’68er-Generation, der sich der über Sponti-Bewegungen u.ä. schließlich der Punk-Subkultur öffnete.

Janosch – Der Wettlauf zwischen Hase und Igel

Vergnügliche Variante der berühmten, in Buxtehude spielenden Fabel aus der Feder des beliebten Kinderbuch-Autors Janosch aus dem Jahre 1984. Der Hase fordert den Igel heraus und hetzt durch Städte wie Brehm, Olmburch und Hammurch, während der Igel den Wettlauf schon längst wieder vergessen hat und Müßiggang sowie Geselligkeit mit seiner Frau genießt. Der Hase indes verletzt sich während seines Rennens und wird von Zweifeln geplagt, ob ihn der Igel nicht vielleicht hereinlege. Janosch nimmt auf diese Weise krankhaften Ehrgeiz aufs Korn und spricht ein Plädoyer für all diejenigen aus, die an so etwas überhaupt kein Interesse haben und sich lieber den Annehmlichkeiten des Lebens widmen. Die rund 30 Seiten lesen sich überaus sympathisch und wurden großflächig in Janoschs unverkennbaren Zeichenstil illustriert. Mein Exemplar ist im Dressler-Verlag erschienen.

11.02.2017, Gängeviertel, Hamburg: CHOLERA TARANTULA + EAT THE BITCH + STACKHUMANS

Drei Wochenenden hintereinander ins Gängeviertel? Logen, Aller. Diesmal lud die PunkbAR wieder in den kleineren Valentinskamp, der in Nullkommanix gewohnt voll war, sodass die STACKHUMANS aus Itzehoe vor amtlicher Kulisse den musikalischen Teil des Abends eröffnen konnten. Die Vier bretterten einen deutschsprachigen Hardcore-Punk, als befänden wir uns noch immer Anfang der 1980er. Prinzipiell ja meine Kragenweite, sowat, wenn auch in dieser Ausführung noch arg rudimentär. Die Band steht aber auch noch am Anfang und hat erst jüngst ihr Demo veröffentlicht. Textlich gibt man sich genretypisch radikal, gesellschaftskritisch und angepisst und verzichtet auf sprachliche Extravaganzen, wählt in Songs wie „Kotze über Deutschland“, „Extrem aber angenehm“ oder „Fickt euch!“ den jeweils direktestmöglichen Weg. Dabei holpert’s manchmal ebenfalls noch, dafür wirkt das alles aber ungekünstelt und authentisch. Mit „Itzetot“, einem Wortspiel, das mich an KAOS KABELJAUs „Todstedt“ erinnert, besang man die Heimat, zu der man offenbar ein ambivalentes Verhältnis hegt und bei „TV“ überraschte der Shouter am Ende mit spitzen Schreien. Noch erstaunlicher fand ich es aber, dass er in MINOR-THREAT-Leibchen gekleidet und mit X-Malereien auf dem Handrücken einen Song wie „Saufen to the max“ schmetterte – ist mir da irgendeine Ironieebene entgangen?

Gänzlich unironisch folgten EAT THE BITCH mit einem Heimspiel. Wenn mich nicht alles täuscht, begann man direkt mit einem nagelneuen Song, der noch nicht 100%ig rund lief, aber Bock auf mehr machte. Das folgte dann in Form eines Sets bestehend aus Songs des „Friss das!“-Demos und des „Desillusioniert“-Albums, das erwartungsgemäß gut knallte und von Sängerin Jonas aggressivem Gesang mit seinen melodischen Farbtupfern sowie ihrer zusätzlich anstachelnden ausdrucksstarken Mimik getragen wurde, zeitweise gesanglich unterstützt von Gitarrist Tim. Mit Freude nahm ich zur Kenntnis, dass mein Lieblingslied „Fressen & Kotzen“ wieder ins reguläre Set aufgenommen wurde und der neue Bassist sich offenbar bestens in die Band integriert hat. Unterbrochen wurde die Performance des textlich gut durchdachten, von negativer Weltsicht geprägten deutschsprachigen HC-Punks von einem laut Band uralten Stück (aus ANAESTHETIC-Zeiten?), das man nach langer Zeit mal wieder spielen wollte, jedoch so gar nicht hinhaute und kurzerhand abgebrochen wurde. Mit ARRESTED-DENIAL/COCK-UPS-Sascha wurde ich Zeuge dieser kleinen Panne und wir waren uns einig, dass es extrem sympathisch ist, dass auch mal anderen Bands ein solches Malheur passiert, haha. Dafür zog ein weiterer neuer, kämpferischer Fuck-You-Song (hieß der „Untergehen“?) mühelos die Veggiewurst vom Teller, da stimmte alles! Ohne Zugaben ging’s nicht von der Bühne und diesmal war ich beim Klassiker „I Saw You Die“ der NEUROTIC ARSEHOLES textlich auch auf der sicheren Seite, als ich kurz mitträllern durfte. 😉 Die Meute vor der Bühne lebte sich wie bereits zuvor kräftig beim Pogo aus, hier und ging mal was zu Bruch, nicht weiter wild – als zunehmend etwas nervig erwiesen sich lediglich vereinzelte Gestalten, die meinten, dabei ihren Rucksack aufbehalten zu müssen oder sich völlig unkoordiniert in erster Linie von der menschlichen „Bande“ um sie herum durch die Gegend stoßen ließen, weil sie regelmäßig in sie hineintorkelten. Die Folgen des Soli-Schnaps-Saufens, mit dessen Erlösen das „War In Your Head“-Festival im Mai mitfinanziert werden soll. 😀

An CHOLERA TARANTULA aus Bremen war es, den Abend zu beschließen und da mir die Band völlig unbekannt war, hatte ich auch nichts erwartet. Wie so oft in solchen Fällen wurde ich positiv überrascht. Grob würde ich den Stil als Anarcho-Punk mit recht eingängigen Refrains beschreiben. Das gehobene Grundtempo eskalierte immer mal wieder in Hektikausbrüche, z.B. beim genialen „Vergiftet“. Besonderheit ist sicherlich der gerade in den Strophen cleane Gesang des sehr souveränen, ab und zu einen irren Blick aufsetzenden Frontmanns, der den Songs trotzdem nichts von ihrer Wucht nimmt. „Freiheit statt Frontex“, der sich mit der unsäglichen europäischen Abschottungspolitik auseinandersetzt, und „Stop Eating Animals“, der wohl keiner weiteren Erläuterung bedarf, hießen weitere Songs, deren parolenhafte Refrains sich mühelos mitskandieren ließen. Noch einfacher machte es einem „Bullenterror“, der nur aus diesem einen Wort bestand und zudem ein echter Ohrwurm sowie offensichtlich großer Publikumsliebling ist. Kann man machen! An den Instrumenten waren CHOLERA TARANTULA überaus fit, da saß quasi jeder Akkord. Was mir erst im Nachhinein beim Hören ihres aufs Jahr 2013 datierenden Albums „Vergiftet“ auffiel: Lyrisch gibt man sich doch tatsächlich linguistischer Sinnbefreitheit in Form des „mensch statt man“-Neusprechs hin, wenn auch ohne es konsequent durchzuziehen. So redet (oder singt) doch kein Mensch ernsthaft! Im letzten Drittel wirkte es schließlich, als habe man den „Politteil“ nun abgehakt und verwandelte sich in eine Cover-Band, die mit „La Bamba“ Ritchie Valens Tribut zollte, um sich dann jedoch in Medley-Form Schlechtst of the Neunziger vorzuknöpfen und debile Geschmacklosigkeiten wie „Boom boom boom boom, I want you in my room“ oder „Herz an Herz, hörst du mich? S.O.S., ich liebe dich“ durchs Gängeviertel zu prügeln – zur besonderen Freude der vielen anwesenden jungen Mädels, offenbar allesamt ‘90er-geschädigt. Argh! Alles in allem aber war’s mir wieder ein außerordentliches Vergnügen und der eine oder andere Soli-Rubel dürfte locker zusammengesoffen worden sein.

06.02.2017, El Dorado (Gaußplatz), Hamburg: ANTI-CLOCKWISE + YALLAH

So ein Montag ist oft schon hart genug. Wenn man dann noch erfährt, dass es einen Kumpel dahingerafft hat, wird er noch beschissener. Ex-DMF-Basser Stef war am Wochenende plötzlich und unerwartet einem Herzinfarkt in seiner französischen Heimat zum Opfer gefallen. Spontan beschlossen wir vier verbliebenen Motherfucker daher, das Gaußplatz-Konzert seiner französisch-hamburgischen Freunde von ANTI-CLOCKWISE zusammen mit den Landsmännern von YALLAH aufzusuchen. Die meisten dort wussten längst Bescheid, andere noch nicht. Einige fanden tröstende Worte oder Gesten und unsere Stimmung puschten wir mit Bier. Wir hatten die Idee, noch vor YALLAHs Gig ein, zwei DMF-Songs, die Stef mit in die Band gebracht hatte, zu zocken. ANTI-CLOCKWISE-Fred vermittelte, dass wir das kurzerhand über YALLAHs Equipment tun konnten und so spielten wir nach einer kurzen Ansage zum Wie und Warum „Les Rebelles“ von BERURIER NOIR. Mehr als den Refrain am Schluss bekam ich aber nicht heraus, denn das Ding hatte Stef früher immer gesungen und ich kann kein Französisch, auch keiner der anwesenden Franzosen war textsicher genug. So steht man als Sänger schön blöd da. Anders dann bei „Cop Killing Day“, das Stef von seiner vorherigen Band SCHÖNES GLATTES FELL mitgebracht hatte, von der nur eine Woche zuvor bereits jemand das Zeitliche gesegnet hatte. Hat dann auch wirklich noch mal Spaß gemacht und war wahrscheinlich das Beste, das wir an diesem Abend tun konnten. Während unseres Auftritts ging dann wohl eine SMS ein, dass nun auch die letzten lebenserhaltenen Maßnahmen abgeschaltet worden seien. Bon voyage, Stef…

YALLAH traten dann in Trio-Formation mit, wenn ich mich nicht verzählt habe, 17 HC-Punks-Songs in Landessprache an, die mal vom Gitarristen, mal vom Bassisten gesungen wurden und ihren eigenen Stil mit Wiedererkennungseffekt hatten. Zeitweise ging das fast in Richtung Streetpunk, nur eben doppelt so schnell gespielt. Griffige Refrains ließen uns das eine oder andere Mal die Fäuste recken und auf Fantasie-Französisch mitgrölen. Den schwer schuftenden Drummer tauften wir Hans Guck-in-die-Luft, denn sein trotz allem irgendwie teilnahmslos bis verwundert wirkendes Gesicht reckte er i.d.R. gen Raumdecke oder sonst wohin, während der Ärmste zwischen seinem Mikro und der Mauer hinter ihm schrecklich eingeklemmt wirkte – was an seinem rasanten Power-Drumming indes nichts änderte. Drummer beobachten kommt sowieso meistens gut. Spitzen-Liveband jedenfalls, die von der gerade für einen Montag echt gut besuchten Platzkneipe zu Recht bejubelt wurde. Also LP eingesackt und das ANTI-CLOCKWISE-Album, das ich aus unerfindlichen immer noch nicht hatte, auch gleich mitgenommen.

Der totale Abriss folgte dann mit ANTI-CLOCKWISE. Ich verabschiedete mich von Kalle und Tentakel und blieb vor Ort, denn meine Vorsätze, nicht allzu lange zu bleiben, hatte ich längst mit Jever heruntergespült. Die international besetzte Band scheint mir live immer härter zu werden und diesmal war auch Freds asoziales Reibeisenorgan schön in den Vordergrund gemischt worden, so dass die HC-Punk-Songs ihr volles Aggressionspotential entfalteten. Nun wurde auch getanzt, mit Bier gespritzt, englische Textpassagen mitgebrüllt (gern auch direkt in die Bandmikros) und die Sau rausgelassen. Freds Frage nach der besten Punkband beantwortete ich wahrheitsgemäß mit THE CLASH, was die Band jedoch mit dem MOTÖRHEAD-Cover „Iron Fist“ erwiderte. Auch nichts gegen einzuwenden. Drei Zugaben wurden ANTI-CLOCKWISE abverlangt und eine davon dürfte THE ADICTS‘ „Viva la Revolution“ gewesen sein, wofür Freds Mikro dann auch direkt im Publikum rumging.

Aufs Trübsal scheißen und einen Abend feiern, wie er Stef gefallen hätte, das war die Devise. Mit der letzten Bahn trottete ich schließlich nach Hause und ließ schön meine Platten in ihr liegen – wie gewonnen, so zerronnen. Die Gewissheit, dass Stef tot ist und weder in Frankreich noch in Hamburg noch einmal glücklich werden wird, realisierte ich erst langsam nach und nach so richtig. Die nächsten Tage waren hart und bestimmt von Gedanken an die gemeinsame Zeit. Schon heute ist seine Beerdigung in Frankreich und niemand von uns hat es derart kurzfristig geschafft, ihr beizuwohnen. Dennoch wird jeder von uns auf seine Weise von Stef Abschied nehmen oder hat es bereits getan und ein Teil davon war ganz sicher dieser Abend, der sich stärker noch als andere Konzerte im Langzeitgedächtnis festsetzen wird. Zudem war dies der Abend, an dem wir es uns gegenseitig mit Handschlag schworen, es noch ein paar Jahre zu machen. Der Gaußplatz-Schwur – wer ihn bricht, ist des Todes! Danke an ANTI-CLOCKWISE, YALLAH und die Gaußbande für die Unterstützung sowie an Katharina, die unseren kleinen Tribut per Video festhielt:

04.02.2017, Gängeviertel-Fabrik, Hamburg: P.I.Y. PUNKROCK-KARAOKE

Punk-Karaoke, die Dritte: Diesmal hatte das Dresdner Trio Halt im Gängeviertel gemacht und die überaus gut frequentierte Fabrik zum Kochen gebracht. Das kann man fast wörtlich nehmen, denn die Temperaturen bewegten sich gen Siedepunkt und die Band mit ihrem von einer Pause unterbrochenen ca. vierstündigen Set schien irgendwann nur noch aus Schweiß und Instrumenten zu bestehen. Der mitgereiste Texteherausgeber machte mit SLIMEs „Deutschland“ den Anfang und diesmal gab’s auch keinerlei Berührungsängste seitens der Gäste; Schlag auf Schlag folgte eine Top-Performance auf die nächste, wofür man stets mit einem Pfeffi belohnt wurde. Meinst einzeln, bisweilen aber auch zu zweit oder zu mehreren gab’s ein buntes Potpourri quer durch die Stilrichtungen, von MOTÖRHEADs „Ace of Spades“ über WIZOs „Quadrat im Kreis“, „Fight for your Right (to Party)“ vonne BEASTIE BOYS und LOIKAEMIEs „Good Night White Pride“ bis hin zu „Anarchy in the U.K.“ von den SEX PISTOLS, THE CLASHs „Should I Stay or Should I Go“ und AUFBRUCHs „Abend in der Stadt“ – und vielem mehr. Der ehemalige ARRESTED-DENIAL-Basser gab „Basket Case“ zum Besten (woraufhin man den Shouter einer lokalen Hatepunk-Combo beobachten konnte, wie er jenen Pop-Punk-Klassiker angetrunken inbrünstig abfeierte…), irgendwer bog mit ‘nem Song um die Ecke, den anscheinend keine Sau kannte (war das evtl. „Lederhosentyp“ von HANS-A-PLAST?), TURBONEGROs „All My Friends Are Dead“ brachte die Bude ebenso zum Wackeln wie das unvermeidliche „Gotta Go“ der AGNOSTIC FRONT, EAT-THE-BITCH-Jona adaptierte einen THE-DISTILLERS-Song und gegen Ende lagen sich alle bei der PENNYWISE’schen „Bro Hymn“ in den Armen.  Ich ließ mich auch nicht lumpen und rotzte SLIMEs „Alptraum“ raus, nach der Pause musste KNOCHENFABRIKs „Filmriss“ dran glauben (dafür dann doch aufs Textblatt schielen zu müssen, ist mir natürlich äußerst unangenehm).

Die Stimmung war absolut fantastisch, den einzelnen Sängerinnen und Sängern wurde frenetisch gehuldigt, es wurde getanzt und mit Bier gespritzt. Manch einer sprang von den Brettern und sang/grölte/kreischte inmitten des Publikums, andere enterten die Bühne und sangen einfach mit. Auch die Band war von der Anzahl hervorragender Karaoke-Sänger beeindruckt, wobei es natürlich auch immer amüsant ist, wenn etwas schiefgeht oder jemand textlich und/oder stimmlich völlig neben der Spur liegt. Auch das gab es vereinzelt, doch ausgelacht wurde niemand. Überraschenderweise nicht dazu zählte ein schon zu Beginn heillos betrunkener Punk, der dadurch seinem GG-ALLIN-Song nur noch mehr Authentizität verlieh. Mit steigender Promillezahl reifte in mir die Idee, „Boys Don’t Cry“ in der SHEER-TERROR-Version zu growlen, wovon ich glücklicherweise dann doch Abstand nahm. Leider hat eine junge Dame diesen Song dann irgendwann völlig versaut, was zu meinem einzigen „Das hat das Lied nicht verdient!“-Moment führte.

Als gegen 1:45 Uhr Feierabend war, waren längst nicht alle drangekommen, es hätte wahrscheinlich noch eine ganze Weile so weitergehen können. Respekt an die Band für ihre musikalische Vielseitigkeit und ihr Durchhaltevermögen und danke an alle Beteiligten – insbesondere die BeyondBorders-Konzertgruppe – für diese göttliche Party!

Ich hab‘ kräftig Fotos gemacht und zwar nicht alle, aber doch die meisten irgendwie erwischt. Könnt ja mal schauen, wer sich hier wiedererkennt. Und wer in dieser Ehrengalerie lieber nicht auftauchen möchte, sagt mir bitte – am besten mit Dateinamen des Bilds – Bescheid, dann nehme ich’s heraus.

Nachtrag: Das Schraibfela-Fanzine hat ’n Video inkl. Interview-Passagen gedreht, das ich hier mal verlinke.

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